Wenn ich groß bin, werde ich Feuerwehrmann, Polizist, Schauspieler, Krankenschwester oder Seiltänzerin. Was wir da früher von uns gegeben haben, wussten wir nicht wirklich und kaum einer von uns übt heute den Beruf aus, den er früher auf Biegen und Brechen unbedingt erlernen wollte. Wir fügen uns meistens unserem Verstand, anstatt unserem Herzen, weil die Vernunft dann doch meistens größer ist. Sich überhaupt mit einem Fuß in die kreative Szene zu wagen, zeugt meistens von großem Mut und löst bei den meisten Mitmenschen ein „Ah“ und „Oh“ nach dem anderen aus.
Viele „Ahs“ und „Ohs“ kommen Ron Flieger, deutscher Singer/Songwriter, Produzent und Multitalent sehr wahrscheinlich auch zu Ohren, wenn er von seinem Beruf und von seinem Label Dienje Music erzählt. Deswegen haben wir ihn uns gleich mal zur Brust gebeten und einfach mal nachgefragt, wie es denn so ist, ein wenig aus der Reihe zu tanzen.
Hey Ron, schön, dass du dir die Zeit genommen hast, um mir ein paar Fragen zu beantworten. Ist es wirklich so, dass du dir viele „Ahs“ und „Ohs“ anhören musst, wenn du von deinem Beruf erzählst? Wie reagieren Menschen, die dich gerade erst kennen lernen darauf, dass du Musikproduzent bist?
Ja, sehr, sehr viele Ahs und Ohs. Würden anscheinend sehr viele gern machen: Songs schreiben, Platten produzieren – Klingt komisch, ist aber so. Denn immer wieder unglaublich, was man so an Bewerbungen und Anfragen bekommt und vielleicht auch daher betrachte ich es tatsächlich als ein außerordentliches Privileg, Musik machen zu dürfen. Natürlich ist dies etwas, was offensichtlich sehr viel mit Talent zu tun hat, aber auch keineswegs einen „Ausflug ins Landschulheim“ bedeutet – damit ist durchaus extrem viel Muße und Hingabe verbunden. Man sollte da keineswegs einen Hehl draus machen und es wird oftmals auf den ersten Eindruck von vielen unterschätzt, dass es eben auch sehr viel mit Arbeit verbunden ist, vor allem das „Drumherum“ um den eigentlichen Kern des kreativen Schaffens. Trotzdem, es ist kurzum Wahnsinn seiner Kreativität, seinem Innersten „freien“ Lauf lassen zu dürfen und zu können und davon in beiderlei Hinsicht zu leben. Das ist natürlich super nice!
War es schon immer dein Traum Musik zu machen und andere Bands zu betreuen oder zierten auch Poster von Grisu dem Feuerwehrmann oder anderen Idolen dein Kinderzimmer?
Also zunächst einmal finde ich, dass es ja nur Sinn macht, Interviews zu geben, in denen man auch tatsächlich die Authentizität Einzug halten lässt – zumindest halte ich dies so. Mein ganzes Leben lang gab es immer Musik, drehte sich um Musik und ich habe schon unglaublich früh angefangen, Songs zu schreiben, immer mein eigenes Zeug zu machen. Frag mich nicht warum, aber das war immer schon so – und das war für mich das Größte – und trotzdem, als ich mit dem Abitur fertig war, nach dem Zivildienst, habe auch ich – wie Du so schön sagst – erst Mal den straighten Weg beschritten und studiert , jedoch bin ich dann tatsächlich früh in die professionelle Musikwelt „reingerutscht“, wurde sehr früh von einem Major Musikverlag als Songwriter gesigned und so nahm alles seinen Lauf und Musik wurde auch zu meinem beruflichen Lebensmittelpunkt. Das ist nicht planbar – kann niemand – kann ich auch niemandem empfehlen, das versuchen zu planen. Ich bin auf jeden Fall dankbar dafür, dass es mir passiert ist und noch tagtäglich passiert.
