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	<title>AMY&#38;PINK &#187; Literatur</title>
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	<description>Booms From Berlin And Munich.</description>
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		<title>Frankfurter Buchmesse - Im Reich der gedruckten Fantasien</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Oct 2011 09:33:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meltem Toprak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Letztes Jahr noch träumte ich als Mamsell hinter dem Tresen, mit weißer Schiffchenmütze und Schürze, davon, die Buchmesse irgendwann mit allem anderen, als der Personalkarte betreten zu können. Als angehende Germanistikstudentin war ich fest davon überzeugt, ich müsse das Literatur-Territorium aus den „einzig richtigen Gründen“ betreten und nicht als Küchenpersonal. Nur ein Jahr später durfte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2011/10/frankfurter_buchmesse_01.jpg" /><br/><br/><p>Letztes Jahr noch träumte ich als Mamsell hinter dem Tresen, mit weißer Schiffchenmütze und Schürze, davon, die <a href="http://www.buchmesse.de/">Buchmesse</a> irgendwann mit allem anderen, als der Personalkarte betreten zu können. Als angehende Germanistikstudentin war ich fest davon überzeugt, ich müsse das Literatur-Territorium aus den „einzig richtigen Gründen“ betreten und nicht als Küchenpersonal.</p>
<p>Nur ein Jahr später durfte ich gestern an meinem Geburtstag die Messe mit einer Pressekarte für Journalisten besuchen. Ich hielt es für das beste Geburtstagsgeschenk. Wirklich. Dabei hatte ich letztes Jahr von den Gesprächen zwischen Koch und Kollegen, Restaurantmanager und Kunden so viel mehr gelernt, bevor ich müde und erschöpft durch die Gänge der Messe watschelte. So schnell kann man sich eben täuschen.</p>
<p>Ich kann also nur jedem, der sich für diese Arbeit nicht schade genug und an der Literatur interessiert ist, empfehlen, das mal auszuprobieren. Drei Fliegen mit einer Klappe, ich sag&#8217;s euch. Dieses Mal ist Island das Gastland, und somit hoffe ich, in den nächsten Tagen ein wenig mit dieser mir sehr fremden Kultur in Berührung zu kommen.</p>
<p>Ich bin nun also bereits das dritte Mal auf der Buchmesse und ich kann nur sagen, dass man auch als „kleines Pressemädchen“ bei den großen Verlagen kaum Informationen bekommt. Wie ihr seht, ob Küche oder Presse, gar kein Unterschied, man wird völlig gleich behandelt. Das nenne ich Demokratie. Männer in Anzügen und literarisch kennzeichnenden Brillen der Extravaganz auf der Nase unterschreiben mit Sekt in der linken Hand schwere Verträge. Es geht um Rechte und verdammt viel Geld. Präsentiert werden funkelnagelneue, fertige Bücher.</p>
<p>Von den großen Leiden der Künstler, dem unbeholfenen Individuum in der Gesellschaft, keine Spur. Ein Hauch von Kapitalismus schwebt in den riesigen Hallen. Dennoch bei weitem nicht vergleichbar mit der <a href="http://www.amypink.com/2011/09/internationale-automobil-ausstellung-die-eleganz-des-himmels-fahren/">Automesse</a>, keine Frage. Bücher vermitteln sehr günstig die großartigsten Geschichten, Erkenntnisse und Gedanken. Der Verkauf von Büchern unterscheidet sich eben nicht nur dadurch vom Verkauf der Kunst. Aber das ist eine andere Geschichte.</p>
<p>Die Ebene mit den großen Verlagen ist also mein erster Aufenthaltsort. Die kleinen <a href="http://www.reclam.de/">Reclam</a>-Heftchen, von denen uns manch eines schon während der Schulzeit quälte, was auch ich bedauernd zugeben muss, weichen nun vom klassischen eintönigen Cover in gelb oder rot ab. Weltliteratur umhüllt in bunten vertikalen Streifen.</p>
<p><img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2011/10/frankfurter_buchmesse_02.jpg" alt="" /></p>
<p>Meiner Meinung nach war die Schlichtheit Reclams eine eigene Klassik, die in ihrem Wesen der klassischen Literatur gerecht wurde. Der Inhalt spricht für sich, kann somit auf eine glorreiche Untermalung verzichten. Doch sind diese Farben sehr frisch, und gegen harmonierende Veränderungen hat doch keiner was, oder? Ausgestellt war außerdem bei einem Verleger mit Publikationen der Automobilindustrie der patentierte Motorwagen, mit dem Karl Benz seine revolutionäre Idee zur Wirklichkeit machte.</p>
<p>Bei <a href="http://www.diogenes.ch/">Diogenes</a> ist mir neben all den Bestsellern wie „Elf Minuten&#8221; von <a href="http://paulocoelho.com/">Paulo Coelho</a> oder „Der Koch“ von <a href="http://www.diogenes.ch/leser/autoren/a-z/s/suter_martin/biographie">Martin Suter</a>, dem Autor von &#8220;Lila Lila&#8221; &#8211; was ich euch übrigens bestens empfehle – die Publizierung „Sempé in New York“ ins Auge gesprungen. Der französische Künstler und Karikaturist <a href="http://www.artnet.de/Künstler/jean-jacques-sempé/">Jean-Jacque Sempé</a> zeichnete für die Zeitschrift „The New Yorker“ humorvolle Szenerien mit kritischen Feingefühl.</p>
<p>Fast einhundert Cover sind während seiner Reise in der Riesenmetropole entstanden. In einem Band werden diese mit Gesprächen über das Glück in der amerikanischen Metropole und vielem mehr zusammengetragen vorgestellt. Wenn wir schon bei Diogenes sind. Einer der jüngsten deutschen Schriftsteller nennt sich <a href="http://www.zeit.de/2009/32/LB-Wells">Benedict Wells</a>. Sein neuestes Buch „Fast genial“ handelt von einem „mittellosen Jungen,der eines Tages erfährt, dass sein ihm unbekannter Vater ein Genie ist, und sich auf die Suche nach ihm macht.“ Es wird das Abenteuer seines Lebens.</p>
<p>Seinen ersten Roman „Becks letzter Sommer“ habe ich letztes Jahr im Sommerurlaub in der Türkei sehr gern gelesen. Der 30-jährige Musiklehrer unternimmt mit seinem talentierten Schüler aus Litauen, und seinem einzigen Freund, dem Philosophen, Türsteher und Deutschafrikaner Charles, einen Roadtrip von München nach Istanbul. Überzeugt euch selbst vom Talent und Witz des jungen Schriftstellers.</p>
<p>In der Ebene der Kunstbücher könnte ich doch gerade jedes Buch mitnehmen, wenn die nur nicht so teuer wären. Der Verlag <a href="http://www.gestalten.com/">Gestalten</a> hat alle Werke des portugiesischen Straßenkünstlers <a href="http://musengefluester.wordpress.com/2011/03/01/scratch-the-surface/">Vhils</a>, der vor allem für „Scratch the Surface“ bekannt ist, veröffentlicht. Sehr empfehlenswert ist auch der weitreichende Band „German Fashiondesign (1945 bis 2012)“ über deutsche Designer, Models, Fotografen und vielem mehr.</p>
<p><img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2011/10/frankfurter_buchmesse_03.jpg" alt="" /></p>
<p>Bücher über Kinder, die zwischen zwei Kulturen aufwachsen, gibt es viele. Doch das Buch „Meine Mutter, der Indianer und ich“ der Autorin Kerstin Groeper beleuchtet eine ganz andere Welt. Ein 15-jähriger Junge, im Stich gelassen von autoritären, rationalen Lehrern des bayerischen Schulsystems, das nichts als leistungsorientiert ist.</p>
<p>Auf die Aggressivität, die sich aus der Verlorenheit dieses Jungen ausbreitet, reagiert der indianische Stiefvater auf eine ganz eigene, gar nicht gewöhnliche deutsche Art. Mich hat die Autorin jedenfalls sehr neugierig gemacht. Denn zu der Kultur der Indianer hat man vor allem hier in Deutschland leider kaum eine Brücke aufbauen können. Kerstin Groeper jedoch trägt mit Seminaren, Referaten und Artikeln erheblich dazu bei, dass sich das ändert. Nachdem sie viele Jahre in Kanada gelebt hat, hat sie den Verlag <a href="http://www.traumfaenger-verlag.de/">Traumfänger</a> gegründet. In Nordamerika kam sie mit der indianischen Kultur, Geschichte und Sprache in Berührung. Damit die Sprache der Teton-Sioux nicht ausstirbt, ist sie aktives Mitglieder einer Vereinigung, die sich mit viel Unterstützung für das Fortbestehen einsetzt.</p>
<p>Nach dem sehr interessanten Gespräch mit der Münchnerin kam ich irgendwann bei der Kinder-und Jugendbücherabteilung an, obwohl ich dort weniger verloren hatte. Bis ich Lillifee, Ersatz in meiner spätpubertären Zeit der 12. Klasse, und die Schlümpfe sah. Solche Bilder und Figuren der Kinderserien lösen ja aber auch immer ganz romantische Gedanken in einem aus. Geht doch jedem so, oder?</p>
<p>Den Türkeistand wollte ich natürlich nicht verpassen. Dort malt ein Künstler aus Istanbul den Besuchern wunderschöne Blumenmotive. Das Besondere an der aus Zentralasien stammenden Ebru-Malerei ist, dass die Farben nicht direkt auf Papier aufgetragen werden. In einem Gemisch aus Wasser und Moos-ähnlichem Carrageen, werden mit einem Pinsel Pigmentfarben aufgetragen.</p>
