No Love
Mixtape
No Love
Yeah Sara  /  Mittwoch, 15. Februar 2012

Räudige Kippe im Mundwinkel, harter Russischer in der Hand. Nackt im Bademantel, wankend, aber immer noch bei Bewusstsein. Leider. So stand ich in meinem Fenster und nahm tiefe Züge und Schlücke, versuchte Asche zu trinken, zog verbittert am Flaschenhals und kratzte mir den Suffschweiß aus den Hautfalten. Letzte Woche war das, und ich dachte: Das ist der Tiefpunkt. Alleine, betrunken, grölend aus allen Poren zu den katastrophalsten Liebesliedern, mein persönlicher Heart Break Club.

Ich hatte leider Unrecht, der tatsächliche Tiefpunkt breitete sich auf mehrere Tage aus. Dann, weil das seelische Chaos und die emotionale Vergewaltigung und der Verlust jeglicher Demut, Selbstdesziplin und Würde nicht genug waren, lag ich noch heulend krank im Bett und goss mir (versehentlich, wohlgemerkt, mein Suizid wäre durchaus eleganter angelegt) kochend heißes Wasser über die Schenkel.

Aber zurück zu meinem angeblichen Tiefpunkt, der sich lediglich als ankündigende Pforte zu den dunkelsten Orten meiner Gefühlswelt entpuppte. Am Fenster beobachte ich das strampelnde Nachbarsmädchen auf ihrem Sportfahrrad und lache sie hart aus. Wie kann man etwas nachgehen, was so egal ist? Ich fing wieder an zu grölen, nicht ohne einige Tränen der Verzweiflung zu vergießen, und beschloss, meinem Tag, meinem Leben, einen entsprechenden Soundtrack zu geben. In meinem kreativen Erguss nannte ich ihn “Love”. Heulend und tippend und wählend stellte ich meine Auswahl zusammen, dann löschte ich den Namen der Playlist und tippte einen viel, viel besseren ein: “No Love”.

Ich erreichte die Epiphanie der Narren und Betrunkenen, die sich selbst umarmend ein Liebeslied widmen und schließlich in den süßen Schlaf weinen, der sie mit Dämonen und Monstern übergießt. All das, nur um am nächsten Morgen aufzuwachen und wieder so einen scheiss Tag in der scheiss Hölle zu verbringen. Ich bin die Summe all der offenen Posten auf meiner To-Do Liste, aber wenigstens der Soundtrack steht. Mann. Wenigstens der Soundtrack steht.

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Über die Autorin

Sara lebt in Berlin und wird nach Jahren der Bildungsabstinenz Kulturwissenschaften studieren, um später Geld damit zu verdienen, über gesellschaftliche Probleme im Internet (und außerhalb) zu schreiben. Sie lebt für Popkultur, die Fotografie und das Reisen und hat keine Probleme damit, Menschen mit der Faust Hallo zu sagen, wenn sie in ihrem kreativen Weg stehen. Alle Artikel von Sara lesen oder eine eMail schicken.

3 Kommentare

  • sara sagt...

    “Baby Don’t Cry” kann man sich als Original vornehmen. ;)

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  • Herwig Riedl sagt...

    ach das beschreibt auch meinen valentinstag.

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  • Dominik sagt...

    stimmige kompilation.

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