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Überstunden, Lügen, Arschlöcher

Vor einigen Wochen kündigte ich meinen Job als Redakteurin bei einer Berliner Produktionsfirma. Ein Jahr lang hatte ich mich motiviert in jedes Interview gestürzt, die halbe Riege der in Berlin gastierenden Musiker zu ihren musikalischen Ursprüngen, ihren bewegendsten Tourerlebnissen und ihren Freuden und Ängsten befragt. Ich hatte mich auf der Berliner Fashion Week der Tatsache ausgesetzt, dass eine derart oberflächliche Veranstaltung zwar einen betonierten Nährboden für redaktionelle Arbeit bietet, einen aber nicht davor schützt, sich aus schierer Verzweiflung nach Content Creation zum Deppen zu machen und vor laufender Kamera den heißesten Typen irgendeiner Streetwearmesse zu suchen.

Nichtsdestotrotz: Es war an und für sich ein sehr unterhaltsames Jahr, bei dem ich Berlin schnell von den unterschiedlichsten Seiten kennenlernte und mit einem großartigen Team zusammenarbeitete. Auf das neidvolle „Wahnsinn, hast du einen tollen Job!“ aus dem Freundeskreis antwortete ich meist nur mit einem schiefen Lächeln.

Das war immerhin der Ausgleich für das Unverständnis meiner Eltern. „Web TV? Ist das im Internet? Was ist Sido?“ Es war der Ausgleich für mein eigenes schlechtes Gewissen, nicht wirklich etwas zu schaffen, das auch längerfristig einen kulturellen Beitrag leistet – denn wen interessiert am Abend noch, dass die Mädels von LAING am Morgen immer müde sind? Vor allem aber versuchte ich mich darüber hinweg zu täuschen, dass ich vor allem eines war: unterbezahlt.

Mit meinem Magisterabschluss in Kunstgeschichte, Philosophie und Anglistik war ich nach sechseinhalb Jahren Studium bereit in der Arbeitswelt loszulegen und begann meinen Karrierestart in besagter Produktionsfirma mit einem raketensteilen Abstieg als – natürlich – Praktikantin. Als nach wenigen Wochen das gesamte, fünfköpfige Redaktionsteam fristlos entlassen wurde, durfte genau eine eiserne Arbeitskraft ihren Platz behalten: meine Wenigkeit.

Leicht irritiert von der plötzlichen Härte der freien Marktwirtschaft, machte ich das Beste aus der Situation, steigerte mein Gehalt von sage und schreibe 400 Euro auf 1000 Euro netto und wandelte meinen Praktikantenstatus nach einigen Verhandlungen in den einer Redakteurin. Dass es sich hierbei eigentlich um das Aufgabenfeld einer Redaktions- und Produktionsleitung, einer Social-Media-Kraft und SEO-Optimierung handelte, sei nur am Rande erwähnt.

Dass sich der Arbeitsaufwand und die damit verbundene Verantwortung um ein Zehnfaches steigerten, mein Gehalt allerdings immer noch am Existenzminimum angesiedelt war, ebenfalls. Mit harten Bandagen hatte ich mir den „Luxus“ erkämpft, nur von montags bis donnerstags zu arbeiten, um am Freitag und am Wochenende freiberuflich zu schreiben, um auf diesem Wege wenigstens etwas Geld dazuzuverdienen.

Eigentlich dachte ich immer, ich mache einen ganz guten Job. Ich verstand mich mit meinem Team großartig, für meine Interviews und Videos wurde ich von Außenstehenden gelobt und ich war meist mit Freude und Elan dabei. Für das gekündigte Personal wurde auch in den darauffolgenden Monaten natürlich niemand eingestellt, aber wir schafften es die Produktionsleistung einigermaßen zu halten und die Zuschauerzahlen der Webseite zu steigern.

Allerdings schien das in der Führungsetage niemanden zu interessieren, keiner wusste sich für die finalen Zahlen des Reportings zu begeistern. Stattdessen wurde mein Interesse an den numerischen Fakten vielmehr argwöhnisch beäugt. Als ich eines Tages zu einem Gespräch mit meinen Vorgesetzten geladen wurde, hieß es, sie seien nicht zufrieden damit, dass ich mir nicht auch noch über meine Arbeitszeit hinaus – beim Abendbrot – Gedanken zu neuen Formaten und bahnbrechenden Reportagen mit meinem drei Mann starken Team machte. Es mangele mir an „originärem Gedankengut“. Dass mir derweil vielmehr Kopfzerbrechen bereitete, wie ich dieses sogenannte „Abendbrot“ auf Dauer überhaupt finanzieren sollte, schien wenig Beachtung zu finden.

Als ich auf diesen Umstand und die Tatsache, dass ich seit Monaten die Arbeit von einem fünfköpfigen Team übernommen hatte und am Ende des Acht-Stunden-Tages weder Energie noch Motivation verspürte, mich weiteren kreativen Ergüssen hinzugeben, aufmerksam machte, wartete mein Chef mit einem schlagkräftigen Argument von sowohl diplomatischer als auch intellektueller Größe auf: „Heul doch!“

Nach einem emotionalen Tränenerguss war mir wenig zu Mute, vielmehr stand mir der Sinn danach, ihm endlich zu sagen, wie sehr er mich an eine perfide Symbiose aus Mr. Burns von den Simpsons und Gargamel von den Schlümpfen erinnerte. Ich behielt es für mich, ließ es aber nicht aus, die mangelnde Kritikfähigkeit der Führungsetage zu erwähnen.

Meine Chefin reagierte mit Unverständnis und hielt dagegen: „Wie soll ich dich denn kritisieren? Soll ich dir eine eMail schreiben, in der ich dir sage: Ja, ihr seht alle gut aus, habt einen tollen Freundeskreis und seid ohnehin die Geilsten, aber dieses und jenes passt mir nicht?“ Ich gratulierte ihr insgeheim zu dieser treffenden Veranschaulichung meiner soeben geäußerten Aussage und beließ es dabei, mein Unverständnis ob der allgegenwärtigen Polemik des Gespräches zu äußern.

Da saß ich nun, mit einem akademischen Abschluss einer Eliteuniversität, und hinterfragte kurz, ob es vielleicht doch ich sei, die im Unrecht war, wenn sie sich darüber aufregte, dass sie trotz engagierter Arbeitsleistung mit einem Gehalt entlohnt würde, von dem sie nicht einmal in dem billigen Berlin einen Lebensunterhalt bestreiten konnte.