<p>Sobald die Farbe mit dem Wasser in Berührung kommt, führt es einen wunderschönen Tanz aus, der nur vom Künstler dirigiert werden kann. Den Künstler beim Schaffungsprozess zu beobachten, erzielt eine unglaublich entspannende Wirkung. Wenn das Motiv schwebend auf dem Wasser zu Ende geführt wurde, wird das Papier vorsichtig auf dem Wasser ausgebreitet, um es als Unikat zu verewigen.</p>
<p>Neben dieser wundersamen Handwerkskunst der ursprünglichen Türken, musste ich mir erneut die lächerliche Handhabung der Türkei mit dem Migrationsproblem ergehen lassen. Neben einer netten Ausstellung über die Geschichte der Gastarbeiter läuft der Film „Die Geschichte der Migration“ in Dauerschleife, worüber ich im Internet leider überhaupt nichts finden konnte.</p>
<p><img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2011/10/frankfurter_buchmesse_04.jpg" alt="" /></p>
<p>Er erzählt von der Geschichte der Gastarbeiter, die eines Tages fester Bestandteil der deutschen Bevölkerung werden sollten. Doch kommt es zu den einhergehenden Problemen, wird ein kritischer, aber wohlwollender deutscher Wissenschaftler einfach weggeschnitten, sobald er beginnt, das Migrationsproblem zu analysieren und zu begründen.</p>
<p>Die in Deutschland lebenden Türken seien bestens integriert, würden sich bestens mit den Deutschen verstehen, seien gar vollkommen deutsch, hätten überhaupt keine Probleme mit der deutschen Kultur und Sprache. Sie hätten sich bestens angepasst. Die größte Lüge überhaupt. Es gibt Fälle, wie der im Film beschriebenen Familie. Vor vierzig Jahren kam das Ehepaar aus der Türkei als Gastarbeiter, heute haben sie Kinder, die der deutschen Sprache mächtig sind, sich gar als „deutsch“ bezeichnen, und sogar Medizin studiert haben.</p>
<p>Eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch. Eine Geschichte von tausend anders Endenden. Das Lied von der Einsicht als erster Schritt zur Besserung können wir alle auswendig. Hinterfragen und Selbstreflexion im Kontext der Gesellschaft gehörte noch nie zu den Fähigkeiten der Türken. Zum Glück sah das die Dame hinter mir ähnlich.</p>
<p>Es stellte sich schnell heraus, dass sie selbst Filmemacherin ist und sich sehr stark mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Bevor sie mir sagte, dass sie dem im Film dargestellten leider gar nicht zustimmen kann, möchte sie mir versichern, dass sie nicht ausländerfeindlich sei. Dass diese (eigentlich völlig unnötige) Achtsamkeit immer noch so stark existiert, zeigt wohl auch, dass uns noch ein langer Weg bevor steht.</p>
<p>Vor wenigen Tagen erst stoß ich auf ihre Online-Präsenz ohne zu wissen, dass ich die Produzentin des Films „Kadir“ vor mir stehen hatte. Der Film handelt vom harten Leben des Baumwollbauers Kadir aus der Nähe von Dalyan an der Mittelmeerküste. Doch anders als viele Bauern aus dem Rest der Welt, verzichtet Kadir auf Giftstoffe zur Vernichtung von Unkraut.</p>
<p>Abgenommen wird die Ernte nicht von Subunternehmen der Großkonzerne wie beispielweise <a href="http://www.hm.com/">H&#038;M</a>, sondern nach Erhalt des Zertifikats „kontrollierter biologischer Anbau (kbA)“ vom deutschen Öko-Versand <a href="http://de.hessnatur.com/">hessnatur</a>. Momentan ist die Filmemacherin <a href="http://www.bt-medienproduktion.de/">Barbara Trottnow</a> auf Tour mit ihrem neuen Dokumentarfilm „Deutsch aus Liebe“, für den sie eineinhalb Jahre drei Frauen aus der Türkei begleitete, die aus Liebe einen in Deutschland lebenden türkischen Mann heiraten. Ob sie es schaffen, sich im neuen Umfeld anzupassen, die Schwierigkeit der Fremde durchzustehen, erfahrt ihr in der 86-minütigen Dokumentation.</p>
<br/><hr />
<p><small>Schreibe einen Kommentar zu diesem Artikel: <a href="http://www.amypink.com/2011/10/frankfurter-buchmesse-im-reich-der-gedruckten-fantasien/">Im Reich der gedruckten Fantasien</a></small></p>
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		<title>Coed Topless Pulp Fiction - Die Oben-Ohne-Bücher-Leserinnen</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Sep 2011 16:54:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcel Winatschek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[New York]]></category>
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		<category><![CDATA[Sommer]]></category>
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		<description><![CDATA[Diese sonnigen warmen Tage sind die perfekte Möglichkeit, um endlich mal wieder ein gutes Buch von vorne bis hinten durchzulesen. Einen Roman, Kurzgeschichten, das bürgerliche Gesetzbuch. Einfach in den Park rollen und los geht die Fantasiefahrt. Eine Gruppe junger Mädels in New York City nennt sich total leicht merkbar "The Outdoor Co-ed Topless Pulp Fiction [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2011/09/topless-reading-04.jpg" /><br/><br/>Diese sonnigen warmen Tage sind die perfekte Möglichkeit, um endlich mal wieder ein gutes Buch von vorne bis hinten durchzulesen. Einen Roman, Kurzgeschichten, das bürgerliche Gesetzbuch. Einfach in den Park rollen und los geht die Fantasiefahrt. Eine Gruppe junger Mädels in New York City nennt sich total leicht merkbar "The Outdoor Co-ed Topless Pulp Fiction Appreciation Society" und ihr Motto ist ganz klar: "Making Reading Sexy". Sie schmökern nicht nur einfach in toten Bäumen auf gesellschaftlich genutzten Grünflächen, sondern machen das am liebsten oben ohne. Gemeinsam. Frauen-Power. Oder so. Wem dabei allerdings auffällt, dass die bezaubernden <a href="http://coedtoplesspulpfiction.wordpress.com/">Leseratten</a> scheinbar immer zu den gleichen Büchern greifen, der hat womöglich ein tieflegendes Problem und sollte schnellstens eine Psychologie-Lektüre käuflich erwerben.<br><br>
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		<title>Ohnmacht - In den Tiefen der Seele</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 13:02:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kati Ski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Blut. Das ist alles, was ich sehe, als ich auf meine Hand hinabblicke. Okay. Punkt 1. Ruhig bleiben. Das Messer vorsichtig aus dem Daumen ziehen. Nur Blut. Punkt 2. Atmen nicht vergessen. Der Finger ist bestimmt noch dran. Plötzlich dieses Knacken, als die rotglänzende Schneide des Küchenutensils schleichend zum Vorschein kommt. Es brennt wie Feuer. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2011/06/5569554704_eba79a6ffd_o.jpg" /><br/><br/><p>Blut. Das ist alles, was ich sehe, als ich auf meine Hand hinabblicke. Okay. Punkt 1. Ruhig bleiben. Das Messer vorsichtig aus dem Daumen ziehen. Nur Blut. Punkt 2. Atmen nicht vergessen. Der Finger ist bestimmt noch dran. Plötzlich dieses Knacken, als die rotglänzende Schneide des Küchenutensils schleichend zum Vorschein kommt. Es brennt wie Feuer. Ich stöhne lautlos auf. Die Säure einer verfluchten Limette ätzt meine offene Wunde skrupellos, wie ein rohes Stück Fleisch in einer Coca-Cola-Lache weg. Was hilft jetzt?</p>
<p>Punkt 3. Schreiend im Kreis rennen und… Pflaster. Das Messer fällt klirrend zu Boden, während ich mich schwebend in einer 180°C-Drehung mit blutverschmierten Händen dem Erste-Hilfe-Koffer im Regal zuwende und panisch mit den Armen in der Luft wirbele. Im gleichen Moment nehme ich den Umriss einer Person im Augenwinkel wahr, doch trotz angestrengt zugekniffener Lider registriere ich nicht mehr als den weißen Schleier meiner Imagination. Er breitet sich sanft und gemütlich in meinem Kopf aus und lässt mich partout zu einer leeren Blase im Universum werden. Dazu ertönen The Smiths mit „There is a light that never goes out“. Der Song, der auf meiner Beerdigung laufen sollte.</p>
<p>„Kati! Wir müssen zum Notarzt“,  brüllt mich jemand hysterisch im fahrenden Auto an. „Ich bin doch nicht taub“, sage ich, als wäre nichts, und werde mir mit meinem Spiegelbild in der Windschutzscheibe sogleich darüber im Klaren, was überhaupt gerade vorgefallen ist. Schockiert reiße ich die Hände, wie bei einer La Ola im Fußballstadion, in die Höhe und fange auf dem Beifahrersitz laut an zu heulen. Gegnerisches Tor und, noch viel schlimmer, nur neun Finger.  Ich zähle entsetzt noch einmal nach. Rechnen war noch nie meine Stärke. Aber weiterhin… NEUN.</p>
<p>„Keine Sorge“, murmelt mein Fahrer „wir haben alles dabei“ und grinst mich, mit einem Frischhaltebeutel vor meinem Gesicht wedelnd, dämlich von der Seite an. Das kann doch nicht wahr sein, denke ich und spucke ihm wütend ins Gesicht. „Jetzt hab dich doch nicht so! Wir fahren dich schnell rüber und dann wird das Ding wieder &#8216;rangetackert“  kommt ein gütiger Zuspruch von der Rückbank. Überrascht drehe ich mich um und sehe einen Hund. Einen sprechenden Hund. Brian? Er sieht ihm zum verwechseln ähnlich. „Wo kommt der Hund aus Family Guy her?“ frage ich den Fahrer, der im Übrigen mein Kollege von dem Ort des Verbrechens ist, an dem mich eine olle giftgrüne Limette fast mein Leben gekostet hätte. Doch eine Antwort darauf erhalte ich nicht.</p>
