Sie machen es einem nicht leicht, sie gut zu finden. Nicht genug damit, dass OneRepublic der Soundtrack zu Katrin Müller-Hohensteins innerem Reichsparteitag waren und damit nur knapp weniger nervten als die Vuvuzelas, sorgten sie darüber hinaus auf einer Fahrt von Bielefeld nach Berlin für stetig wachsenden Unmut, da ich mangels einer CD die sogenannten Formatradiosender dreier Bundesländer hören musste und außer Katy Perry und OneRepublic scheinbar nichts anderes mehr gespielt wird in den an die Radiocomedyredaktionen angeschlossenen Studios. Kaum eine andere Popband unserer Zeit steht so sehr für Radiopop, für den verhassten musikalischen Mainstream, wie OneRepublic. Aber andererseits: Wird man dieser Band damit gerecht? Einer Band, die genau wie Panic at the Disco Myspace-Hype war, bevor sie gesignt wurde? Die genau wie Panic at the Disco auf unkonventionelle Kompositionen setzt? Die genau wie jede Band dieser Welt einfach nur versucht, den perfekten Popsong zu schreiben?
Auf die Frage, ob es sie wurmt, von der Indie-Community ignoriert zu werden, antwortet Frontman und Produzent Ryan Tedder im Interview anlässlich ihres Konzertes im Berliner Huxleys Neue Welt ehrlich, dass sie eigentlich genau da seien, wo sie hinwollten. Sie machen Popmusik. Sie wollten immer Popmusik machen, und Bands wie sie bräuchten nun mal das Mainstreampublikum, ja, sie seien auf das Airplay regelrecht angewiesen und glücklich, dass sie mit ihrer Musik von Radiosendern weltweit gespielt werden, auch wenn es heißt, zwischen Werbeblöcken, Verkehrsinfos und den immergleichen musikalischen Templates der immergleichen Produzententeams festzusitzen.
Dabei wäre es falsch, sie in die gleiche Schublade wie die anderen Formatradioplaylistenhabitanten zu stecken. Denn hinter jedem zuckersüßen Ohrwurm steckt Songwriting mit Leidenschaft und Liebe zum Detail. Das unterscheidet ein „Secrets“ oder gar ein „All the right Moves“ schon mal per se von einem „California Gurrlz“. Alle Bandmitglieder sind Vollblutmusiker, zwei von ihnen können Violine und Cello spielen, was sie zu einem halben Kammerorchester macht, wie Ryan Tedder feststellt. Und man fragt sich wirklich, was Panic at the Disco in Indies Augen kredibel und OneRepublic zur Persona non grata machte. Ist das gerecht? Wenn man ganz ehrlich ist: Was ist der Unterschied? Nicht nur musikalisch, auch historisch unterscheidet die beiden Bands wenig. Und doch zierte die eine Band die Titelseiten von Intro und Co., die andere hingegen kriegt den bezahlten Titel auf der Piranha, die in den Elektronikwarenhäusern der Metro Gruppe ausliegt.
Enter: Den Til Schweiger-Faktor. OneRepublic können nichts für “Keinohrhasen” oder “Zweiohrküken”, und das böse Nachspiel an Zielgruppe, das ihnen der Soundtrack bescherte. Man könnte sie für diesen so finanziell einträglichen wie rufschädigenden Karriereschub bemitleiden, aber im Gegenteil, es scheint, sie fühlen sich pudelwohl, dort wo sie gelandet sind. „Wir sind sehr dankbar für die Chance, die uns Til Schweiger gegeben hat“, sagt Ryan Tedder, und er wird es noch in dieser Nacht beweisen, wenn er den ehemaligen Lindenstraßen-Insassen während des Konzerts zu „Apologies“ auf die Bühne holt. In der Tat könnte die Partnerschaft passender nicht sein. Auf der einen Seite eine Band, die auf Hochglanz produzierten, überaus eingängigen Mainstream-Pop macht, auf der anderen der deutsche Regisseur, der sich mit seiner Sichtweise von Filmen in seiner Heimat schon immer ein Stück weit nachvollziehbar unverstanden und seitens des Feuilletons nicht ausreichend gewertschätzt fühlte (wie Lukas Heinser von Coffee And TV mal in einem Gespräch konstatierte: Wenn ein Regisseur in Deutschland Kinofilme inszenatorisch auf Hollywood-Niveau produziert, dann Til Schweiger) – da mutet es schon fast wie ein Happy End an, dass diese Ungeliebten sich trafen.
