Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht? - Das Berlin-Tagebuch

Hallo Deutschland! Das Jahr 2010 schreibt den 2. des Januars. Wir erfreuen uns unseres Lebens, träumen weiterhin von Weltherrschaften (Hannah zumindest ausschließlich) und masturbieren gewohnter Weise in regelmäßigen Abständen vor…
Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht?

Das Berlin-Tagebuch

Hallo Deutschland! Das Jahr 2010 schreibt den 2. des Januars. Wir erfreuen uns unseres Lebens, träumen weiterhin von Weltherrschaften (Hannah zumindest ausschließlich) und masturbieren gewohnter Weise in regelmäßigen Abständen vor uns hin. Nicht vorwiegend aus diesen Gründen, jedoch irgendwie, habe ich es geschafft, trotz meines relaxten Silvesters (ich und meine Badewanne = nur zu empfehlen) plus den nicht vorhandenen Neujahrssuff am nächsten Tag oral in der Kloschüssel zu verabschieden, zu verschlafen. Statt des grundsätzlich sowieso unrealistischen Ziels morgens um 6 Uhr das Haus zu verlassen wurde 20 nach neun. Für meine Freizeitverspätung relativ akzeptabel. Finde ich.

Mit dem ersten Schritt vor die Tür wurde ich dann allerdings erst einmal herzlichst durch einen Massenandrang von drei (!!) Löschfahrzeugen, Feuerwehrautos, zwei Krankenwagen, Polizei und ASB begrüßt. Feuer? Ãœberschwemmung? Verlorene Katze? Man weiß es bis heute nicht… Etwas irritiert, jedoch zielorientiert, kümmerte ich mich um meine Vier-Rad-Schneekugel, verlagerte kiloweise Schnee auf nebenstehende Autos, befreite unter Missbrauch von Liam und Noel Gallagher die letzten angefrorenen Reste von meiner Windschutzscheibe und dachte zwischenzeitlich darüber nach wie ich im Falle eines Brandes – in Kombination meines Tiefschlafs und dem unfähigen Pack an Nachbarschaft – lebend aus der dann wohl heißen Sache kommen könnte. Ich zweifele bis heute sehr daran…

Der Blick wieder auf die rote, Straßen einnehmende Karawane. Das seltsame an der ganzen Sache, was mich eigentlich erst so stutzig machte, waren die fehlenden Einsatzkräfte zu dem Auto-Scooter-Treffen – inklusive Opfer. Oder hab ich was verpasst und München Süd ist mittlerweile DER In-Treff für ausrangierte Einsatzfahrzeuge jeglicher Art? Egal.

Ich quetschte mich mit Mühe und Not aus meiner Parklücke und war bereit für die (zu der Zeit noch eingeplanten) 598 Kilometer puren Autobahngenusses. Doch schon an der ersten Ampel rief Kleinhirn an Großhirn: “Ladegerät vergessen! Bitte wenden! Bitte wenden!!” Gut. Auf die paar Minuten kommt’s nun auch nicht mehr an. An der Wohnungstür wieder angekommen klingelte ich dann, nachdem ich realisierte meinen Wohnungsschlüssel brüderlich neben dem Ladegerät liegen gelassen zu haben, meinen (an dieser Stelle nur in höchsten Tönen zu lobenden) verständnisvollen Vermieter aus den Federn und machte mich mit dem fehlenden Kleinzeug in der Hand das zweite Mal auf die Reise.

Während ich Sarah Kuttners “Mängelexemplar” lauschte, mampfte ich gemütlich mein zu kurz gekommenes Frühstück, postete mit meinem (mittlerweile internetfähigen Samsung-GT-52-xy-bla-bla-ich-kann-mehr-als-ein-Mensch-je-braucht-) Handy bei Facebook unsinnige Beiträge, telefonierte mit Mama und akzeptierte derweilen kilometerlange Staus. Bis zu dem Zeitpunkt, als mir meine Geographie-Kenntnisse mitteilten, dass Köln nicht auf der Strecke Richtung Berlin liegt. Na Prost Mahlzeit, Frau Schütz! Dass hätte Ihnen doch wohl auch schon 230 Kilometer zuvor einfallen können.