<p>Mit qualmenden Reifen hält der Leichenwagen mehr oder weniger vor dem Krankenhaus und ich flitze, à la Roadrunner vom Koyote verfolgt, an die Rezeption und erblicke keuchend zwei aufgedunsene, wasserstoffblonde Damen in pinken Overalls. „Hallo“ sage ich ganz gewöhnlich zur Begrüßung und warte auf eine Reaktion. Nichts. Nicht einmal ein Nicken. Die Kleinere der beiden, ihres Zeichens Kompottschalen-Brillenträgerin, hebt gähnend ihren weißen, fleckigen Arm und beträufelt lustlos die längst verstorbene Sonnenblume mit einer Pipette.</p>
<p>Mein Blick schweift entgeistert auf ein Pamphlet vergilbter Akten, woran sich die French-Nails der anderen Dame, begleitet von den Worten „Alles in den Wolf“, zu schaffen machen. Kurze Stille. Ich öffne hastig meinen Mund, um eine weitere Grußformel in den Raum zu werfen als das Telefon schrillend meine Stimme übertönt. Die mit Diamanten besetzten Nägel wandern an den Hörer, führen ihn sacht an das faltige Ohr und die fettigen Lippen pressen spitz „Sie sprechen mit Grütze“ hervor. Mein Mageninhalt steigt mir ruckartig zum Hals empor.</p>
<p>Mit zusammengepressten Zähnen sehe ich die Brillenträgerin im Eierlauftempo auf mich zukommen und im nächsten Moment meine Broccoli-Pasta auf den Kompottschalen vor ihren Augen haften. Wie ein Käfer kippt die alte Dame auf den Rücken und bleibt reglos liegen. Schach matt. Mir egal, ich bin jetzt dran, mein Finger wurde schließlich von meinem Körper getrennt. „NEUN!“ Kaum komme ich zur Sprache, landet eine Faust in meinem Gesicht und befördert mich zu Boden.</p>
<p>Als ich aufwache, liege ich in einem Bett. Ich setze mich vorsichtig auf und analysiere misstrauisch meine Umgebung. Es ist dunkel und kalt. Meine Gedanken sind erloschen. Was mache ich hier? Wer bin ich und überhaupt? Über mir summt etwas, dass ich im Schwarz nicht ausmachen kann. „Die Sicherung ist durchgebrannt“, erklingt plötzlich eine Stimme hinter mir. Erschrocken zucke ich zusammen und spüre den Atem der Person in meinem Nacken, so sehr, dass sich meine Härchen zurück in die Poren drängen wollen.</p>
<p>Ich bleibe starr sitzen und spüre wie mein Herz  schmerzhaft gegen meinen Brustkorb hämmert. Laut entzündet sich eine Flamme an meinem Gehör. Licht. Ein Gesicht. Nein, eine Maske. Die eines Hasen. Meine Hände ballen sich verstört zu Fäusten. Doch ich kann meine Finger nicht bewegen. Ich kann plötzlich nichts mehr bewegen. Mein Körper ist eingehüllt, in etwas, dass mir von allen Seiten tonnenschweres Gewicht aufdrückt. Ich möchte schreien, aber es geht nicht. Der Hase hüpft um das Bett herum und fängt an mit Gläsern zu klirren.</p>
<p>Ich erkenne ihn nur im Halbdunkeln. Er fängt an sie zu sortieren und zu putzen und schenkt mir nun keinen Funken Beachtung mehr. Immer wieder von Neuem greift er mit seinen schneeweißen Pfötchen ein Glas, sortiert und putzt. Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren und beobachte dieses Spektakel unendlich lang. Zu lang. Meine Lungen füllen sich langsam mit Luft, ich kann wieder atmen. Meine Sinne kehren zurück.</p>
<p>Der Raum nimmt Gestalt an. Töne dringen in mein Ohr. Doch trotzdem wende ich den Blick von dem Hasen keine Sekunde ab und kette meine ganze Kraft an ihn. Er kommt mit einem Behälter auf mich zu und erzählt irgendwas von „Wasser“ als ich von einer monströsen Welle klargespült werde. Ich schließe für einen Moment die Augen und lasse meine nassen Lider ruhen. Und plötzlich ertönt seine Stimme wieder, diesmal ganz klar und deutlich: „Kati!“ Ist das mein Name? Blitzartig öffne ich die Augen und blinzele, als ich einen Menschen vor mir stehen sehe. Es ist mein Kollege, der mich im Leichenwagen zum Krankenhaus gefahren hat und er sagt: „Kati! Wir müssen zum Notarzt.“</p>
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		<title>Träume - Der sturmfreie Blobfisch</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jun 2011 09:23:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirna Funk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Schwindel durchfährt mich, dessen Ursprung in einer wilden Wahrheit begründet liegt. Diese Wahrheit ist durchdringend und unerwartet. Diese Wildheit ist wie die Savanne – staubig und karg. In ihr ist kein Platz für Lebendiges, nur für eine flirrende Fata Morgana, vor der ich mich niedergelassen habe. Die Sonne erhitzt meine Kopfhaut und ich starre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2011/06/4986220119_f718cefa8d_o.jpg" /><br/><br/><p>Ein Schwindel durchfährt mich, dessen Ursprung in einer wilden Wahrheit begründet liegt. Diese Wahrheit ist durchdringend und unerwartet. Diese Wildheit ist wie die Savanne – staubig und karg. In ihr ist kein Platz für Lebendiges, nur für eine flirrende Fata Morgana, vor der ich mich niedergelassen habe. Die Sonne erhitzt meine Kopfhaut und ich starre bewegungslos auf die Illusion eines Wasserlochs. Nichts bewegt sich.</p>
<p>Genauso, wie letzte Woche im Weinbergspark, als die Illusion noch neben mir lag und wir gemeinsam auf diesen Tümpel schauten, der von Seerosen bewachsen ist. Man könnte annehmen, dass ein Gewässer klar und frisch sein müsste, wenn es blühende Blumen bewohnen, dabei ist dieser Teich dickflüssig und zäh; dunkel und modrig.</p>
<p>Ich starre auf meine Erdbeer-Minz-Eiskugel, die immer mehr aus ihrer Form gerät. Statt in meinem Mund zu landen, macht sie es sich als rötliche Soße auf meinen Fingern gemütlich. Richard leckt derweil an seiner vierstöckigen Eiskonstruktion herum. Neben Banane, Vanille, Nougat und Birne hatte er sich noch für Schokoladensoße, Sahne und ein paar bunte M&#038;Ms entschieden.</p>
<p>Obwohl der Wind in einer milden Intensität an meinen Armhärchen vorbeifegt, die Sonne kraftvoll strahlt und der Sommer längst in jeder Faser der Welt spürbar wird, fühle ich mich grauenhaft. Zwei Stunden waren wir spazieren, ohne dass aus unseren beiden Mündern nur ein einziger sinnvoller Satz herausgekommen ist. Im Moment liegt eine Leere zwischen uns, die so schwer ist, wie ein Betonklotz. Diese Leere breitet sich immer weiter über meinen ganzen Körper aus. Alle 30 Sekunden wechselt dieser riesige Stein seine Position. Vor allem meine Brust und mein Kopf sind beliebte Ausflugsziele.</p>
<p>Es war ein Irrtum zu glauben, dass an einem Gesprächs-Spaziergang etwas hätte nett werden können und weil Richard meine Intention dieses gemeinsamen Schlenderns sofort durchschaute, lief er von Beginn an obsessiv zwei Meter vor mir. Ich fragte ihn ganz vorsichtig: „Rennst du vor diesem Gespräch weg, Richard?“ &#8211; aber alles was er antworten konnte war: „Nein Juliette, ich renne nicht vor diesem Gespräch davon“.</p>
<p>Ich spazierte also in alter Geisha-Manier gepflegt hinter ihm und hatte genügend Zeit mir sein dünnes Haar anzuschauen, das jeglicher Brauntöne entbehrte und durch den Wind erste kahle Stellen offenbarte. Mein Aggressionspotential stieg mit der Stille, die zwischen mir und meinem Vordermann wuchs. Jeder Teil seines Körpers, jede Verformung oder Ausbuchtung fiel plötzlich meiner Begutachtung zum Opfer.</p>
<p>Der Abstand zwischen uns beiden gab mir die Freiheit über unsere gemeinsame Zeit nachzudenken und mich zu fragen, wie aus diesen paar Wochen vier Monate werden konnten. Ich versuchte die schönen Momente zu reminiszieren und je angestrengter ich darüber nachdachte, umso weniger fielen mir ein. Übrig blieben genau drei liebevolle Augenblicke, die wenn man sie in den zeitlichen Bezug setzte, lediglich wie Sternschnuppen erschienen. Neben der plötzlichen Bestürzung überkam mich eine tiefe Erschöpfung. Diese Erschöpfung konnte den aktuellen Erkenntnissen geschuldet sein; sie konnte in Zusammenhang mit diesem Wettlauf um den zwei Meter Abstand gebracht werden – aber vielleicht war sie auch einfach Teil dieser viermonatigen Farce. Diese Erschöpfung war so groß, dass ich Richard bat eine kleine Pause einzulegen um ein gemeinsames Eis zu essen. </p>
<p>Jetzt liegen wir nebeneinander im Park und sind weiterhin konzentriert mit uns selbst beschäftigt. Um nach wie vor nicht mit mir sprechen zu müssen, kaut Richard an seinem vereisten Fernsehturm herum. Ich glaube er wünschte, er würde damit niemals fertig werden. Mir selbst ist die Lust auf Eis vergangen und so lasse ich die Erdbeer-Minz-Soße einfach weiter über meine Finger laufen. Schön sieht das aus. Viel schöner, als die Seerosen im Tümpel, denke ich.</p>
