
Gerade bin ich wieder in Tokio, aber die letzten zwei Tage habe ich im Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark verbracht. Dem Namen nach zu urteilen kann man sich schon denken, dass in diesem Nationalpark der heißbegehrte Berg Fuji-san aus dem Boden 3776m in die Höhe gewachsen ist. Fuji kommt von Feuer und ist insgesamt 18-mal ausgebrochen, zuletzt im Jahre 1707 und ein neuer Ausbruch wird auf alle Fälle kommen. Schön, hab ich mir gedacht, da muss ich doch dann mal hinfahren. Nein, Spaß. In der kleinen Stadt Fujikawaguchiko, welche gleich am Fuji liegt, stehen Evakuierungstafeln, wo man hinlaufen sollte, falls es zu einem Ausbruch kommt. Hm, aber ob diese Unterkünfte bzw. Plätze dann helfen ist die Frage.
Auf alle Fälle ging es dann am Montag in der Früh mit Isa, Lara und Kristin mit dem Bus von Shinjuku aus nach Fujikawaguchiko. Dort angekommen sind wir dann erst mal zum Hostel (welches echt schön war und sauber und jetzt kommt das Beste: ich hatte ein Bett! So mit Matratze und so) und danach sind wir beim Inder um die Ecke durch das scharfe Curry ins schwitzen gekommen. Es war dann so ungefähr 13 Uhr als wir uns geeinigt haben, dass wir noch ne kleine Wanderung von ca. drei Stunden (nach unserer mega geilen selbst gezeichneten und kopierten Hostelmap) an unser Curry hängen.
Erst sind wir schön am Kawaguchikosee vorbei gewandert und dann ein kleines Stück mit einer Seilbahn hoch auf eine art Bergkette um dort auf der Bergkettenschneide zum Mitsu-toge Berg zu wandern. Ich hab extra Schneide geschrieben weils größtenteils links und rechts Meter(wenn nicht km) weit runtergegangen ist und wir auf ca. 20cm Trampelpfaden gewandert sind. Natürlich hat das dann auch keine 170 Minuten gedauert bis zu diesem tollen Berg sondern ungefähr so drei oder vier Stunden. Die Aussicht hat sich gelohnt. Man konnte super schön den Fuji sehen aber sei mal da oben auf einem 1785m hohen Berg, die Sonne geht unter und du hast einen „errechneten“ 140-minutigen Wanderweg vor dir und da oben auf dem tollen Berg steht noch ein Schild, dass da Bären rumlaufen. So richtige Bären, nich so welche wie Bruno. Sondern so Nationalparkbären, die ganz heiß auf deutsche Wanderer sind, weil sie vielleicht zufälligerweise nicht in ihrem Nationalpark gestört werden möchten.

Ok. Mit einem Bärengewissen gings dann nach ein paar Fotos sofort wieder weiter. Zum Abstieg. Die Kniescheiben schmerzten, alle mussten Pipi, wollten nach Hause, aber wir hatten Spaß. Fast im Tal angekommen wurden wir dann noch mit ein paar schönen Wasserfällen beglückt und einen Schrein gab es dann noch als Gutenachthupferl oben drauf. Schön verschwitzt sind wir dann noch in einem dieser tollen Family Mart-Supermärkte reingestört und haben uns Abendbrot gekauft und die Toilette des Supermarktes missbraucht um anschließend noch ne dreiviertel Stunde zum Hostel zu laufen.
Ich weiß nicht ob ich Isa nur einen Gefallen tun wollte, mir selber etwas beweisen oder ob mich der Schlafmangel, der übermäßige Sauerstoffkonsum oder das Supermarktessen dazu gebracht haben der Isa zu versprechen mit ihr den Fuji-san zum Sonnenaufgang an hochzulaufen. Haha ja wir haben es dann wirklich gemacht, uns schnell in den zweistunden Aufenthalt im Hostel geduscht, um uns dann wieder auf unsere Stinkesocken zu machen. Gepusht von der Vorstellung vom Sonnenaufgang und mit unserem Licht der 980 Yen Taschenlampe, auch aus dem Family Mart, der hat ja 24 Stunden am Stück auf, haben sich zwei mutige Mädels zum Fuji-san aufgemacht.
Der Berg ist zur Zeit gesperrt und nur zur Sommerzeit zwei Monate auf, aber man kann das ganze Jahr über bis zur fünften Station hochlaufen. Den Wanderweg haben wir auch wieder auf unserer Hostelmap gefunden und uns fünf Stunden vorhergesagt. Ok dachten wir, hängen wir noch drei Stunden drauf dann stimmt nämlich die Zeitberechnung laufen um 0 Uhr los und sind dann so um 7 oder 8 Uhr in der früh da, schauen uns unterwegs bei einer Rast den Sonnenaufgang an und treffen uns mit den anderen so um 11 Uhr oben auf dem Berg. Kristin und Lara schlummerten in ihren Bettchen im Hostel, als wir beide verzweifelt versucht haben über eine Art Autobahnkreuz zu kommen, um zu unserem Beginnpunkt der Wanderung zu kommen. Hallo?!! Es war halb drei in der Früh bis wir überhaupt zu Sengen Jinja gekommen sind, weil uns das Fujikyu Higland (so’n spastischer Freizeitpark) den Weg versperrt hatte.