Man denkt ja zuerst immer, dass kreative Menschen bis um 13 Uhr im Bett liegen, sich dann aufrappeln und bis in die Puppen dann an ihren Sachen werkeln und zwischendrin eins, zwei, drei, Bier trinken. Ganz so einfach ist es dann leider doch nicht, oder? Wie sieht ein Tagesablauf bei dir so aus?
(Lacht) Ich hoffe sehr, dass das bei dir so ist. Nun ja, es ist deutlich arbeitsintensiver und krasser, als oftmals vermutet und doch innerhalb dieser Grenzen durchaus chaotisch, spontan, ausufernd – oder konkretisiert: ich schlafe oftmals nicht viel, bin oft und lange im Studio, und doch ist es absolut kein 9 to 5 Job, sondern das genaue Gegenteil. Wann ich die super hittige Nummer schreibe, kann ich nicht planen, kann ich noch nicht mal ansatzweise vorhersagen, aber im Laufe der Zeit kannst Du es provozieren. Du kannst es auf gewisse Art und Weise hervorrufen. Selbst wenn ich will und zuweilen muss, die bloße Inspiration kann man nicht auf Knopfdruck generieren, kann man nicht einfach so herbei rufen. Aber man bekommt mit der Zeit mit, was es auslösen kann, was diesen kreativen ÜBER-Moment begünstigt – und ich habe hierfür, bei mir selbst, wie auch bei anderen Künstlern, ein sehr gutes Gespür, diesen Moment herbei zu führen, was auch mit unter eine sehr wichtige Schnittstelle zu meiner Produzententätigkeit darstellt.
Was machst du denn jetzt eigentlich alles genau, welche Projekte betreust du zur Zeit? An was arbeitest du gerade?
Es ist schon so, dass ich IMMER verschiedene Projekte parallel fahre . Dies ist ein essentieller Bestandteil meiner Technik, wenn Du so willst. Alle Projekte begünstigen sich dabei untereinander. So habe ich gerade erst vor kurzem die neue Platte von Deckchair Orange (Vienna) abgeschlossen. Hier war ich primär als Produzent beteiligt, habe aber auch einige Songs mit der Band co-geschrieben. Die Platte kommt im Februar 2011 und ist wirklich super nice geworden.
Dann sitze ich jetzt gerade an der Debut Platte von Hello Gravity, ein äußerst talentiertes Quartett aus Schrobenhausen. Das wird großartig. Da schreiben wir viel alle zusammen und diese großartige Combo bereitet mir sehr viel Spaß, derzeit.
Dann mache ich natürlich nach wie vor unglaublich viel mit den Münchner Jungs von This Is The Arrival. Zur neuen Single haben wir ja erst kürzlich ein tolles Musikvideo abgedreht. Für deren im August erschienenen Debut Album zeichnete ich mich ja auch als Producer und Co-Writer verantwortlich und die Jungs stehen ebenfalls bei meiner Company Dienje Music unter Vertrag. Einfach klasse Typen, die mir wirklich sehr am Herzen liegen.
Schlussendlich gibt es da noch Chau Chat und verschiedenste Songwriting-Projekte über die es zu sprechen, jetzt den Rahmen sprengen würde, aber evtl. leitet das ja optimal zu Deiner nächsten Frage über.
Ja, Songs schreiben stelle ich mir unheimlich schwierig vor. Vor kurzem erst hast du mit deiner Band Chau Chat das Video zum Lied X.Y. OP 39 veröffentlicht, welches mir gar nicht mehr aus dem Kopf geht und mittlerweile zu meinen Lieblingsliedern gehört. Wie entsteht eigentlich so ein Lied, welches wir lauthals im Auto mitsingen und wie lange braucht so etwas? Woher nimmt man die Inspiration?