<p>„Schmeckt dir Erdbeer-Minze nicht?“ fragt Richard nur und wenn der Betonklotz nicht gerade auf meiner Brust läge, dabei meine Lunge verbarrikadiert und mir die nötige Luft für einen echten Heulkrampf vereitelt, dann würde es mir aus den Augen laufen genauso stark, wie es seit zehn Minuten von der Waffel herunter strömt. Durchsichtig würden meine Tränen aussehen – so wie Zitronen-Sorbet.</p>
<p>Ich beobachte Richard, wie er genüsslich seine M&#038;Ms zerkaut und irgendwie erinnert er mich an einen Blobfisch. Richard sieht aus wie ein Blobfisch. Diese Teilnahmslosigkeit, die sich in den herunterhängenden Augenlidern und Mundwinkeln widerspiegelt; diese merkwürdig unpassende Nase, die wie in sein Gesicht gesetzt wurde, ohne dass sich jemand was dabei gedacht hat. Als ich vor drei Monaten mit Maria in einem dieser schwimmenden Schwan-Tretboote saß und ihr erzählte, dass ich Richards Nase nicht mag und Bedenken hätte, was bei einer Durchmischung unserer Erbmasse herauskäme, fragte Maria: „Wenn ihr Sex habt und du öffnest aus Versehen deine Augen, wünscht du dir dann er hätte eine Skimaske auf?“ Daraufhin habe ich ziemlich gewalttätig in die Pedale getreten und der Schwan ist mehrere Runden im Kreis gefahren. Es hat einige Minuten gedauert, bis wir diesen emotionalen Ausbruch wieder in den Griff bekamen.</p>
<p>Wenn ich darüber nachdenke, wie lange es schon so etwas wie eine Richard-Spezies geben könnte, dann würde ich auch auf eine so ungewöhnliche Zahl wie mehrere Hundertmillionen Jahre kommen. Probleme, Hindernisse und Ereignisse, die ihm in seinem Leben widerfahren, lösen keinerlei innere Stürme aus. Auch dieses in der Luft liegende Gespräch löst keinerlei innere Stürme in Richard aus. Die Ausweglosigkeit, in der wir uns schon seit Wochen befinden – keine Stürme. Richard ist sturmfrei.</p>
<p>Ohne, dass ich beginne zu sprechen, sage ich ihm all die Dinge, die ich schon so lange los werden will. Zum Beispiel, dass, wenn ich mit einer Nebenhöhlenentzündung im Bett liege und er aufgrund dieser Tatsache eine Woche lang jeglichen Kontakt wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr meidet, eine nicht unkomplizierte Enttäuschung daraus entsteht. Ich sage ihm in meinen Gedanken, dass ich dieses viermonatige Kennenlernen gerne unterbinden würde, und dass wir irgendwie nicht einmal Freunde werden können, weil schon die Grundbausteine für eine zwischenmenschliche Begegnung bei ihm fehlen würden. Ich flüsterte, dass wir aber Sex haben könnten, weil der doch gut war neben all den doofen Dingen, die nicht geklappt haben. Schließlich solle man sich doch immer auf das Gute besinnen.</p>
<p>„Ich bin nicht mehr glücklich“ sage ich plötzlich viel zu laut. „Willst du jetzt nicht mehr mit mir abhängen? Das kannst du nicht machen. Du stehst schon als meine Notfallperson im Pass!“ Richard würde niemals als meine Notfallperson im Pass stehen – aber das sage ich ihm nicht sondern nehme meine rosafarbene Faust in den Mund und beiße fest zu. „Willst du jetzt doch dein Eis?“ fragt Richard.</p>
<p>Mit der Faust in meinem Mund renne ich zu dem Tümpel und springe hinein. Es gibt einen lauten platschenden Sound und ganz Mitte bewegt sich nicht, weil es wie Richard sturmfreie Teilnahmslosigkeit liebt. Die Hunde der anarchistischen Fraktion im Schatten springen mit zu mir in den glibberigen Teich, weil sie denken, dass das alles ein lustiges Spiel ist – aber das ist es nicht.</p>
<p>Wer glaubt eine klassische heiße Dusche würde nach so einer Aktion helfen, der irrt. Also habe ich mich heute Morgen dafür entschieden, den Reißverschluss in der Mitte meines Körpers zu öffnen. Ich habe meinen Körper quasi von Innen nach Außen gestülpt und ihn in der chemischen Reinigung abgegeben. Zu dem Reinigungspersonal habe ich gesagt: „Das Herz bitte extra lange bei 90°C waschen!“ Sie haben mich sofort auf einen Bügel gehangen &#8211; ohne Fragen zu stellen. Diese Reaktion gab mir das Gefühl, dass ich nicht die erste Person mit solch einem Wunsch gewesen war. Jetzt hänge ich zum Trocknen an der Stange bei den Schaufenstern. Es ist längst dunkel und nur die Lichter der Wohnungen des gegenüberliegenden Häuserkomplexes lassen erahnen, dass es eine Zukunft geben wird. Eine Zukunft, in der ich grundgereinigt den nächsten Zweikampf antreten kann, um dann bei einer dramatischer Wendung wieder jubelnd in einen modrigen Teich zu springen.</p>
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		<title>Im Interview - Auf ein Bier mit Tino Hanekamp</title>
		<link>http://www.amypink.com/2011/05/interview-a-beer-with-tino-hanekamp/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 May 2011 11:50:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meltem Toprak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie bereits im Artikel über Tino Hanekamps Roman „Sowas von da“ angekündigt, habe ich letzten Dienstag mit dem jungen Schriftsteller für AMY&#038;PINK ein Interview vor der Lesung in Darmstadt führen dürfen. Aber ohne Alkohol. Natürlich. Ich verrate euch ein Geheimnis. Bevor die Lesung beginnt, gesteht er mir, wie nervös er wirklich ist. Kennt ihr auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2011/05/tino1.jpg" /><br/><br/><p>Wie bereits im Artikel über Tino Hanekamps Roman „<a href="http://www.amypink.com/2011/05/tino-hanekamp-sowas-von-da/">Sowas von da</a>“ angekündigt, habe ich letzten Dienstag mit dem jungen Schriftsteller für AMY&#038;PINK ein Interview vor der Lesung in Darmstadt führen dürfen. Aber ohne Alkohol. Natürlich.</p>
<p>Ich verrate euch ein Geheimnis. Bevor die Lesung beginnt, gesteht er mir, wie nervös er wirklich ist. Kennt ihr auch solche Menschen? Sie verkörpern die wahre, unangefochtene Coolness in Person, die es so im Original schon lange nicht mehr gibt, (siehe Hipster, Yuppie, Beatnik) und ihr seid felsenfest davon überzeugt, dass sie nichts &#8211; rein gar nichts &#8211; verunsichern kann. Man denkt gar nicht über die Möglichkeit eines Paradoxon dieser Art nach, bis die Person es dir gesteht. </p>
<p>Ich bedauere sehr, dass daraus kein Video-Interview entstanden ist. Doch genau deshalb empfehle ich jedem die Lesung eines Buches, das besser als die ein oder andere Party ist. Denn wenn ein Schriftsteller mit Persönlichkeit, Witz und Erfahrung in Begleitung eines DJs vorträgt, kann es nur literarisch-musische Unterhaltung vom Feinsten sein. Und um sich für seine nicht nachvollziehbare Nervosität, die im Verhaspeln zum äußeren Vorschein kommt, zu entschuldigen, gibt es dann auch mal Wodka fürs ganze Publikum.</p>
<p>Den hanseatischen Humor in Worte fassen, fällt mir schwierig. Da dürft ihr auch keiner Beschreibung von mir zuhören, sondern regelrecht nur ihm, wenn ihr lachen wollt: So was von da kaufen oder am besten live zuhören. Zu viel möchte ich natürlich nicht vorwegnehmen. Kein Wunder, dass da die meisten bei Lesungen von 50-Jährigen verzweifelt einschlafen können. Das passiert euch mit Tino Hanekamp sicherlich. Nicht.</p>
<p><strong>Wie autobiographisch ist dein Buch &#8220;Sowas von da&#8221;?</strong></p>
<p>Mit einem Freund habe ich den kleinen Musikclub „Weltbühne“ gegründet, den wir dann aber nach zwei Jahren schließen mussten. Davon, von dieser Zeit, ist die Geschichte im Buch sehr geprägt. Also, ich wusste worüber ich schreibe. Manches ist jedoch auch frei erfunden. </p>
<p><strong>Was hast du in der Zwischenzeit gemacht, bis du das Uebel &#038; Gefährlich in Hamburg gegründet hast? Und wie konntest du dich dazu entschließen, es nach dem Ende der „Weltbühne“ noch mal zu versuchen?</strong></p>
<p>Das ging sozusagen nahtlos ineinander über. Die Weltbühne wurde abgerissen, und da war plötzlich dieser riesengroße Raum im Hochbunker zu haben, und obwohl ich keinen Bock mehr hatte auf diesen ganzen Clubwahnsinn, war sofort klar: Shit, das ist zu groß, das neue Ding, was da alles möglich ist, das kann gar nicht klappen. Also musste man&#8217;s machen.   </p>
<p><strong>Kommen wir noch mal zurück zum Buch. Welchen Charakter verkörperst du am ehesten?</strong></p>
<p>Na ja am ehesten wohl Oskar. Ich wäre aber lieber wie Leo, der ist stark und weise und hält meistens die Klappe. </p>
<p><strong>Es ist ja ein sehr stark durchkautes Thema, aber es wird uns noch einige Jahre beschäftigen. Was hältst du von der Digitalisierung vieler einfacher Dinge des Lebens? Das Internet im Allgemeinen und sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube, Twitter?</strong></p>
<p>Das Internet ist natürlich wahnsinnig praktisch. Wie die Leute früher ohne E-Mails Clubs geführt haben, kann ich mir zum Beispiel gar nicht mehr vorstellen. Und auch sonst spart man dank des Internets enorm viel Zeit. Man darf sich jedoch nicht darin verlieren. Ich finde es schade, dass sich viele Leute heute nur noch online treffen. Und ihre Zeit mit bescheuerten Kurznachrichten verschwenden. Was für endlose Mengen an Schrott sich die Leute über&#8217;s Internet im Sekundentakt in die Hirne schaufeln &#8211; unfassbar. Man sieht ja schon die ersten Manschen auf ihre iPads sabbern. </p>
