Sogar ein abgebrühter Arsch, wie ich es einer bin, wird um diese bedächtige Zeit des Jahres nachdenklich. Oder noch besser gesagt melancholisch, nostalgisch, fast schon ein wenig depressiv, wenn ich daran denke, wie wir alle mit diesem Internetscheiß angefangen haben. Niemand von uns kannte sich persönlich, jeder machte sein eigenes Ding mit irgendwelchen zusammen geklauten Codeschnipseln und keine Sau wusste überhaupt, was denn bitte ein Blog sei. Wann war das, 2003?
Wir waren eine kleine eingefleischte Internet-Clique, die sich noch durch staubige Linklisten, anstatt durch minimalistische Statusnachrichten bei Twitter oder Facebook, kennen lernte. Eine Ersatzfamilie, die uns mehr oder weniger unbeschadet durch ekligen Liebeskummer, verhunzte Schulprüfungen und Stress mit den Eltern brachte und bei der wir wussten: Irgendwie verbindet uns etwas – auch wenn es nur verzauberte Bits und Bytes und Seminacktfotos von den wenigen weiblichen Protagonisten waren.
Bunt zusammen gewürfelte Spacken halt, die im echten Leben versagt hatten oder einfach zu hässlich, zu fett, zu anders für die Gesellschaft da draußen waren. Aber ich liebte jeden Einzelnen von ihnen auf eine ganz besondere Art und Weise, weil wir eben gemeinsam mit unseren selbst gestalteten Eseln durch die gleiche Scheiße ritten. Nur irgendwann, da änderte sich alles. Ob schleichend oder schlagartig – keine Ahnung. Das Internet war plötzlich anders. Es wurde schlechter.
Während ich mich durch längst gelöschte Artikel aus einer Zeit wühle, als Singles auf CD gekauft, die Dreamcast in und die erste Penetration noch gar nicht so lange her war, da wird mir erst so richtig klar, wie froh ich bin, diese Zeit miterlebt haben zu dürfen. Als es noch niemanden scherte, ob man sich zehn Absätze lang über die hässlichen Möpse der besten Freundin aufregte. Als man Fotzen, Hitler und schwule Schlümpfe in eine selbst erfundene Geschichte einbauen konnte, ohne gleich Briefbomben von Jugendschützern, Feministinnen und Ziegelsteinkackern in den Keller von Mama geliefert zu bekommen. Und als man seine zwölf Besucher am Tag noch in Grund und Boden beschimpfen konnte, nur weil man die letzte Folge der zweiten Staffel “O.C., California” verpasst hat. Weil ein zurückgebliebener Schornsteinfeger auf Koks die Antenne vom Dach gerissen hatte.
Der Großteil des einstigen Verbandes zur feuchtfröhlichen PC-Nutzung hat sich schon vor langer Zeit eine richtige Arbeit als Bauarbeiter oder Steuerberater gesucht – oder eben Selbstmord begangen. Hauptsache weg vom Internet. Der traurige Überrest ließ sich von der Horde Modemädels und Twitter-Pseudopromis verschlucken und fristet nun ein tragisches Dasein zwischen Followerzahlen, Social-Media-Ärschen und Kommentaren von Kackspasten, die einem kilometerweit am fetten Arsch vorbei gehen. Und bei solchen Begriffen weine ich immer ein bisschen.
Übrig geblieben sind nur wenige. Ines lebt jetzt in Berlin und schreibt nur noch sporadisch auf Englisch. Kein Neid, da sie ungefähr mein Leben lebt. Marcel widmet sich dem Traum eines selbsternannten Internetgotts und schart immer mehr Wichmann-Zombies um sich. Der Neid hält sich in Grenzen, irgendwann müssen wir eh ein Attentat auf ihn verüben. Sara hat sich von Masturbationsorgien, fetten Vorhautschläuchen und untreuen Australiern verabschiedet und sich auf große Weltreise begeben. Der Neid ist unfassbar groß, schließlich hat sie dem Internet erst die Coolness verpasst und jetzt schippert sie von einem braungebrannten Körper zum anderen. Und wer hätte darauf bitte keinen Bock.
Ich kopiere meine Lieblingsartikel von damals in ein leeres Word-Dokument, schließe den Browser und denke noch eine Weile darüber nach, wo ich heute wohl ohne diese gestörten Leute von damals wäre. Und ich habe mal so was von keine Ahnung. Diese ganze beschissene Welt ändert sich ständig und wenn du damit nicht klar kommst, kleiner Marcel, dann hast du wohl echt Probleme. Also wische ich mir ein bisschen Augenurin aus dem Gesicht, rede mir ein, dass damals ja auch nicht alles so geil war, wie ich es immer manifestiere (ganz im Gegenteil), und bin mit einem Mal wieder im Hier und Jetzt. Leider.
[audio:fucku.mp3]
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2003 – ist das lange her. Damals hatte ich noch meine Homepage bei Beepworld, davor im Kindernetz… Es war eine andere Zeit, viel experimenteller und man hatte einen kleinen Kreis um sich herum.
Vermissen? Ja… Die Zeit zurückdrehen? Nein… Nostalgische Momente klassifiziert man im Nachhinein immer als “besonders”. Ich habe in der Zeit gelernt, lerne heute noch und bin ebenfalls froh, ein Teil von meiner damaligen Clique gewesen zu sein. Auch wenn wir uns alle aus den Augen/ Bits und Bytes verloren haben…
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Tatsächlich kann man zusammenfassend sagen, dass es schlechter geworden ist, weil wir besser geworden sind. MIND = BLOWN
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Hach ja, 2003. Counterstrike, Diablo II, Browserspiele und das Gamestarforum. Das waren noch Zeiten, die zum Teil noch eine Weile anhielten und dann aus dem ein oder anderen Grund endeten *lach* Mitunter derbe episch, aber es ist gut, dass es jetzt anders ist. Und es ist genauso gut, dass sich in sieben Jahren das Selbe sagen lassen wird. That’s life.
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Diablo 2 ftw! :) Diablo 3 wird bestimmt nicht besser….
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Ja.
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24. Dezember 2010 – Heilig Abend. Und was macht AMY&PINK so? HITLER KOKS UND VORHAUTSCHLÄUCHE. Yeah.
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