Musik zum Anfassen
Foto: Sandy Kim
Solo Sex Songs
Musik zum Anfassen
Marcel Winatschek  /  Mittwoch, 16. Februar 2011

In Ordnung. Computer an, Hose runter, Internet auf Vollgas – und dann geht das Gerubbel auch schon los. Hier: “Russian Teenagers Gangbang In Summer Camp”. Oder dort: “Black Girl Choky Loses Virginity To Four Strangers”. Ne lieber das: “Asian Barely Legal Street Porn Traveling”. Jaja egal, drauf klicken, laden, here we go. Hab ja schließlich nicht ewig Zeit zu kommen, muss noch zum Arzt.

Wäre ja auch eigentlich kein großes Problem, wenn da nicht diese ätzende 90er-Jahre-Pornomusik im Hintergrund wäre. Ich bin doch hier nicht in der Kinderdisco. Und dieses unechte Gestöhne. Meine Oma hustet geiler. Und was plappert der Kameramann da immer für ‘ne Scheiße ins Mikrofon? Der lacht auch so dumm… Okay, geht nicht anders: Ton aus. Nur das bewegte Bild und meine schmutzigen Gedanken.

Ja, das kommt ganz gut… Mist, jetzt fängt der Nachbar an zu hämmern. Und ein Baby schreit. Ist da gerade ‘ne Katze überfahren worden? Verdammte Scheiße, was nun? Alles klar, Musik an. Musik, Musik… Was hört man bitte beim Wichsen? Regina Spektor… ne sicherlich nicht. Die spielt nur für zwei Personen – oder mehr. Härter. Rammstein? Wtf… nein. Uffie, Snoop Dogg, Kleerup? Ja irgendwie so was.

Gangsta Luv und Popobumsen. Passt ja irgendwie. Konzentration jetzt hier. Hab ich meinen iPod aufgeladen? Shit… anstecken. Egal, die kleine Thailänderin da rackert sich gerade einen ab, also pass gefälligst auf. Der Remix von Mayer Hawthorne ist schon besser als das Original. FFFFUUUU! Gleich mal ziehen. Na toll, Video ist aus. Alle sind fertig geworden – außer ich.

Kopf auf dem Tisch, Runzelrübe zwischen den Beinen, Schwarzes Bild auf dem Monitor. Ejaculation abortet. Keinen Bock mehr. Und wer ist schuld? Die Musik. Schließlich kann ich beim Rummachen mit mir selbst kaum auf meine Standard-Pimper-Playlist zurück greifen. Bat For Lashes zieht hier nicht, da brauche ich schon etwas härtere Töne. Nur welche… Was hört ihr denn so beim Solosex?

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Über den Autor

Marcel Winatschek lebt in Berlin und ist Chefredakteur bei AMY&PINK. Seine meist etwas abstruse Persönlichkeit setzt sich in gleichen Teilen aus Charakteren in TV-Serien, Sprüchen ehemaliger Sportlehrer und Traumfantasien mit japanischen Karate-Kämpferinnen zusammen, dessen Summe er in einer einmaligen Art und Weise als selbstständigen Menschen ausgibt. Alle Artikel von Marcel lesen oder eMail schicken.

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