<p><strong>Und bist du selbst bei Facebook angemeldet?</strong></p>
<p>Nein, weder bei Facebook, noch bei Twitter oder sonst wo. Interessiert mich alles nicht, alles Zeitverschwendung. Aber ich bin ja auch schon 31. Ich weiß nicht, ob man sich heute als Zwölfjähriger dem ganzen Facebook-Kram noch entziehen könnte, ohne gleich ein von der Gesellschaft Ausgestoßener zu sein. Wahrscheinlich sind es die coolsten der Coolen, die heute NICHT bei Facebook sind. Eine neue Avantgarde.</p>
<p><strong>Würdest du die Jugend von heute als respektlos bezeichnen? Und wenn ja, was könnte der Grund dafür sein?</strong></p>
<p>Respektlose Menschen gab es schon immer. Und wütende auch.  </p>
<p><strong>Wenn du daran denkst, wer du mit 20 warst und was für Träume du hattest: Wodurch hast du deine Vorstellungen von damals enttäuscht und wodurch hast du dich selbst positiv überrascht? Inwiefern übereinstimmt das Bild als 30-jähriger, mit dem, was du als 20-jähriger von dir hattest?</strong></p>
<p>Ich hatte mit 20 kein konkretes Bild von meinem Leben als 30-Jähriger, aber mein 20-jähriges Ich wäre sicher freudig überrascht gewesen, hätte es in die Zukunft schauen können. Dass man mit dem Quatsch, den man so macht, auch noch durchkommt &#8211; ist doch toll! Das war ja auch alles nicht geplant, vieles ist einfach passiert. Aber zufrieden bin ich auch nicht, hätte zwar schlimmer kommen können, aber ich will eigentlich immer nur weiter. Nur nicht stehen bleiben, bequem werden oder selbstzufrieden. Dafür gibt es noch viel zu viel zu entdecken und zu erfahren.</p>
<p><strong>„Vielleicht spielt der Ort, an dem man lebt, aber auch gar keine Rolle, denn man ist ja überall derselbe.“ Ein Zitat aus deinem Buch.  Inwiefern verändert die Stadt den Menschen und wie notwendig empfindest du das Verlassen der eigenen Heimat?</strong></p>
<p>Das ist bei jedem anders. Ich ziehe gerne um, um zu lernen, um mich neu zu erfinden. Es ist spannend. Da geht&#8217;s weiter. Aber die inneren Konflikte mit sich selber schleppt man immer mit sich herum, egal, wohin man geht. Die muss man selber lösen, da hilft kein neuer Ort.</p>
<p><strong>Ja, das sagte auch Seneca…</strong></p>
<p>Toll, dann soll der sofort mein Facebook-Freund werden! </p>
<p><strong>Du lebst derzeit in Hamburg. Dein nächstes Ziel?</strong></p>
<p>Den Winter will ich in Mexiko überstehen und dann vielleicht nach Leipzig oder Berlin ziehen. Aber letzteres muss ich mir noch mal überlegen. In Berlin sind irgendwie alle, da denke ich mir: Warum soll ich da jetzt auch noch rumhüpfen?!</p>
<p><strong>Was denkt man sich so nach der 55. Seite des eigenen Buches?</strong></p>
<p>Ich kann nicht mehr. Teresa aus dem Buch ist eine Tänzerin, die außer Spagat noch viel mehr kann. Aber sie gehört zu denen, die nach drei oder vier gemeinsamen Nächten genauso wie jede andere fragt: „Und was ist jetzt mit uns?“</p>
<p><strong>Was sagt da ein Mann und was denkt er wirklich?</strong></p>
<p>Das ist davon abhängig, was er für die Frau empfindet. Bei der Figur Nina ist es ja gerade andersrum. Sie möchte einfach nur vögeln, nicht mehr, aber die Typen sind ihr immer gleich verfallen. Teresa hingegen will geheiratet werden, aber weil sie so wild ist, denken die Typen: Die will nur spielen für eine Nacht. </p>
<p>Doch das wirkliche Problem der richtig tollen Frauen ist ja, dass sie immer nur von den falschen Typen angesprochen werden. Die meisten denken ja: Wow, ist die super, die hat bestimmt schon zehn Supermänner an jedem Finger, bei der brauch ich&#8217;s gar nicht erst zu versuchen. Die Kontaktaufnahme trauen sich meist immer nur die Typen, die sich so unwiderstehlich finden, dass sie vor Dummheit und Selbstüberschätzung kaum noch laufen können, und so einen will die tolle Frau natürlich nicht. Also geht sie meistens traurig allein nach Hause. </p>
<p><strong>Woher weißt du das?</strong></p>
<p>Das haben mir die tollen Frauen erzählt. </p>
<p><strong>Ein Rat in diesem Sinne an unsere männlichen Leser?</strong></p>
<p>Seid offen, aufrichtig, mutig und scheißt auf Euren lächerlichen Stolz. Und fragt mich bloß nicht, wie das geht.</p>
<p><strong>Hast du Angst davor, immer der Gleiche zu sein? Ist es ein Anspruch, den du an dich selbst stellt, das „Neu-Erfinden und Entwickeln?</strong></p>
<p>Nicht unbedingt Angst, aber ich will nicht stehen bleiben, nicht zufrieden werden und satt. Ich glaube, dass man immer nur gut ist, wenn man das, was man macht, mit Hingabe und Leidenschaft vollbringt. Und sobald ich mich langweile, ist die Leidenschaft weg. Also gilt: Immer schön in Bewegung bleiben. </p>
<p><strong>Was für Musik hörst du selbst am liebsten?</strong></p>
<p>Eine Eingrenzung fällt schwer. Ich höre eigentlich aus jedem Genre was. Weiß ich nicht, ob das jetzt für jeden Geschmack ist. Aber wer emotional noch nicht ganz zu den Zombies gehört, dürfte bei der Musik von Joao Gilberto, Pulp, Scott Walker, Chopin, Bill Callahan, DJ Koze, Tocotronic und der 5. Sinfonie von Gustav Mahler gewisse Zuckungen in der Seele verspüren. </p>
<p><strong>Und was für Musik läuft im Übel &#038; Gefährlich?</strong></p>
<p>Von Rock und Indie, über Techno, Russendiskokram bis Hip Hop. Außerdem gibt es auch mal Lesungen. Im Club wird versucht, die Vielfältigkeit der Musikwelt wieder zu spiegeln. </p>
<p><strong>Beschreibe mal, wie sich die Menschen von abends zu tagsüber unterscheiden?</strong></p>
<p>Im besten Fall werden abends die Masken und Hüllen fallen gelassen. Das macht auch eine gute Party aus. Alles glüht und funkelt. Die Menschen gehen aus &#8211; und aus sich raus! Für einen Moment ist alles möglich. </p>
<p><strong>Würdest du das Nachtleben nicht als oberflächlich bezeichnen?</strong></p>
<p>Das liegt ja wie alles andere auch an einem selbst. Man kann sich auch um 5 Uhr früh über Seneca unterhalten. Mit den richtigen Leuten auf der richtigen Party jedenfalls.</p>
<p><strong>Die Party deines Lebens? Wie sah sie aus?</strong></p>
<p>Die war so gut, dass ich sie vergessen habe.</p>
<p><strong>Das Witzigste/Seltsamste, das du je selbst auf einer Party erlebt oder gesehen hast? Ich bitte um eine unvergessliche Anekdote!</strong></p>
<p> Irgendwann waren alle nur noch ein Knäuel halbnackter, ineinander verschlungener Leiber und die Sonne ging auf.</p>
<p><strong>Dein nächstes Projekt?</strong></p>
<p>Erst mal Mexiko. Und ein zweites Buch. Und ein Drehbuch zum Film zum ersten Buch. Oder so. Mal sehen. </p>
<p><strong>Ist das nächste Buch eine Fortsetzung?</strong></p>
<p>Weiß nicht. Worüber soll ich schreiben? Sag doch mal!</p>
<p><strong>Es gibt nicht genug Bücher über eine tolle, einzigartige Frau, die sich aus einem Meer klischeehafter Männer zum Kotzen nicht befreien kann. Es fehlen jedoch die mit Happy End inklusive einer Priese Hamburger-Humor. Keine Ahnung, wie das aussehen soll, aber das wäre ja dann deine Aufgabe. Vielen herzlichen Dank für dieses unglaublich interessante Gespräch. Ein letzter Satz für unsere Leser ist erwünscht.</strong></p>
<p>Macht endlich den beschissenen Rechner aus, guckt euch draußen einen Vogel an oder redet mit einem echten Menschen. Bisschen Sex wäre jetzt auch nicht schlecht, oder?</p>
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<p><small>Schreibe einen Kommentar zu diesem Artikel: <a href="http://www.amypink.com/2011/05/interview-a-beer-with-tino-hanekamp/">Auf ein Bier mit Tino Hanekamp</a></small></p>
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		<title>Tino Hanekamp - Sowas von da</title>
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		<pubDate>Mon, 16 May 2011 10:33:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meltem Toprak</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Als ich mit meinem Kommilitonen auf dem Bockenheimer Campus in Frankfurt Plakate sah, auf denen zum Nachdenken anregende Sätze wie „Warum muss denn immer alles so ausarten?“ oder „Wie halten die Leute eigentlich ihr Leben aus?“ und „Mathilda, Du hast mir die Liebe versaut“ zu lesen waren, vermuteten wir als angehende Kunsthistoriker, unser Campus wurde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2011/05/tino.jpg" /><br/><br/><p>Als ich mit meinem Kommilitonen auf dem Bockenheimer Campus in Frankfurt Plakate sah, auf denen zum Nachdenken anregende Sätze wie „Warum muss denn immer alles so ausarten?“ oder „Wie halten die Leute eigentlich ihr Leben aus?“ und „Mathilda, Du hast mir die Liebe versaut“ zu lesen waren, vermuteten wir als angehende Kunsthistoriker, unser Campus wurde zum Ausstellungsort von Street-Art umfunktioniert.</p>