Wenn man den Jungs gegenüber sitzt, erst recht auf der Bühne, nimmt man ihnen ihre Leidenschaft ab. Und sie machen sich nichts vor: Sie sind eine Mainstream-Popkapelle, die mit Independent ähnlich wenig zu tun hat wie U2, und das wissen sie. Aber die kleinen Clubs waren auch nie ihr Ziel. „Wir machen Stadionpop“, sagt Ryan. Es sei das größte gewesen, vor über 70.000 Zuschauern in Wien zu spielen, im Vorprogramm von eben jenen U2. Und in der Tat sind die Parallelen unübersehbar. Bono und seine Band schufen einen einmaligen Sound, den man bis heute aus dem Radioeinerlei heraushört. Und wenn OneRepublic eins geschafft haben, dann eben genau das: Zwischen all den Stromlinienpoppern wie Katy Perry oder Reamonn herauszustechen, wiedererkennbar zu sein. Das muss man nicht gut finden, aber man kann es respektieren. Und angesichts ihres Traums, selbst irgendwann Headliner in einer Arena zu sein, kann man ihnen fast nur dazu beglückwünschen, nicht zuerst von der Intro oder der Spex entdeckt worden zu sein.
OneRepublic geben nichts auf irgendwelche Indie-Attitüden. Und doch sind sie in allem was sie tun authentisch, so sehr sie den Massengeschmack auch treffen. Beinahe logisch, dass sie ihren Song „Secrets“ für die Werbekampagne von Ralph Laurens neuem Duft „The Big Pony Collection“ zur Verfügung gestellt haben. Wie das zusammenpasse, will ich wissen. Ralph Laurens Modelinie sei klassisch geprägt, erklärt Ryan, und da untermale ein Song wie „Secrets“, der stark von Bach inspiriert sei, den Werbespot perfekt. Er selber trage eher selten Ralph Lauren, aber der Song transportiere auf musikalische Weise das Image des Labels. Und schon ist das Thema Ralph Lauren abgehakt und er und seine Jungs philosophieren wieder über die Band, ihre Einflüsse und wie sehr die ganzen letzten Jahre die Erfüllung von Jugendträumen war. Sie geraten richtig ins Schwärmen, und wäre das Management nicht irgendwann eingeschritten, wir hätten bestimmt noch länger quatschend zusammengesessen.
Am Ende können einem OneRepublic sogar leid tun. Denn sie können was. Sie sind live richtig gut. Wirklich richtig gut. Aber das Publikum, das sich aus Formatradio-Hörern, Bausparern und Großraumdisco-Exilanten rekrutiert, weiß vermutlich nicht richtig zu goutieren, was ihnen da an feinem Pop, das tatsächlich in Stadien und nicht auf kleine Clubbühnen gehört, geboten wird. Und während OneRepublic auf der Bühne des Huxleys ihr Set präsentieren, das neben allen Hits auch eine – bar jeder Ironie – mitreißende, von Timbalands nervtötender Umklammerung befreit aufspielende, wunderbare Livefassung von „Apologies“ beinhaltet, hangelt sich das Publikum von Hit zu Hit, rastet bei „Marchin on“ aus, um gleich beim nächsten, nicht als Single veröffentlichten Albumtitel in eine Art Schockstarre zu verfallen. Und doch werden sie am nächsten Tag in der Sparkasse und in der Versicherungsagentur begeistert erzählen, dass sie auf einem krassen Rockkonzert waren.