Ich blickte einen Moment fragend in die Runde und schon sah ich ihn auf mich zuschnellen, den final-rhetorischen Fausthieb: „Wenn du den Job nicht machst, dann macht in halt ein anderer. Du weißt doch, jeder ist ersetzbar. Und überhaupt, so schlimm ist es hier nun auch nicht. Zumindest sind noch keine Tränen geflossen, dass lief hier früher anders.“ Das war alles was, ich hören musste, um fristlos zu kündigen. Denn durch meine freie Mitarbeit hatte ich der Firma nicht nur jegliche Sozialabgaben und jede Menge Papierkram erspart, sondern mir auch mein umgehendes Kündigungsrecht erhalten.

Nach einem kurzen Moment der Euphorie folgte leichte Irritation: Hatte ich das gerade wirklich getan? Einen Job gekündigt, ohne einen neuen zu haben? Mein Team war niedergeschlagen und fassungslos und auch mir saß ein Kloß im Hals. Sie würden mir fehlen. Aber als ich an diesem Tag auf die Oberbaumbrücke hinaustrat und mir ein leichter Herbstwind entgegen blies, empfand ich ein neues Gefühl von Freiheit.

Es war die Freiheit, sich wehren zu dürfen, gegen das Diktat der Medienbranche, die viel zu oft weder den Menschen noch sein Engagement noch sein Talent zu schätzen weiß. Stattdessen macht man sich selbst glauben, dass die Ausbeute junger, motivierter Mitarbeiter in einem gerechten Verhältnis zu der Arbeitserfahrung stünde, die man mit prätentiöser Geste verspricht – im Tausch gegen unbezahlte Überstunden und misanthropische Gehälter.

Ich glaube, ersetzbar ist nur, wer sich ersetzbar macht und vergisst, dass er als Individuum in einem Staat wie dem unsrigen ein bedeutsames Gut besitzt: die Macht aufzubegehren. Nicht nur sich zu empören, sondern mehr noch: sich zu wehren! Gegen dieses Unwort, das zu einem Lebensgefühl unserer Generation geworden zu sein scheint: Humankapital.

Denn „nicht darauf kommt es an, dass alles gleich und vollkommen ist; der Stolz flickt schon die schadhaften Stellen aus“, wie Nietzsche einst gesagt hat. Stolz ist eine Eigenschaft, die wir viel zu oft negativ konnotieren, die in gesundem Maße aber eigentlich die Grundlage unserer Selbstwahrnehmung bilden müsste. Vielleicht sollte die Frage nicht lauten, was ich dem Markt “šwert' bin, sondern welche Wertschätzung ich mir selbst zugestehe um damit aus der nicht mehr bloß selbstverschuldeten Unmündigkeit zu entkommen.

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Illustration: CBS
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Mädchen in Israel
Fotografie: Michael Ivnitsky
Model: Shay Ri

Willkommen in Tel Aviv, der israelischen Stadt an der Mittelmeerküste. Übersetzt heißt der Name der Metropole Frühlingshügel – und das merkt man dem Ort tatsächlich ein wenig an. Das 1909 gegründete Tel Aviv war ursprünglich ein Vorort der bereits seit der Antike bestehenden Hafenstadt Jaffa. 1950 wurden beide Städte zum heutigen Tel Aviv-Jaffa vereinigt. Die Metropolregion der Stadt, der Gusch Dan, zählt insgesamt ungefähr 254 Gemeinden und mehr als 3 Millionen Einwohner, demnach also rund 45 Prozent der israelischen Gesamtbevölkerung. Und in dieser schönen Stadt lebt auch Shay Ri.

Der in Russland geborene Fotograf Michael Ivnitsky hat sich mit ihr an einem sonnigen Tag zusammen getan und die blond gefärbte Schönheit für Sticks & Stones auf lässigen Sommerfotos verewigt. „Shay und ich haben schon einmal ein Shooting gemeinsam gemacht“, erzählt Michael uns. „Ab und zu treffen wir uns in irgendwelchen Clubs und auf Konzerten. Wir teilen uns einen schrecklichen Humor. Letztens haben wir uns dann wieder gesehen und haben uns überlegt, wie und wo wir unser nächstes Shooting ansetzen können, schließlich ist seit dem letzten Mal ein Jahr vergangen.“

„Neue Tattoos wurden gestochen und das Leben fuhr ungebremst fort. Also haben wir uns in der Wohnung eines Freundes in Tel Aviv getroffen, während draußen ein schrecklich heißer Tag vor sich hin brannte. Wir haben uns betrunken, chillten neben der Klimaanlage und hörten Songs von Mac DeMarco. Und wir plauderten darüber, welche Leute unbedingt sterben sollten.“ So kann man auch einen gepflegten Nachmittag in Tel Aviv verbringen. Und wenn ihr einmal in der Stadt seid, solltet ihr euch vielleicht mit Michael und Shay zusammen tun – sie klingen auf jeden Fall nach lässigen Gesprächspartnern.

Shay Ri Shay Ri Shay Ri Shay Ri Shay Ri Shay Ri Shay Ri Shay Ri Shay Ri Shay Ri
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In den Arsch
Wie ich Analsex endlich zu lieben lernte
Von Nadine Kroll

Wann immer ich nach einer wilden Partynacht stark verkatert aus meinem Alkoholkoma erwache, stellen sich mir die gleichen drei Fragen. Erstens: Was hab ich getrunken? Zweitens: Wie bin ich ins Bett gekommen? Und drittens: Wo krieg ich was zu Ficken her? Während sich Frage 1 und 2 meist nicht mehr konkret beantworten lassen, habe ich bei Frage 3 manchmal Glück und der Aufriss vom Vortrag liegt noch neben mir im Bett. Oder auch daneben. Oder er ist im Flur eingeschlafen, weil er es nach dem Sex, der sich eben dort abspielte (sofern überhaupt einer statt fand, so genau kann man das ja nach einer durchzechten Nacht nie sagen), nicht mehr bis ins Schlafzimmer geschafft hat.

In einem solchen Moment lobe ich mir den Restalkohol, der dazu führt, dass ich es ohne Weiteres (noch einmal) mit der Person, die da in meinem Flur, unter dem Küchentisch oder neben der Kloschlüssel liegt, treiben kann. Der Mensch, den ich gestern aus dem Club mit nach Hause geschleppt habe, entpuppt sich als zahnloser Meth-Junkie, der ein Portrait seiner Mutter auf den Bauch tätowiert hat? Egal. Die Geilheit siegt. Und außerdem mildert Sex in halbbetrunkenem Zustand den darauf folgenden Kater etwas ab.

