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Digitaler Lifestyle

Annika Lorenz

Das Leben in der großen Stadt steckt voller Wunder, voller Geheimnisse, voller Überraschungen. Aber es kann auch sehr schnell ziemlich verwirrend und unklar werden. Das, was du jetzt wirklich brauchst, ist ein digitaler Kamerad, der immer an deiner Seite ist und dich durch den Dschungel der wunderschönen Metropolen dieser Welt führt, egal ob wo sie liegen.

Wir haben die Instagram-Liebhaberin, Medienstudentin und Kunstenthusiastin Anouk dazu eingeladen, das neue Huawei MediaPad M2 an ihren Lieblingsorten in Deutschlands Wunderwelt Berlin zu testen. Wir schlenderten zu einem veganen Paradies namens Dandy Diner, sahen uns in der Vintageschatztruhe Made in Berlin um und aßen Leckereien bei Yoli Frozen Yogurt.

Das Huawei MediaPad M2 definiert die Welt des Tablets neu. Dank seines neuen, noch reaktionsfreudigeren Displays kannst Du mit einem Stylus schreiben, zeichnen und Apps bedienen. Und erstmalig kannst Du Dich mit dem neuen Fingerprint-Sensor sicher und schnell identifizieren. Mit diesem technischen Wunderwerk machen Ausflüge in den Großstadtdschungel gleich noch mehr Spaß.

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Fotografie von Marlen Stahlhuth
Mit freundlicher Unterstützung von Huawei
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Mark Forster

Marcel Winatschek

Wenn das Deutschland ist, dann möchte ich mit dieser Nation nichts mehr zu tun haben, denke ich mir, als zum zwölften Mal hintereinander die nervige Telekom-Werbung für ein Konzert mit dem als hippen Kappenträger verkleideten Schlagersänger Mark Forster läuft. Dabei wollte ich doch nur Pamela Reifs neuestes Fitnessvideo auf YouTube schauen – aus Gründen, die genau so wenig mit Gesundheit, Sport und richtiger Ernährung zu tun haben, wie der doppelt belegte Dürümdöner, extra scharf und mit Käse obendrauf, den ich mir währenddessen so weit wie nur irgendwie menschlich möglich in den weit aufgerissenen Mund schiebe.

Nazis, Verschwörungstheoretiker und hustende Impfgegner sind noch nicht schlimm genug, um dieser Nation endgültig den Rücken zu kehren, aber Mark Forster, nein, das geht gar nicht, da schüttelt es mich ganz tief drin, da wird sogar ein gewagter Sprung aus dem offenen Küchenfenster mit jedem weiteren Takt, mit jedem weiteren Wort attraktiver. Mark Forsters Musik, wenn man das so nennen möchte, kommt künstlerisch gesehen gleich nach Hüttenkäse mit Schnittlauch. Lediglich das Altpapier zum lokalen Wertstoffhof zu fahren, sich einen Parkplatz zu suchen, auszusteigen, den Kofferraum zu öffnen, das Bündel an vergilbten Zeitungen, Magazinen und Pornoheftchen auszuladen und anschließend in den korrekten Container zu werfen, bevor man zwei, drei Sätze über’s Wetter mit dem hiesigen Stadtangestellten austauscht, ist noch langweiliger – obwohl ich für diese kecke Behauptung gerne eine wissenschaftliche Grundlage hätte, bevor ich mich da endgültig festlege.

Wenn irgendwer mich fragt, warum die deutsche Popkultur nicht im Entferntesten so erfolgreich ist wie die amerikanische, die britische, ja selbst die südkoreanische, dann spiele ich ihnen „194 Länder“ von Mark Forster vor und sie verstehen es, das Leid, die Ohnmacht, die kreative Dystopie, die dieses, naja, Machwerk ausstrahlt. Ihr Blick senkt sich, ein kurzes Nicken, ein schwerer Seufzer, bevor sie mit ihren Platten von Kendrick Lamar, Dua Lipa und BTS unter’m Arm zurück in die künstlerische Zivilisation flüchten – Hauptsache fort von hier, diesem schwarzen Loch der medialen Diversität, so schnell wie nur irgendwie möglich. Bei Mark Forster fühlt man sich, als würde einen der eigene Onkel unsittlich im Schritt berühren, während er einem leise „Du bist toll!“ ins Ohr haucht. Und man fragt sich selbst: Ist das jetzt noch Missbrauch oder schon die neue Normalität?

