- Ich hätte dann gern ein Loch, bitte!

Jennys Kolumne: “Können Sie mir ganz schnell sagen, wann Ihre Tochter geboren ist?“ Ich höre nicht, was geantwortet wird, nur ein Lächeln auf den Lippen meiner Piercerin. Es war wohl…

Ich hätte dann gern ein Loch, bitte!

Jennys Kolumne: “Können Sie mir ganz schnell sagen, wann Ihre Tochter geboren ist?“ Ich höre nicht, was geantwortet wird, nur ein Lächeln auf den Lippen meiner Piercerin. Es war wohl schnell genug. Wie befinden uns im Jahr 2005. Es ist kalt und es fällt Schnee, als ich den Eingang suche, der mir mein erwünschtes Piercing bringt. Ich habe Wochen auf meine Eltern eingeredet bis ich die Erlaubnis bekommen habe. Und hier halte ich sie nun also ganz stolz in der Hand: die Erlaubnis.

Jennifer S.

Ich laufe durch einen Gebäudekomplex in Berlin Adlershofâⓚ¬Â¦ und laufe und laufe und laufe. Habe ich erwähnt, dass es kalt ist? Ganz langsam habe ich den Verdacht, dass es die Adresse, die ich mir aufgeschrieben habe, gar nicht gibt. Oder dass es eine dieser Wohnungen sein muss, wo an den Fenstern so nette Sterne blinken. Nach einer geschlagenen halben Stunde finde ich die Hausnummer und mein Magen zieht sich zusammen.

Es ist eine der Wohnungen! Vorstellungen wie, dass ich mich auf den Küchentisch schwinge und die mir mal eben mein Ohr pierct während ihre Katze durch alle Räume schleift und eine 12-jährige ihre Hausaufgaben neben mir macht, setzen sich in meinem Kopf ab.
Ich will schon fast umdrehen, da wird die Tür geöffnet und eine mollige, blondiert und überschminkte Frau um die 40 steht vor mir. Ich kriege grade noch ein “Hallo” aus mir raus da wirbelt sie schon um mich rum und zieht mir die Jacke aus, sagt mir wo ich die Schuhe ausziehen soll, damit ich nicht durch die ganze Wohnung tappse und zündet noch ein paar Räucherstäbchen an. So gefesselt von den Eindrücken vergesse ich doch glatt wegzulaufen. Gucke aber schnell noch nach einer Katze und einer 12-jährigen. Nein. Wir sind allein.

Gleich in dem kleinen Flur ist, in dem ich stehe, auch ein Tisch und ein Stuhlâⓚ¬Â¦ Ihr „Sprechzimmer“. Sie fragt noch mal ob ich auch wirklich ein Loch in dem Knorpel am Gehörgang haben möchte und klärt mich über die Risiken auf. Hilfe, war das widerlich. Ich habe lange gebraucht um das wieder aus meinem kopf zu bekommen. Neben Eiter, Tod und Co. lacht sie nur immer und meint ich solle keine Angst haben. Aber sie müsse mir das alles erzählen und hätte gerne die Erlaubniserklärung meiner Eltern. Sie führt mich genau 5 Schritte weiter in den einzigst verschlossenen Raum. Bin ich froh. So hab ich mir das vorgestellt. Ein steriler Raum mit langem Tisch und dem Zeugs was man braucht zum Löcher machen. Ich bekomme Herzklopfen. Weine ich doch schon wenn ich nur die Spritze beim Arzt in 10 Metern Entfernung sehe, wie zum Henker bin ich auf die Idee gekommen mir ein Tragus Piercing stechen zu lassen? Aber ich bleibe mutig. Den Tränen nahe frage ich, ob ich betäubt werden kann. So lange wie möglich. 2 Tage oder so würde mir reichen. Sie lacht. „Nein, hi hi, das Ding jage ich dir so durch.“ Was für eine amüsante Person. Dachte ich und wollte sie für das Grinsen schlagen. Um mich abzulenken erklärt sie mir, dass es billiger ist wenn man in seiner Wohnung die Kunden bedient, statt sich einen Laden zu mieten. „Achtung jetzt wird’s kalt.“ Die kleine Jenny versteht erstmal nicht wieso und fragt sich warum die das Fenster aufmachen will. Nein, ich wurde natürlich an der Stelle vereist. Es tat nicht weh. War total unspektakulär, weil man nur irgendwann ein Plop hörte und alles war vorbei. Ich hatte es mir so schlimm vorgestellt und schämte mich nun so einen Hermann daraus gemacht zu haben.

Ich bin bis heute sehr zufrieden mit dem Ding. Aber zu der flippigen, mit den coolen Sprüchen auf den Lippen, würde ich nicht mehr gehen. Aber trotzdem: Danke, denn bei der Atmosphäre ist man von den Schmerzen wie bei keinem anderen so abgelenkt. Diese Geschichte fiel mir wieder ein, weil ich überlege mich ein weiteres mal piercen zu lassen. Bin für tolle Anregungen offen! (Und dankbar.)

NA-KD

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6 Kommentare

  • René

    Und ich mich gerade letztens mit einer Arbeitskollegin über ein genau solches Piercing unterhalten. Sie meinte das es so ziemlich mit das schmerzhafteste überhaupt sei. Von daher hab ich jetzt nicht dmit gerechnet das du jetzt mir “nur ein Plop” kommst. ^^

    Tolle Geschichte!

  • Jenny

    die hatte mir das früher so erklärt das man wenn es vereist ist nichts spüren kann außer nem druck. wenn man sich selber kneift und mal richtig “hinfühlt” merkt man das, das nur die erstens hautschichten wehtun. und die werden ja vereist. vielleicht hat dir mir das auch nur gut erklärt und ich hab mir das so dann vorgestellt und den schmerz verloren =)

  • Um was geht’s denn eigentlich? Einen Tragus? Wollte ich auch schon immer mal haben. Gerade kann ich mir das aber leider nicht leisten.

    Ach, Piercings. Mit Eispray merkt man da echt null. Den durch die Nase habe ich ohne Betäubung bekommen, aber selbst das ging. Hat eben nur mal eben gepiekst.

  • Es wurde VEREIST?? Mann, Du Glückliche.
    Mein Tragus wurde nicht betäubt, bei vollem Bewusstsein durch. Aber es war net so schlimm, man “überlebt” es. Es war nur “mehr” als ein plopp

  • Jenny

    was die machen des auch ohne betäubung? jetzt bin ich baff dachte das wäre standart. also bei meinem nächten werd ich darauf bestehen sonst kommen die noch auf solch gedanken das wirklich ohne zu machen. hilfe.

  • Betäuben tun die meist nur im Mund und im Genitalbereich. Das Bißchen Schmerz kann man schon aushalten, geht ja auch schnell (und es gehört einfach dazu).
    Ansonsten wird darauf verzichtet. Wenn Du Dir z.B. den Bauchnabel piercen lässt, isses besser, Du verzichtest darauf. Die Creme/ das Spray quillt deine Haut vor dem Betauben auf, so dass das Piercing schief sein kann, wenn die Haut nicht gleichmäßig quillt.
    Also, an “Hautstellen” lieber auf Betäubung verzichten, Zähne zusammenbeißen und durch!

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