Es ist nämlich so: Sex ist das Beste, das man gegen einen Kater machen kann. Und Katersex ist der beste Sex der Welt. Ohne Scheiß: Vergesst all diese Tipps von wegen Wechselduschen, Rollmops zum Frühstück, Ibuprofen und einer großen Flasche Wasser. Was wirklich gegen Kater hilft, ist ein ordentlicher Fick.

Die Geilheit, die mich überkommt, wenn ich verkatert bin, ist absolut einzigartig. Ich bin zwar jedes Mal verwundert, dass mein Körper damit reagiert, wenn er nebenbei mit starker Übelkeit, nahezu unerträglichen Kopfschmerzen und absoluter Kraftlosigkeit zu kämpfen hat, doch er tut es. Und ich mag das. Nicht nur, dass der Sex dann irgendwie anders ist (also geiler, weil viel versauter als normal), nein, auch meine Orgasmen haben eine ganz andere Qualität, als wenn ich nüchtern mit jemandem schlafe. Es ist ein bisschen so, als würde man in der brennenden Hölle plötzlich Gott begegnen. Wirklich.

Nun kann ich ja wirklich nicht von mir behaupten, ein verklemmter Mensch zu sein, wenn es ums Thema Sex geht. Von den Jungs und Mädchen, mit denen ich so im Bett lande, kann ich das allerdings nicht immer behaupten. Zumindest nicht in nüchternem Zustand. Jetzt wissen wir vermutlich alle, wie schlecht betrunkener Sex eigentlich ist. Auch wenn wir uns natürlich immer einreden, dass wir in diesem Zustand besonders hemmungslos und damit auch ziemlich super sind.

Fakt ist aber: Betrunkene sind schlechte Ficker. Verkaterte Menschen jedoch haben die Hemmungslosigkeit eines Betrunkenen, aber die sexuellen Fähigkeiten eines Nüchternen. Ich meine: Hallo? Besser kann’s ja wohl nicht sein! Und so wird das graue Mäuschen vom Vorabend zu einer Sexbombe, die in Sachen Schweinereien selbst Sasha Grey blass aussehen lässt.

Den besten Katersex hatte ich nach einer durchschwitzen Nacht in einem schäbigen Club in der Nähe meiner Heimatstadt. Mein damaliger Freund und ich hatten alles geschmissen, was wir an illegalen Substanzen finden konnten, und nebenbei noch kräftig getrunken. Als wir gegen 18 Uhr aus unserem Vollrausch erwachten, wussten wir zwar nicht mehr, wie wir nach Hause gekommen waren, waren dafür aber ziemlich geil.

Jeder, der schon mal auf Drogen gefickt hat, weiß, dass sich das manchmal als schwierig entpuppt, doch hat man erst mal den richtigen Grad der Ausnüchterung erreicht (heißt: funktionieren die Geschlechtsteile wieder so, wie sie sollten), kann man sich wohl auf den besten Fick seines Lebens gefasst machen. Ich sage doch: Katersex ist der beste Sex!

Nach dieser Nacht hatte ich das erste Mal Analsex. Ich war tatsächlich so geil, dass ich mich gar nicht entscheiden konnte, in welches meiner Löcher mein Freund mich zuerst ficken sollte und gleichzeitig entspannt genug, dass das ganz ohne Schmerzen ging. Die restlichen Drogen in meiner Blutbahn taten wohl ihr übriges, aber während er mich mit der nötigen Vorsicht, ohne dabei zu sanft zu sein, fickte, kam ich so hart, dass ausgedehnte (pun indended) Arschficks seitdem ganz oben auf der Liste meiner persönlichen Vorlieben stehen. Auch nüchtern.

Damit wäre eines bewiesen: Sex während des Auskaterns macht nicht nur, dass das schlechte Gefühl, das so eine durchzechte Nacht mit sich bringt, schneller verschwindet, es verleitet auch zu Experimenten, die sich das ein oder andere Mal dann doch als extrem gut herausstellen. Auf ausgefallene Fesselspielchen sollte man allerdings lieber verzichten, wenn die Durchblutung des Körpers noch nicht richtig funktioniert. Genauso wie sich Deep Throating und extreme Facefucks nicht unbedingt gut machen, wenn der Magen aufgrund des hohen Alkoholkonsums am Vortag eh schon rebelliert. Ich spreche da aus Erfahrung.

Es sei denn, du stehst darauf, beim Sex angekotzt zu werden. Dann probiere das nach einer durchzechten Nacht unbedingt! Die Schwelle, die einen zum Entleeren seines Mageninhalts auf den Schwanz des Partners bringt, ist viel schneller erreicht als wenn man nüchtern ist. Ist aber irgendwie auch noch ekliger. Und ich glaube, Lust, die Sauerei danach aufzuwischen, hat man im Katerzustand noch weniger als nüchtern. Aber vielleicht stehst du ja auch darauf, in deiner oder fremder Kotze zu schlafen. Dann probiere das bitte unbedingt!

Ansonsten: Tut, worauf ihr Bock habt. Denn ich weiß, dass ihr Bock habt. Ein guter Rausch lässt die Libido nämlich mindestens so krass hochschnellen wie ein guter Porno. Das wisst ihr, das weiß ich und das wissen sogar unsere Eltern. Fickt, lasst euch ficken und zeigt dem Kater mal so richtig, wo es lang geht. Euer von Alkohol und Drogen geschundener Körper wird es euch danken.

Sollte sich kein potentieller Geschlechtspartner in der Nähe befinden und das Tindern im Katerzustand zu anstrengend sein, tut es natürlich auch die gute alte Selbstbefriedigung. Ob mir der Hand oder mit Spielzeug, das ihr euch in die Körperöffnungen eurer Wahl steckt: Wenn ihr verkatert seid, solltet ihr es auch auf alle Fälle besorgen.

Das ist zwar nur halb so schön wie richtiger Sex, aber gegen den Kater hilft es allemal. Wenn nicht beim ersten, dann beim zweiten oder dritten Orgasmus. Versprochen! Und das Bett verlassen sollte jemand, der gerade erst dabei ist, wieder nüchtern zu werden, sowieso erst für die abendliche Katerpizza vom Lieferdienst.

