- Die leere Rebellion

Ich bin mir nun endlich im Klaren darüber, wieso in mir so eine Leere herrscht. Wieso ich mich selbst gegen die schönsten Dinge dieser Welt wehre, stemme. Wieso ich gegen…

Die leere Rebellion

Ich bin mir nun endlich im Klaren darüber, wieso in mir so eine Leere herrscht. Wieso ich mich selbst gegen die schönsten Dinge dieser Welt wehre, stemme. Wieso ich gegen Schule, Arbeit und die Liebe rebelliere, obwohl sie für mein Wohl bestimmt zu sein scheinen. Warum ich nicht glücklich sein kann. Mir fehlt etwas. Mir fehlt ein Grund, um zu kämpfen.

Unterdrückung, Ungerechtigkeit, unsinnige Regeln. Die internationale Geschichte zeigt uns fast mahnend unzählige Punkte auf, in denen Menschen Gründe gefunden haben, um zu kämpfen, um sich stark zu machen. Für sich selbst, für andere. Gegen den Staat, gegen die Obrigkeit, gegen die Arschlöcher. Das schweißte zusammen. Dieser Kampf war für viele der Grund überhaupt zu existieren. Und die Freikarte für einen Eintrag in die Geschichtsbücher. Nur wer sich gegen die Regeln anderer stemmt, wird nicht vergessen.

Und was ist mit heute? Es gibt doch genügend Brandherde, an denen man sich laben kann. Sei es nun der Kommerzwahn. Die Globalisierung. Was ist mit Tierquälerei? Seien es Themen wie Scientology, Überwachung oder Neo-Sozial-Nationalismus. Überall auf der Welt, überall in unserem Land gibt es Ungerechtigkeiten, die uns zwingen sollten zu handeln. Aber es macht keiner. Es fehlt der gemeinsame Feind.

Ich sitze mitten in Berlin. In der Stadt, die geradezu ein Synonym für den Kampf der Gerechtigkeit ist. Aber ich spüre nichts. Bevor ich hier ankam, hatte ich noch die Hoffnung diesen einzigartigen Duft von Revolution, von emotionaler Größe, von Rebellion in mir aufnehmen zu können. Aber ich finde ihn nicht. Wo ist er hin?

Das fehlt mir. Dieser Funke. Dieser Grund zu rebellieren. Ich bin frei. Wir sind alle frei. Freiheit. Wir sind so scheiße frei, dass wir angefangen haben gegen uns selbst zu kämpfen. Als einziger Ausweg aus dieser Leere. Wir ritzen, wir kotzen, wir trinken. Wir verletzen uns selbst, um so zu kompensieren, dass es nichts mehr auf dieser Welt gibt, um das es sich noch zu kämpfen lohnt.

Kein Wunder, dass wir deshalb in unserem falschen Wahn lieber den alten Jungen auf der Kinderschokolade zurück wollen, anstatt den Staat für seine aus dem Ruder gelaufene Überwachungspläne den Stinkefinger zu zeigen. Dass wir uns bevorzugter Weise tapfer gegen Untote in Azeroth stellen, anstatt Pläne zu schmieden, wie wir etwas gegen die Ausbeutung der Dritten Welt unternehmen können. Oder dass wir unser Glück lieber im Alkohol und den Drogen suchen, anstatt sich den wahren Problemen des Lebens zu stellen. Ich bin enttäuscht von mir, von euch, von allen, die untätig rumsitzen und wegschauen.

Aber wir können nichts dafür, ihr könnt nichts dafür. Das Opium fürs Volk ist gewichtiger und geliebter denn je. Der Staat, die Medien, die Großkonzerne. Die wahren Gefahren und Probleme werden gekonnt getarnt, so dass gar nicht mehr der Wille auftritt, irgendetwas ändern zu wollen. Ist doch sowieso alles scheiß egal. Was können wir schon ändern, nicht wahr? Und trauen kann man auch keiner Sau mehr. PETA schlachtet selbst Tiere ab, die Spendenorganisationen sind doch sowieso alles Betrüger und jeder, der einen auf der Straße anspricht will einen entweder in eine Sekte ziehen oder Geld für Schnaps haben.

