Wenn es irgendetwas gibt, vor dem die deutschen Bürger noch mehr Angst haben als vor Ehec, Terror und “Bauer sucht Frau” zusammen, dann ist das der Datenschutz. Oder noch besser: Wie üble Konzernchefs die persönlichen Informationen ihrer Nutzer durch einen gierigen Schlund saugen und dabei nicht nur hohe Dividenden erzielen, sondern auch gleich noch eine zukünftige Macht generieren. Weil sie wissen, dass Ute ihren Detlev betrügt, welche Haarfarbe Oma Krause im Sommer hat und mit welcher Art von Glücksspiel sich Bürgermeister Maier hinter vermeintlich verschlossenen Türen vergnügt.
Das ist nichts Schlimmes. Die Menschen haben Angst, dass irgendwer Unfug mit dem treibt, was sie seit ihrer Geburt ausmacht. Und diese Charaktereigenschaften sowie Lebensentscheidungen womöglich irgendwann einmal gegen sie verwendet. Doch gerade von der Netzgemeinde werden sie dafür jedes Mal aufs Neue ausgelacht. Zu unrecht.
Ich persönlich war noch nie jemand, der sich besonders für die Geheimniskrämerei seiner Daten eingesetzt hätte. Ich führte einen offenherzigen Blog, auf dem ich detailverliebt Geschichten von mir preisgab, die gerne mal etwas mit Exfreundinnen, Schulstress oder Familienangelegenheiten zu tun hatten. Meine Standardeinstellungen bei jedem neuen Webdienst sind so offen wie auch nur irgendwie möglich.
Überall halte ich meine seit kurzem gebräunte Fresse in die Webcam, poste Fotos meines Geschlechtsteils in dubiosen Pornoforen und habe mein iPhone ausdrücklich darauf getrimmt, mich überall zu orten. Fuck, ich bin so geil darauf, überall meinen beschissenen Namen zu sehen, dass es schon fast weh tut. Google kennt mich, also bin ich. War einst ein prägnanter Satz. Am Anfang.
Und genau so geht es vielen, die zu diesen vermaledeiten Digital Natives gehören oder in Berlin Mitte ständig in mit MacBooks überfüllten Webcafés bei einer Tasse Chai Tea abhängen. Sonst würde das auch alles hier gar nicht funktionieren. Das mit den Blogs und mit Twitter und mit Facebook. Aber das ist eben nicht der Großteil der Bevölkerung.
Die meisten sind Leute, Kinder, Alte. Die eben nicht 24 Stunden am Tag im Netz hängen, außer Jappy, Flash-Games und die Windows-Hilfe womöglich noch nie etwas anderes aufgerufen haben. Und die von plötzlich hinter einer Ecke auftauchenden RTL-Teams und amateurhaften Datenschützern tagtäglich ins Ohr gebrüllt bekommen: “Hey Bürger, passt auf eure Daten auf! Und jetzt zur Werbung.”
Es ist also kein Wunder, dass diese Menschen einen Schatten bekommen und mit allen Mitteln versuchen, ihre Fotos, ihre Adressen und was sie am liebsten essen vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Und dabei grandios scheitern. Wir lachen sie dann aus. Weil sie zwar Google verbieten, ihre Häuser abzulichten, aber Facebook erlauben, ihre Gesichter zu scannen.
Weil sie sich darüber aufregen, dass Apple-Produkte ihre Urlaubsroute aufzeichnen, sie diese aber der Welt selbst minütlich über Twitter kundtun. Oder weil sie zwar Angst vor fehlerhaften Geldautomaten haben, aber dann Überweisungen über zwielichtige Bankportale tätigen. Wir stellen ihre Konsequenz in Frage, vergessen dabei aber einen entscheidenden Faktor: Die haben keine Ahnung!
Leute, die zwar das eine verteufeln, aber das andere zulassen, kennen sich schlichtweg nicht aus. Sie sind ein dankbares Opfer von Mediengesellschaften, wenn es mal wieder gilt ein Sommerloch zu stopfen. Sie verheddern sich in unübersichtlichen Nutzungsbedingungen, die von analogen Teufeln verfasst wurden. Und sie haben Angst vor dem Internet, weil jeder falsche Klick sie um Haus, Kinder und Finanzen bringen könnte. Alles Betrüger hier. Ohne Ausnahme. Und erst diese vielen Möglichkeiten…
Das Problem am Datenschutz und seiner Umsetzung ist also nicht, dass es die Bevölkerung zu wenig interessiert, sondern dass sie einzig und allein zu wenig Zeit hat, an allen Ecken und Dammbrüchen gleichzeitig zu arbeiten. Wenn jede Woche ein anderer Verein mehr in die Privatsphäre eindringt und jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft mit bunten Web-2.0-Logos bepackt durch die Zeitungen der Nation wandelt, dann würde auch ich resignieren. Wenn ich denn nicht im Internet leben würde. Weil ich eben kein Leben habe.