Chau Chat ist ja das Projekt, für das ich derzeit nicht ausschließlich produziere und schreibe, sondern auch zusammen mit Christian Illi VOR der Kamera stehe, wie man so schön sagt. Das ist toll und das macht eben auch auf einer anderen, weiteren Ebene viel Spaß – auf der Performance Ebene, das ist ja etwas, das du als Künstler niemals verlierst, die Performance Ebene. Das Monster will schließlich gefüttert werden!
WIE man jetzt genau schreibt jedoch, kann ich nicht genau beantworten, auch selber nicht wirklich „greifen“, außer dass es vergleichbar ist mit einem ganz grandiosen Traum, nach dem man morgens aufwacht, oder mit einer famosen Konversation, die man kürzlich hatte und sich fragt: „Wie groß war das denn jetzt bitte?“ Etwas, das sich „schwerelos“ anfühlt und mit Sicherheit großes Suchpotential hinterlässt, weil es irgendwie flüchtig und trotzdem unglaublich erhaben zugleich ist. Es fühlt sich einfach richtig an in dem Moment und ergreift Besitz von dir. Schon strange, aber auch unendlich toll!
Und, das muss jetzt mal gesagt werden, die Idee, die Vision passiert einfach so, unsagbar schnell. Hierfür kann ein Erlebnis, ein Gedanke, ein situatives Gefühl Inspiration sein und sich in der Kernidee niederschlagen. Bis ein Song dann aber schlussendlich als Ganzes vollendet ist, so dass er veröffentlicht werden kann, darf es durchaus mal ein bisschen dauern – so ein bis zwei Tage sind da keine Seltenheit. Die Inspiration in Ihrer vollen Schönheit und Opulenz kommt und geht und ist ein gern gesehener, herzlich willkommener Gast. Sie kommt und geht jedoch – wie es Ihr gefällt – und man lernt zu genießen und dem Ganzen auch mit einer Gelassenheit zu begegnen, die überaus wichtig und auch produktiv ist…
Wenn man sich die ganze Zeit mit Musik umgibt, hat man dann auch noch Lust sozusagen „privat“ auf Konzerte zu gehen?
Tatsächlich total – dieses „dafür Brennen“ – die Faszination war für mich schon immer da, solange ich denken kann, solange ich fühlen kann, ist da Musik, die mich umgibt, die mich trägt. Es gibt so viele tolle Platten da draußen, auch wenn jetzt vielleicht auch nicht wieder so viele. Liegt ja im Auge des Betrachters und ich bin bekannter und bekennender Weise sehr selektiv. Was mich trifft, was mich berührt. Aber klar, da sind große Platten da draußen. Und Konzerte zu sehen, zu erleben, nach wie vor eine tolle Erfahrung. Das lässt einen NIE los, wage ich zu behaupten. Ich achte aber auch schon sehr drauf, jetzt nicht zu viel auf Konzerte zu gehen oder anders formuliert eben nicht auf Konzerte zu gehen, die mich nicht interessieren, weil das stresst sonst schon…
Gibt es eine Lieblingsplatte, die du immer und immer wieder anhören kannst, ohne dass sie dir auf den Keks geht?
The Notwist “Neon Golden”… Mir egal, was Leute darüber sagen oder nicht sagen. Ich finde die Platte ganz großartig. Ein Meisterwerk! Gebe aber auch zu, dass ich da durchaus voreingenommen bin, weil ich ja im Uphon Studio in Weilheim, wo auch diese Platte produziert wurde,musikalisch „groß“ geworden bin. Meine erste Ron-Flieger-Soloplatte habe ich ja zu Teilen im Uphon produziert – als ich noch nicht den Luxus eines eigenen Studios hatte und habe da sehr viel gelernt und in mich aufgesogen. Auch was den „Spirit“ angeht. Und jetzt habe ich ja meinen eigenen Recording/Mixing-Place im Dienje Headquarter und das ist mehr als nice! Darüber hinaus will ich mich da nicht zu sehr einschränken lassen und musste das bisher auch noch nie, was jetzt Lieblingsmusik angeht. Ich komme aus dem Indie und meine Verbundenheit mit dem Indie ist die Leidenschaft, das Talent. Schlichtweg die Qualität. Auf der aktuellen Katy Perry Scheibe z.B. ist ein Wahnsinnssongs drauf. Echt krass gut. Auch super produziert, der Track “Fireworks”, total UN-indie – und doch schlichtweg großartig!
