Und im Zweifel für dich selbst
Wir lieben Geschenke. Besonders wenn es so großartige sind. Die höchsten Tiere vom Suhrkamp Verlag haben es sich nicht nehmen lassen das tolle Erstwerk einer ihrer angehängten, jungen Autorinnen vorbei zu schicken: “Und im Zweifel für dich selbst” von der in Berlin geborenen Elisabeth Rank, die übrigens mal so richtig dicke mit Herm und Nilz ist...
Weiterlesen »Wegen dieser Nacht
Sina und ich starrten uns mehrere Ewigkeiten lang gebannt in die Augen. Mein Kopf schien in menschenunwürdigen Farben zu explodieren, der Atem setzte aus. Adrenalin pumpte sich impulsiv wie ein wild gewordener Stier durch meinen Körper – ein Schlaganfall war das einzig denkbare Fazit. Wo kam sie her, wieso war sie da und – um Gottes Willen – warum sprach sie mich an, nachdem sie mich die letzten zwei Jahre ignoriert, verachtet und mich in ein seelisches Minenfeld der...
Weiterlesen »Der niedliche Zorn
Es war einer dieser unglaublich heißen Sommertage, deren heller Schein sich in unsere Haut und Seele einbrannten und die Nacht wie von Magie durchtränkt von uns fern hielt. Eva schaute verträumt dem südländischen Kellner hinterher, während ich versuchte die Eiswürfel in meinem Cocktail mit dem Strohhalm zu zerdrücken. Eine Horde von Touristen schob sich grölend und lachend die Straße entlang. Ich sah ihnen hinterher und war ein wenig neidisch. “Wie...
Weiterlesen »Der Wahn deiner Stimme
“Bist du mit deinem Leben zufrieden?”, fragte mich das kleine, blonde Mädchen offen, als wir Hand in Hand durch die verlassenen Straßen des längst vergessenen Berlins schlenderten. Kein Windhauch zu spüren, kein Geräusch zu hören, keine Menschenseele zu sehen. Der einstige Krieg lies das Treiben verstummen und die Häuser in einem Feuerodem zerbersten. Ich blickte nur nach oben. Weder im Stande eine Antwort zu geben noch eine Frage zu stellen. Die weißen...
Weiterlesen »Stadthunger: Die unendliche Wahrheit des Seins
Sina feierte ihren 18. Geburtstag in der Bar 25. Wir tanzten eng umschlungen zu den harten Beats, waren zugedröhnt. Auf dem Klo wollten sich zwei Mädchen unbedingt von mir fotografieren lassen und zogen sich gegenseitig aus. Ich hatte Kopfweh und musste dem andauernden Drang, mich einfach lautstark zu übergeben, widerstehen. Die Größere blies mir einen, während ich die weißen, glänzenden Kacheln an der Wand zählte. Als sie fertig war ging ich...
Weiterlesen »Stadthunger: Der Abschied
Er sackte vor mir auf den Boden, jaulend, keuchend. „Voll in die Eier!“, rief mir Paula jubelnd zu und strahlte übers ganze Gesicht. Es war dunkel, es war kalt, aber durch diese gute Tat glühte ich innerlich förmlich. So befreit fühlte ich mich. Was für ein Sieg, was für ein Triumph. Johnny zog eine schmerzende Fratze, seine gehirnamputierten Kumpels sahen mich wie paralysierte Kaninchen an. „Kommt ruhig her ihr Spackos, ich habe gerade Chuck Norris...
Weiterlesen »Stadthunger: Adam und Eva
Wir aßen üppig auf ihrer Dachterrasse zu Abend. Sina und Eva hatten gekocht, Lasagne mit Salat, Pudding mit Stückchen drin. So wie ich es am liebsten hatte. Adam redete über das Geschäft. Den Club. Das Chan Shin. Wie schwer es heutzutage doch wäre, einen florierenden Laden am Laufen zu halten. Es gäbe so viel Konkurrenz in der Stadt, dass die Kundschaft immer komischer, aber lustiger werden würde.
Er war hoch gewachsen, hatte an beiden Armen monumentale...
Weiterlesen »Stadthunger: Mein Name ist Sina
Enge Freunde beschreiben mich als kleinen Dickschädel, der sich so plötzlich wie ein aufbrausender Sturm mit voller Leidenschaft in Dinge und Menschen vergucken kann, diese aber ebenso schnell wieder gelangweilt fallen lässt. In meinem kurzen Leben gibt es nur wenige Szenarien, die mir eine markerschütternde Angst bereiten. Darunter auch eine meiner schlimmsten. Dass ich irgendwann wohlhabender als mein Vater werde.
Denn in meinem süßen Kopf gilt es als erwiesen:...
Weiterlesen »Stadthunger: Blut und Sex
Im Grunde genommen ging es bei allem was wir taten nur um Sex. Nicht um Liebe, nicht ums Tanzen. Als sie sich bei der Eröffnung vom Chan Shin von diesem ekligen Junkie auf dem Klo durchnehmen ließ, während ich damit beschäftigt war, lustige Fotos vom mich anekelten Partyvolk zu schießen, machte mir das im Grunde nichts aus.
Trotzdem schlug ich Sina auf dem Parkplatz blutig, als sie es mir freudig erzählte. Bei jedem Hieb, bei jedem Schlag, bei jedem...
Weiterlesen »Stadthunger: Tränen auf deinem Gesicht
Das erste Mal sah ich dich mitten auf dem Alex sitzen. Zusammen gekauert, ungewaschen, mit fettigen Haaren. Du hast dich hinter einem Pappschild versteckt, auf dem mit krakeliger Schrift eine Botschaft stand, die direkt in mein Herz floß. „Ich habe Heimweh. Bitte gebt mir Geld, damit ich mir eine Rückfahrkarte nach Hause leisten kann.“ Ich setzte mich einige Meter von dir entfernt auf eine Treppe und beobachtete dich.
Du hast geweint, die Leute gingen ungeachtet...
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