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Illustration: Disney
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Superschönes Südkorea
Eine kleine Fotoreise durch Seoul
Text: Daniela Dietz
Fotografie: Marlen Stahlhuth

Hach, es ist kaum in Worte zu fassen, wie schön Seoul ist. Wie bunt es ist. Wie lebhaft und so voller Geheimnisse. Dank des gigantischen Erfolgs von K-Pop und diversen Seifenopern in westlichen Gefilden sind auch immer mehr Augen auf das Land am anderen Ende der Welt und ganz besonders deren pulsierende Hauptstadt gerichtet. Der scheinbare Feind sitzt im Norden, während im Süden das Leben in all seiner Pracht gefeiert wird. Natürlich hat auch Südkorea gesellschaftliche Herausforderungen, die es zu meistern gilt, aber wenn man gerade erst in Seoul angekommen und durch die Straßen schlendert, sieht man nur das Gute, das Schöne, das Lebendige.

Bereits im Jahr 18 vor Christus bis hin zum Jahr 475 war Seoul die historische Hauptstadt des Königreichs Baekje. Von 1394 bis 1910 war sie die Hauptstadt der Reiche Joseon und Groß-Korea. Zur Hauptstadt Südkoreas wurde sie im Jahr 1945 erhoben. Geschichte findet man trotz des rasanten technologischen Fortschritts an jeder Ecke. Besonders dann, wenn man den Blick ab von den riesigen Werbetafeln und den überhohen Skyscrapern wendet und genauer in die kleinen Straßen, süßen Restaurants und blitzenden Augen der Bewohner blickt, sieht man sie: Die Historie, die dieses Land ausmacht und nicht mehr loslässt.

Auf unserer kleinen Fotoreise durch die breiten und engen Straßen der südkoreanischen Hauptstadt kamen wir an mit bunten Fähnchen dekorierten Plätzen vorbei. Wir saßen am Fluß, sahen stolzen Eltern dabei zu, wie sie ihren Kindern die Wunder von Seoul zeigten. Wir trafen kuschelige, kleine Freunde in den putzigsten Geschäften und lernten die Kulisse einer aufstrebenden Nation kennen, deren traditionelle Wohnhäuser an gläserne Bürokomplexe grenzten. Und wir hörten poppige Musik, die aus den Lautsprechern irgendwo im Nirgendwo zu kommen schienen. Seoul ist ein von Menschen gewordenes Wunder – und wer auch nur einmal die Chance im Leben hat, hier her zu kommen, der sollte sie nutzen.

Seoul Seoul Seoul Seoul Seoul Seoul Seoul Seoul Seoul Seoul
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Digitale Romantik
Ich fand meine große Liebe bei Tinder
Von Nina Ponath

Okay, ich habe echt lange mit mir gerungen, ob ich das hier wirklich schreiben soll – oder es besser für mich behalte. Denn eigentlich stehe ich nicht so auf oft willkürlich in die Öffentlichkeit getragene Coming-Outs, aber irgendwer muss ja schließlich einmal den Anfang machen. Also tue ich es: Jawohl, ich habe meinen Freund bei Tinder kennengelernt.

Mit diesen Zeilen hier möchte ich eine Lanze brechen. Für die Dunkelziffer an Tinder-Pärchen da draußen. Ich bin mir nämlich sicher, dass das gar nicht so wenige sind. Denn eigentlich gibt es nicht ein einziges iPhone in meinem Freundeskreis, auf dem beim Durchscrollen nicht zufällig die rote Flamme an der einen oder anderen Stelle aufblitzt.

Selbstverständlich nur, weil man die App „so lustig“ findet und „nur mal eben gucken“ wollte. Ja klar. Habe ich ja auch immer gesagt, aber mal ganz ehrlich, wenn wir Tinder wirklich nur mal testen wollten, warum schleppen wir uns dann doch immer mal wieder zu einem Date hin? Nur weil wir gerade Hunger haben, oder was?

Ich dachte ja zugegeben eigentlich auch immer, dass es Menschen gibt, die sich im normalen Leben kennen lernen. Und dann halt diese Freaks, die im wahren Leben keiner haben will und die deshalb das Internet und irgendwelche komischen Flirt-Apps brauchen. Diejenigen, die früher immer in Talkshows herum saßen und sich dafür schämten.

Solche Freaks sind bei Tinder wirklich en masse zu finden, klar. Von Perversen, die dir anbieten über WhatsApp Selbstbefriedigungs-Bilder auszutauschen, Typen, die – um besonders tiefgründig zu wirken – ein sorgfältig vorbereitetes Fragen-Quiz per Copy und Paste an ihre Matches verschicken und die ganz Verzweifelten, die gleich in der ersten Nachricht ankündigen: „Wir können ja ein bisschen hin und her schreiben. Vielleicht passt es ja.“ Nichts, was es bei Tinder nicht gäbe. Und genau deshalb ist es gar nicht so anders, als das normale Leben.

Denn um ehrlich zu sein, so viel weniger freakig sind die Männer und Frauen, die man sonst so kennenlernt, auch wieder nicht. Ich erinnere mich an das Date neulich mit dem Immobilienmakler, der mich für irgend einen russischen Gold Digger gehalten haben muss. Zeigte mir in einem knapp zweistündigen Treffen seine gesamten Wertanlagen von der Ray Ban über den Porsche bis hin zur Eigentumswohnung in Eppendorf.

Oder der Typ davor, mit dem ich im Kino war, der meinen Hund nicht in seine Wohnung lassen wollte, aus Angst, er könnte etwas kaputt machen. Sorry, aber so viel kann in einer 1-Zimmer-Wohnung, mit Billy und Klöfta als einziges Inventar nun auch wieder nicht kaputt gehen.

So viel schlimmer sind die Leute bei Tinder also auch nicht – zumal ja eigentlich eh jeder Freak aus dem echten Leben dort auch mit einem durch Instagram bearbeiteten Bild vertreten ist. Wie kommt es dann, dass ich trotzdem jedes Mal, wenn ich gefragt, werde wie mein Freund und ich uns kennengelernt haben, irgendwas von Club oder Bar rede und einfach nur nix wie weg will, bevor ich mich mit irgendwelchen Details verplappere?

Ich schätze es liegt an all den Leuten, bei denen im Profil steht: „Später können wir ja einfach sagen, wir wären uns im Supermarkt begegnet.“ Soll total lustig und originell rüberkommen, ich weiß. Wirkt aber einfach nur bekloppt. Dazu schädigt dieser dumme Spruch – der nebenbei bemerkt unter jedem dritten Profilfoto steht – das Image sämtlicher Tinder-Beziehungen, bevor sie überhaupt losgehen.

