Japan baut zweites Tokio
Foto: Hisao Nakamura
Kampf gegen Erdbeben
Japan baut
zweites Tokio
Marcel Winatschek  /  Donnerstag, 3. November 2011

Auch über ein halbes Jahr nach dem großen Tōhoku-Erdbeben ist in Japan immer noch keine Normalität eingekehrt. Im Atomkraftwerk Fukushima gibt es immer mal wieder Anzeichen einer erneuten Kernschmelze, an den Küsten sind die Bewohner weiterhin mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Fast 16.000 Menschen kamen bei dem Desaster ums Leben, das Erdbeben hatte eine Stärke von 9.0, weite Teile der Ostküste wurden von gigantisch hohen Wellen verwüstet. Wenn du nicht zufällig an diesem Tag vor Ort gewesen bist, dann kannst du dir nicht vorstellen, wie unglaublich schrecklich das war.

Nun hat die japanische Regierung um Premierminister Yoshihiko Noda einen lustigen Plan veröffentlicht, der zumindest die Einwohner der Hauptstadt Tokio im Falle einer neuen, schweren Naturkatastrophe vor der Zerstörung ihrer Existenz und sogar dem Tod bewahren soll.

500 Kilometer westlich der Millionenmetropole wird an einer Backup-Stadt gewerkelt. Das neue Gebiet mit dem vorläufigen Projektnamen IRTBBC (Integrated Resort, Tourism, Business and Backup City) wird Platz für 250.000 Bewohner und Arbeiter haben. Dazu gibt es Büros, Restaurants, Parks und Casinos.

Das Ersatz-Tokio liegt dann genau am Itami-Flughafen. Und die zweitgrößte Stadt des Landes Osaka ist auch nicht weit entfernt, so dass zeitnah Personal und Hilfskräfte von dort angefordert werden können. Das Parlament, die Ministerien, total wichtige Leute – alles zieht bei einer Apokalypse einfach um.

Hajime Ishii, Mitglied der Demokratischen Partei, die dort momentan an der Macht ist, sagt zu den Plänen: “Sie müssen sich das wie eine Ersatzbatterie vorstellen, durch die die Funktionen der Nation gesichert wird.” Was allerdings mit den restlichen 13 Millionen Leuten von Tokio passiert, wenn die Stadt wirklich untergehen sollte, das hat er uns nicht erzählt. Vielleicht wird’s ja gar nicht so schlimm.

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Über den Autor

Marcel Winatschek lebt in Berlin und ist Chefredakteur bei AMY&PINK. Seine meist etwas abstruse Persönlichkeit setzt sich in gleichen Teilen aus Charakteren in TV-Serien, Sprüchen ehemaliger Sportlehrer und Traumfantasien mit japanischen Karate-Kämpferinnen zusammen, dessen Summe er in einer einmaligen Art und Weise als selbstständigen Menschen ausgibt. Alle Artikel von Marcel lesen oder eMail schicken.

2 Kommentare

  • Meursalt sagt...

    Bei dem Text muss ich einfach an NGE und deren Form von Tokiyo-3 denken

    Marcel sagt...

    Ja stimmt, ich auch.

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