Wenn man zwei Tage vor dem Melt! gefragt wird, ob man seine Ärsche nicht auch in die Stadt aus Eisen schleifen möchte, sagt man natürlich erst for sure, aber dann auch wirklich for real. Wetter abgecheckt, Marci aus seinem bayrischen Kabuff rausgepfiffen und mit den Mädels von der Vice ab Richtung Gräfenhainichen. Ausgerüstet mit uneffektiv gepackten Beuteln der Lust und einer Menge Freude auf das Unerwartete betraten wir Freitag Abend also den Ort, an dem wir drei Tage Superman spielen durften und Mutti nicht mal Bescheid wusste.
Das machte alles irgendwie noch aufregender. Dank den ollen Energiebüffeln von Red Bull wurden wir zwei Rabauken auf dem VIP-Zeltplatz untergebracht. Die Leute wissen, wie man uns vor dem gefährlichen Partyvolk fern hält. Wenn schlechter Einfluss auf super schlechten Einfluss trifft wird ja alles immer unkontrollierbar. Vor Freude fast platzend suchten wir uns unseren 2×2 Meter Melt-Kiez und ich stellte mit meiner jahrelangen Zelt-Aufbau-Erfahrung alles um uns herum nicht Anwesende leger in den Schatten.
Freizeit-Druffi Marci hielt brav die Taschenlampe und auch zum Glück mal kurz sein Maul. Den Alpha-Plan es rechtzeitig zu Robyn zu schaffen, hielten wir im Butter-bei-die-Fische-Style vorbildlich ein und stürmten wie die ersten Menschen über sich selbst Bier schüttend auf das Gelände. Nach minutenlangem Applaus, Händeabklatschen und schon fast nervig vielen Autogrammen geben erreichten wir endlich die Main-Stage und sabberten der wundervollen Robyn zur Begrüßung in die Ferse. Sie fand’s irgendwie gut und antwortete uns mit dem besten Move ever.

Nachdem ich Marci minutenlang das Wohlstandsgebüsch unter den Armen wegumarmte, tanzten wir zufriedener als die Glücksbärchis auf Honig. Die platinblonde Powerschwedin füllte unsere Herzen mit süßsauren Euphoriebonbons und ließ uns sogar kurz so hoch springen, dass unsere Scheitel die Sterne berührten. Alles war gut. So gut, dass wir wahrscheinlich auch ohne Weinen einfach wieder nach Hause gefahren wären. Ne, wer macht denn so was? Natürlich blieben wir. Schon alleine um zu bleiben.
Heiter ging es weiter, nicht lange verschnaufen, denn Stammgast Pauli trat in Robyns drei Meter tiefe Fußstapfen. Ihm gefiel es da drin wohl ziemlich gut, denn Kalki antwortete auf das Zeigen unserer Ghettofaust mit “Azure” und wir liebten die ganze Welt für einen kleinen Moment noch ein bisschen mehr. Den Sinn, die Anwendung und den Nutzen zugleich zeigte uns kurz davor übrigens Kiss FM Atzenbraut Ines. Die Alte weiß halt wie das Spiel “Wie mache ich mir schnell Freunde” läuft. Props.
Wie könnten wir dieses kurze Intermezzo der Beglückung nur steigern? Genau wir machten uns erst einmal zügig auf den Weg zum VIP-Zelt, denn die polierten mit Spucke abgeleckten Kackhäuschen erwarteten selbstverständlich unseren berühmt berüchtigten Arschstempel. Sie bekamen ihn, allerdings mit der Zurückgezogenen. Platz nach oben war da allemal. Der Beutel war nun leer und wir waren wieder bereit um auf gekämmten Kleinstadtponys Richtung Horizont zu reiten. Bums, auf einmal war es hell und wir waren immer noch dort.

