- Mein persönlicher Kreuzzug

Der Himmel über’m Alex ist grau, die schweren dunklen Wolken scheinen am Fernsehturm zu kratzen – das perfekte Wetter, um hier meinen persönlichen Kreuzzug durchzuziehen. Seit über einem Monat sind…

Mein persönlicher Kreuzzug

Der Himmel über’m Alex ist grau, die schweren dunklen Wolken scheinen am Fernsehturm zu kratzen – das perfekte Wetter, um hier meinen persönlichen Kreuzzug durchzuziehen. Seit über einem Monat sind Jenny und ich kein Paar mehr. Sie ist jetzt glücklich mit ihrem neuen Freund zusammen, während ich mich durch schlaflose Nächte, quälende Gedankenorgien und der falschen Hoffnung, die mich lachend und voller Häme zu verarschen scheint, prügeln muss. Ich bin kein Süchtiger. Ich bin nicht süchtig nach Drogen, nicht nach Haschisch, nicht nach Zigaretten, nicht nach Videospielen, auch nicht nach Alk. Sucht hatte ich bereits als kleines Kind als Schwäche angesehen. Aber wenn ich nach einem süchtig zu sein scheine, dann nach Mädchen, die mich verlassen haben. Ich verliere nicht gerne Menschen, die mir viel bedeuten. Mit so etwas kann ich einfach nicht umgehen.

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Was mein Türkheim bei Ana war, ist das Alexa-Einkaufszentrum bei Jenny. Ich sehe uns heute noch, wie wir lachend und uns im Arm haltend die großen Tore durchschreiten, nach DVD’s schauen, nach Games, nach Ringen. Eine dunkle Aura scheint das Gebäude zu umgeben, als ich vor ihm im Regen stehe. Als ich es betrete, gibt mein iPod seinen Geist auf. Ich bin drinnen. Seit über einem Monat war ich nicht mehr an diesem Ort, hatte es vermieden hierher zu pilgern. Zu groß waren einfach die schmerzhaften Erinnerungen. Doch jetzt muss damit endgültig Schluss sein, sagte ich mir. Sagte meine Vernunft. Ja, sagte sogar mein geschundenes Herz.

Ein Monat war genug, um ihr hinterher zu trauern, unsere so perfekt scheinende Beziehung zu vermissen. Es wurde Zeit zu akzeptieren. Zu akzeptieren, dass ich sie verloren hatte, dass sie mich nicht mehr zurück wollte, dass sie jetzt mit jemand anderem glücklich war. Und wenn ich das sogar bei Ana geschafft hatte, dann wird es ja wohl bei Jenny nicht so eine große Sache sein. Also machte ich mich auf den Weg zu jedem Laden, der mich an sie erinnerte.

Ich kaufte mir bei Thalia ein neues Buch, stöberte bei Media Markt nach Spielen für meinen NintendoDS, den ich seit unserer Trennung nicht mehr angerührt hatte, kaufte mir die vierte O.C.-Staffel, weil ich die dritte jetzt durch hatte und ging zum Abschluss bei McDonald’s essen. Hört sich scheiße lächerlich an, half aber enorm, dem ganzen hier den dunklen Zauber zu nehmen, der mich vorher bereits schmerzte, wenn ich nur daran dachte. Es ist traurig, einen Menschen vergessen zu müssen, der einem einmal so viel bedeutet hat. Aber das ist wohl die Herausforderung daran.

Topman

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8 Kommentare

  • Mutig und toll, dass du das gemacht hast, machmal muss man sich solchen Hürden stellen, um dann normal weitermachen zu können.

  • hannah maria

    was die hat schon nach einem monat einen neuen? marcel du kannst dann wirklich froh sein dass du se los bist auch wenn sich das ein bisschen böse anhört.

    boar verdammt ich kann dich leider nur zu gut verstehen…. hast du mal wieder sehr schön geschrieben. du solltest wirklich mal ein buch schreiben;)

    zeit heilt alle wunden. wird schon noch wird schon noch

  • Marcel

    Sari: Vielen Dank für die schönen Worte. Die Geschichte hört sich nach nicht viel an, aber es hat wirklich geholfen.

    hannah maria: Naja eigentlich hatte sie schon nach… ach egal, ich hätte es vielleicht genauso gemacht, wenn ich die Chance dazu gehabt hätte.. danke für das Kompliment, dein Herz berühr ich doch nur zu gerne ;) Ja die Zeit… die könnte sich aber langsam mal beeilen..

  • Marcel, ich kann dazu nur soviel sagen, ich kenne das Gefuehl nur zu gut. Mir ging es nicht anders und leider hat es länger wie mit dem trauern gedauert wie bei dir. Aber ich kann dir nur sehr gut aus eigener Erfahrung sagen, es lohnt sich nicht. Echt nicht! Ich weiß es hoert sich immer leichter an als getan, aber man muss nach vorne schauen. Als ich mir klar wurde das sie mich nicht mehr will und ich mir klar wurde, selbst wenn sie mich wieder wollte, wuerde es nie mehr so sein. Danach ging es wieder besser. Ich hab mir einfach klar gemacht, dass es mit die beste Zeit in meinem Leben war und ich sie auch niemals haette missen wollen, aber jetzt ist es nunmal vorbei. Dann kam auch schon nach einer Weile die naechste tolle Freundin und ich war wieder froh.

    Ich kann nur eins sagen: nach vorne schauen, die Zeit jetzt genießen, wir sind doch noch so jung um zuviel zu trauern oder irgendwas hinterher zuhaengen. Außerdem kommt wieder eine, dann wird es wieder schoen oder wer weiß, vielleicht auch noch schoener. Die Zeit ist echt zu schade um zu lange zu trauern :-)

    Also kopf hoch, schultern rauß und weiter gehts. Dir alles gute und das du schnell mit dem letzten trauern aufhoeren kannst.

  • Ich habe auch schon die erfahrung gemacht. Anfangs sieht es wie etwas sehr schmerzhaftes aus, aber im nachhinein muss ich sagen, bin ich echt total froh das es damals so gekommen ist wie es gekommen ist. Mein Leben hat sich dadurch in relativ kurzer Zeit sehr verbessert.

  • Sascha

    Ich stimme meinen Vorschreibern vollkommen zu!
    Ich glaube jeder kennt das und jeder hat seine eigene Art um damit umzugehen. Ich verbinde Orte zum Glück nicht so stark mit Menschen. Auf jeden Fall nicht so wie du…
    Du machst es richtig… Weiter so!

  • Alles schon gesagt und dennoch möchte ich nochmal persönlich sagen Du machst dat richtig!

  • saripari

    Been there done that.
    Always sucks.

Mister Spex