Das Spiel deines Lebens
Foto: Disney
Tron Legacy
Das Spiel deines Lebens
Marcel Winatschek  /  Donnerstag, 16. Dezember 2010

Als Disney ankündigte, den Nerd-Klassiker “Tron” knapp 30 Jahre nach dessen Premiere neu aufleben zu lassen, brodelten bei den überlebenden Geeks gemischte Gefühle. Von Vorfreude über Angst bis hin zu Blasphemie war alles dabei, schließlich deutete einiges darauf hin, dass “Tron Legacy” nach “Star Trek”, “Karate Kid” und “Alice in Wonderland” wieder nur eine aufgewärmte, aber Geld einbringende, Herzlosigkeit werden würde, die dem Klassiker die Seele raubt und inmitten der Belanglosigkeit versinkt.

Wir durften das lang erwartete Sequel vorab mit eigenen Augen begutachten und uns davon überzeugen, ob der Film sowohl an das Original heranreicht, als auch für Leute sehenswert ist, die 1982 keine Lust auf Kino hatten – oder eben noch gar nicht geboren waren. Was einem fernab von Story oder den Charakteren sofort auffällt, ist die atemberaubend geile Optik, die den Zuschauer mit einem Schlag in diese einzigartige blaue Welt hineinzieht. Alles scheint mit Liebe und Sorgfalt animiert zu sein, man spürt ohne Pause den Einfluss des ersten Streifens.

Egal ob die Lichtrenner rasend schnell über die glatten Oberflächen der digitalen Welt düsen, die Anzüge der Protagonisten in grellen Farben leuchten oder einem die bedrückende Atmosphäre des Programms auf die Laune schlägt – “Tron Legacy” ist ohne Zweifel einer der bestaussehendsten Filme dieses Jahres.

Die Story ist schnell erzählt, aber deswegen nicht minder spannend. Sam macht sich auf seinen verschollenen Vater Kevin Flynn zu finden und landet in einer von Bits und Bytes dominierten künstlichen Welt, in der tödliche Wettkämpfe auf der Tagesordnung stehen. Gemeinsam mit der hübschen Quorra reisen Vater und Sohn anschließend durch das gefährliche Cyber-Universum, um einen Ausweg aus der antianalogen Hölle zu finden – und dabei am besten nicht draufzugehen.

Weniger überzeugen können da leider die Schauspieler. Natürlich ist Olivia Wilde (vielen noch als knallharte Lesbe aus “O.C., California” bekannt) Sex pur und auch der Rest der Mannschaft ist mit Jeff Bridges, Garrett Hedlund und Bruce Boxleitner objektiv gut besetzt, aber irgendwie vermisst man bei all ihren Dialogen, Taten und Gesten die Liebe zum Film. Oft scheint es, als wären sie entweder nicht ganz bei der Sache oder würden die Tiefe ihrer Aktivitäten gar nicht so wirklich wahrnehmen. Ein wenig mehr Charakterstärke hätte man sich da schon wünschen können.

Herausreißen kann dies nur wieder der monumentale Soundtrack der französischen Band Daft Punk. Die Tracks sind eine goldene Mischung aus orchestraler Filmmusik und futuristischen Klängen – einfach perfekt für genau dieses Projekt und nachdem uns die Scheibe auch noch in die Hand gedrückt wurde, konnten wir uns auch noch zu Hause in Ruhe von dessen phänomenaler Qualität überzeugen.

Allem in allem ist “Tron Legacy” ein bombastischer Film, der durch opulente Optik und tolle Musik überzeugt, durch die Schwächen der Schauspieler und der überperfekten Kulisse aber nicht ganz an den Charme des Klassikers heranreicht. Ansehen solltet ihr ihn euch auf jeden Fall, auch wenn ihr das Original nicht kennt. Und wer sich ganz und gar nicht mit diesem nerdigen Kampf der digitalen Mächte anfreunden kann, dem sei zumindest der Soundtrack ans Herz gelegt. Den kann man schließlich auch so genießen.

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Über den Autor

Marcel Winatschek lebt in Berlin und ist Chefredakteur bei AMY&PINK. Seine meist etwas abstruse Persönlichkeit setzt sich in gleichen Teilen aus Charakteren in TV-Serien, Sprüchen ehemaliger Sportlehrer und Traumfantasien mit japanischen Karate-Kämpferinnen zusammen, dessen Summe er in einer einmaligen Art und Weise als selbstständigen Menschen ausgibt. Alle Artikel von Marcel lesen oder eMail schicken.

9 Kommentare

  • Johannes sagt...

    Ich hoffe das kann ich so unterschreiben. Habs ja noch nicht gesehen ;) Freu mich aber sehr drauf.

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  • André sagt...

    wird angeschaut. trailer ist schon epic.
    neid. jetzt weiter uni.

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  • nils sagt...

    star trek war keine herzlosigkeit. ganz im gegenteil.

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  • Michael Singh sagt...

    wohooo! freu mich wie n kleines kind darauf :) hab hier auf den flug nach ny den alten auf meinem notebook geschaut :)

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  • muss…schauen…TRON

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  • Jörg sagt...

    oh man, ist das lange her…und ich hab mich lange nicht so auf einen film gefreut!!!

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  • Jeriko sagt...

    Du bist so ein Honk, hättste mal was gesagt, schließlich saßen wir im selben Kino.

    Achso, und ich fand in eher meh. Mehr dazu demnächst.

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  • Mufflkuchen sagt...

    Ich habe Tron bis vor einigen Jahren für einen Mythos gehalten.
    Disney-Film und keineer, den ich kannte, hatte ihn je gesehen? Nee.
    Dann lief der auf einmal auf RTL II oO

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  • VirtuDa sagt...

    Habt ihr auf deutsch (sprich synchronisiert) gucken müssen, oder Original? Muss nämlich sagen, dass ich die Synchro schon im Trailer extrem schwach finde.
    Und aus den Staaten hab’ ich bisher eher die umgedrehte Variante gelesen, nämlich dass die Schauspieler gar nicht mal so schlecht sind, aber die Story unglaublich lückenhaft.

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