Etwas entsetzt, allerdings (noch!) belustigt über meine eigene Verplantheit, rief ich kurzerhand den Herrn Filmograf aus Köln an, der mich dann etwas überfordert und ebenfalls belustigt scheinend über die A2 Richtung Hannover lotsen wollte. Gelassen wie ich bin, rockte ich weiterhin die A3, wechselte dann aber eigenverantwortlich am Frankfurter Kreuz auf die A5 über Erfurt, Jena und war dann ziemlich exakt mit einberechnetem Tankstopp um 17 Uhr an dem Punkt, der mich dann schon innerlich ein klitzeklein wenig zum ausrasten brachte: 320 Kilometer nach München, 290 Kilometer nach Berlin. Und es war mittlerweile dunkel, die Straßen vereist und meine Laune knapp über dem Gefrierpunkt.

“Mängelexemplar” war mittlerweile durch – wie ich auch. Allerdings lies ich meinem Ego nichts anmerken, tankte nochmals auf und begann dann, wieder auf der A9 angekommen, mich dem Endspurt zu widmen. Ab diesem Zeitpunkt ging alles ganz schnell: Berlin Ortsschild. Schnee. Eis. Und massig rote Ampeln. Trotz mittlerweile fragwürdigen Orientierungskünsten wurde Marcels Domizil auf Anhieb wieder gefunden. Kurze Verschnaufpause und ab ins White Trash. Dort durfte ich dann dem großen Jeriko die Hand schütteln, mit Hasencore die Beck’s-Vorräte vernichten und mir letztendlich Gedanken darüber machen, wie das Wort “nett” zu bewerten ist. So echt “richtig” nett.

Tag zwei begann deshalb dann erst um die Mittagszeit. Wir nahmen an einem spärlich besuchten 1 Euro-Indoor-Flomarkt im .HBC teil: Coole Location, selbstgebackener veganer Kuchen und vergoldete Heizungen. Insgesamt interessant. Ist wohl der adäquateste Ausdruck dafür. Allerdings bin ich noch immer leicht zwiespältig von der Tussi mit dem unvorteilhaften 80er Retro-Einteiler, den anscheinend im Trend liegenden Skibrillen und dem Typ aus dem dunklem Hinterzimmer, der bis zum nächsten Morgen für mich Zeit gehabt hätte – was immer das auch heißen soll – irritiert…

Nachdem ich mir während des kurzen Bibber-Zitter-Eiskalt-Berlinrundgangs um den Prenzlauer Berg fast alles menschliche abgefroren hatte, ging’s dann irgendwann doch noch mit dem immer sympathisch grinsenden Malte auf einen Frühstück ähnlichem Snack ins Warme und wir rätselten gemeinsam über das rot-grüne Paprikagepampe, welches weder Marcel noch seine bezaubernde Untergebene anrührten. Am Abend zogen Marcel und ich uns noch “Lila Lila” mit Daniel Brühl und Hannah Herzsprung rein. Leichte Kost ohne Brüste und nackte Haut – eher ernüchternd.

Montag war geprägt von Kälte, essen, Kälte, shoppen, Kälte, Knie-Crash auf Glatteis am Ku’damm und Kälte. Zu guter Letzt wurde ich Opfer eines Wii-Abends, entdeckte mein Talent für das Fegen und drängte Marcel bis zum vierten Level immer wieder den von mir verabscheuten Irokesen auf.

Am Dienstag, meinem schon wieder Bye-Bye-Berlin-Abreise-Tag war ich kurzfristig noch auf geheimer Mission unterwegs. Um Leben zu retten, den Weltfrieden endlich herbeizuführen und Michael Jackson wieder aufleben zu lassen. Nach fünf Tagen und fast 2000 verfahrenen Kilometern war ich immerhin nur leicht knielediert wieder gesund und munter in München angekommen. Und ich kann euch sagen: Berlin, ich komme wieder. Das nächste Mal eventuell auf direktem Weg. Aber mal schauen…

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14 Kommentare

s.Oliver