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Die Stadt und das Mädchen
Foto: AMY&PINK
Kein Blick zurück
Die Stadt und das Mädchen
Von Marcel Winatschek
Veröffentlicht: Donnerstag, 19. August 2010

Mit diesem kleinen Mädchen durch die dunklen Straßen der Stadt zu irren, eröffnete mir weder komplett neue Welten meines Geistes, noch trat es in mir eine Stimmung der Resignation des Lebens, das ich bis dato führte, los. Die kurze und doch so vertraute Reise machte schlichtweg alles besser. Alles. In ihrer Anwesenheit verfiel ich in einen Status der Lebensfreude, den ich bis dato nur von billigem Sex und hochwertigem Wein kannte. Oder umgekehrt. Ihre ungebundene Niedlichkeit und der menschenverachtende Flair ihrer Stimme machte mich irgendwie glücklich. Ich mochte plötzlich gewisse Dinge. Und das bereitete mir unangemessen große Furcht. Denn Herzen öffnen birgt Risiken. Immer.

Wenn sie nicht in meiner Nähe war, verharrten meine Gedanken in ihren Fotos und schwirrte sie um meinen Körper, konnte ich von ihrem Duft und dem Gefühl ihres Daseins nicht genug bekommen. Pures Verständnis ist selten heutzutage. Die Tage und Nächte verwandelten sich zu Wettläufen gegen die verdammte Zeit. An Britney Spears und Ohnmachtsanfällen vorbei, fochten wir einen Kampf aus, der uns nichts weiter als eine Illusion des Sieges bieten konnte. Und wir griffen beherzt zu.

Gierig küssend, traurig wissend, dass unsere von Zufällen und Schicksalen regierte Welt schon bald in sich zusammen fallen würde, genossen wir jeden Augenblick und drangen so tief in das jeweilige Gegenüber ein, dass Wahrheiten logen und Seelen onanierten. Glück ist selten heutzutage. Und anders als bei all den leeren Hüllen, deren trostlose Weiblichkeit ich als Lebenselixier aussog und deren Charme und Angebote ich mir durch taktische Ignoranz erschlich, bedeutete mir dieses kleine Mädchen bereits nach so kurzer Zeit eine ganze Dimension voller klarer Gedanken. Es war mehr als großartig.

Während ich dem Ruf in ein paralleles Leben folge und mir gebetsmühlenartig einrede, dass meine wenigen – aber imperativen – Pläne ihre Richtigkeit haben, huscht sie frech und einsam an den angestaubten Stereotypen meines bisherigen Lebens vorbei und offeriert mir neue Sichtweisen auf einen Albtraum, der sich bereits daran machte, seine glücklosen und deprimierenden Ideale tief in mir drin zu manifestieren. Schlucken, spucken oder ficken – jede Form der inneren Gewalt ist angebracht, um sich gegen den schleichenden Verfall der eigenen Hoffnungen zu verteidigen. Jede.

Meine Zukunft liegt wie ein grauer Schleier vor mir und doch danke ich dir, dass du kurz vor dem Eintritt in ein neues Leben meine Hand ganz fest gedrückt hieltest, um mir noch einmal klar zu machen, dass qualitativ kostbarer Mind-Fuck überall auf einen lauern kann, manche Emotionen weitaus erfüllender und lebendiger als altmodische Liebe sein dürfen und nichts über Käse-Pizza, Weezer und blutige Zombies geht. An dich und deine tolle Stadt: Ich mag dich so sehr.

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Über den Autoren

Marcel Winatschek lebt in Berlin und ist Chefredakteur bei AMY&PINK. Seine meist etwas abstruse Persönlichkeit setzt sich in gleichen Teilen aus Charakteren in TV-Serien, Sprüchen ehemaliger Sportlehrer und Traumfantasien mit japanischen Karate-Kämpferinnen zusammen, dessen Summe er in einer einmaligen Art und Weise als selbstständigen Menschen ausgibt. Alle Artikel von Marcel lesen oder eMail schicken.

