- Berlin und ich

Es war Freitag Morgen. Die Stewardess sah süß aus in ihrem gelben Tui-Fly-Kostüm. Aber man merkte ihr an, dass sie mal sowas von gar keinen Bock hatte, die mit akrobatischen…

Berlin und ich

Es war Freitag Morgen. Die Stewardess sah süß aus in ihrem gelben Tui-Fly-Kostüm. Aber man merkte ihr an, dass sie mal sowas von gar keinen Bock hatte, die mit akrobatischen Verrenkungen geprägten Sicherheitshinweise zu demonstrieren. “Guten Morgen. Hier spricht Ihr Kapitän. Wir freuen uns, Sie auf unserem Flug nach Tegel begrüßen zu dürfen. Es ist recht gutes Wetter in Tegel. Wir werden bald nach Tegel starten. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in… Berlin.” Dann legte auch die genervte Flugbegleitung los: “Guten Tag, mein pffft ist pffft, wir begrüßen Sie bei Tui-pfffft auf dem Flug nach pfffft. Unsere Reisedauer wird ungefähr pfffft dauern. Wir weisen Sie daraufhin hin, auch während des pfffffts den pfffffft geschlossen zu halten.” Der Typ schräg neben mir machte ständig Fotos vom Inneren des Cockpits, wenn er dachte, keiner schaue hin. Das machte mir dann doch irgendwie Angst. Und als ich schon glaubte, dass ich neben den ganzen Rentnern und kleinen Kindern bestimmt der Coolste in diesem Flieger bin, trat der Fürst der Finsternis persönlich herein. Ein Militäremo der besonderen Art. Pech gehabt. Beim Abflug hörte ich “Stolen” von Dashboard Confessional. Schööön.

Berlin

Ein großes, deutsches Webdesignstudio hatte mich als Reaktion auf mein Stellenangebot zu sich gebeten. Und Berlin ist groß. Riesig, um genau zu sein. Die Busfahrer sind unfreundlich, die Straßen lang und die Bewohner entweder Künstler, Hopper oder Assis, von denen jeder Zweite mit der BILD in der Hand herum läuft. Ein ausländischer Liliputaner hatte anscheinend Bock gehabt, mich mal so richtig zu verarschen und mich auf die Frage nach der nächsten U-Bahn-Station hin genau in die falsche Richtung zu schicken. Oder es lag an meiner typischen Schwäche, mich in Großstädten konsequent zu verlaufen. Aber hey: Ich war hier schließlich noch nie und Berlin ist groß. Riesig, um genau zu sein.

Das Studio lag in einem Hinterhof in der Chausseestraße, dem „Silicon Valley“ Deutschlands, wenn man Wikipedia glauben darf. Eine große, offene Fabrikhalle bildete das Herzstück der Firma, in der die Mitarbeiter an Macs designten, über die offenen Metalltreppen herumwuselten und sich locker miteinander unterhielten. Die Sonne schien. Ich liebte es hier. Genauso musste sich Lisa Simpson gefühlt haben, als sie zum ersten Mal auf einem Uni-Campus war. Das Bewerbungsgespräch lief ganz gut – glaube ich. Mehr werde ich Ende nächster Woche wissen. Lassen wir uns mal überraschen.

Den Rest des Tages bummelte ich durch halb Ostberlin. Alex, Mauer, Checkpoint Charlie. Nur das Brandenburger Tor konnte ich beim besten Willen nicht auftreiben. Und die gut gemeinten Ratschläge der Einwohner nützten mir auch nicht sehr viel: “Brandenburger Tor? Keene Ahnung, aber ick glob’ da musste nach Westen, ne.” Ja, danke. Ob ich gerade in Ost- oder Westberlin unterwegs war, merkte ich immer nur an den bunten Männchen auf der Ampel. Aber da ich den ganzen Tag durch die Stadt gelaufen bin, kenne ich mich jetzt schon ziemlich gut aus. Besonders im kulinarischen Bereich ist Berlin ganz weit vorne. Dort gibt es ganze Landstriche, die nur einer bestimmten Nation angehören zu scheinen. Gibt es in der einen Straße nur Dönerbuden, gibt es in der nächsten wiederum einzig und allein thailändische Küche. Dann gehst du um die Ecke und du stehst im tiefsten Ghetto. Gerade dann, wenn du Durst bekommst und die Lift in der Hand vollkommen leer ist. Als Souvenir wollte ich eigentlich noch eine Berliner Zeitung mit nach Hause nehmen. Stattdessen schloss ich mitten auf dem Alex gleich ein BZ-Testabo ab. Ich konnte nichts dafür, die Tussi hatte blonde Haare, Sonnenbrand auf dem Dekolleté und eine sexy Berliner Schnauze. Da konnte ich nicht nein sagen. Natürlich habe ich es gleich heute Morgen per Mail widerrufen. Ich Feigling. Sorry, Franzi. Aber viel Glück bei deiner Ausbildung zur Labertasche. Oder sowas.