Seitdem ich meine ersten drei englischen Wörter gelernt habe, „Dog“, „Tree“ und „Cockcumcunt“, möchte ich Deutschland den Rücken kehren. Die Inspiration strahlt vom Westen, vom Osten, vom Norden, vom Süden herüber, aber eines ist sicher: Hier ist sie nicht. Hier gibt es nur Schwarzbrot, RTL und Mark Forster. Aber je weiter es mich fort zieht, desto stärker pocht mein Drang auf Heimat. Und mit Heimat meine ich sicherlich keine Werte, keinen Stolz und auch keine Parolen. Heimat, das ist für mich die Techno-CD der Schlümpfe, das sind die mehr schlecht als recht synchronisierten Animes auf RTL 2 und das ist bei McDonald‘s gleichzeitig sowohl vom nachfolgenden Kunden als auch vom ungeduldigen Kassierer angeschnauzt zu werden, weil man mal einen mutigen Tag hatte und wissen wollte, was das bitte für eine weiße Sauce auf dem ranzigen Aktions-Big-Mac ist.

In Deutschland ist nichts, aber auch gar nichts cool. Filme, Serien, der 08/15-Ich-ficke-deine-Mutter-Hip-Hop – selbst mongolische YouTuber sind wahrscheinlich interessanter als das, was sich innerhalb unserer Grenzen auf dieser kontinuierlich als zukunftsweisend titulierten Plattform eigenständig aus einem Pool von heute vollkommen irrelevanten Amateurkomikern heran gezüchtet hat und nun von einer ganzen Generation an Medienschaffenden zunächst gefürchtet und anschließend gefeiert wird, fast so, als würde sie am digitalen Stockholm-Syndrom leiden.

Rezo sagt einmal etwas über die amtierende Bundeskanzlerin und wird anschließend durch jede Talkshow mit mehr als fünf auf den ersten Blick noch lebenden Zuschauern geschleift, weil er ja die politisch und gesellschaftlich kritische Stimme der Jugend ist – und von der darf es schließlich nur eine geben, mehr können sich die langsam dahin rottenden ZDF-Zuschauer nämlich nicht merken. Der Typ mit den blauen Haaren, das muss reichen. War da nicht noch eine, die das Klima retten wollte? Ach, egal. Von Instagram, Twitter und TikTok möchte ich erst gar nicht anfangen, da haut schließlich jeder drauf, der mehr als drei Minuten im Internet verbracht hat – und zwar zurecht.

Deutschen Schauspielern sieht man in jeder einzelnen Sekunde an, dass sie lieber auf der Theaterbühne stehen würden, als sich hier für den dreiundzwölftigsttausendsten Tatort niederschießen zu lassen. Aber was willste machen? Die ARD zahlt halt besser als die Wald-und Wiesen-Schaubühne in Buxtehude. Über das deutsche Fernsehen an sich wird seit seiner Entstehung geschimpft, auch und gerade von den Menschen, die es machen. Ein weiteres Wort darüber zu verlieren, das wäre, als würde man das sprichwörtliche tote Pferd treten, drauf spucken und dann einen dämlich grinsenden TikToker drüber tanzen zu lassen.

Mit dieser digitalkritischen Anmerkung möchte ich im Übrigen nur beweisen, dass ich am Anfang des Jahres gelernt habe, welche neue, hippe Social-App die 12- bis 12-½-Jährigen heutzutage verwenden, um für 15 Sekunden Ruhm halbnackt in ihren mit Ikea-Möbeln zubetonierten Kinderzimmern herum zu hampeln. Anfang nächsten Jahres wird das schon wieder eine andere Applikation sein, das ist schließlich der unaufhaltsame Kreislauf der sozialen Medien.

So zu tun, als würde man sich nur am Rande mit der voran schreitenden Evolution der digitalen Revolution befassen, anstatt zuzugeben, dass man einfach nur zu alt, zu fett und zu hässlich ist, um auf diesen neuen Plattformen etwas zu reißen, und sich deshalb Nacht für Nacht mit einer Packung Schokoladeneiscreme im Arm leise in den Schlaf weint, ist übrigens genauso traurig wie öffentlich immer und immer wieder breitzutreten, dass man keinen Fernseher besitzt, Facebook gelöscht hat oder Brot ab jetzt selbst backt, weil man das ja immer schon mal machen wollte. Warum auch immer.

Menschen, die zu Hause Brot backen, das sind diejenigen, die währenddessen Mark Forsters neues Album laufen lassen, seinen pseudoweisen Worten lauschen, zuhören, mitwippen. „Mann, wann seh‘ ich dich endlich? Ich schick‘ ’n Herz in Rot zu dir!“ Wow, so romantisch, der Mark. „Manches kommt und geht und kommt nie mehr, und dadurch ist es noch mehr wert!“ Wow, so tiefsinnig, der Mark. „Ich sag‘ dem alten Leben Tschüss, Affe tot, Klappe zu, wie die Kinder in Indien, ich mach‘ ’n Schuh!“ Wow, so… ähm… okay, das ist selbst mir zu hoch.

