- Zoologischer Garten

“Sina heißt eigentlich anders, so wie alle Jugendlichen hier anders heißen wollen, wenn sie überhaupt sprechen. Vielleicht, weil die Eltern sie suchen, vielleicht auch eher die Polizei. „Vermisstenanzeigen gibt es…

Zoologischer Garten

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“Sina heißt eigentlich anders, so wie alle Jugendlichen hier anders heißen wollen, wenn sie überhaupt sprechen. Vielleicht, weil die Eltern sie suchen, vielleicht auch eher die Polizei. „Vermisstenanzeigen gibt es hier selten“, sagt Ingo Tuchel, seit 15 Jahren Streetworker. Sina hat braune Haare, einen Mittelscheitel, aufgesprungene Lippen, eine kurze schwarze Jacke mit Fellkapuze. Die Spritzen verschwinden in einem Brustbeutel, der so aussieht wie die Brustbeutel, die Mütter einem für Klassenfahrten aufschwatzen wollten. Sie ist klein, zerbrechlich, weiß. Sie spricht deutlich und höflich, lacht auch zwischendurch, als Jan sie damit aufzieht, dass sie zu viel reden würde. Sie wirkt klar und einfach nur wie ein viel zu dünner Teenager, wären da nicht diese Augen, von denen man oft denkt, dass sie ein Junkie-Klischee seien: tiefe dunkle Höhlen, eine fahle, stumpfe Ausdruckslosigkeit und Pupillen, so klein wie Stecknadelköpfe. Sie sagt, sie sei 19. Sie sieht jünger aus.

Mittlerweile verdrückt Sina 50 Euro am Tag. Woher das Geld kommt? „Schnorren“ und „Scheiße bauen“. Später wird ein Junge sagen, dass er Sina zumindest öfter an der Kurfürstenstraße gesehen hat. Dort ist der Mädchen-Strich. Um 21.34 Uhr fährt vom Bahnhof Zoo ein Zug nach Paris. Mit Uhrzeiten hat Sina es nicht so. Nur die innere Uhr ist wichtig und immer da und erinnert sie daran, dass der nächste Druck kommen muss. Ihre Armbanduhr war vor vier Jahren das Erste, was sie gegen Heroin getauscht hat.”

Bahnhof Zoo – Ewige Endstation. Jeden Tag bin ich am Zoologischen Garten und die dunkle Seite Berlins liegt nur einige Meter von mir entfernt. Ein berührend schöner Bericht des Tagesspiegels über das Elend und das Erbe der Christiane F.

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5 Kommentare

  • Ja und dann kommt RTL, macht ne “Doku”-Serie… by the way: Heut kommt Teenager außer Kontrolle ^^ :D

  • du musst am bahnhof ja nur mal hinten lang laufen, da stehen so viele junge, männliche stricher, es ist erschreckend…

  • Wie nah dieses andere “krasse” Leben, das wir nicht kennen, am eigenen Leben dran ist, ist erschreckend.

  • Marcel

    Ja das stimmt.. Vielleicht will ich aber auch manchmal gar nicht wahrhaben, dass es so ein Elend gibt. Dann müsste ich bei jedem, den ich in der Stadt rumlaufen sehe denken: Ui, ist der ein Junkie? Geht die auf’n Babystrich? Ist der ein Zuhälter..? Oh man, man merkt, dass ich in ‘ner Kleinstadt aufgewachsen bin.. :D

  • Da ich noch nicht über einen längeren Zeitraum in Berlin war, hab’ ich meine heftigsten Junkie-Erfahrungen in London gemacht. Wir waren als Schulklasse im billigsten Motel Londons untergebracht, welches außer uns nur Asylanwerber und Gastarbeiter bewohnten. Wenn wir uns also nachts auf dem Weg zum Piccadilly Circus machten (da tobt wirklich jede Nacht das pure Leben), mussten wir auch durch etliche Nebengassen und die geistig abwesenden, sich krampfartig bewegenden Personen, nicht in der Lage den Blick oder die Gedanken auf eine Sache zu fixieren und entweder völlig apathisch oder aggressiv, die uns da begegneten, waren vielleicht eine Erfahrung, die man machen sollte, aber sicher keine, die man machen möchte.

Mister Spex