Was natürlich quatsch ist. OneRepublic sind kein Rock. Sie machen Pop, schamlosen, keine Frage, aber er ist konsequent und handwerklich nahezu perfekt, und hebt sich durch den Einsatz von Cello, Violine und ihren inspirierten Ideen wohltuend von der Radiokonkurrenz ab. Man sollte sie nicht unterschätzen. Auf der Bühne zelebrieren sie die großen Emotionen, schicken ihre Ohrwürmer auf Rundreise durch das Huxleys, und was im Radio mit der Zeit nervig wird, ergibt im Livekontext Sinn, hat wohlwollend mitwippend Hand und Fuß. Fan werde ich in diesem Leben nicht mehr, da haben die sechs Stunden zwischen Bielefeld und Berlin zu viel kaputt gemacht. Aber ich bin an diesem Nachmittag zum Sympathisanten geworden. Da stehen Musiker, die nichts anderes machen wollen, als eingängige Popmusik vor tausenden von Menschen. Sie bilden sich nicht ein, alternativ, Rocker oder der nächste NME-Hype zu sein. Sie sind einfach eine Gruppe sympathischer Jungs, die niemandem mehr etwas beweisen müssen, die Lust auf genau die Musik haben, die sie machen und sich der Tatsache bewusst sind, niemals die großen Kritikerlieblinge zu werden. Mit dieser Rolle können OneRepublic bestens leben. Und das unterscheidet sie am Ende des Tages im positivsten Sinne von musikalischen Blindgängern wie Revolverheld, Christina Stürmer oder Nickelback.
VERLOSUNG: Wir verlosen unter allen Kommentatoren ein von den Mitgliedern von OneRepublic signiertes Flakon des neuen Ralph-Lauren-Duftes „The Big Pony Collection“ (mehr dazu und O-Töne der Band im Video).
Für welche peinliche heimliche Lieblingsband würdet ihr eine Lanze brechen?
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Mischa, ich will ein Kind von Dir. <3 (Ich breche meine Lanzen ja gerne für Hanson. Und Tokio Hotel. Aber peinlich ist mir das nicht und verheimlichen tu ich auch nichts. =D)
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@Feylamia: Auf dich ist Verlass <3
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Peinliche Lieblingsbands gibt es eigentlich eher nicht bei mir.
Ich stehe mit vollem Herzen hinter Jennifer Rostock und deren Musik. Das ist für mich eher nicht peinlich finde ich ;-) Auch wenn das viele vielleicht so sehen und sich dann zuhause genüsslich die Blümchen-CD intravenös reinjagen.
One Republic haben bei mir einen seltsamen Stellenwert. Mich nerven die Lieder ungemein, wenn sie andauernd im Radio gespielt werden, aber manchmal brauche ich auch ein einfaches ” All the Right Moves ” um zum Beispiel versuchen mitzusingen. Denn bei den Liedern kann ich das Zweitstimmige singen besser üben, als bei anderen! Thats it.
Den Duft würde ich jedoch trotzdem nicht verachten (:
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Bon Jovi! Sie werden leider immer nur in der Weichspül-Romantik-Schiene genannt, sind live aber einfach mal verdammt gut und beweisen das seit über 20 Jahren. Erzählen darf man das keinem, da kommen nur böse Kommentare, was man denn an so einem Schmalz findet, v.a wenn man unter 40 ist.
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Die Erste Allgemeine Verunsicherung!!
Wobei ich nicht mal behaupten würde, dass es peinlich ist, die gut zu finden. Denn ich liebe sie, seitdem ich sechs Jahre alt bin… Aber in meinem Umfeld werde ich dann doch mal schräg angeguckt.
