Ich habe fertig
Genug davon
Ich habe fertig
Wenke Walter  /  Dienstag, 30. August 2011

Es gibt so gewisse Phasen im Leben, in denen man mal so richtig die Schnauze voll von etwas ganz Bestimmten hat. Das Fass ist schon längst übergelaufen und die letzte Kuh auf der Weide ist ja mal so was von ausgemolken, das selbst Bauer Bernhard die jute Milch über den Küchentisch kotzt. Wer kennt es nicht? Diese Übersättigung bewegt sich meist immer in demselben Kreis. Menschen, Essen, Trinken, Party, Arbeit, Stadt, Wetter, Achselhaare. Oder einfach alles.

Fangen wir mal mit etwas Harmlosen an. Unser Wetter. Gut, vom Wetter an sich hat man ja eigentlich nie genug, weil es im Endeffekt immer da ist. Nur wenn es zum Beispiel 56 Tage durchregnet oder es wochenlang so heiß ist, dass einem schon die Kopfhaut wegbrutzelt, kann mir keiner erzählen, dass er nicht sofort das Land verlassen möchte, um anschließend nie wieder zurück zu kommen. Schließlich macht das selbst das letzte Glücksbärchi depressiv. Gut, aber das Wetter ist eben so eine Art Toleranzkonstante im Leben. Empfehlung: Einfach drauf klar kommen.

Mit dem Essen ist das eine andere Geschichte. Man hat nämlich die Wahl. Nudeln sind da ja ein gutes Beispiel. International anerkannt, einfach, billig und mit etwas Übung kann man die sympathischen Kohlenhydrate sogar mit dem Freund Löffel verspeisen. Also wenn das mal kein richtig schnieker Weggefährte ist, weiß ich auch nicht. Aber ihr wisst es alle. Manchmal geht einfach nichts mehr mit dieser Nudel. Jungs: Jetzt nicht schämen. Passiert. Egal in welcher Kombination man sie auch verwendet, der gepresste Hartweizengrieß geht einfach nicht mehr runter. Atze Magen geht mit Stinkefinger und Kotzflavour dagegen. Finito. Nudelpause.

Und dann haben wir da noch die Übersättigung Mensch. Natürlich ist man meistens nicht von allen genervt, sondern eher von einem ganz Bestimmten. Man ist befreundet, mag sich dreimal mehr als erlaubt und überhaupt ist doch alles toll mit dem herzallerliebsten Seelenpartner. Doch manchmal reicht es einem einfach mit der freundlichen “Ich hab dich so lieb, ich zerquetsche dich gleich, Schatz”-Masche. Denn du gehst mir auf den Sack. Hau ab. Ich kann dich nicht mehr sehen. Booar, wenn du noch einmal was sagst, kotze ich dir die Buchteln aus dem Kindergarten ins Gesicht. Aber mit der Vanillesoße.

Ab und an kann man selbst seinen besten Buddy, seine Liebe des Lebens oder einfach nur den gesamten Freundeskreis nicht mehr sehen und riechen. Es ist wie verhext. Wenn man von etwas so richtig derbe genug hat, sollte man einfach mal eine Pause von dem gegenwärtigen Hate-Objekt machen und eine ganz andere neue Richtung einschlagen. Einfach mal Couscous essen oder das blöde Wetter da draussen nicht angucken. Eine Buddy-Pause einlegen. Alleine ins Kino gehen. Tee statt Kaffee trinken. Und die Mama sowieso einfach mal wieder öfter anrufen. Man hat doch nur die eine. Ich bin motiviert. Ich habe fertig. Ich fange jetzt noch mal ganz neu an.

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Über die Autorin

Wenke Walter lebt in Berlin-Kreuzberg und postet privat auf WENKEWHO. Ohne gute Tracks ist das Leben der dezent wahnsinnigen Hobby-ADHS-lerin völlig sinnlos. Genau deswegen kompensiert sie ihre Sucht nach Hörorgasmen auch pausenlos mit dem Versuch, endlich die Kunst des Schweigens zu erlernen. Ihre Zauberformel lautet: Schreiben. Alle Artikel von Wenke lesen oder eine eMail schicken.

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