Ich spüre eine Leere in mir. Die unerfüllte Wahrheit einer leeren Rebellion. Und ich habe Angst davor, auf der ewigen Suche nach einem gebürtigen Gegner gefangen zu sein. Unzählige Pseudokriege gegen unwichtige oder sogar wohlgesonnene Themen und Leute zu führen. Ja, irgendwann sogar mich und die Menschen, die ich liebe, deswegen zu verletzen. Lassen wir es nicht so weit kommen. Erheben wir unsere fette Ärsche, schalten RTL aus und legen die BILD-Zeitung weg und rebellieren wir gegen die Ungerechtigkeiten in der Welt. Denn nur wenn Stimmen sich erheben, wird sich etwas ändern. Und wer weiß, liebe Freunde, vielleicht liegt die nächste große Unterdrückung ja in gar nicht so entfernter Zukunft. Aber dann bitte ich euch um eins: Wenn es soweit ist, müssen wir bereit sein.

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13 Kommentare

  • du hast alles gesagt, ich kann dir nur zustimmen. so traurig wie es auch leider ist.

    “Wenn es soweit ist, müssen wir bereit sein”:
    ich werde sicher nicht zoegern :)

  • Also ich wäre ja dafür, auf die Straße zu gehen um zu sagen: Hallo Kultusministerium… ihr seid mitschuld an der Generation “Doof”.

  • Ines

    Sehr schöner Text. Erinnert mich ein bisschen an die Frage, die ich letztens irgenwo gelesen hab, warum es heute keine Jugendrevolutionen mehr gibt. So wie früher.

    “Wir sind so scheiße frei, dass wir angefangen haben gegen uns selbst zu kämpfen.” Das stimmt auf jeden Fall. Doch ich finde immer noch, die erste Rebellion findet im Kleinen statt – wenn ich nicht bereit und in der Lage bin, mich selbst zu verändern (was im übrigen tatsächlich das Allerschwerste ist), dann werde ich auch außerhalb nicht viel erreichen können.

  • Santa Klaus Kinski

    Revolution ist eine Sache – aber das eigentliche Problem geht in meinen Augen noch viel weiter. Ich finde noch nicht einmal schlimm, dass man gegen belanglose Sachen “protestiert” (sind jemals Menschen auf die Straße gegangen, weil der neue Kinder-Schokoladen-Bub “unkultig” aussieht?).

    Zunächst sollten die Menschen bitte erst einmal aufhören, alles, was “größere Mächte” uns vorkauen, zu schlucken. “Wir” sind naiv geworden. Wenn gehandelt wird, dann nur, weil es zum Konsens mutiert ist. Es ist en vogue, Obama zu lieben. Chinas Politik für unmenschlich zu halten. Oder Radovan KaradžiÄ“¡. Erst jetzt, wohl gemerkt. Dabei macht man es sich viel zu einfach. Es fehlen Hintergründe zu den Themen, das Ganze ist so einseitig und dabei halten sich die Menschen für unparteiisch. Und nein, auch wenn bp (a.k.a. Aral in Deutschland; einst “British Petroleum”, jetzt “Beyond Petroleum”) Umweltschutz-Spots geschaltet hat, es ist immer noch kein Happy-Happy-Häschenhoppelaufderwiese-Unternehmen. Beileibe nicht.

    Klar, manchmal funktioniert “der Konsens”. Dass das VIVA-Logo zum Beginn des Irak-Krieges gegen das Friedenssymbol ausgetauscht wurde, finde ich damals wie heute gut (aber dass dieser Krieg eine einzige Farce ist, war nun wirklich offensichtlich).

    Ansonsten gilt jedoch: Hinterfragen! Immer hinterfragen! Nicht unbedingt alles von vorneherein scheiße finden, aber wenigstens für einen Moment inne halten und sich fragen: “Aber wenn…?”
    Ich gehe sogar so weit und rufe dazu auf, diese PETA- und Unicef-Geschichten , auf die du verlinkst, nicht sofort zu glauben, sondern die Probleme auf eigene Faust zu erkunden. Für ein paar mehr Minuten. Wozu haben wir das Internet? Man kann eben keiner Sau trauen, wie du selbst sagst.

    Das gilt natürlich nur, wenn man denn überhaupt einen “Anspruch” auf eine unabhängige Persönlichkeit haben möchte. Das ist auch etwas, was mir erst richtig bewusst wurde, als ich für ein paar Wochen in Berlin gelebt hatte: dort wirkt alles so wunderbar rebellisch, aber seit H&M Totenkopf-Tops verkauft werden, schwimmt die ganze Substanz irgendwo in einer belanglosen Stylesuppe mit.