<p>Wir hatten keine Ahnung, dass es sich dabei um Gedankensplitter aus einem rauchenden Kopf des passiven und leicht pessimistischen Protagonisten Oskar Wrobel handelt. In der Geschichte des Hamburger Journalisten <a href="http://www.tinohanekamp.de/">Tino Hanekamp</a>, der das bekannte <a href="http://www.uebelundgefaehrlich.com/">Uebel &#038; Gefährlich</a> führt, stolpert der junge Clubbesitzer von einem Debakel ins Nächste.</p>
<p>Denn es ist Silvester und er steht vor seiner letzten großen Party, bevor er den Club an der Reeperbahn schließen muss. Kohle hat er sowieso keine, wie auch, wenn der chilenische Geschäftspartner Pablo ständig Bands bucht, die keiner sehen will und Miesen macht. Und zu allem Überfluss ist auch noch ein Ex-Zuhälter hinter ihm her, der 10.000 Euro will.</p>
<p>Doch nicht nur der hetzt ihn durch die Hafenstadt, die Liebe hetzt ihn auch. Mathilda. Von Gedanke zu Gedanke hüpft sie, aber ohne Liebe geht ja auch gar nichts, und das finde nicht nur ich, sondern vor allem die Künstlerin Nina, die in der Farbe Schwarz die Hingabe zum Leben sieht, und den Oskar begleitet. Zum restlichen Teil der Entourage gehört sein Kumpane Rocky, der Rockstar und der russische Türsteher Leo, der entweder schweigt oder alles und jedes noch so belanglose Ding zählt, sobald er mehr als eines davon zu sehen scheint.</p>
<p>In noch so hitzigen Situationen versucht sich der Protagonist aus Verzweiflung und perspektivloser Zukunft mühevoll zu Weisheiten zurück zu besinnen, die er gern mal sitzend auf der Klobrille aus Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“ entnimmt, gibt dazu einen Schuss Hamburger Humor und „das knallt dann gut los“, um es mal in Udo Lindenbergs Worten auszudrücken. „Der Sog wird dabei von Seite zu Seite stärker“, heißt es schon im Vorspann und solange es noch Bücher aus Papier gibt, darf man das bei Tino Hanekamps Roman mit verklebten Seiten und schwarzem Buchrand auch spüren und sehen.</p>
<p>Nächste Woche werde ich bei seiner Lesung in Darmstadt dabei sein und ein Interview mit dem Autor führen dürfen, um ihn hier auf AMY&#038;PINK euch näher vorzustellen. Wer live auf den Geschmack der Worte des jungen Autors kommen möchte, kann das in einer Stadt in eurer Nähe machen. Denn Tino Hanekamp ist mit seinem Roman momentan auf großer Tournee.</p>
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<p><small>Schreibe einen Kommentar zu diesem Artikel: <a href="http://www.amypink.com/2011/05/tino-hanekamp-sowas-von-da/">Sowas von da</a></small></p>
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		<title>Träume - Strap-On Daddy</title>
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		<pubDate>Fri, 13 May 2011 09:33:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirna Funk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal kommt man zwischenzeitlich von seinem Weg ab. Man muss vielleicht sogar eine Pause einlegen, weil man nicht mehr weiß, wohin man eigentlich wollte. Dann lässt man sich rücklings auf eine Wiese fallen und schaut einfach in den dunklen Himmel. Es ist längst abends und die Grillen zirpen und das Stroh riecht golden. Wenn man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2011/05/both.jpg" /><br/><br/><p>Manchmal kommt man zwischenzeitlich von seinem Weg ab. Man muss vielleicht sogar eine Pause einlegen, weil man nicht mehr weiß, wohin man eigentlich wollte. Dann lässt man sich rücklings auf eine Wiese fallen und schaut einfach in den dunklen Himmel. Es ist längst abends und die Grillen zirpen und das Stroh riecht golden. Wenn man Lust hat, dann zählt man die Sterne oder man schreit einfach laut. Ich empfehle das Zweite.</p>
<p>Ich liege im Bett und schwitze das Laken voll. Es ist mitten in der Nacht und wenn ich mit meiner Hand den Feuchtigkeitsgrad des klebrigen Stoffes bestimmen will und darüber fahre, treffe ich in jedem Fall auf einen Teil ihres Körpers. Dieser Teil ist warm und weich. Wenn ich diesen Teil länger als fünf Minuten berühre, pumpt mein Körper große Mengen Blut in mein Genital. Seit drei Tagen liege ich fiebernd und krank im Bett &#8211; aber wenn es um ein hartes Genital geht, dann halte ich es wie ein Soldat: Aufgegeben wird nicht!</p>
<p>Sie hat mir Suppe und Ingwer-Tee gemacht. Sie hat meinen Kopf gestreichelt und lauter verrücktes Zeug aus der Apotheke geholt. Nichts davon hat angeschlagen. Ich möchte hier nicht jammern und aus einer lächerlichen Erkältung eine große Sache machen, aber ja mir geht es miserabel. Ich höre das Ticken eines Zeigers, ohne dass bei uns eine Wanduhr hängt, die dieses Geräusch verursachen könnte. Ihr schwarzes Haar glänzt durch das hindurchscheinende Licht der Straßenlaternen. Ich starre auf ihre weiße Kopfhaut &#8211; dabei muss ich dringend auf die Toilette. Ich würde gehen, wenn es außerhalb der Decke nicht so wahnsinnig kalt wäre. Ich würde aufstehen, ins Bad laufen, meinen Schwanz über den Bund der Boxershorts legen und in Ruhe über ihre Brüste nachdenken oder darüber, wie lange ich diesen Zustand körperlicher Angeschlagenheit noch ertragen muss. Vielleicht würde ich auch aus dem Fenster schauen und die Autos dabei beobachten, wie sie durch die nächtliche Stille fahren.</p>
<p>Ihre Hand umgreift meine Hand. Ich öffne die Augen und sie schaut mich liebevoll an. „Wie geht es dir?“ Wie geht es mir? Eine eindeutige Frage, die auf echte Antworten abzielt. Mein Rachen besitzt maximal einen Durchmesser von 0,5 Zentimetern. Wenn ich schlucke, fühlt es sich so an, als müsste ich einen riesigen Felsen durch diese 0,5 Zentimeter drücken. Mein Blut blubbert während meine Stirn vom Luftzug erfriert. „Scheiße geht&#8217;s mir.“ „Wollen wir ins Krankenhaus?“ „Wie spät ist es?“ „6:00 Uhr.“ „Okay. Lass uns ins Krankenhaus fahren!“ „Es ist eine tolle Zeit für Notaufnahmen“ sagt sie. Sie sagt solche Sachen meist in ausweglosen Situationen. In Situationen, in denen jeder andere schlechte Laune bekommen würde, blüht sie geradezu auf. </p>
<p>Wenn unsere Wohnung einem Hausbrand zum Opfer fiele und andere statt der Feuerwehr lieber einen psychiatrischen Notdienst anrufen würden, dann käme aus Lanas Mund garantiert so etwas  wie: „Cool, Mann. Jetzt brauchen wir die Steuer nicht mehr machen!“ oder „Wie geil. Einmal im Leben so richtig von vorne anfangen!“ Man könnte ihr ein optimistisches Gemüt unterstellen. Es ist aber mehr als das. Sie springt auf und zieht sich an. Ich drücke mich an der Bettlehne hoch und bleibe einfach so wie ich bin. Jede Bewegung ist vollkommen unzumutbar für mich. In einem weinerlichen Delirium schleppe ich mich hinter ihr her. Der Müll wird gerade von den Straßen gefegt. So ein Sonntag in Berlin. 6:30 Uhr. Das muss man einfach auch mal nüchtern erleben. Sie winkt ein Taxi zu uns heran. Der Fahrer wird ein betrunkenes Paar erwarten. Seine Enttäuschung hält sich in Grenzen, als wir einsteigen. Es gibt nicht viele Momente, in denen Erwartungen nicht zu Enttäuschungen führen.</p>
<p>Ich lege meinen Kopf in ihren Schoß. Sie quetscht liebevoll an meinem Ohrläppchen rum. Ich sammle meine Spucke solange in meiner Mundhöhle bis es nicht mehr geht, dann presse ich die glibberige Flüssigkeit mit einem kräftigen Druck meine Speiseröhre herunter und mache ein Gesicht, als hätte ich gerade einen Kurzen getrunken. Die Notaufnahme nimmt uns freundlich auf. Lana spricht für mich und denkt für mich. Wenn sie nicht spricht oder denkt dann sagt sie so Sachen wie: „Was für ein Abenteuer, Schatz!“. Ich nicke dann und halte sie für die tollste Frau der Welt. Die Schlümpfe mit Namensschildern an ihrer Haut bringen mich in einen Raum und bitten mich auf einer Liege Platz zu nehmen. Lana sieht verschwommen aus. Eine blonde Frau mit krausem Haar nimmt meinen Arm in ihre Hand und umschlingt fest den oberen Teil mit einem Gurt. Der Druck wird größer. </p>
<p>Ich fühle den unebenen Stoff des Gurtes zwischen meinen eigenen Fingern. Statt im Krankenhaus zu sein, stehe ich plötzlich in diesem fetten Loft und schaue auf die Skyline von Frankfurt. Ich sehe meine Silhouette in den bodenlangen Fensterscheiben. Mein Oberkörper kann sich sehen lassen. Wäre ich ein Arzt würde ich allerdings fragen, ob ich Steroide nehme. Mir ist nicht ganz klar, warum ich eigentlich nackt bin, aber der Gurt, den ich in der Hand halte, gehört zu einem Strap-On. Mein Schwanz ist nach hinten gedrückt und endet irgendwo im letzten Teil meiner Po-Ritze. Wirklich!</p>