Mein iPod hatte knapp vor dem Heimflug den Geist aufgegeben. Scheiße. Die neue Stewardess hatte anscheinend noch kurz vorher etwas Spaß mit dem Kapitän, so wie die grinste. Sogar beim Vorführen der Sicherheitshinweise. Und auch der Käptn klang sehr vergnügt, machte Witze am laufenden Band (in Deutsch und Englisch) und setzte bei der Landung mit so einem Rumms auf, dass er wohl in Gedanken noch bei Frau Grinsekatze war. Die Passagiere fanden’s lustig. Abschluss. Berlin ist geil, Berlin vibriert, Berlin ist allein langweilig. Aber das liegt wohl daran, dass es ein grundlegender Fehler ist, so viel an einem Tag sehen zu wollen. Die Hauptstadt will entdeckt werden, Schritt für Schritt. Vielleicht bald, Berlin. Vielleicht bald. Und Marten hat meinen Slogan an die blond verkauft. Du Arsch. Spaß. Besser, als an die NEON.

NA-KD

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21 Kommentare

  • hehe, hört sich ja erstmal ganz gut an. oh welch ein traum, kreative firma mit jungen kreativen leuten in einer ach so großer und irgendwie schönen stadt. mit meiner ex bin ich auch des öfteren nach berlin gefahren, das war geil. sightseeing per cruiser kann ich nur empfehlen, direkt am alex leiht man sich nen radel und gurkt durch die citti. geil. würd mich für dich freuen wenn das mit berlin was wird, dann komm ich dich besuchen. ich hab den verkauft? oje, ich wollte den eigentlich nur klauen und selber weiter benutzen. so schlecht is die neon gar net.

  • Marcel

    Marten: hehe, hört sich ja erstmal ganz gut an. oh welch ein traum, kreative firma mit jungen kreativen leuten in einer ach so großer und irgendwie schönen stadt. mit meiner ex bin ich auch des öfteren nach berlin gefahren, das war geil. sightseeing per cruiser kann ich nur empfehlen, direkt am alex leiht man sich nen radel und gurkt durch die citti. geil. würd mich für dich freuen wenn das mit berlin was wird, dann komm ich dich besuchen. ich hab den verkauft? oje, ich wollte den eigentlich nur klauen und selber weiter benutzen. so schlecht is die neon gar net.

    Joah jetzt schau mer mal. Ich mach mir da ja typischerweise keinen Streß. Aber wär echt toll, wenn es klappen würde. Ich war voll überrascht, als ich den Satz gestern bei McCafé in der blond gelesen hab und dann darunter dein Name, da dachte ich mir: Das kann nur unser Marten sein ;) Ich fands lustig. Und ich mag die NEON, aber die blond find ich momentan irgendwie geiler.

  • wie jetzt, ich bin in der blond? gleich mal los und kaufen.

  • Ich hoffe das es für dich in Berlin was wird, wäre doch sehr geil! :)

  • Na, das hört sich doch super an.
    Ich bin ja zur Zeit auch in einer sehr erfolgreichen, rasch wachsenden Agentur unterwegs und es macht einfach einen Riesenspaß.
    Wünsche Dir viel Glück in Berlin – hoffentlich wird’s was!

  • ola ;)
    wünsche dir alles gute für diese bewerbung ;)
    und berlin ist ne hammer stadt *find*
    ich denke mal, wir werde hier schon lesen, wie es ausgegangen ist.