So ist es nämlich ganz eindeutig: Tinder-Beziehungen sind peinlich, wir sind eigentlich alle viel zu gut dafür und deshalb haben wir uns offiziell auch auf jeden Fall ganz, ganz anders kennengelernt. Klar, ist ja auch nicht wirklich romantisch zuzugeben, dass man einfach mal wieder dringend Sex brauchte, zu faul war vom Sofa aufzustehen und sich deshalb diese famose App heruntergeladen hat.

Und dann, völlig im Tinder-Wahn bei jedem, der auch nur ansatzweise größer als 1,75 Meter aussah, begeistert nach rechts gewischt hat. Der herkömmliche Weg hört sich da natürlich gleich viel besser an: „Wir hatten da so ’ne Weihnachtsfeier… und jeder zwei Promille.“ Oder: „Bin nach ’ner Party bei ihm wach geworden und dann wollten wir mal weiter schauen.“ Oder: „Ich habe ihm zuerst eine falsche Nummer gegeben, aber dann hat er sich so viel Mühe gegeben…“ Not. Aber so erzählt das ja auch keiner.

In Liebesangelegenheiten werden nämlich grundsätzlich nur verklärte, beschönigte Halbwahrheiten erzählt, so weit das Auge reicht. Weil Liebe, das haben wir ja von Carrie und Mr. Big gelernt, etwas ganz Unfassbares, Unglaubliches und Magisches ist. Komisch nur, dass eure letzten drei Beziehungen mit Jogginghose und Chipstüte vor dem laufenden Fernseher endeten und dabei weniger magisch als doch ziemlich reell waren.

Hat man dann mal wieder eine Beziehung, darf die auf gar keinen Fall irgendwie gewöhnlich sein. Und was gäbe es Gewöhnlicheres, als zwei Menschen, die schon am Tag des Kennenlernens optisch nach Beziehungsende aussehen, weil sie mit Jogginghose und Chipstüte bei laufendem Fernseher chatten?

Da faselt man dann halt lieber was von Partys und zu viel Alkohol, das kennt ja jeder und ist schon so ein bisschen enttabuisiert. Eigentlich völlig bescheuert. Nur weil man sich bei Tinder kennengelernt hat, ist es ja noch lange nicht weniger krass, sich mit jemandem so zu verstehen, dass man ihn auch dauerhaft um sich haben will.

Klar, es ist natürlich etwas banal, jemanden mit einer Wischbewegung über das Handy kennenzulernen. Aber ich glaube eigentlich auch nicht, dass sich irgendwer schon mal allein durch das Matchen verknallt hat. Dazu gehören dann doch eher Stimme, Aussehen, Ausstrahlung, Geruch – halt alles, was man dann beim ersten richtigen Treffen sieht und wahrnimmt. Was immer ein großer Zufall ist, wenn es harmoniert, egal ob man sich schon mal betrunken im Club oder nur auf dem Handydisplay gesehen hat. Da ist Tinder genauso wenig planbar, wie das richtige Leben.

Manchmal sind ja sogar Tinder-Dates ziemlich ziemlich ungeplant. Das erste Date von meinem Freund und mir zum Beispiel. Klang krass nach Fuck-Date, ein Come-as-you-are-Treffen, nachts um 1, ungeschminkt (ich) und in Jogginghose (wir beide). Wenn man sich dann trotzdem noch mal treffen will, das über Monate hinweg und plötzlich nur noch zusammen rumhängt, dann ist das wohl kein Tinder mehr, sondern Verliebtheit. Und darum geht's doch eigentlich, wenn man nach dem Kennenlernen gefragt wird, oder nicht?

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Benee
Die moderne Popprinzessin
Von Annika Lorenz

Benee selbst ist keineswegs an den Begriff des Genres gebunden – oder an irgendeine Kategorisierung sowie Regeln in diesem Bereich. „Ich mag eklektische, zufällige Vibes“, erzählt die 20-jährige Sängerin aus Neuseeland uns. „Das ist mein Ding mit allem. Mode und Kunst. Es ist irgendwie chaotisch.“ Sie ist eine Anomalie in der Popsphäre, wirklich anders als alle anderen. Ihre Authentizität ist sofort erkennbar. „Ich tue nichts, was ich nicht tun will, weil es für mich keinen Sinn ergibt“, erklärt sie. Sie kleidet sich nicht, um zu beeindrucken, und sie hat keine Angst davor, einfach nur sie selbst zu sein: ein Kauz, unentschuldbarer Kiwi, sehr bescheiden und zurückhaltend. „Ich weiß nicht, ob ich mich jemals an den Erfolg gewöhnen werde, um ehrlich zu sein“, sagt sie. „Ich bin in diesem ständigen, überwältigenden Zustand, in dem alles sehr surreal ist.“

„In meiner Kindheit,“ sagt die aus Auckland stammende Musikerin, „fühlte ich mich ein bisschen seltsam, und es kam mir so vor, als wäre ich auf mich allein gestellt.“ Sie trieb Sport und versuchte sich in der Schule an Gitarre und Saxophon, aber die Musikkarriere von Benee begann erst wirklich, als sie vor ein paar Jahren von einem Produzenten im Internet entdeckt wurde. Sie hatte eine Reihe von GarageBand-Covers aufgenommen, von Leuten wie Gnarls Barkley und Amy Winehouse, und sie „hauptsächlich für Freunde“ bei SoundCloud veröffentlicht. Schon bald fand sie sich in einem richtigen Studio wieder und nutzte die freie Zeit, die ihr in ihrem letzten Schuljahr zur Verfügung stand, um eine faszinierende Welt der Klänge und Worte zu erkunden und zum kleinen Popstar zu avancieren.

Bis zu ihrem großen Durchbruch jonglierte Benee in Abendschichten das Geschirr als Tellerwäscherin in einem Restaurant und in einer Pizzeria und tüftelte nebenher weiter an ihren Songs. Mitte 2018 brachte Benee ihren zweifellos eingängigen Hit „Soaked“ heraus, der sofort zum viralen Erfolg wurde. Es war eine Erleichterung, sowohl für Benee selbst als auch für ihren Entdecker. Der australische einflussreiche Radiosender Triple J begann, ihn zu spielen. „Ach du meine Güte, vielleicht habe ich ja die richtige Entscheidung getroffen“, dachte Benee noch, bevor sie endgültig ein Teil der modernen Popmusik wurde.