Mit den verrückten Kanadiern von Azari & III brachten wir den Freitag funky groovy zu Ende und steuerten zufrieden wie Bolle Richtung Melt!-Kiez. Wären da nicht noch diese Schweizer gewesen. Entweder man ist auf solchen Nachhausewegen stumm wie der rotzende Harry oder man hat so Richtung Bock auf After-Adventure. Zweiteres war der Fall und wir kamen nicht umher mit Marcel 2 und Rolli einen drauf zu machen. Dummerweise war das Zelt von dem Team Neutral auf einem völlig anderen Kontinent und wir kamen mit zwei Hauttönen dunkler an.
Entspanntes Entspannen war erstmal angesagt, doch das hielt überraschenderweise nicht lange an. Denn Raufbold-Rolli hatte die dreimalkluge Idee seine gartenhausgroßen Verstärker aus dem Wohnwagen zu hieven, um ordentlich Krawall zu machen und den anderen Pennern mal zu zeigen warum Willy eigentlich sein Schamhaar glatt trägt. Wir wurden nicht enttäuscht. Rolli gab alles und dreht die Mukke synchron zur morgendlichen verflucht heißen Arschwärme auf volle Pulle. Kurz fanden wir es gut, dann nicht mehr, dann wurde uns bewusst, dass Rolli da Klassik spielte. Beethoven oder Mozart, vielleicht war es auch ein Mix. Ja gut, vielleicht waren wir auch einfach drauf. Pennbär Marci zwinkerte mir mit geschlossenen Augen den “Ich will gehen, sonst singe ich”-Move und wir verschwanden im Staub der Sonne.
Bereit zum Schlafen rollten wir wie die Opfer vom Dienst in unsere kleine Mini-Hood. Doch keuchend, schwitzend und hässlich stöhnend wurden wir eines besseren belehrt. Gott tauschte Sonne mit überdimensional heißer Rotlichtlampe of Hell. 56 Grad Innentemperatur, wir starben. Ungeduldig wie ich nun einmal bin, gab ich es nach ewigen fünf Minuten aggro transpirieren auf und verließ das Zelt mürrisch. Scheiß drauf, dann lassen wir das halt mit dem Pennen, das machen doch sowieso nur Penner.

In der Hoffnung bei kochendem Sauerstoff entspannt schlummern zu können, probierte der Ausdauer Pennbär neben mir natürlich noch länger als erlaubt das Unmögliche und scheiterte trotzdem kläglich. Erst einmal Zähneputzen, um dem verdammten Rhythmus des Lebens den Fickfinger zu zeigen und trotzdem zu den privilegierten Semihygienefanatikern zu gehören. Ein bisschen Ordnung muss sein.
Der Samstag sollte also uns gehören. Brav warteten wir Köpfe aus dem Zelt hängend in der Brut des Schreckens. Ja Leute, der fucking VIP-Zeltplatz machte da auch keine Sonderbehandlung und überraschte uns mit selbstgebastelten Schattenbäumen. Wir blieben stark und trotzten der Hitze mit Wodka, Martini, Energy Drinks und Alkohol. Schwups, plötzlich war es kurz vor drei. Klar wussten wir was zu tun ist, einfach mal total krass sein und schon wieder aufs Gelände gehen. Macht ja sonst keiner.
Wie zu erwarten war, schleppten wir uns mal wieder in die Katakomben der Pseudowichtigkeit und ließen unsere Körper neben Wuschelkopf Isa und ihrer energiegeladenen Eroberung Sara zartbitter brutzeln. Das taten wir lange, denn irgendwie war irgendwas irgendwo schon wieder am Laufen. Von der Stage am Beach tönte auf einmal extrem wohltuende Musik, niemand anderes als Sizarr Soundsytem, die wir übrigens gar nicht kannten, befriedigte unsere Ohren im tonalen Hörorgasmus.

Unser selten bis oft verwendetes “Leck mich am Arsch”-Grinsen fand mal wieder Verwendung und der heimliche High Five in Gedanken ließ nicht lange auf sich warten. Nach einem kurzen Abstecher zum Zeltplatz, um mal gepflegt das Showkotzen einzuläuten, kehrten wir pünktlich zu Rusko zurück und gaben uns dem ohrenbetäubenden Powersound romantisch mit Wind im Rücken auf dem schönsten Stein aller Zeiten.
Erste Schwächeanfälle machten sich bemerkbar, doch wir sind doch die Guten, wir müssen durchhalten. Und das taten wir auch. Zurück auf der Main-Stage platzierten wir unsere schlappen Seelen pünktlich zu The Streets neben den Wackeljungs Thang the Bang und Hippie David. Verdammt, seid ihr ein süßes Paar. Überraschenderweise erwies sich Skinner Mike als ziemlich bühnentauglich. Er sprang und sprang und sprang. Das taten wir dann auch bei dem Auftritt von den Berliner Kiez Homies von K.I.Z., zumindest in Gedanken, denn die Luft war rar und das Aggressionspotenzial leider schon verbraucht. Kai, Steven und Torben-Pascal sorgten dafür ordentlich für den Mallorca-Proll-Flavour.
Vielleicht hätten wir zum Zelt gehen sollen, vielleicht hätten wir ein bisschen ruhen sollen, aber nein wir entschieden uns mal wieder für das vernünftig Unvernünftige und konsumierten einfach mehr Melt-Content. Busy P sorgte für ausreichend Körperwärme und verwandelte die Gemini Stage in eine Hölle der Freude. Wir fanden es gut und verschwanden. Einfach so.

