You Are Not Supposed To Say That! - Generation Overdose

Liebe. Ich liebe dich. Ich liebe sie. Ich liebe ihn. Oder es. Das Wort Liebe wird in der heutigen Generation im absoluten Ãœberfluss gebraucht. Nicht nur, dass eine bekannte Fast-Food-Kette…
You Are Not Supposed To Say That!

Generation Overdose

Liebe. Ich liebe dich. Ich liebe sie. Ich liebe ihn. Oder es. Das Wort Liebe wird in der heutigen Generation im absoluten Ãœberfluss gebraucht. Nicht nur, dass eine bekannte Fast-Food-Kette mit dem „Dadaa da dadaaaa, ich liiiebe es!“ wirbt (oder geworben hat), verändert sich, meiner Meinung nach, das Verständnis von Liebe generell immer mehr. Ehelicht eine 37-jährige Frau aus San Francisco letztes Jahr aus „grenzenloser Liebe“ den Pariser Eifelturm, wird das in die Kategorie Objekt- Fetischismus geschoben und gut ist’s. Wäre so etwas vor 50 Jahren denkbar bzw. möglich gewesen? Ich denke nicht.

Natürlich weicht das nun ein wenig von dem eigentlichen Grundgedanken ab, aber so weit entfernt ist es dann auch wieder nicht. Denn schließlich haben wir uns sicher alle schon mal dabei erwischt, als wir aus lauter Ãœberschwänglichkeit „Ich liiiiebe diesen Film“, oder „…meine neuen Chucks“ gesagt haben. Das ist auch völlig okay. Ich bin mir sicher, weniger als 1 % der Menschheit möchten ihre abgeranzten Sneakers heiraten.

Psychologen sprechen hierbei von sachlicher Liebe und grenzen es in der Bedeutung zu personeller Liebe ab. Aber ist nicht allein schon der Zusammenhang von Sachlichkeit und Liebe total gegensätzlich? Widersprüchlich? Ist Liebe doch etwas sehr persönliches, intimes und keinesfalls sachlich.

Dein Lieblingsfilm bleibt wohl für mehrere Jahre dein Lieblingsfilm, vielleicht auch für immer. Und deine neuen Chucks werden wohl auch bis zum bitteren abgefucktesten – und letztendlich untragbarsten – Zustand deine Lieblingschucks bleiben (bis sie dann durch ein neues, meist „noch tolleres Paar“ ersetzt werden). Doch ist es nicht eher so, dass du sie einfach nur unwahrscheinlich gerne anziehst? Sie magst? Du meinst Liebe nicht im wörtlichen Sinne, aber du sagt es. Unüberlegt und verschwenderisch. Und damit verliert das Wort „Liebe“ immer mehr an Bedeutung.

Vor allem in einer noch jungfräulichen Beziehung wird das Wort Liebe und die so oft sehnlich erwarteten drei Worte, öfters mal aus einer emotionalen, romantisierten Situation heraus gesagt. Meistens zu einem Zeitpunkt, wo man noch gar nicht begriffen hat, ob man diese Person wirklich liebt oder einfach nur das Verlangen nach ihr hat. Du sagst es, weil man es so von dir erwartet. Nicht, dass ich hier nun alles verallgemeinern will. Keinesfalls. Aber ist es nicht oft so, dass wenn der Partner erstmals diese besagten Worte ausspricht, man sich gleich gezwungen dazu fühlt es auch zu sagen? Du dich irgendwie schlecht oder seltsam fühlst, weil du es nicht sofort erwiderst? Oder noch nicht sagen kannst?!

Und ist man dann eine längere Zeit zusammen, macht man sich Gedanken, weil der Partner es nun schon „miiiindestens eine Woche“ nicht mehr gesagt hat. Oder zwei. Du zweifelst. „Liebt er mich überhaupt noch…? Ich glaube er hat eine andere!“ Ist das nicht irgendwie vollkommen bescheuert?! Gibt es doch mehr als tausend Möglichkeiten seine Liebe zu zeigen ohne direkt dieses, mittlerweile leider abgegriffene, „Ich liebe dich“ tagtäglich gebrauchen zu müssen. Niemand kann so wirklich verstehen oder erklären was Liebe ist, bevor er nicht diese eine Person getroffen hat, die ihm genau dieses unbeschreibliche Gefühl gibt. Die Person, die für deine Gefühlsausbrüche verantwortlich ist. Die dich zum lachen bringt, wenn dir zum heulen zumute ist. Das Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit. Die unausgesprochene Verständigung. Die Traurigkeit die man verspürt, wenn man jemanden für zwei Wochen nicht sehen wird. Manche verstehen allerdings darunter Perfektion. Kein Streit. Keine Meinungsverschiedenheiten. Keine Kritik an die eigene Person. Aber genau das ist Liebe. Through the good and the bad times.