Fotografie: Imogen Wilson
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Digitale Freiheit
Fick dich, Facebook
Von Marcel Winatschek
Fotografie: Prateek Katyal

Als die neue Generation der sozialen Netzwerke vor rund zehn Jahren zuerst in den Vereinigten Staaten und kurz darauf auch in Deutschland Fuß fassten, waren sie eine willkommene Schaubühne, um Menschen auch über die Grenzen des offenen Internets hinweg zu erreichen. Also bauten wir uns kleine Communities auf Facebook, Twitter und später auch Instagram auf, nur um viel zu spät zu bemerken, in welche ausweglose Abhängigkeit wir uns da hineinmanövrierten. Plötzlich verlangten die Netzwerke Geld dafür, dass wir unsere organisch gewachsenen Zielgruppen erreichten, nachdem wir zuvor jahrelang freiwillig und kostenlos Nutzer zu eben diesen Firmen gelotst haben.

Heute befinden wir uns in der seltsamen Situation, dass wir mit unseren auf Facebook, Twitter & Co. geteilten Beiträgen nur einen Bruchteil derer erreichen, die unsere Webseite in den sozialen Medien abonniert haben, weil wir dort nicht nur systematisch kleingehalten und sogar zensiert werden, sondern auch in der ständigen Angst leben müssen, dass unsere Kanäle gesperrt werden, wenn wir auch nur den Hauch einer weiblichen Brustwarze zeigen oder von einer kleinen Gruppe an sich durch einen unserer Artikel vor den Kopf gestoßenen Nutzern ins Visier genommen und dank der automatisierten Meldefunktion an den digitalen Pranger gestellt werden.

Das ist aber nicht einmal das eigentliche Problem. Würden wir hinter den Werten stehen, die diese Firmen verkörpern, dann würden wir weiter dafür kämpfen, unsere Sichtbarkeit in deren Kanäle zu erhöhen, dann würden wir uns gerne an ihre altbackenen Hausregeln halten, dann würden wir uns auch wohl dabei fühlen, unsere Leser davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee ist, dort Konten zu eröffnen, um nicht nur uns, sondern auch anderen interessanten Webseiten und Individuen zu folgen. Doch wir stehen nicht nur nicht hinter den Werten dieser Konzerne, nein, wir sind geradezu angewidert von dem, was aus ihnen geworden ist.

Denn sind wir mal ehrlich: Facebook ist dank seiner Agenda und den auf Krawall programmierten Algorithmen nichts weiter als ein Brutplatz der extremen Hirngespinste von aus der Gesellschaft verbannten Frührentnern, Twitter hat sich nicht zuletzt dank der Präsenz von Donald Trump in einen aus Hass und Geschrei gefüllten Tunnel der politisch motivierten Idioten verwandelt und wer auf Instagram sein Glück sucht, der ist verloren, der verschmilzt in einem immer und immer wieder durch Photoshop gezogenen Gemälde mit anderen armen Seelen, die die Realität längst hinter sich gelassen haben.

Deshalb haben wir uns dazu entschieden, von nun an nicht mehr Teil dieser sogenannten sozialen Medien zu sein, auch nicht in automatisierter Form, und unsere sozialen Kanäle auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr, Pinterest und was sich in der vergangenen Dekade sonst noch so angesammelt hat nach und nach komplett leer zu räumen. Es dürfte genügend Social-Media-Manager geben, die diesen Schritt für den absoluten digitalen Selbstmord halten, aber wir haben in den letzten Jahren allerlei Startups gesehen, die ganze Redaktionen auf eben diesen Kanälen verheizt haben, nur um kurz darauf sang- und klanglos unterzugehen.

Wer die Artikel von AMY&PINK ab jetzt konsumieren möchte, der kann das entweder durch den Besuch unserer Webseite oder durch das Abonnement unseres RSS-Feeds machen. Letzteres funktioniert zum Beispiel über Webseiten wie Feedly, Feedbin und Inoreader, Apps wie Reeder, NetNewsWire und Flym oder auch das Feedreader Plugin von Feeder für Google Chrome, Firefox sowie Safari. Dort könnt ihr dann nicht nur AMY&PINK, sondern auch alle eure anderen Lieblingsblogs und -onlinemagazine sowie in einigen Fällen sogar Twitter-Accounts, YouTube-Kanäle und Instagram-Profile hinzufügen. So verpasst ihr nichts mehr und müsst euch auch nicht mit irgendwelchen mysteriösen Algorithmen, Vorauswahlen und Glocken herum ärgern.

Mit diesem Schritt wollen wir sowohl unsere Unabhängigkeit als Onlinemagazin wiederherstellen als auch einen kleinen Beitrag zu einem freieren Internet leisten. Es kann schließlich nicht sein, dass für manche Menschen das Internet nur noch aus Facebook, YouTube und Instagram besteht – oder in welcher Blase sie sonst noch vor sich hin vegetieren. Das Internet ist groß, bunt und aufregend – und genau das wollen wir mit AMY&PINK sowohl beweisen als auch vorleben. Wer weiß, vielleicht gibt es in naher oder ferner Zukunft eine neue Generation sozialer Netzwerke, die diese scheinbar aus der Mode gekommenen Werte ebenfalls teilen, aber bis es soweit ist, genießen wir unsere neu gewonnene Freiheit. Darauf erst einmal ein kühles Gläschen Gin Tonic!

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Shoppingtour durch Tokio
In Harajuku ist die Welt noch kunterbunt
Text: Daniela Dietz
Fotografie: Marlen Stahlhuth

Wenn es um Mode in all ihren Formen, Farben und Großartigkeiten geht, dann ist die fernöstliche Metropole Tokio ein riesiges und monströses Universum voller kleiner und gigantischer Klamottenläden, gut versteckter Vintageshops und unabhängiger Galerien. Alte Geschäfte machen zu, neue sprießen wie Pilze aus dem Boden. In einer endlosen Wiederholung. Es ist schwer, hier immer auf dem Laufenden zu bleiben. Doch was fast noch interessanter ist, als nur up-do-date in Sachen Mode zu sein, ist es, selbst einmal durch die unterschiedlichen Geschäfte der japanischen Hauptstadt zu flanieren.