    Sicher, der Mensch versucht seine innere Leere zu füllen. Das ist aber nichts Neues, darüber haben sich schon viele Philosophen ausgelassen. Dies wird jedoch immer extrovertierter gehandhabt. Früher hat man im schlimmsten Fall arme Frauen vergewaltigt, jetzt sich selbst. Das Streben nach Rebellion ist auch nur ein Mittel, seine Leere zu füllen. Ebenso wie Fresssucht. Aber hey, es können nicht alle ein Gegenmittel gegen AIDS entwickeln. Man muss es akzeptieren und nicht als widerwärtig empfinden.

    Man muss etwas gegen den Wahnsinn in der Gesellschaft unternehmen, da gehe ich voll d’accord mit deinem Text. So lange jedoch Geld und Triebtäter existieren, so lange man sich Gedanken darüber macht, ob Microsoft oder Apple gut sind, ob man Schoko- oder Vanillepudding oder beides essen will, während andere sich kein Brot mehr leisten können, wird das nicht einfach sein. Wem das Streben nach “mehr” missfällt, dem stellt sich einzig und allein die Frage, ob man diesen Unsinn noch mitmachen möchte. Und wenn ja, wie man den Idioten wenigstens das Leben schwer macht. (Der Mensch muss Glück empfinden. Egal wie.)

    (Hinweis: Dies sind nur erste, nicht vollständig elaborierte Gedanken.)

  • Santa Klaus Kinski

    P.S. Der Mann heißt ohne Sonderzeichen Radovan Karadzic, damit das hier mal richtig dargestellt wird. Und ich sehe oben seit Tagen eine Fehlermeldung.

    “); } function showBadge1(){ var rand = Math.floor(sets.length*Math.random()) document.write(“”); } function showBadge2(){ var rand = Math.floor(sets.length*Math.random()) document.write(“”); } function showBadge3(){ var rand = Math.floor(sets.length*Math.random()) document.write(“”); } function showBadge4(){ var rand = Math.floor(sets.length*Math.random()) document.write(“”); } function showBadge5(){ var rand = Math.floor(sets.length*Math.random()) document.write(“”); } // –>

  • Marcel

    @ksch: Okay, wenn die nächste Diktatur in Deutschland ansteht, möchte ich auf dich bauen können ;)

    @Chrissy: Na dann hopp, worauf wartest du?

    @Ines: Sich verändern, sich selbst entwickeln ist gut. Aber irgendwann sollte man mit sich zufrieden sein und anfangen seinen Ewigegoismus hinter sich zu lassen.

    @Santa Klaus Kinski: Ich glaube das Problem warum die Menschen müde geworden sind zu hinterfragen ist die schiere Masse an Informationen, Werbung und gequirlter Scheiße, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind. Wir haben schier einfach nicht die Zeit den Dingen auf den Grund zu gehen, besonders in der heutigen Zeit, in der man aufgrund von Arbeit und Kultur am besten alles können und handhaben muss. Den Leuten fällt es schwer, sich mal auf eine Sache voll und ganz zu konzentrieren und einzulassen. Und selbst wenn sie es probieren prasselt in der nächsten Minute wieder ein neuer Haufen an Informationen und Möglichkeiten auf einen herein. Kein Wunder, dass ihnen dann irgendwann alles zu viel und egal wird. Leider.

    PS: Wegen der Fehlermeldung, welches Betriebssystem und welchen Browser nutzt zu denn, ich kann den Fehler leider nicht nachvollziehen.

  • Ich lass euch erstmal die dritte Welt retten,…

  • @marcel: hahaha ok :D

  • Die Fehlermeldung bei mir: “); } // –>
    Firefox 3.0.1 unter Windows Vista.

    (Zum Thema habe ich viel zu sagen, jetzt aber gerade – Teil des Problems, wie oben schon erwähnt – keine Zeit.)

  • Marcel

    Auf die Gefahr hin jetzt total offtopic zu werden, aber ist die Fehlermeldung jetzt immer noch da? Bei mir war sie jetzt kurz auch zu sehen, dann hab ich was verändert und jetzt ist sie weg. Können mir das alle bestätigen oder sieht sie noch jemand?

  • Santa Klaus Kinski

    Setzen wir es einfach in Klammern.

    (Jetzt sehe auch ich nur noch das: “); } // –!>
    Bin mit dem unsäglichen Windows Vista gesegnet. Firefox 2.0.0.16, AdBlockPlus ist auf amypink.com deaktiviert.)

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