<p>Vor mir breitet sich nicht nur ein riesiger schwarzer Gummischwanz aus, der im 90 Grad Winkel zu mir steht sondern auch ein weißer Hintern, der neben zwei Martini-Gläsern steht. In den Martini-Gläsern schwimmen grüne Oliven und ich muss sofort an ein Goldfischglas denken. Als kleiner Junge hätte ich gerne einen Goldfisch besessen. Ich hätte ihn gefüttert und mit ihm gesprochen. Vielleicht hätte ich ihn auch zu meinem besten Freund gemacht. Um den Kopf des weißen Hinterns ist eine gepunktete Krawatte gebunden. Ich habe Stöpsel im Ohr aus denen „Purple Rain“ von Prince erklingt. Ziemlich ungewollt, aber irgendwie ganz automatisch stecke ich das schwarze Gummistück in die Öffnung des weißen Hinterns. Ich singe den Song mit, während ich meine Hüfte vor und zurück bewege.</p>
<p>„I never meant to cause you any sorrow. I never meant to cause you any pain. I only wanted to one time see you laughing. I only wanted to see you laughing in the purple rain.“ Der Kopf mit der gepunkteten Krawatte jammert ein bisschen. Dann wird das Jammern zu einem tiefen Stöhnen. Ich konzentriere mich auf die Penetration bis sie mir keine Mühe mehr bereitet. Die Silhouette von Frankfurt glitzert im Mondschein. Das Apartment kommt mir bekannt vor. Ich ziehe an der Krawatte, um den Kopf ein bisschen nach hinten zu überstrecken. Dabei öffnet sich die Schleife und die Reflexion seines Gesichts schimmert mir plötzlich vom Fenster entgegen. „Paps?“ „Pssst!“ antwortet mein Vater.</p>
<p>Meine Stirn liegt auf kaltem Steinboden. Aus meinem Mund dringt immer wieder das Wort „Paps“. Ich höre Gelächter, das unter aufgeregten Lauten versteckt ist. Meine Knie sind angewinkelt. Ich scheine mich nach Mekka ausgerichtet zu haben und bete in einer Moschee. Wo ist mein Vater plötzlich hin? Ich verspüre das Bedürfnis an einem Martini-Glas zu nippen und die darin schwimmende grüne Olive zu essen. Dann hebe ich meinen Kopf und ein blonder Schlumpf mit grausem Haar steht vor mir.</p>
<p>„Sie können wohl nicht so gut auf Spritzen?“ Lana quetscht an meinem Ohrläppchen und sagt: „Irre. Was für eine wilde Aktion von dir, du aufmerksamkeiterheischendes Problemkind. Umgekippt beim Zugang legen. Voll süß.“ Umgekippt also. Meinen Vater penetriert. Eine Angina gehabt. Lana geliebt. Nicht gestorben. Weiter leben. Wieder träumen. Später sterben. „If you know what I&#8217;m singing about here. C&#8217;mon raise your hand. Purple rain, purple rain.“</p>
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<p><small>Schreibe einen Kommentar zu diesem Artikel: <a href="http://www.amypink.com/2011/05/dreams-strap-on-daddy/">Strap-On Daddy</a></small></p>
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		<title>Träume - Gehirn Sangria</title>
		<link>http://www.amypink.com/2011/04/dreams-brain-sangria/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Apr 2011 08:06:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mirna Funk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Jeden Morgen entscheidet die Welt neu wie der Tag verlaufen wird. Ohne irgendeinen Einfluss darauf zu haben, erwachen wir aus dem Moment der nächtlichen Rast, der Bewusstlosigkeit und der Selbstlosigkeit – wir ergeben uns den Sekunden, Minuten und Stunden die ohne Vorwarnung nachhaltig und unwiderruflich unser Leben beeinflussen werden. Wir haben keine Ahnung, ob dieser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2011/04/sangria.jpg" /><br/><br/><p>Jeden Morgen entscheidet die Welt neu wie der Tag verlaufen wird. Ohne irgendeinen Einfluss darauf zu haben, erwachen wir aus dem Moment der nächtlichen Rast, der Bewusstlosigkeit und der Selbstlosigkeit – wir ergeben uns den Sekunden, Minuten und Stunden die ohne Vorwarnung nachhaltig und unwiderruflich unser Leben beeinflussen werden. Wir haben keine Ahnung, ob dieser Morgen der Letzte sein wird. Und doch öffnen wir optimistisch unsere Augen, drehen sie in Richtung Sonne und glauben an den Zufall der alles zum Guten wenden wird.</p>
<p>Als mein Wecker klingelte, habe ich vier Mal die Snooze-Taste bedient. Jeden Morgen bediene ich sie vier Mal und stelle mir zu diesem Zeck den Wecker extra 20 Minuten früher. Bei jedem Weckruf ertönt „Don´t speak“ von No Doubt. Dieser Song erinnert mich an die Jahre in denen ich noch fröhlich und frei war. In denen ich glaubte das Leben würde ohne Bürde gelebt werden können. Älter als elf Jahre kann ich unmöglich gewesen sein.</p>
<p>Ich sprang also aus meinem 140&#215;200 Meter Futon, stellte mich unter die Dusche mit Regenaufsatz und masturbierte. Ich rasierte mir meine Achseln und Beine, um dann glatt und befriedigt in meinen weißen Frotteebademantel zu schlüpfen. Zum Frühstück gab es Müsli und Espresso.</p>
<p>Das geöffnete Fenster offenbarte so etwas wie einen leuchtend blauen Himmel. Ich nahm einen tiefen Atemzug vom herannahenden Frühling. Keine andere Jahreszeit roch so sehr nach wilden Abenteuern und frischen Lieben. Nach Unerlebtem und bunten Hoffnungen.</p>
<p>Ich zog mir kurze kakifarbene Seidenshorts über eine dicke schwarze Strumpfhose, band mir mein lange braunes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen und schloss hinter mir die Tür. Im Hof schwang ich mich auf mein mattschwarzes Rennrad um in Richtung Prüfungsbüro zu gefahren.</p>
<p>Der Wind wehte durch meinen Parker hindurch und kräuselte die kleinen Affenhaare, die seit meiner Kindheit entlang meiner Schläfen wuchsen. Ich hatte dicke Kopfhörer auf und sang laut „Sabotage“ von den Beastie Boys mit. </p>
<p>Wir hatten den Song immer zusammen gehört. Er und ich. Meistens wenn wir uns so schlimm stritten, dass einer irgendwann aufstand, zum Bett ging und darauf rum sprang wie auf einem Trampolin. Das war unser stilles Abkommen. Sobald ein Streit drohte die Grenzen des Anderen vollkommen einzurennen, war es demjenigen gestattet das Schlachtfeld vorzeitig zu verlassen, „Sabotage“ anzumachen und einfach solange auf dem Bett rumzuspringen bis der andere bereit war dazuzustoßen und mitzumachen.</p>
<p>Damit begruben wir nicht die Debatte, wir vertagten sie bis zu einem Zeitpunkt an dem wir in der Lage waren, nicht wie Feinde voreinander zu stehen, sondern wie Verbündete nebeneinander zu liegen. Schließlich saßen wir im selben Boot, das Leben hieß, und manchmal schien man diesen Umstand schlichtweg zu vergessen.</p>
<p>Auf dem Weg ins Prüfungsbüro ignorierte ich alle roten und gelben Ampeln und raste die hässliche Wilhelmstraße entlang; vorbei an dem lächerlichen Heißluftballon der Welt, aus dem ich mich vor Jahren einmal bei einem wohligen Betriebsausflug der Agentur, für die ich damals arbeitete, übergeben hatte.</p>
<p>Ich bog in die Leipzigerstraße ein und erschien rechtzeitig in der Friedrichstraße, um diesen dämlichen Modulbogen ausfüllen zu lassen. Am nächsten Tag sollte ich zu meiner mündlichen Abschlussprüfung erscheinen und wollte grandios mein Schlechtestes geben.</p>
<p>Ich stieß die Tür auf und stürmte ins Sekretariat. Zu sehr von den vier Mad Men-Staffeln beeinflusst, erwartete ich eine nette Büroangestellte mittleren Alters mit einer freundlichen Hochsteckfrisur und einer Brille, die an einer Kette um den Hals hing. Meine Enttäuschung war groß, als ich Zeuge davon werden musste, wie ein schwitzender fetter Mann mit seinem viel zu kleinen Stuhl zu einem großen grauen Klumpen verschmolz. Ich schaute ihn eindringlich an, ohne meine vom Ekel besudelte Empörung sichtbar werden zu lassen. „Modulbogen? Abstempeln? Hier?“ faselte ich – das Gewahrwerden meiner Abhängigkeit von ihm, zauberte ganz von selbst eine mädchenhafte Aura, um meine sonst so energische Erscheinung.</p>
<p>Seine Augenbrauen bewegten sich in Richtung Stirn und seine Unterlippe prallte gegen sein Kinn. Eine Feuerkäfer-Röte verfärbte seinen Kopf. Ich vermutete Erregung. Er begann zu stammeln. Erst ein bisschen, dann immer mehr.</p>
<p>Ich setzte mich an den für Studenten vorgesehenen Tisch, leider ganz in seine Nähe. Sein Redefluss wurde unmittelbar zu einem Monolog, der sich nach zehn Minuten schon wie ein ganzes Menschenleben anfühlte. Die Selbstsicherheit stieg von Minute zu Minute. Seine Lautstärke auch.</p>
<p>Immer wieder griff er nach meiner Hand, tätschelte sie erst und umfasste sie dann kräftig. Er erzählte mir von der Dummheit der Menschen, von seiner Enttäuschung und seinen Erwartungen. Er schüttete seinen gesamten Welthass über meinem Körper aus – aber nicht um mich darunter zu begraben, sondern um einen Komplizen zu finden &#8211; denn nur zu zweit machte Menschenhass auch wirklich Spaß.</p>
<p>Als Übersprungreaktion starrte ich auf den Boden. Meine Pupillen begannen sich immer schneller zu bewegen. Ein klares Anzeichen der REM-Phase. Um nicht seinen Unmut zu wecken, verkleidete ich diese hilflose Bewegung in eine Nachdenkgeste, so als würde ich gewissenhaft zuhören und diese Haltung lediglich dazu benutzen meine Konzentration durch einen meditativ gesenkten Kopf zu vertiefen. Ich entdeckte eine Wespe auf dem Teppichbelag und fühlte mich schlagartig nicht mehr so allein. Ob sie der Winter wohl hier vergessen hatte, fragte ich mich und verlor mich in wilden Spekulationen über ihre Beziehung zum Menschenhasser.</p>