Deshalb sollte man doch öfter mal nachdenken, bevor man das Wort „Liebe“ gebraucht und es nicht inflationär unter der Menschheit verbreiten, nur weil man den Erwartungen entsprechen will oder es eben gerade super in die Situation passt. Eine Freundin fragte mich vor kurzem, wann sie weiß ob sie „ihn“ liebt?? Ob sie verliebt ist? Ob er der “Richtige” für eine Beziehung ist?? Aber kann man so etwas erklären? Umschreiben vielleicht. Doch fühlt oder empfindet doch jeder Mensch Liebe anders. Auf seine Weise. Liebe lässt sich nicht pauschalisieren. Hattest du dreimal Sex mit ihm und willst ihn dann immer noch sehen ist das nämlich nicht gleich Liebe.

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13 Kommentare

  • Jan

    Super passender Text! Ich bin genau der gleichen Meinung, leider gibt es viel zu wenig, die dem Wort “Liebe” noch den genügenden Respekt gegenüber bringen…

  • Chavi

    mit der frage “ist der moderne mensch überhaupt noch fähig zu lieben?” wiederum beschäftigt sich erich fromm zu diesem thema sehr lesenswert in seinem werk “die kunst des liebens”. nur zu empfehlen!

  • Ich stimmt dir da durchaus zu. Deswegen benutz ich das Wort “ich liebe ..” nur noch mit Vorsicht.

  • vorx

    Der Punkt ist, dass doch gerade unsere Generation mit der Scheidung der Eltern konfrontiert war und demzufolge oft um die Liebe der Eltern kämpfen musste, wenn nicht sogar zum Spielball wurde. Es kann manchmal alles gut klappen, aber keine Scheidung bleibt ganz ohne Folgen.

    Da wundert mich die inflationäre Nutzung des Wortes “Liebe” heutzutage nicht mehr. Vielen fehlt ein Stück und man hat oft die Sehnsucht, geliebt zu werden, um wenigstens im eigenen Leben eine gewisse Kontinuität zu schaffen.

  • zimtsternin

    Sehr schön geschrieben. Dem ist nichts hinzuzufügen.

  • Danke, genau den Text brauchte ich grad!

  • Stefan

    Stimmt absolut. Ich finde auch, dass es irgendwo die falsche Art und Weise ist, seine Liebe nur mit diesem Satz auszudrücken. Viel mehr sollte der Gegenüber doch spüren, ob er geliebt wird oder nicht und nicht immer nur auf das “Ich liebe dich” warten.

  • Ich gestehe, ich habe diese Phrase zu oft in der Vergangenheit genutzt. Genutzt hat es trotzdem nichts, heute sage ich öfters das ich verknallt bin, oder beschreibe einfach nur den Zustand den ich habe wenn ich an gewisse Personen denken muss. Zum Beispiel habe ich vor kurzer Zeit jemanden kennengelernt den ich super klasse und noch viel toller als toll finde. Ich findes es toll was die Person macht wie die Person mir gegenüber sich verhalten hat was sie für mich gemacht hat, aber das ich sie deshalb liebe? Nein, eher nicht es ist für mich ein art verknalltheit oder schwärmerisches. Ich schweife ab, was ich eigentlich nur sagen wollte man muss viele Höhen und Tiefen mit jemanden geteilt haben um Behaupten zu können das man sie liebt. Alles andere ist nur eine temporäre Zuneigung, eben wie du beschrieben hast aus vielen romantischen Situationen herausentstehend. Aber das Herz ist eh nen Arsch.

  • charlotte

    für mich ist liebe nie mehr als ein moment gewesen.
    vlt war es nie liebe.
    aber es gibt keine definition und keine wahrheit dazu.
    vlt macht die inflation des wortes eine subjektive definition schwieriger, oder sie gesteht das es keine einzelne definition von “liebe” geben kann.

    auf jeden fall ein toller text. danke.

  • rubia

    Sehr schön geschriebener Text.

    Spontan zum Lieblingssatz erwählt, da mit vielen vielsagenden Erinnerungen verknüpft:
    “Gibt es doch mehr als tausend Möglichkeiten seine Liebe zu zeigen ohne direkt dieses, mittlerweile leider abgegriffene, „Ich liebe dich“ tagtäglich gebrauchen zu müssen.”

    Daher, egen die inflationäre Verwendung des Satzes “Ich liebe Dich” …

  • rubia

    “gegen” meinte ich natürlich ;)

  • marCORONA

    also ich liebe defenitiv chicken wings :D

  • caro

    @marCORONA: ja chicken wings sind grundsätzlich ne außnahme!! ;)

Strellson