32 Kommentare

  • … das ist einfach nur sowas von schön.

  • Paulchen sagt...

    Ist da jemand verliiiiiiiieeeebbbbbttt???

  • marcel sagt...
  • @Paulchen: Ja deine Mutter, wie oft denn noch?

  • Paulchen sagt...

    Marcel VS. Marcel

    FIGHT! :D

  • simone sagt...

    das ist so der schöne und süße text!

  • marcel sagt...

    Achso, nee ich wollte hier keine merkwürdigen Besitzansprüche (gutes Wort in diesem Zusammenhang) deutlich machen, sondern nur den Text als solchen kommentieren. Ich kotzte zweimal, kicherte drei Mal und lachte duchgehend laut. Ich kann auch lachend kotzen.

  • Ines sagt...

    Na toll, jetzt gibts wieder nen Bitchfight zwischen dem verweichlichten Schwuchtelmarci und dem übellaunigen Ichkotzewennihrglücklichseidmarci. Ich kann euch nicht ab. Beide. Spacken.

    <3

  • Ihr Internet-Sucht-Kinder. Sucht euch gefälligst ein Real-Life, Bitches. Twitter. Internet Fame. Spacken.

  • TinaRawatta sagt...

    Dein Text spricht mir im Moment aber sowas von aus der Seele, das es schon unheimlich ist, danke.

  • Michael sagt...

    Das hast du so wundervoll geschrieben der Wahnsinn!

  • Attila sagt...

    Check ich nicht, hat der eine marcel dem andren die olle ausgespannt oder was soll der scheiß?

  • @Attila: :D Oh Mann…

  • Ines sagt...

    Für den einen ist es ein “wenn sie nicht in meiner Nähe war, verharrten meine Gedanken in ihren Fotos und schwirrte sie um meinen Körper, konnte ich von ihrem Duft und dem Gefühl ihres Daseins nicht genug bekommen.”

    und für den anderen einfach nur “die Olle”…

    Von der Skyline zum Bordstein zurück, Baby.

  • Mischa sagt...

    Ganz großes Kino, mein Lieber. Ziehe meinen Hut.

  • Die Olle hat nicht etwa gerade Bushido zitiert, oder?

  • Ines sagt...

    Ich mag Bushido. Da versteh ich die Texte. Weil da sind nicht so schwule Wörter drin. So imprimitiv und so.

  • tamara sagt...

    wow ich wünschte mein freund würde mir mal sowas schönes schreiben

  • @Ines: Mag mein kleines Äffchen noch eine Banane?

  • @Ines: Und gib endlich amypink.com als deine Webseiten-Adresse ein. Was soll denn das? Du Stück.

  • Ines sagt...

    @Marcel Winatschek: Deine Mudda schreibt mir verknallte Blogeinträge, also halt die Fresse jetzt <3

  • Kamillo sagt...

    @ines: du bist so cool alta …wenn du weiter so schreibst verknall ich mich noch in dich ;)

    @marcel: dein Text ist etwas kitschig für meinen Geschmack …

  • Ines sagt...

    @Kamillo: das ist okay, das passiert mir ständig.

  • lars sagt...

    So ganz ohne :popcorn-Emoticon fehlt hier schlicht die Möglichkeit, mit nur einem einzigen Wort bildlich genau das auszudrücken, was nun umständlich mittels dieses Satzes, na ja und so weiter.

  • Thilo sagt...

    Ines alte Ghettobiatch! Du läufst irgendwann echt mal Sara den Rang ab.

  • Ines sagt...

    @Thilo: Wer ist Sara?

  • Malte sagt...

    @Ines: Sara ist die wahrscheinlichst derbste Frau seit es das Internet gibt … um nicht zu sagen sie ist das Internet in gut aussehend und dope!

  • olli sagt...

    jaja, mit der Ines kann man was erleben. ich mag sie auch sehr :o)
    dieser text ist so genial geschrieben, ich finde keine worte….

  • tasherl sagt...

    Eine große, glückliche Familie.

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