- Urbane Penner

Da sitzt er vor uns mit seinem dunklen Anzug und seinen nach hinten geschniegelten Haaren. Als wir gerade im Begriff sind, an dem zerfallenen Hauseingang vorbei zu gehen, hören wir…

Urbane Penner

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Da sitzt er vor uns mit seinem dunklen Anzug und seinen nach hinten geschniegelten Haaren. Als wir gerade im Begriff sind, an dem zerfallenen Hauseingang vorbei zu gehen, hören wir seine schwer verständliche Stimme. Mit langsamen und bedachten Worten erzählt er uns, dass er seit Tagen nichts gegessen hätte und fuchtelt dabei in Zeitlupe mit seinen Händen in der Gegend herum. Wir spielen unser Standardprogramm ab. Wir wären arme Studenten, es täte uns leid, wir hätten’s selber nicht so dicke. Das hätten wir mit ruhigem Gewissen gesagt, wenn wir nicht gerade auf dem Weg zu Mc Donald’s gewesen wären. Schmecktakel. Als wir weitergehen hören wir ihn noch jammern, keiner hätte Geld. Jeder ginge nur vorbei.

Als wir vor der Theke stehen packt uns das schlechte Gewissen. Ich sehe Mona in die Augen, sie guckt zurück, als wisse sie genau, was ich jetzt sagen will. Ich zähle das Kleingeld in meiner Hand ab. “Und noch zwei Cheeseburger”, sage ich zu der blonden Verkäuferin. Wir hatten wirklich das Gefühl etwas Gutes zu tun. Mit blöden Cheeseburgern. Doch als wir wieder an dem Hauseingang ankommen, war er schon weg. Minutenlang stehen wir so da. Es tat uns leid.

Superdry

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NA-KD

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6 Kommentare

  • no mercy!
    kein mitleid, echt es tut mir leid wenn das jetzt kaltherzig klingt aber für ich kann in solchen situationen kein mitleid empfinden!

    ja sicherlich sind das schreckliche lebenschiksale die sich einem da offenbaren aber in einem “sozialstaat” wie wir ihn haben muss keiner auf der strasse sitzen…

    sütze und hilf gibs vom staat nicht nur “ausreichend” finanziell sondern auch in form von männerwohnheimen mit richtiger betreuung!!!

    sicherlich klingt das jetzt arschlochig, aber ja ich hätte auch 2 cheesburger gekauft und sie ihm vor der nase aufgegessen…

    ich habe mehr mitleid mit alleinerziehenden arbeitslosen die ihren kindern nichts bieten können… nicht mal genug zu essen…

    typen die ihr hartz4 versaufen und dann für den nächsten eintritt ins delirium betteln sind bei mir unten durch…

    guten hunger…

    und jetzt hasst mich gefälligst für meine arschlogige haltung

  • Helfen, tolerieren, ignorieren, demütigen – jedem seine eigene Moral.

  • Sonja

    @ basti: ganz ehrlich, was du hier grad geschrieben hast, ist vorschnell geurteilt… du hast keinerlei hintergrundinformation über den mann und stempelst ihn als “typ der sein hartz4 versäuft” ab… wer nicht selbst in so einer situation war, hat meiner meinung nach nicht das recht, diese menschen zu verurteilen!

  • Christian

    Die Szene erinnert mich an ein kürzlich gelesenes Buch…

    .. wie dem auch sei: Tolle Aktion.

  • @Sonja ich sehe das ganze viel pragmatischer… Wir leben in einem Sozialstaat in dem niemand hungern muss… Es gibt immer möglichkeiten und weg aus der Misere raus! Ich habe mein Zivi in einem Männerwohnheim in Magdeburg geleistet und ich weiss was ich rede und ich kenne mehr Leute die so geendet sind und das IMMER auch aus eigener Schuld! Oder zumindestens mit der Schuld nichts dagegen zu tun!

Superdry