Das Ende einer Seelenverwandschaft - Hier ist mein neuer Freund

Gute Freunde sind mit Abstand das Wichtigste im Leben. Sie fangen uns bei Unheil auf, schützen uns vor all dem Bösen in der Welt und sichern uns selbst bei den…
Das Ende einer Seelenverwandschaft

Hier ist mein neuer Freund

Gute Freunde sind mit Abstand das Wichtigste im Leben. Sie fangen uns bei Unheil auf, schützen uns vor all dem Bösen in der Welt und sichern uns selbst bei den dümmsten Ideen ihre bedingungslose Unterstützung zu. Und während sich männliche Exemplare in Saufkumpane, Vereinsgenossen und Lochbrüder verwandeln und sich Frauen zu Kaffeekränzchen, Shoppingtouren und “Sex And The City”-Gedächtnis-DVD-Abenden treffen, soll es gerüchteweise sogar funktionieren, dass Jungs und Mädchen zu besten Freunden mutieren. Solange einer von beiden homosexuell ist.

Denn sind wir doch mal ehrlich. Gegengeschlechtliche Freundschaften enden meist in unkontrollierbaren Dramen, selbstmörderischen Depressionen und Hasstiraden, bei denen sich Satan persönlich die Ohren mit Kleister füllen lassen würde. Einer ist schließlich immer labiler als der andere und so werden aus lustigen Raufereien besondere Berührungen, Pyjamapartys Ringelpietz mit Anfassen und HDLs Versprechen der ewigen Herzenstreue. Und wenn der Typ seiner heimlichen Angebeteten erst einmal seine Gefühle offenbart ist Polen offen und die so platonische Liebe gehörig im Arsch.

Zu 99% will der mit offenherzigen Liebesbekundungen zugeballerte Seelenverwandte nun einmal keine Beziehung, zieht sich mit peinlich berührten Ähms und Ã-hms aus dem Gespräch, es wird geheult, es wird geredet. Die einst so lockere Umgebung verwandelt sich in ein Minenfeld aus richtigen Antworten und falschen Hoffnungen, übertriebenen Reaktionen und extremen Depressionen.

Meine katastrophale Vereinigung hörte auf den Namen Ana. Wir waren seelenverwandt, vögelten die heißen Sommernächte bei Muse und Mando Diao durch und genossen unsere lockere Mischung aus Liaison und Freundschaft. Bis, ja bis ich mich in sie verknallte und meine Innereien alles zerstörten. Was dann kam war die reine Hölle, die mich an der Menschheit zweifeln ließ.

Die folgenden Monate, gar Jahre, der Genesung sind eine einzige Feuerprobe, in der man ständig her gerissen zwischen möglicher Freiheit und mentaler Abhängigkeit einen immer wieder kehrenden Teufelskreis rauf und unter rennt. Weil vielleicht bekommt man sie ja doch noch irgendwie rum. Aber andererseits soll’s doch wie früher werden. Und ganz ehrlich: Wenn er mich nicht will, ist er selbst Schuld. Ich habe was besseres verdient. Aber diese süßen Sommersprossen..

Und wenn man es dann doch mit seelischen Narben, so groß wie der Nil, endlich aus der psychischen Misere geschafft hat, das wackelige Kartenhaus aus Verständnis, Realismus und gutem Menschenverstand zusammen geschustert und vor einem Tribunal beschwören könnte, dass man drüber steht, stärker ist, sich sowieso schon anderweitig umsieht… dann steht plötzlich der neue Freund deiner ehemals besten Verbindung vor dir. Und du willst einfach nur einen Massenmord begehen…

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