Welche weiteren Pläne verfolgst du und was würdest du dir für die Zukunft wünschen?
Ich bin tatsächlich die ganzen nächsten Monate unglaublich eingespannt und will dabei trotzdem immer offen für neue, frische Projekte bleiben. Muss ich ja sein. Demzufolge habe ich mir angewöhnt, nicht über zu viele Monate im Voraus zu planen. Das ist mir zu berechnend, zu undynamisch. Dienje Music, deren Kopf, Motor und Herz ich ja bekanntlich bin, wächst und gedeiht. Sehr schnell. Aber dabei auch äußerst stringent, konsequent und fokussiert, das heißt keineswegs ungerichtet, was mir sehr wichtig ist.
Ich verfolge hiermit ein ganz bestimmtes Marken- und Qualitätsbewusstsein, das immer klar erkennbar bleibt. Das bereitet mir viel Spaß und Erfüllung und derzeit lässt sich kein Ziel als zu hoch,als unerreichbar, enttarnen, was toll ist! Ich denke, so lange ich schreiben und produzieren kann, gibt es in dieser einen Welt nichts Unerreichbares. Daneben wird es immer Familie, Freunde und das irdische Leben geben, das mir nach wie vor noch am allerwichtigsten ist!
Weihnachten steht ja vor der Türe. Was war heute in deinem Adventskalender und welches Weihnachtslied kannst du unseren Lesern wärmstens empfehlen?
Doof jetzt, aber ich habe gar keinen Adventskalender. Aber jetzt wo du es sagst, muss ich den wohl direkt mal einfordern (lacht). Aber wenn es denn ein musikalischer Adventskalender wäre, dann wäre das passendes Weihnachtslied schlechthin wohl ohne Frage “Last Christmas” von Wham!. Und wird es immer bleiben. Muss mal gesagt werden. Das ist so ätzend gut, dass man einfach nicht drum rum kommt – No Chance!
Vielen Dank für das Interview und halte uns auf dem Laufenden, wenn es etwas Neues von dir gibt.
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Amy&Pink: Wir können alles – außer Interviews. Haha, was soll DAS denn sein? Klein Hannah “interjuuuht” den großen Produzenten und entlockt ihm Informationen, die die Welt nicht braucht. Was war gleich noch mal der Anlass? Lieber noch mal in die Schule gehen und beim Kapitel “Interviews für Dummies” die Ohren spitzen! Der Dieter Bohlen von München. An Rons Stelle wäre ich Dir spätestens HIER beleidigt gewesen …
^^mit der überschrift bin ich auch überhaupt nicht einverstanden und war auch nicht so vorgesehen und zu dem rest liebe madlaine sag ich jetzt einfach mal nichts.
Überschrift ist jetzt besser =o); intergrierter Clip wäre auch super gewesen. Musste man sich so dann selber suchen.
ich stimme der Madelaine vollkommen zu.
wer braucht schon bei so nem ödem thema gleich ein interview!?wen interessiert schon ob der “coole typ” privat auf konzerte geht? NIEMANDEN!
wollte sich wohl jemand unbedigt beweisen,dass mans kann..oder eben nicht.
man sollte richtig interessante themen mit dem dazugehörigen leuten für ein interview nehmen,so wie bei Ines!
bleib bei deinem gefühlsblabla und der suche nach selbstbestätigung.
<3 nich so böse. ist doch nichts schlimmes passiert. aber danke für euere "meinung"
ich hab’s zwar nicht gelesen, aber ich fand’s gut.