  • Nicki

    mensch das ist ja klasse – wurdest du empfohlen oder haben dich die leute direkt über deinen blog gefunden? also wenn du es wirlklich nach grossberlin schaffst, dan find eich diese story serh bemerkenswert. freu mich auf den “zusage” post! :D

  • André

    berlin stinkt.
    aber finds cool dass da endlich mal was läuft.
    hau rein dicker

    Black Power!

  • Marcel

    Marten: wie jetzt, ich bin in der blond?

    Hat mich auch gewundert ;)

    Hoizge: Ich hoffe das es für dich in Berlin was wird, wäre doch sehr geil! :)

    Marijan: Wünsche Dir viel Glück in Berlin – hoffentlich wird’s was!

    Javanoth: wünsche dir alles gute für diese bewerbung ;)

    Hehe ja danke. Das wär echt Hammer.

    Nicki: mensch das ist ja klasse – wurdest du empfohlen oder haben dich die leute direkt über deinen blog gefunden? also wenn du es wirlklich nach grossberlin schaffst, dan find eich diese story serh bemerkenswert. freu mich auf den “zusage” post! :D

    Direkt über meinen “Stellenanzeigen”-Post. Muss Schicksal gewesen sein ;) Ja, darauf freue ich mich auch.

    André: berlin stinkt.

    Ja, nach Bratwurst.

  • naja nicht so ganz direkt ^^ hab mir vorhin auch die blond gekauft. geil, nen ganzer leserbrief von mir ist drin. top. schöne ausgabe. ich bin betrunken, muss jetzt stampfen gehen. bis morgen

  • Cedric

    Hättest mal was gesagt, bin ja schließlich aus Berlin und wohne dort.
    Hätte dir ja vielleicht helfen können…
    Viel Glück jedenfalls!

  • crucible

    Hey….sehr interessanter Erzählstil. Ich komme wieder!!!!!!!

  • Marcel

    Cedric: Hättest mal was gesagt, bin ja schließlich aus Berlin und wohne dort.

    Echt jetzt? Sollte ich ne Zusage bekommen, dann kannst dich schon mal drauf gefasst machen, dass ich mich bei dir melde. Denn dann bräuchte ich da drüben ne Wohnung.

    crucible: Hey….sehr interessanter Erzählstil. Ich komme wieder!!!!!!!

    Hehe, das hoff ich doch ;)

  • Cedric

    Echt jetzt? Sollte ich ne Zusage bekommen, dann kannst dich schon mal drauf gefasst machen, dass ich mich bei dir melde. Denn dann bräuchte ich da drüben ne Wohnung.

    Klar, meld dich einfach.

  • wenn das dann auch alles so schön funktioniert, freuen wir uns so richtig für dich. sag mal, was hast du eigentlich gelernt/studiert?

  • Steffi (schmetterlingsfluegel)

    Hei das klingt ja super! Ich drück dir die Daumen, dass du die Stelle dann auch kriegst!=)

  • Viel Glück, dass das klappt!

  • Marcel

    Marten: sag mal, was hast du eigentlich gelernt/studiert?

    Lol, sorry aber: lol.

    Steffi: Ich drück dir die Daumen, dass du die Stelle dann auch kriegst!=)

    Balu: Viel Glück, dass das klappt!

    Dankeschön!!

  • hä? stell ich mich jetzt zu glatt an? ich seh nirgends was du wirklich bist, also ich mein. wo steht hier was von nem abschluss? verrückt.

  • MisterBrightside

    Oh hey, danke für deine nette Nachricht :) Interessant zu erfahren, wie Berlin auf einen “Neuling” wirkt – und möge sich der Lisa-Simpson-Effekt bei dir positiv auswirken. Berlin ist billig und bietet sauviel Inspiration – tschakka! Du schaffst das :)

  • AMY & PINK » Zusage

    […] standhaft. Ich denke, das ist mein Problem. Es ist Freitag, genau eine Woche nach meinem Ausflug nach Berlin. Im Halbschlaf höre ich das Telefon klingeln. Ich wollte doch noch ein bisschen Schlaf […]

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