Hello Gravity
Interview
Hello Gravity
Hannah Maria Paffen  /  Mittwoch, 10. November 2010

“Hallo Schwerkraft” nennen sich Mike, Felix, Simon und Thomas, die sich 2007 in Schrobenhausen in Süddeutschland gefunden haben, um gemeinsam die Musikwelt zu bereichern. Wenn ihr jetzt groupiemäßig und voller Elan etwas über die Band erfahren möchtet, müsst ihr ein wenig im Internet stöbern um fündig zu werden. Auf ihrer MySpace-Seite findet man noch nicht mal die Namen der Bandmitglieder und ich dachte schon es liegt mal wieder an meinem kleinen Chaosköpfchen, dass ich die wichtigen Informationen nicht finde. Ganz schön zurückhaltend die vier Hübschen! So kann das nicht weitergehen und deswegen hab ich Hello Gravity um ein Interview gebeten, damit ihre Indie/New Wave Musik demnächst auch das große weite Internet und eure Herzen erobert.

Hallo ihr vier. Schön, dass ihr euch ein wenig Zeit für dieses Interview genommen habt. Ich kann mir denken, dass ihr diese Frage schon öfters beantworten musstet, aber wie kommt man denn auf den Bandnamen “Hello Gravity”? Wart ihr mal alle zusammen feiern und dachtet euch: Huch, die Schwerkraft stattet uns einen Besuch ab, oder wie kommt man auf so einen Namen?

Felix: Der Name spiegelt unsere Musik eigentlich ganz gut wieder. Genauso wie ein freundliches “Hello” zur Begrüßung kommen unsere Songs bei hören sofort fröhlich und leicht daher, aber beim genauen Hinhören schwingt immer ein kleinwenig schwermütiges, vielleicht sogar melancholisches mit, für was “Gravity” stehen könnte. Das lässt unsere Songs schön poppig sein, aber auch nicht flach.

Mike: Genau! Es ist uns wichtig, dass unsere Songs eingängig oder einfach anhörbar sind. Es darf ihnen jedoch nicht an “Tiefe” fehlen. Im Grunde kann man das alles nicht unbedingt so planen. Man macht Musik zusammen und irgendwann stellt sich heraus, was man an Stärken hat und wie man diese am besten hervorhebt. Bei uns war das dann genau das, was Hello Gravity eigentlich besagt. Melancholische “Gravity”, die ein freundliches “Hello” voraussetzt.

Ihr macht ja schon länger Musik. Wie seid ihr denn eigentlich dazu gekommen? Macht euch das einfach nur Spaß, verarbeitet ihr durch die Musik eure Gedanken und Gefühle oder möchtet ihr später einfach die Weltherrschaft an euch reißen?

Simon: Angefangen haben wir, wie jeder andere Musiker natürlich aus Spass an der Sache. Und das ist auch immer noch so. Wir sind alle schon seit unserer Kindheit mit viel Musik aufgewachsen da lag es nahe bald eigene Sachen schreiben zu wollen.

Mike: Musik verarbeitet immer Gefühle und Gedanken. Das ist auch bei uns so. Schön wäre es natürlich, wenn man damit andere Leute erreicht und deren Gefühle mit verarbeitet.

Tom: Wenn es Menschen gibt, die unsere Musik hören und dazu tanzen ist das für uns eine Weltherrschaft. Das ist auch genau das, was man erreichen will. Es geht hier weniger um acht verscheidene Autos, die man sich durchs Musikmachen leisten will sondern vielmehr um Gefühle zu vermitteln. Dem Zuhörer muss eine Gänsehaut verschafft werden.

Zur Zeit geht’s bei euch ja schon ein wenig rund. Ihr habt dieses Jahr eure erste EP “India” mit fünf Songs veröffentlicht, wart letztens bei On3 und meinem Lieblings-Radiosender EgoFm zu Gast. Was steht denn aktuell auf eurer To-Do-Liste? Arbeitet ihr gerade an einem Album oder vielleicht sogar an einem Video?

Felix: Wir arbeiten zur Zeit tatsächlich an einem Album. Wir sind fleißig im Studio und nehmen auf, damit voraussichtlich 2011 die Platte erscheinen kann. Wie und auf welche Weise ist allerdings noch nicht klar.

Simon: Je früher die Platte rauskommt umso besser natürlich. Man braucht aber viel Zeit für ein eigenes Album, die wir uns auch nehmen werden. Wir versuchen das beste rauszuholen und müssen dafür ein wenig Geduld aufbringen.

Wir versuchen auf der Platte unsere Eigenheit einzufangen, welches im ersten Moment gar nicht so einfach ist, wie es erscheint. Man schreibt Songs und kann im Aufnahmeprozess so viel verändern, dass man sich irgendwann dann doch fragt: “Kommt das rüber, was wir rüberbringen wollen?”

Musstet ihr schon eine Autogrammstunde einlegen? Oder wollte eure Fangemeinde, dass ihr schon mal auf seltsame Körperstellen bzw. -teile unterschreibt?

Mike: Das mit den seltsamen Körperstellen kam noch nie vor glaube ich… Das wäre bestimmt interessant! Ich durfte aber schonmal CDs unterschreiben.

Tom: Sorry Mike, das mit den Körperstellen kam bei dir noch nicht vor!

Auf einem Bandfoto hast glaube ich du, Mike, einen ziemlich heißen grünen Mantel an. Wo habt ihr den denn aufgetrieben? Habt ihr mehrere solcher Einzelstücke im Kleiderschrank?