<p>Plötzlich klingelte das Telefon. Ich schreckte hoch und glaubte an ein Wunder. Dieser Augenblick schien so, als öffne sich für mich ein Tor in der Zeit. Nur wenige Sekunden blieben mir um hineinzuschlüpfen. Ich würde an einen Ort gelangen, der sich weit weg vom Prüfungsbüro befinden würde. Vielleicht Indien, vielleicht Island.</p>
<p>Der graue meckernde Klumpen nahm den Hörer in die Hand und ich sprang beherzt auf. Ein bisschen verängstigt warmherzig winkte ich mit meiner Hand und presste ein Lächeln durch meine geschlossenen Lippen. Er sprang daraufhin, schüttelte mit einer Nein-Bewegung den Kopf und griff nach meiner Hand. Ich spürte einen feuchten kalten Film der sich von meinen Fingern über meinen gesamten Arm ausbreitete. Er legte den Hörer auf und schob seine rechte Hand hinter seinen Stuhl.</p>
<p>Ein scharfes Messer blitzte hinter ihm hervor. Es blieb mir keine Zeit mit wilden Spekulationen das weitere Geschehen zu beurteilen, denn schon nach wenigen Sekunden begann er meine Schädeldecke mit einem langsamen und exakten Schnitt abzutrennen, um sie daraufhin auf seinen Schreibtisch zu legen.</p>
<p>Ich beobachtete ihn dabei, wie er einen Strohhalm vom rosafarbenen Papier entfernte und ihn tief in mein Gehirn steckte. Er sog ein bisschen daran und grinste dabei zufrieden vor sich hin. Die Finger seiner rech&shy;ten Hand rieben an meinem Ohrläppchen und die seiner Linken streichelten zärtlich meinen Hand&shy;rücken.</p>
<p>Ich schloss meine Augen und sah all jene vor meinem Inneren Auge, die schon vor ihm meine Schädel&shy;decke gelöst hatten, um sich meiner Gehirnmasse in einer Art Trinkgelage hinzugeben. So wie am Strand von Mallorca saßen sie auf klebrigen Plastikstühlen, meinen Kopf in ihrer Mitte, wie ein Eimer Sangria und saugten, bewaffnet mit rosafarbenen Strohhalmen, zufrieden an meinen Gedanken und Erinnerungen.</p>
<p>Ich wollte dieser beklemmenden Situation entfliehen und stellte mir vor, wie ich auf einem Rochen liegen würde. Ich lag mit meinem Rücken auf seinem Rücken und er trug mich durchs Meer. Der Rochen fiepte und ich fiepte auch. Mein Fiepen mischte sich mit dem Sauggeräusch meiner Gehirnmasse und der Melodie von „Don´t speak“. Ich drückte ganz automatisch auf meinen Snooze-Button und fühlte eine Hand zwischen meinen Beinen.</p>
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<p><small>Schreibe einen Kommentar zu diesem Artikel: <a href="http://www.amypink.com/2011/04/dreams-brain-sangria/">Gehirn Sangria</a></small></p>
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		<title>Werdet Gastautor bei AMY&amp;PINK - Das ist der Hit, macht alle mit!</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Dec 2010 12:53:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcel Winatschek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Das neue Jahr steht in den Startlöchern. Zeit für uns hier mal gehörig aufzuräumen und knallharte Änderungen einzuführen. Erst einmal werden wir das gesamte Autorenteam durch dreiköpfige Affen austauschen. Merkt schließlich keine Sau. Hauptsache einer von ihnen hat große Möpse. Des Weiteren werden wir uns ab nächster Woche vermehrt unseren Lieblingsthemen Hello Kitty, Justin Bieber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2010/12/hit.jpg" /><br/><br/><p>Das neue Jahr steht in den Startlöchern. Zeit für uns hier mal gehörig aufzuräumen und knallharte Änderungen einzuführen. Erst einmal werden wir das gesamte Autorenteam durch dreiköpfige Affen austauschen. Merkt schließlich keine Sau. Hauptsache einer von ihnen hat große Möpse. Des Weiteren werden wir uns ab nächster Woche vermehrt unseren Lieblingsthemen Hello Kitty, Justin Bieber und Jesus Christus widmen und im selben Atemzug gleich mal dafür sorgen, dass wir Ed Hardy als Hauptsponsor für all unsere Artikel gewinnen können. Qualität bedeutet uns schließlich alles.</p>
<p>Und mit euch haben wir auch einiges vor. Schließlich stehen wir wie Udo auf geile, wunderschöne, toll geschriebene und mit Seele nur so eingeriebene Texte. Und da draußen schwirren bestimmt einige Leutchen herum, die in dieser Hinsicht etwas auf dem Kasten haben und nur noch auf den richtigen Kanal gewartet haben, um dieser Leidenschaft mal ordentlich zu frönen. Und wisst ihr was? Mit AMY&#038;PINK habt ihr diesen Kanal gefunden!</p>
<p>Wenn ihr also einen mehr als genialen Artikel über euer aufregendes Leben, das aktuelle Geschehen, Brain Fucks in lyrischer Form oder Geschlechtsverkehr mit einer Currywurst habt, dann verplempert ihn nicht auf eurem eigenen Blog, sondern schickt ihn per <a href="mailto:marcel@amypink.com">Mail</a> an uns oder klickt auf den großartigen Mitmachen-Button, der irgendwo da oben sein und schon bald funktionieren sollte. Als Dank bekommt ihr keine Kohle, aber dafür ein riesengroßes (und unglaublich kluges) Publikum, einen Backlink zu eurer Seite (wenn ihr denn so etwas überhaupt habt) und mehr Respekt als Mustafa und Ali im Ghetto-Boxen zusammen.</p>
<p>Also setzt euch noch heute an eure elektronischen Schreibmaschinen, füllt das digitale Blatt Papier mit eurer außerordentlichen Gehirngrütze und schickt uns eure <a href="mailto:marcel@amypink.com">Texte per Mail</a>. Die geilsten und besten und tollsten Schriftstücke werden exklusiv auf AMY&#038;PINK veröffentlicht. Danach könnt ihr euch übrigens das Leben nehmen, denn viel besser kann&#8217;s gar nicht mehr werden. Wenn ihr Fragen habt, dann ab damit in die Kommentare. Ansonsten heißt es: Ran ans Schreiben!</p>
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<p><small>Schreibe einen Kommentar zu diesem Artikel: <a href="http://www.amypink.com/2010/12/become-a-guest-author-we-want-you-to-write/">Das ist der Hit, macht alle mit!</a></small></p>
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		</item>
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		<title>Poetry Slam Würzburg - Klospülung für die Welt</title>
		<link>http://www.amypink.com/2010/12/poetry-slam-wurzburg-flush-the-world/</link>
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		<pubDate>Thu, 09 Dec 2010 09:19:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mischa-Sarim Vérollet</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.amypink.com/?p=17138</guid>
		<description><![CDATA[Wenn, sagen wir mal, ein Banker im Allgemeinen, und ein CEO im Besonderen das ihm anvertraute Unternehmen, die Ersparnisse seiner Kunden und das Vertrauen in das Bankenwesen in den Ruin führt, darf er nicht nur den in der Zeit seines destruktiven Schaffens „verdienten“ Lohn behalten, den er – das wissen viele nicht – eigentlich für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<img src="http://www.amypink.com/wp-content/uploads/2010/12/poetry.jpg" /><br/><br/><p>Wenn, sagen wir mal, ein Banker im Allgemeinen, und ein CEO im Besonderen das ihm anvertraute Unternehmen, die Ersparnisse seiner Kunden und das Vertrauen in das Bankenwesen in den Ruin führt, darf er nicht nur den in der Zeit seines destruktiven Schaffens „verdienten“ Lohn behalten, den er – das wissen viele nicht – eigentlich für das Erreichen des sich diametral zum eingetretenen Ergebnisses verhaltenden Ziels bekam, nein, er erhält darüber hinaus eine satte Abfindung, die ihn mit sofortiger Wirkung zum wohlbetuchten Privatier und reicher als das Bruttoinlandsprodukt vieler Drittweltstaaten macht.</p>
<p>Wenn hingegen mein guter Freund Christian eine erfolgreiche <a href="http://slamwuerzburg.wordpress.com/2010/12/08/nicht-gefordert-durch-die-stadt-wurzburg/">Veranstaltung</a> durchführt und sämtliche Erwartungen übertrifft, sprich: gute Arbeit geleistet hat, ist die Stadt Würzburg die erste, die auf der Matte steht und ihre Fördergelder zurückverlangt, obwohl sie sich auf den Plakaten in alle Ewigkeiten damit brüsten darf, diese Veranstaltung gefördert zu haben.</p>
<p>Das, verehrte Damen und Herren, ist zwar in erster Linie ein Paradebeispiel für einen hinkenden Vergleich, gleichzeitig aber in a nutshell the reason, wie der Engländer sagt, weshalb Gott – sofern er tatsächlich für dieses Rattenexperiment Mensch verantwortlich ist – längst in einem anderen Sonnensystem untergetaucht ist und jeden Abend an der Theke zweitklassiger Kneipen trinkt, um zu vergessen.</p>
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<p><small>Schreibe einen Kommentar zu diesem Artikel: <a href="http://www.amypink.com/2010/12/poetry-slam-wurzburg-flush-the-world/">Klospülung für die Welt</a></small></p>
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