Watch Me Fall Apart.

Hi, mein Name ist Marcel Winatschek. Geboren in einer idyllischen Kleinstadt im noch idyllischeren Bayern, lebe ich nun seit Mitte 2007 im großen, gefährlichen Berlin und arbeite dort als Mediengestalter in der Fachrichtung Konzeption und Visualisierung bei der renommierten Webagentur aperto AG. Dort bin ich an Designprojekten für Kunden wie Sony, Volkswagen, Siemens und Stiftung Warentest beteiligt. Und das ist toll.
Ich war schon als Hosenscheißer voll der kleine Nerd, redete auf dem Klo mit mir selbst und wollte doch eigentlich nur eins: Die Weltherrschaft an mich reißen. So hab ich’s wenigstens aus dem Fernsehen gelernt. Von zwei Mäusen. Während andere im Freibad miteinander rumfummelten und dann von ihren besoffenen Vätern mit Brennnesseln durch den Bach gejagt wurden, gammelte ich zu Hause herum, zog mir “Sailor Moon” und “Pokémon” rein und hatte richtig viel Spaß mit meinen BRAVOs. Also: riiichtiiig viel Spaß.
Das änderte sich, als ich in eine chaotische Familie nach der anderen hineingezogen wurde und dabei Leute traf, die genauso idiotensicher drauf waren wie ich. Also verbrachten wir ganze Sommerabende auf einem abgelegenen Spielplatz, rannten mit machtbesessenen Polizisten um die Wette und schwänzten die Schule, um den Unterschied zwischen unrasierten und rasierten weiblichen Genitalien kennen zu lernen oder um einfach nur dumm auf einem Dach zu schlafen. Dadurch konnte meine Kindheit wenigstens ein bisschen gerettet werden.
Heute bin ich ein schizophrenes Etwas, das auf feuchtfröhlichen Partys mit ganz komischen Leuten rummacht, mit Mädels generell besser klar kommt als mit Typen und sein Geld anscheinend mit beiden Händen aus dem Fenster wirft. Daran erinnere ich mich zwar nie, aber Mitte des Monats ist der Geldautomat plötzlich kein Freund mehr von mir. Also gehe ich pli-pla-pleite nach Hause, höre ganz laute japanische Popmusik und schaue jede (wirklich jede!) Sitcom im Fernsehen an. Ich bin schließlich voll der Fernsehjunkie. Aber wenn das Teil plötzlich weg wäre, wär’s mir eigentlich auch scheiß egal.
Ich kleiner Nazikommunist stehe bei den Leuten mit Muschi total auf goldblonde Haare und ozeanblaue Augen. Das ging meinen Exfreundinnen aber meistens ziemlich an ihrem süßen Arsch vorbei. Die hielten sich nämlich kein Stück daran. Ziemlich unhöflich, wenn ihr mich fragt. Leider kann man mich mit allem und jedem ziemlich schnell langweilen. Man muss mich fordern, ködern, überraschen, sonst schaue ich während dem Sex sogar lieber aus dem Fenster, wenn draußen die Sonne scheint. Ui guckt mal, ein Vögelchen!
Mein kurzes Leben war bisher eine ziemliche Berg- und Talfahrt. Ich war Vegetarier, Fremdgänger, Pseudorebell… Doch es wird Zeit. Jetzt habe ich nur ein innerstes Ziel und Verlangen: Ich möchte König der Webdesigner werden! Muahaha, entweder sterben oder Weltherrscher werden. Dazwischen gibt’s nichts. In Gedenken an Pinky und den Brain. Narf.