Ich möchte den Leuten, die sich freiwillig ein komplettes Album von Mark Forster anhören, von vorne bis hinten, die auf seinen Konzerten zustimmend mit dem Kopf nicken, die sich dabei an den Freund oder die Freundin kuscheln und sich endlich durch und durch verstanden fühlen, die philosophische Vollkommenheiten wie „Wir sind für immer, forever, von jetzt an bis zum Schluss, ich geh nicht mehr weg, never ever, bin bei dir, wenn wer mich sucht!“ mitgrölen und es auch so meinen, tief in die Augen schauen, direkt in ihren Kopf, und wirklich, ganz ehrlich verstehen, welche fatalen Entscheidungen sie in ihrem Leben getroffen haben, um jetzt, hier, vor dieser Bühne zu stehen, und den einlullenden Lebensweisheiten von Mark Forster zuzuhören, anstatt wortwörtlich irgendetwas anderes zu erleben. Irgendetwas. Irgend. Etwas.

Sie hätten, im wahrsten Sinne des Wortes, alles andere auf diesem Planeten und darüber hinaus machen können, aber nein, sie haben sich bewusst dazu entschieden, Tickets übers Internet zu kaufen, mit drei, vier Freunden in ein Auto zu steigen, ins Deutsche Eck nach Koblenz zu fahren, sich zwei Stunden lang Lieder wie „Übermorgen“, „Chöre“ und „Wir sind groß“ anzuhören, und das auch noch gut zu finden, und anschließend am besten noch ein Tour-T-Shirt und ein Poster käuflich zu erwerben, damit auch ja alle übrig gebliebenen Freunde, Kollegen und Bekannten mitbekommen, dass sie bei Mark Forster waren. Und anstatt sich dafür zu schämen, sind sie auch noch stolz drauf.

Im Groben und Ganzen trägt genau diese in allen erdenklichen Faktoren durchschnittliche Einstellung der jedes Jahr für eine Woche nach Mallorca, und wenn sie tollkühn sind, auch mal nach Thailand fliegenden Bankangestellten dazu bei, dass die deutsche Popkultur nicht mehr zu retten ist. Und mir geht es dabei gar nicht um den Mainstream oder dass nur diejenigen tolle Menschen sind, die sich psychedelischen 70er-Jahre-Underground-Rap-Metal aus Finnland anhören, weil nur der einem den Sinn des Lebens klar macht.

Mark Forster ist, genau wie Helene Fischer und Andrea Berg vor ihm, der absolute Nullpunkt derjenigen, die in ihrem Leben niemals auch nur einen Millimeter über den kulturellen Tellerrand geschaut haben. Die sich ihren Musikgeschmack von Spotify, Antenne Bayern und dem Kulturressort von Omas Fernsehzeitung diktieren lassen, die das Erstbeste in ihre seichte Persönlichkeit aufgenommen haben, was ihnen an den Kopf geworfen wurde: eine harmlose Poprockschlagerscheiße, die so knapp an der kreativen Flatline vorbei schrammt, dass selbst das Besetztzeichen im Telefon aufregender ist.

Wenn du nachmittags eine Stunde lang durchgängig Radio hören kannst, von einer Nachrichtensendung bis zur nächsten, ohne vollkommen verrückt zu werden, ohne den langsam in dir aufsteigenden Drang zu verspüren, den Empfänger aus dem Auto zu reißen oder aus dem Großraumbüro, in dem du irgendwie gelandet bist, zu werfen, dann weißt du, dass dein Leben vertan ist, dass du niemals etwas Bedeutungsvolles schaffen oder erreichen wirst, dass du den gleichen Weg gehst, den schon Millionen vor dir gegangen sind, ohne auch nur einmal darüber nachzudenken, dass man vielleicht nicht immer nur geradeaus laufen muss, sondern auch mal eine der unzähligen Abzweigungen nutzen könnte. Aber das wäre viel zu riskant, wer weiß, was da auf einen wartet. Also hörst du lieber weiter Mark Forster, auf den man nur trifft, wenn man in seinem kläglichen Dasein niemals auch nur den Hauch eines Risikos eingegangen ist, und hast dich längst an diese unsittliche Berührung irgendwo tief in deiner in Mittelmäßigkeit ertrinkenden Seele gewöhnt. Oder wie Mark es philosophisch versiert ausdrückt: Da fährt ein Bus.

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Illustration von Benjamin Kakrow
Der Text erschien in der Kategorie Musik mit den Themen Andrea Berg, Deutschland, Helene Fischer, Mark Forster und Popkultur
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Marcel Winatschek

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