Wieder war es hell, wieder war es ja eigentlich schon wieder ein neuer Tag und wieder waren irgendwie in einer seltsam irren Verfassung des puren Wahnsinns. Ich überhäufte Marci mit unzählig vielen guten zukunftsorientierten und umweltfreundlichen Gründen, doch einfach weiter wach zu bleiben. Schlafen hätte sich doch zu diesem Zeitpunkt sowieso nicht mehr gelohnt. Also setzten wir meine überraschend progressive Idee um und gammelten uns im Ethanolkostüm in den Nachmittag. Alleine um einmal Katy B zu sehen und ehrlich gesagt endlich heraus zu finden, wie groß ihr Arsch jetzt wirklich ist, befanden wir einstimmig unseren Plan für mehr als umsetzbar.
Zwar ähnelte der Himmel einer schwarzen Decke und es sah minütlich mehr nach einem tragischen Weltuntergang aus, aber einmal Superhero, immer Superhero. Und Katy war gut, irgendwie süß brachte sie simultan zum strömenden Regen alles und jeden zum tanzen und beben. Das Wasser tropfte uns von der Nasenspitze und glitt uns süß wie Sirup in den Mund. Genau so schmeckten die letzten drei Tage. Melt! du bist wunderbar und das jedes mal aufs Neue. Immer neu, immer anders schön. Ghettofaust drauf, dass wir nächstes Mal wieder mit dabei sein werden. Und vielleicht bringen wir uns dann ja sogar ein bisschen Valium mit. Auch wenn das Schmu wäre. Aber Superheros dürfen alles.
Fotos: Youneak, DragstripGirl, Christine Neder
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ich auch! :)
Antworten
Das Melt war wundervoll und bei the Streets in der ersten Reihe zu stehen war mein absolutes Highlight. Ich würde mir wieder eine Karte kaufen ohne vorher zu wissen wer überhaupt im Lineup vertreten ist. Ich freue mich auf nächstes Jahr!
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Schade das man sich nicht über den Weg gelaufen ist.
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Wie cool! Ihr habt mein Bild gefunden! Noch mehr gibt es HIER:
http://lilies-diary.blogspot.com/
Ihr habt mir aus der Seele gesprochen und ich fand den VIP-Campingplatz TOP!
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JA ! 1 a ! Komme Wieder !
Diese Stimmung mach echt süchtig ……………
I LOVE MELT!
Antworten
[...] Das Melt gehört seit den letzten Jahren zu den beliebtesten Festivals in Deutschland. Interessant ist es für die meisten vor allem wegen dem wild gemischten Line Up. Nicht nur Rockbands und Indie-Pop-Bands treten hier auf, es sind auch stets Größen aus der elektronischen Musikszene vertreten. Dieses Jahr waren beispielsweise Modeselektor diejenigen die der Menge so richtig einheitzten. Das Melt eignet sich dank seiner Vielfalt vor allem für größere Gruppen, da meistens für jeden etwas dabei ist. [...]
[...] von Azari & III gehen jedenfalls gut ab, wovon ich mich auch schon vor einigen Wochen beim Melt überzeugen konnte. Wer Bock auf das Album hat. Hier [...]
[...] Rock im Park war da schon das Höchste der zünftigen Gefühle. Nach dem Hurricane und Melt! war das Berlin Festival für mich am Wochenende das dritte in diesem Jahr und so etwas wie der [...]