Besonders in Harajuku, dem legendären Stadtteil von Tokio, in dem Stile schneller erschaffen, gemixt und wieder verworfen werden als du „Kawaii“ sagen kannst, wärmt allein die Farbenvielfalt die hektisch umher eilenden Passanten der fernöstlichen Megametropole. Hier dominieren auffällig bedruckte und mit allerlei süßen Accessoires bestückten Pullis, Hosen und Taschen die prall gefüllten Straßen und Gassen. Stilbewusste Schüler werfen nach dem lauten Gong die Uniformen von sich und schmücken sich mit dem puren, letzten Schrei.

Gerade sind junge Labels wie RRR Shop, Peco Club und Pinnap total angesagt. Die lassen sich super mit etablierteren Marken wie H&M, Converse oder Topshop kombinieren. Aber man findet auch allerlei kuriose Schätze inmitten der manchmal vollgestopften, manchmal minimalistisch dastehenden Regale. Mal blickt einem Sailor Moon aus den Untiefen der Gänge an, mal findet man sich inmitten einer wuscheligen Kuscheltierhölle wieder, mal steht man mitten im Süßigkeitenparadies. Tokio ist eine kunterbunte Wunderwelt – und das merkt man am besten in den Geschäften der Stadt.

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Ungekommen
Ein Leben ohne Orgasmus
Von Lena Freud
Illustration: Barry Sonnenfeld

Die traurige Wahrheit ist: Ich hatte noch nie in meinem Leben einen richtigen Orgasmus. Weder wenn ich es mir selbst gemacht habe, noch wenn ich Sex mit meinem Freund hatte. Und das obwohl ich inzwischen Mitte 20 bin und schon einige sexuelle Beziehungen hinter mir habe. Darunter sogar eine mit einer Frau, weil ich durch das Fehlen eines sexuellen Höhepunktes zwischenzeitlich mal kurz dachte, dass ich eine Lesbe sei und nur deshalb beim Sex mit Männern und mir selbst nicht kommen würde.

Das stellte sich allerdings sehr schnell als Trugschluss heraus. Die Frau, mit der ich im Bett war, konnte mich auch nicht zum Orgasmus bringen – und ich musste feststellen, dass ich fremden Muschis so wirklich gar nichts abgewinnen kann.

Wenn ich meinen Freundinnen davon erzähle, dass ich noch nie einen sexuellen Höhepunkt hatte, reagieren die meistens schockiert. Dass man beim Ficken einfach nicht kommen kann, kennen sie alle. Doch dass es auch bei der Selbstbefriedigung mit den Fingern oder diversem Spielzeug einfach nicht klappen will, finden sie alle dann doch ungewöhnlich, wenn nicht sogar komplett unverständlich.

Tipps, wie ich es schaffen kann, mich selbst so zu stimulieren, dass ich auch mal in den Genuss eines sexuellen Höhepunktes komme, haben sie allerdings nicht so wirklich parat. Außer: üben, üben, üben und sich vielleicht weniger auf den sogenannten G-Punkt zu konzentrieren und mehr auf den Kitzler.

Einmal sprach ich das Problem mit dem fehlenden Orgasmus bei meiner Frauenärztin an, weil ich es einfach leid war, das einzige Mädchen, wenn nicht sogar die einzige Person in meinem gesamten Freundeskreis zu sein, die nicht wusste, wie sich so etwas anfühlt, geschweige denn, wie man überhaupt in die Nähe von so etwas wie einem Höhepunkt kommt.

Deren erste Frage war, ob ich als Kind sexuell missbraucht oder später von einem meiner Partner vergewaltigt worden war. Beides ist nicht der Fall. Nachdem ich ihr das so gesagt hatte, bekam ich als Tipp, mich einfach zu entspannen und vom Druck zu lösen, dann würde es schon klappen mit dem Höhepunkt. Das tat es aber nicht. Egal, wie sehr ich mich und meine Vaginalmuskeln zu entspannen versuchte.

Mag ja sein, dass sexuelle Probleme mit sexualisierter Gewalt in Verbindung stehen, bei mir ist das allerdings nicht der Fall. Was es für mich nur noch umso frustrierender macht, dass ich keinen Orgasmus kriegen kann, weil es mir das Gefühl vermittelt, dass mit mir und meinem Körper einfach ganz grundlegend etwas falsch ist.

Dass ich asexuell sein könnte, glaube ich übrigens auch nicht. Ich habe in meiner Verzweiflung nämlich irgendwann begonnen, mich mit dem Thema Asexualität zu beschäftigten und das, was andere asexuelle Menschen so in Bezug auf ihre eigene Sexualität so beschreiben, trifft auf mich ganz und gar nicht zu.

Ich fühle mich sehr wohl zu anderen Personen (oder besser gesagt zu Männern) sexuell hingezogen, werde bei Berührungen an den richtigen Stellen geil und beim Anblick diverser Deutschrapper mit Migrationshintergrund sogar ziemlich feucht und habe generell sehr gerne Sex. Nur mit dem Orgasmus will es bei mir nicht so richtig klappen. Und ich will ehrlich sein: Inzwischen leide ich darunter sehr.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass das Schlimmste, was einem Mann passieren kann, ein gespielter Orgasmus ist. Ich glaube, das Schlimmste, was einem Mann passieren kann, ist wenn die Frau, die er bumst, generell keinen Orgasmus kriegt. Meine letzte Beziehung ist daran sogar zerbrochen, obwohl es nun wirklich nicht seine Schuld war, dass ich einfach nicht kommen konnte. Hätte ich ab und an mal etwas vorgetäuscht, wären wir heute mit Sicherheit noch zusammen. So aber hat er drei Jahre weggeworfen, nur weil mein Körper nicht so wollte, wie wir beide uns das erhofft hatten.

Um unsere Beziehung irgendwie zu retten, haben wir es sogar mit Analsex und BDSM versucht – erfolglos. Es hätte ja sein können, dass ich nur dann einen Orgasmus bekomme, wenn ich geohrfeigt werde, während mir mein Freund mit seinem Schwanz ins Arschloch hämmert, doch nicht einmal das war der Fall. Zugegeben, es hätte mich schon stark gewundert, wenn ausgerechnet das funktioniert hätte, aber probieren geht ja bekanntermaßen über studieren, und um meine Beziehung zu retten, wollte ich nichts unversucht lassen.