Mir ist es bekanntlich egal, ob Google weiß, dass ich am liebsten japanische Popmusik zum Onanieren höre. Oder dass ich bei Facebook nackig mit einer verstorbenen Freundin für ein Kunstprojekt posiere. Oder wenn irgendwer süffige Partyfotos von mir aus vergangenen StudiVZ-Zeiten klaut und sie meinem zukünftigen Chef zusteckt. Was nicht passieren wird – denn wer würde mich schon noch einstellen wollen. Außer große Verlage, die mich zu ihrem Social-Media-Chef machen möchten. Natürlich. Andere sind da womöglich etwas anders gestrickt.
Also seht ein, dass es zum Thema Datenschutz so viele Ansichten wie Gesichter auf dieser Erde gibt. Hört auf euch über andere lustig zu machen, nur weil sie keine Ahnung von den bösen Machenschaften intrigant agierender Großkonzerne und Staaten haben und unterstützt diese Menschen lieber dabei, ihr Level der Privatsphäre dem ihrer Charaktereigenschaften anzupassen.
Und wenn ihr digitalen Klugscheißer schon so gut Bescheid wisst: Dann hört erstens auf Panik zu verbreiten, fangt zweites an euch selbst die Verantwortung zu geben und schaltet drittens euren gesunden Menschenverstand ein. Denn nur so werdet ihr nicht mehr von verdummenden TV-Sendern, gescheiterten Datenschützern und geldgierigen Firmenleitern verarscht. Und dann haben wir endlich auch wieder Zeit, uns um die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu kümmern: Ehec, Terror und “Bauer sucht Frau”.
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Facefuck ist viel schlimmer :-/
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word!
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am schlimmsten ist die gesichtfotze da oben
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Top Artikel und er passt wie die Faust aufs Auge
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[...] mir die Idee gekommen, hätte ich daraus einen Artikel gemacht, hätte ich das genauso geschrieben. [...]
nanu, wo ist denn mein Kommentar hin?
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das bild da oben gab´s schonmal, und letztens hab ich schonmal eins wieder erkannt. was krieg ich für meine aufmerksamkeit?! :D
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Ich erlebe eher das Gegenteil, nämlich dass es gerade die ganzen Nerds sind, die vor der “Datenkrake” warnen, Facebook unheimlich bedenklich finden und sowieso hinter jedem Internetunternehmen einen Teil einer riesigen Verschwörungsmaschinerie wittern. Das geht mir derart auf die Nerven, dass ich manchmal absichtlich mehr von meinen persönlichen Daten und Informationen preisgebe um diesen Paranoiden dann zu zeigen, dass sich durch diese Umstand nichts, aber auch gar nichts an meinem Leben geändert hat. Ich bekomme weder mehr Werbung (der Gmail-Spamfilter ist ja auch sehr zuverlässig, gewusst wie, sag ich da), noch irgendwelche dubiosen Angebote per Post oder Telefon. Noch nie hat die Polizei bei mir angeklopft und Twitter will auch noch kein Geld wegen maßloser Nutzung ihres Dienstes sehen. Und somit seh ich weiterhin keinen Grund, meine Lieblingsbands, meinen Wohnort, meinen Ausbildungshergang und einhundert Fotos aus meinem Facebook-Account zu löschen. Die sind da schon recht gut aufgehoben.
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Wo ist die Medienkompetenz ?
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Ich bleibe eine von denen, die die Leute bekehrt, die glauben, dass im Internet ein neues Sky-Net entsteht. Das beste ist eigentlich immer die Leute zu fragen, was sie denn eigentlich fürchten, was die Datenkrake mit Ihren Daten macht. Weil eigentlich bekomme ich dadurch nur besser getargete Werbung. Allerdings sind halt auch viele Leute dabei, die was zu verbergen haben. Schade eigentlich.
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