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Ich glaube, das Problem an (Bands wie) One Republic sind nicht die Bands selbst oder ihre Musik, sondern die von dir schon angesprochene Airplay-Ausschlachtung und, hauptsächlich, ihre Fans. Kreischende Blagen auf der einen Seite, Mainstream-Bankangestellte, die Sex in the City gucken, Cocktails schlürfen und als Lieblingsmusik House und Rock hören, letztere Richtung bekennend auf dem Orsay-Glitzer-Shirt zur Schau stellen und mit Rock eben One Republic und Konsorten meinen. Leute, die man nicht mögen kann, wenn man nicht teil dieser Glitzer-Cocktailschlürf-Welt ist, sei es als Frau oder als Mann, der diese Frauen abschleppen will.
Ach ja, und ich stehe heimlich auf Avril Lavigne, das aber dank diesem Internet schon ein paar Wochen bevor sie hier mit Complicated zum Radio-Star wurde. Aber nicht verraten.
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Irgendwo da oben fehlt übrigens rund um die Bankangestellten ein “auf der anderen Seite”. Aber is Wurscht, ne?
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Auch sehr unterschätzt wird übrigens – kein Scheiß – Florian Silbereisen! Mag sein, dass sein Verhalten aufgesetzt und unnatürlich wirkt aber live ist der Kerl wirklich gut. Das heile-Welt-Getue ist nicht meins aber er hat durchaus ein paar gute Lieder und sexy ist er auch, zumindest ein bisschen. Jürgen Drews ist auch hot und ne geile Stimme! So, ich geh jetzt wieder in meine Ecke und schäme mich.
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@Ninia: EAV <3 Da hatte ich früher die Kassetten von. Großartig!
@stiller: Ja, so isses.
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Ich breche eine Lanze für Aaron Carter. “Crush on you” war meine erste Maxi-CD.
Ich will ein Kind von Hannah und Paulchen und den Flakon, auch wenn das RL-Logo im Hintergrund doch sehr an ING DIBA erinnert. Genau.
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Ganz klar Trio sowie weitere songs der NDW
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Das ist wirklich ein Dilemma: wenn man eine Band gut findet, die noch nicht jeder kennt, und die wirklich hart für ihren Erfolg kämpft, dann wünscht man ihr nichts mehr, als Erfolg auf ganzer Linie … und wenn sie dann endlich Erfolg hat, ärgert man sich fast, dass sie dadurch nichts besonderes mehr ist. ;) Das geht mir zur Zeit ein wenig mit Unheilig so. Ich freue mich schon auf November, wenn WDR4-Hörerinnen während der gemeinsame Tour von Unheilig mit Apoptygma Berzerk, VNV Nation, Diary of Dreams und Mono Inc. frontal auf die schwarze Szene treffen. Das wird ein Spaß. ;D
“Marchin on” von OneRepublic macht auch wirklich Laune, aber ich wünschte mir, dass das ZDF während der WM ein anderes Lied (ab)genutzt hätte. ;)
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Für Pur , Laith al Deen und Münchner Freiheit bekomme ich schonmal komische Blicke :)
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Mir gefällt Slade und Suzi Quatro
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Schön das ihr auch dem mainstream mal ein bisschen Geschmack zusprecht. Ich höre auch ab und an gerne OneRepublik sowie Akon oder Sean Kingston.
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Jetzt hab ich ‘nen Ohrwurm … Bababa Bababa Bababanküberfall … <3
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Peinliche heimliche Lieblingsband?
Vielleicht die Crackhuren, nee sind nicht peinlich genug. Frittenbude & Egotronic sind in Teilen ja auch fast schon wieder Mainstream und können daher auch nicht peinlich sein.
Als Band für die ich in der Regel skeptische Blicke ernte wüsste ich direkt nur Groove Coverage zu nennen, deren Moonlight Shadow Coverversion mich schon sehr lange begleitet hat..
Künstler wäre Bushido und obwohl ich von ihm eigentlich nur ein Lied mag, reicht das schon für viele um mich für verrückt zu erklären…
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