Abgesehen davon, dass ich natürlich schon ganz gerne wüsste, wie sich so ein richtiger, echter Orgasmus überhaupt anfühlt. Ob es wirklich so ein unbeschreibliches Feuerwerk ist, ein Blitzschlag, der auf gute Art und Weise durch den ganzen Körper geht, ein Gefühl, das die Engel in deinen Ohren singen lässt und dich sogar süchtig machen kann.

Vor einem halben Jahr habe ich eine Psychotherapie bei einer speziell ausgebildeten Sexualtherapeutin begonnen, um mein Orgasmus-Problem in den Griff zu bekommen und endlich mal einen sexuellen Höhepunkt zu erfahren. Im Normalfall arbeitet sie mit Männern, die zu früh ejakulieren oder Paaren, die mit ihrem Sexleben generell unzufrieden sind, weil sie im Bett unterschiedliche Sachen wollen. Doch auch immer mehr junge Frauen, die Probleme damit haben, sich beim Sex wirklich fallen zu lassen, kommen zu ihr in die Praxis, um sich bei ihren Sexualproblemen helfen zu lassen.

Bisher hat die Therapie mir allerdings sehr wenig gebracht. Zwar kenne ich meinen Körper und die einzelnen Teile meiner Vulva und Vagina inzwischen besser als alle anderen Frauen in meinem privaten Umfeld, aber einen Orgasmus hatte ich immer noch nicht. Inzwischen habe ich die Hoffnung, überhaupt jemals einen sexuellen Höhepunkt zu erleben und die Engel singen zu hören sogar fast vollständig aufgegeben. Vielleicht muss es nämlich einfach Frauen wie mich geben, die nie kommen.

Ja, vielleicht bin ich sogar dazu geboren worden, anderen Frauen zu erzählen, dass es vollkommen okay ist, keinen Orgasmus zu haben und noch nie einen gehabt zu haben, weil das ganze Prinzip sowieso nur auf gesellschaftlichem Druck beruht, der einem sagt, dass man nur ein vollwertiges Mitglied dieser Gesellschaft ist, wenn man möglichst krass und möglichst häufig kommt.

Wenn ihr an dieser Stelle trotzdem Tipps habt, wie ich es schaffen kann, mich selbst zum Höhepunkt zu bringen, bin ich natürlich dankbar. So sehr sogar, dass ich dem ersten Typen, der es schafft, mich zum Kommen zu bringen, sogar Geld dafür bezahlen würde. Denn wenn ich ehrlich bin, dann will ich doch nicht sterben, ohne jemals einen Orgasmus gehabt zu haben.

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Die Ladenhüterin
Das perfekte Buch für seltsame Menschen
Text: Marcel Winatschek

Ich habe mir vorgenommen, in nächster Zeit endlich die wichtigsten mehr oder weniger aktuellen Bücher japanischer Autoren zu lesen, weil ich quasi zu gar nichts mehr komme – warum auch immer. „Die Ermordung des Commendatore“ von Haruki Murakami zum Beispiel. Oder „Die Insel der Freundschaft“ von Durian Sukegawa. Oder „Sendbo-o-te“ von Yoko Tawada. Am Samstag habe ich mich mit einer hochschwangeren Freundin getroffen und nachdem wir uns etwas beim Thailänder um die Ecke geholt haben, pilgerte ich zum nächstgelegenen Bücherladen, um mich ein wenig in der kunterbunten Welt der geschriebenen Worte niederzulassen.

Im obersten Stockwerk des Ladens gab es einen eigens für japanische Autoren eingerichteten Tisch und dort lag dann neben anderen Favoriten auch der Roman „Die Ladenhüterin“ der Autorin Sayaka Murata, das ich schon im letzten Jahr lesen wollte – aber dieses Vorhaben hatte ich natürlich wieder irgendwie gedanklich verbummelt. So lag es da, das rote Buch mit den Kugelfischen drauf, und ich dachte mir: Ha, jetzt gehörst du endlich mir, du kleiner Roman du! Auf einer Parkbank, regelmäßig von meinem Kaffee schlürfend, verschlang ich die erste Hälfte des Werkes, kurz darauf dann gleich die zweite.

Worum geht’s? Keiko Furukura war schon als Kind eine Außenseiterin, deren alternative Gedanken ihren Eltern Angst machte. Um den beiden nicht länger Sorgen zu bereiten, fasste sie den Plan, ein ruhiger und funktionierender Teil der Gesellschaft zu werden und findet als Angestellte eines 24-Stunden-Supermarktes ihre wahre Bestimmung. Gefühle sind Keiko fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Universität auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen.

„Der Convenience Store ist voller Geräusche“, schreibt Sayaka da. „Begleitet vom Glockenklang beim Eintreten der Kunden, preist ein Promisternchen über Lautsprecher neue Produkte an. Dazu kommen die Stimmen der Angestellten, das Piepen beim Einlesen der Strichcodes, der dumpfe Aufprall, mit dem Waren in Körbe plumpsen, das Klacken von Absätzen und das Knistern von Brottüten. All das verbindet sich zu dem einen typischen Konbini-Klang, den ich stets im Ohr habe. Eine Plastikflasche wird aus dem Regal genommen, die darüberliegende rollt mit einem leisen Ton nach. Mein Körper reagiert beinahe automatisch auf dieses Geräusch, denn viele Kunden nehmen sich die kalten Getränke erst kurz bevor sie zur Kasse gehen.“

Und weiter: „Vor allem morgens, wenn der Tag beginnt und die Menschen an unserer fleckenlos polierten Scheibe vorbeieilen, genieße ich meine Arbeit in dem hell erleuchteten Glaskasten. Um diese Zeit erwacht die Welt, und ihre Zahnräder setzen sich in Bewegung. Eines dieser Rädchen bin ich, und ich drehe mich immerfort. Ich sehe auf die Uhr. Gleich halb zehn. Um diese Zeit lässt der morgendliche Andrang allmählich nach, und ich muss mit dem Einräumen fertig werden, um anschließend die Vorbereitungen für die Mittagszeit treffen zu können. Ich strecke mich und gehe wieder zum Regal, um weiter Onigiri einzusortieren.“

Im Konbini bringt man Keiko den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Ihre Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sich versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht. Beeindruckend leicht, elegant und auch nüchtern entfaltet Sayaka Murata das Panorama einer Gesellschaft, deren Werte und Normen unverrückbar scheinen. „Die Ladenhüterin“ ist ein Roman, der weit über die Grenzen Japans hinaus strahlt. Und ich kann es kaum erwarten, Sayakas nächstes Buch zu lesen.

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