- Blut und Tränen

In jener Nacht hatte ich einen gar tragischen Traum, dessen abruptes Ende mir noch Stunden nach dem schweißgebadeten Aufwachen ganz tief im Mark saß. Ich torkelte in die Küche, schüttete…

Blut und Tränen

In jener Nacht hatte ich einen gar tragischen Traum, dessen abruptes Ende mir noch Stunden nach dem schweißgebadeten Aufwachen ganz tief im Mark saß. Ich torkelte in die Küche, schüttete Milch und Cornflakes in eine Schüssel und sah immer noch ihr leichenweißes Gesicht, das ich ganz fest an mich drückte und dabei die halbe Stadt zusammen schrie, direkt vor mir. Dieser eigenwillige Geruch lag immer noch in meiner Nase und ich schaute an mir herab, damit sich das Blut, das ich gerade noch aus den Augenwinkeln erkennen konnte und das meinen halben Körper zu bedecken schien, als ein zynisches Spiel aus Licht und Schatten offenbarte.

Als ich den Löffel hinein tauchte und eine Ladung nachgemachter Smacks zu meinem Mund führte, erkannte ich die Gesichter der Nacht wieder, die mit mir vor dem Club ihren Namen schrieen, ganz laut. Immer und immer wieder. In der einen Hand hielt ich mein Handy, in der anderen die Tequilaflasche. Die Menschen um mich herum erzählten einander, sie solle total betrunken mit einem mehr als zwielichtigem Typen aus dem Melo verschwunden sein, nicht mehr Herr über ihren Kopf. Ich schrie um mein Leben. Ihren Namen. Umso lauter ich schreien würde, umso mehr würde sich alles zum Guten wenden – da war ich mir sicher.

Jetzt das Fenster zu öffnen war eine gute Idee fand ich. Die kalte, frische Luft umspülte meine pochenden wunden Gedanken und ich versuchte die Erinnerungen zu verscheuchen, wie mir der Weg zu ihr gezeigt wurde, ich rannte, ich heulte. Und als ich um die Ecke bog und sie dort in einem versifften Hinterhof so wehrlos liegen sah, war alles vorbei. Alle Gefühle dieser Welt konzentrierten sich in diesen unwirklichen Moment hinein, wie ein Schuss, ein Knall, ein Schlag. Ich rannte zu ihr, schrie Worte, die es gar nicht zu geben schien, aber so laut, dass ich hoffte, sie würden noch zu ihr durchdringen. Die Gesichter um mich herum verschmolzen zu einer riesigen Pampe aus Mitleid, als ich sie so fest an mich drückte, bis alles um mich herum platzte. Ich verschluckte mich an Blut und Tränen und das letzte was sich in meine Gedanken brannte, war das Bild ihres unglücklichen friedlosen Gesichtes, dessen glanzlose Augen mich als Denjenigen zu ermahnen schienen, der nicht bei ihr war, als es geschah. Dann war ich wach.

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Topman

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