Mike: Das mit dem Mantel bleibt sozusagen ein Betriebsgeheimnis. Ich sag nur soviel, dass dieser eigentlich fürs andere Geschlecht bestimmt ist! Mode ist für einen Musiker in der heutigen Zeit sehr wichtig. Für uns gilt das auch. Das heißt nicht unbedingt, dass man mit den richtigen Klamotten extrem cool rüberkommt. Manchmal hat es sogar den gegenteiligen Effekt. Man könnte es mit einer Theatervorstellung vergleichen. Wenn die Schauspieler mit Jeans und T-Shirt auftreten würden wäre es nur halb so interessant.

Tom: Stimmt, bei einer Band zählt heutzutage nicht nur die Musik. Das Gesamtpaket muss in sich und natürlich auch nach außen hin passen. Man kann sich so viele Videos, Interviews etc. im Internet anschauen, dass man seine eigene Musik visualisieren kann. Oder besser gesagt man kann das, was man mit der Musik ausdrücken will, verstärken.

Könnt ihr euch auf ein Lied, dass ihr alle ziemlich, ziemlich gut findet einigen?

Mike: Schwierige Frage! Das wäre warscheinlich immer unterschiedlich, je nachdem wann man uns fragen würde. Vielleicht aber “Just like Heaven” von The Cure . Das Lied ist sehr warm und macht fröhlich.

Felix: “Forever Young” von Alphaville ware auch ganz oben dabei. Obwohl der Song so cheesy ist, gefällt er insgeheim jedem.

Jeder hat aus seiner Kindheit oder Jugend ja so kleine Bandsünden. Ich verschenkte zuerst mein Herz an die Kelly Family und danach an die Jungs von den Hansons. Sagt mir bitte nicht dass ich ein böser Einzelfall bin. Was habt ihr denn in jungen Jahren so gehört?

Mike: Ich kann mich nicht mehr an allzu viele Sachen erinnern. Lou Bega, Bravo Hits oder Sasha waren ein paar Favoriten. Kelly Family war eine zeitlang auch meine absolute Lieblingsband. Da hat die ganze Familie inklusive Opa mitgesungen. Das fand ich sehr beeindruckend… und alle hatten Pferdeschwänze!

Simon: Sollten wir uns auch überlegen…

Mike: Das mit dem Opa oder das mit den Pferdeschwänzen?

Wo würdet ihr gerne mal spielen und warum? 

Tom: Las Vegas, seitdem ich dort war und überall die Werbung für einen Auftritt von The Killers gesehen habe, stelle ich mir das immer schon vor, auch wenn das drum herum eigentlich alles sehr sehr künstlich erscheint.

Felix: Ich denke als Bayer ist es natürlich auch ein Ziel in die Münchner Olympiahalle einzukehren. Man will seine Musik möglichst vielen Leuten zeigen. Je mehr Leute zu Konzerten kommen umso glücklicher sind wir. Irgendwo auch klar.

Was macht ihr denn eigentlich so am Wochenende? Seid ihr zur Zeit nur im Proberaum um früher oder später die große weite Welt unsicher zu machen oder habt ihr hier und da auch ein paar Lieblingsbars, Cafés oder Plätze die ihr hier gerne verraten möchtet?

Felix: Die Musik und vor allem das Konzerte spielen lassen sich im allgemeinen sehr gut mit Party machen verbinden. Wir sind nicht nur im Proberaum, nein. Aber wir sind auch nicht jeden Abend unterwegs. Die Mischung macht’s.

Mike: Als Musiker kann man in Clubs oder auf Partys schnell mal gute Kontakte knüpfen. Das ist sehr wichtig. Spezielle Lieblingsbars oder so etwas gibt es eigentlich nicht. Da kenne ich leider auch keine Geheimtipps. Wenn es eine geheime Bar gibt ist warscheinlich auch kein anderer da. Kommt eigentlich auch immer auf die Situation an. Im Grunde kann’s überall lustig sein, wenn man mit den richtigen Leuten unterwegs ist.

Ich hab ja auch ein wenig gestalked bzw. recherchiert und habe herausgefunden, dass in Schrobenhausen das “Europäische Spargelmuseum” steht. Wart ihr da schon mal drin? Können wir das unseren Lesern mal nahe legen? Klärt mich doch einfach mal ein wenig auf.

Felix: Schrobenhausen ist die Spargelstadt überhaupt. Da liegt es nahe, dass es ein Spargelmuseum gibt. Ist für Spargelkenner bestimmt ganz interessant.

Mike: Spargel wächst auf Feldern. Nach dieser Information lohnt sich der Besuch warscheinlich nicht mehr… Ich war da selbst noch nie drin. Tut mir leid, Stadt Schrobenhausen.

Wo kann man euch denn das nächste mal Live und in Farbe betrachten?

Simon: Am 15.11 spielen wir mit This is The Arrival in Regensburg. Ebenfalls mit This is the Arrival am 26.11. in unserer Heimat in Schrobenhausen. Für den 11.12 haben wir uns in München das 59:1 mit den Talking Pets gemietet, das sollte man auch nicht verpassen.

Etwas was man mal unbedingt gemacht haben muss?

Mike: Versuche ich auch rauszufinden. Man muss aber glaub ich viel ausprobiert haben.

Felix: Eine CD von uns gekauft haben?

Simon: …und das Spargelmuseum besuchen.

Vielen Dank für das tolle Interview.

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Über die Autorin

Hannah lebt zur Zeit in Kempten, studierte Modedesign und widmet sich nun der Betriebswirtschaftslehre, um die Pflichten einer angehenden Weltherrscherin perfekt umsetzen zu können. Ihr größter Traum ist es, in naher Zukunft in einem billigen Horrorfilm mitspielen zu können. Als taffe Vampirjägerin. Oder modriger Zombie. Mal gucken. Alle Artikel von Hannah lesen oder eine eMail schicken.

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