Sowas von da
Tino Hanekamp
Sowas von da
Meltem Toprak  /  Montag, 16. Mai 2011

Als ich mit meinem Kommilitonen auf dem Bockenheimer Campus in Frankfurt Plakate sah, auf denen zum Nachdenken anregende Sätze wie „Warum muss denn immer alles so ausarten?“ oder „Wie halten die Leute eigentlich ihr Leben aus?“ und „Mathilda, Du hast mir die Liebe versaut“ zu lesen waren, vermuteten wir als angehende Kunsthistoriker, unser Campus wurde zum Ausstellungsort von Street-Art umfunktioniert.

Wir hatten keine Ahnung, dass es sich dabei um Gedankensplitter aus einem rauchenden Kopf des passiven und leicht pessimistischen Protagonisten Oskar Wrobel handelt. In der Geschichte des Hamburger Journalisten Tino Hanekamp, der das bekannte Uebel & Gefährlich führt, stolpert der junge Clubbesitzer von einem Debakel ins Nächste.

Denn es ist Silvester und er steht vor seiner letzten großen Party, bevor er den Club an der Reeperbahn schließen muss. Kohle hat er sowieso keine, wie auch, wenn der chilenische Geschäftspartner Pablo ständig Bands bucht, die keiner sehen will und Miesen macht. Und zu allem Überfluss ist auch noch ein Ex-Zuhälter hinter ihm her, der 10.000 Euro will.

Doch nicht nur der hetzt ihn durch die Hafenstadt, die Liebe hetzt ihn auch. Mathilda. Von Gedanke zu Gedanke hüpft sie, aber ohne Liebe geht ja auch gar nichts, und das finde nicht nur ich, sondern vor allem die Künstlerin Nina, die in der Farbe Schwarz die Hingabe zum Leben sieht, und den Oskar begleitet. Zum restlichen Teil der Entourage gehört sein Kumpane Rocky, der Rockstar und der russische Türsteher Leo, der entweder schweigt oder alles und jedes noch so belanglose Ding zählt, sobald er mehr als eines davon zu sehen scheint.

In noch so hitzigen Situationen versucht sich der Protagonist aus Verzweiflung und perspektivloser Zukunft mühevoll zu Weisheiten zurück zu besinnen, die er gern mal sitzend auf der Klobrille aus Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“ entnimmt, gibt dazu einen Schuss Hamburger Humor und „das knallt dann gut los“, um es mal in Udo Lindenbergs Worten auszudrücken. „Der Sog wird dabei von Seite zu Seite stärker“, heißt es schon im Vorspann und solange es noch Bücher aus Papier gibt, darf man das bei Tino Hanekamps Roman mit verklebten Seiten und schwarzem Buchrand auch spüren und sehen.

Nächste Woche werde ich bei seiner Lesung in Darmstadt dabei sein und ein Interview mit dem Autor führen dürfen, um ihn hier auf AMY&PINK euch näher vorzustellen. Wer live auf den Geschmack der Worte des jungen Autors kommen möchte, kann das in einer Stadt in eurer Nähe machen. Denn Tino Hanekamp ist mit seinem Roman momentan auf großer Tournee.

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Über die Autorin

Meltem Toprak studiert Kunstgeschichte und Germanistik an der Goethe-Universität in Frankfurt. Neben schönen Stoffen, Kunst und Literatur interessiert sie sich für Kultur. Sie lädt ihre Leser gerne auf verschiedene Debatten ein, vor allem wenn es um Migration geht. Um mehr über sie zu erfahren, schaut auf ihrem eigenen Blog vorbei. Alle Artikel von Meltem lesen oder eine eMail schicken.

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