Gefühle auf Rezept, bitte! - Hochgewürgt und ausgekotzt

Stelle man sich diese zwei überaus unattraktiven Worte umrandet von himbeerroter Farbe und mit etwas Metall dekoriert vor, bekommt man in etwa ein Bild von meinem momentanen Ich. Ich fühl…
Gefühle auf Rezept, bitte!

Hochgewürgt und ausgekotzt

Stelle man sich diese zwei überaus unattraktiven Worte umrandet von himbeerroter Farbe und mit etwas Metall dekoriert vor, bekommt man in etwa ein Bild von meinem momentanen Ich. Ich fühl mich beschissen. Schlecht und unerträglich. Ich hasse mich selbst. Nicht für das was ich tue oder sage, einfach für das was ich momentan bin. Ein gefühlloser Klotz an Innereien, Winterspeck, gerade noch ausreichender Muskelmasse um sich auf zwei Beinen halten zu können und Flüssigkeit.

Machen mich mein Studium, der Stress kurz vor dem Diplom und die Angst zu versagen zu einem Roboter ohne jegliches Herz? Bin ich nicht mehr fähig Liebe zu geben? Ein Unmensch? Ich? Der emotionalste Tränenautomat auf zwei Beinen?! Weiß ich doch nur zu gut, wie schön das Gefühl von Schmetterlingen in der Magengegend ist. Selbst wenn sich nach einiger Zeit die ersten
klammheimlich aus dem Staub machen und die rosarote Brille von den Äuglein gestupst wird, ist das Gefühl den einen Menschen um sich zu haben, der einen ausfüllt und ergänzt, durch nichts zu ersetzen.

Sich geborgen und angekommen zu sein zu fühlen. Bei jedem noch so verkackten Tag ist in seiner Gegenwart die Welt in Ordnung. Die Zweifel und Eifersüchteleien sind gut verpackt und unwiderruflich eingetaped in der Vergangenheitskiste begraben. Alles scheint so perfekt und unverbesserlich. Für eine lange Zeit. Und dann gelangt man plötzlich an einen Punkt, indem man sich falsch fühlt. Man realisiert nur noch Liebe zu nehmen und keine mehr geben zu können.

Man versucht diesen erbärmlichen Zustand zu verdrängen. Zu unterdrücken. An dem bereits vergangenen Stadium nur allzu sehr festzuhalten, das unglaublich schöne Gefühl, die niemals in Vergessenheit zu geratene Zeit; die wundervollen Momente voller Zweisamkeit und Vertrauen nicht gehen zu lassen. Es soll nicht vorbei sein. Es darf gar nicht vorbei sein! Wir beide – für immer! Gegen den Rest der Welt. Der Wille ist so stark es zu schaffen; auch die nicht allzu prickelnden Zeiten und Phasen im Leben gemeinsam zu durchlaufen. Doch irgendwann muss man kapitulieren, sich geschlagen geben, dass, so schön diese lange erfüllende Zeit war, es hier, an diesem Punkt vorerst wohl zu seinem Ende gekommen zu sein scheint.

Man sucht vergeblich nach Erklärungen. Selbstverständlichkeit? Gewohnheit? Äußere Umstände und all der Quatsch? Stochert in der Vergangenheit herum um die Ursache zu finden. Doch letztendlich bleibt einem nichts anderes übrig, allein aus Respekt dieser für einen über Jahre mehr als bedeutsam gewordenen Person, ehrlich zu sein. Ihm diese schrecklichen Gedanken zu offenbaren. In dem Bewusstsein ihn damit zutiefst zu verletzen und als zentralen Menschen in seinem Leben eventuell für immer verlieren zu können…

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