Naja ok. Drei Stunden weniger, mein Gott dann laufen wir eben schneller! Also sind wir dann mitten in der Nacht durch die Tempelanlage geschlichen, um unseren Wanderweg zu finden. Flötepiepe nö haben wir natürlich nicht gefunden und sind dann einfach eine Straße Richtung Fuji hochgelaufen. Es war gruselig. Es war dunkel. Es war mitten in der Nacht. Wir wussten, dass es Bären gibt und andere tolle Viecher. Die Taschenlampe ließen wir größtenteils aus um keine Tiere anzuziehen. Teilweise hielten Isa und ich Händchen, weil der Wald ziemlich bedrohlich rüber kam mit seinem Knacken und Knarren. Aber wir wollten da unbedingt hoch. Wir wollten uns doch den Berg anschauen und sagen können: „Hey da bin ich schon mal hochgelaufen“ Also weiter.
Wir verliefen uns, wir liefen hoch und runter, Strecken bis zu vier mal und ja ich habe sogar getrampt um schneller ans Ziel zu kommen. Im Auto lief die tolle Musik vom Film “Kill Bill” und ich habe nur darauf gewartet umgebracht zu werden. Stattdessen hat sich unser Fahrer den Arsch abgelacht als er uns rausgelassen hat und uns den Weg erklärte wie wir weiter kommen. Wir haben uns ganz lieb bedankt und konnten dann nur noch so pinken Bändern folgen, welche uns den Weg zeigten.
Isa und ich müssen ziemlich scheiße ausgesehen haben, nicht nur durch den nicht vorhanden Schlaf und die vier Stunden Wanderung, die hinter uns lagen, sondern auch als wir ein altes Flussbett gesehen haben. In dem Flussbett waren nur alte Lavabrocken. Das ganze Ding ist durch die Schwere der Steine zusammengebrochen und strahlte nur noch Bedrohlichkeit aus. Unsere pinken Fähnchen führten uns durch das Labyrinth von Lavabrocken. Wir hingen gerade mitten im Hang als wir merkten, dass wir wohl hier mit Turnschuhen nicht weiterkommen und es einfach zu gefährlich für uns ist diesen schlecht markierten Weg zu nehmen um noch rechtzeitig oben anzukommen, sodass die anderen sich keine Sorgen machen brauchen. Also machten wir kehrt. Es wäre einfach nur noch unvernünftig gewesen.

Wir hatten einen scheiß Hass auf unsere Hostelmap und auf uns, weil wir uns nicht richtig informiert hatten und wir ja zum Teil auch selber schuld waren. Also wieder runter, durch die Lavabrocken, zurück zu unserem alten Wanderweg, zur Straße. Halb sieben war es in der früh als uns netterweise ein Mann, der vom Golfen gekommen ist und uns zurück zum Sengen Shirne Trail gebracht hat. Ich glaube ich war selten jemanden so dankbar weil mir inzwischen alles weh tat, ich Hunger hatte und müde und verärgert war. Aber es war wohl eine der schönsten Erfahrungen, die ich für mich persönlich machen konnte. Eine Klassenkameradin besser kennenlernen zu dürfen, mit ihr so ein krasses Stück Lebensgeschichte teilen zu dürfen und mir reichlich Gedanken über mich selber gemacht haben zu können.
Um sieben Uhr nahmen wir den Bus zur Kawaguchiko Station um dort mit dem Bus mit den anderen in einer einstündigen Fahrt den Fuji-san hochzufahren. Ich war so fertig, bin es glaub immer noch. Nur jetzt hab ich noch so einen krassen Muskelkater, dass ich mich kaum bewegen kann. Das war das härteste Bauch-Beine-Po-Training meines Lebens und das beste! Ich könnte euch echt noch stundenlang von der tollen Natur erzählen, dass unser Hostel voll schön war und wir einfach viel Spaß zusammen hatten aber das sprengt glaub dem Rahmen eines Blogbeitrages.
Jetzt bin ich wieder in Tokio, sitz in meiner Hütte hier mit der lieben Kristin. Die Koffer sind gepackt und nachher geht’s noch nach Koenji um mit den anderen beiden der Fujitour unseren Tokio-Abschied zu feiern. Hey. Schön wars. Eine der schönsten Erfahrungen die ich machen durfte aber ich freu mich schon wieder wahnsinnig auf meine Familie und auf meine Freunde und auf das verdammt fleischhaltige megadeftige Essen! Bald bin ich wieder daheim!