Veröffentlicht: Mittwoch, 11. August 2010
Meine Gedanken waren tot gedacht. Vielleicht war es Angst, aber ich nannte es Liebe. An jenem Tag bin ich der Erste auf der Straße. Um mich von der Stadt zu verabschieden, die mich vor langer Zeit in ihre Obhut genommen hatte. Meine Haut geschunden, meine Seele geliebt, meine Trauer gestillt. Ich muss daran denken, wie sich unser Dasein im Sommer vor drei Jahren veränderte und wo wir heute stehen. Vergangenheit ist meine Leidenschaft, Zukunft meine Gier. Im Hier und Jetzt schaue ich nur selten vorbei.
Während ich die Kastanienallee entlang spaziere und sich die trübe Luft in mir ausbreitet, sehe ich die Gesichter der Menschen vor mir, die mir hier einmal etwas bedeuteten und die ich nun zurück lassen werde. Luft wird zu Wehmut. Das kleine rothaarige Mädchen mit den übergewichtigen Katzen. Der gelockte Sonnenschein mit so viel Tragik wie Freude in der Brust. Der Gefühlsverdreher mit Hang zur Selbstreflektion. Ich gewann alle für mich und verwirkte sie wieder, als die Zeit dazu gekommen war.
Die Nacht ist unser Zeuge. Man merkte ihr an, dass sie innerlich mit sich kämpfte, immer wieder zurückfiel, sie war vergeben. Keine Küsse, nur keine Küsse, diese Worte konnte man ihr förmlich ansehen. Ich erforschte sie, biss ihr in den Hals, drückte sie in die Ecke. Ich werde diesen Abend nie vergessen. Aus Kummer geflohen, des Geistes wegen geblieben, des Rufes folgend gepackt. Mein Fluch als Lebenswanderer durchschreitet mit stetem Schritt die Mauern der Anderen. Auch die der Toten.
Ob es für mich eine Chance gibt, dich jemals wieder zu sehen? Manchmal würde ich dich am liebsten anschreien.. wie du dir nur erlauben konntest vor mir abzukratzen. Bei dem Gedanken bekomme ich Kopfweh. Ich habe geschrien, ich habe geheult, ich habe akzeptiert, ich habe gekotzt – ich habe alles durch und trotzdem will sich diese Leere, die du hinterlassen hast, kein Stückchen füllen. Aber ich weiß, egal wo du jetzt sein magst, du bist seitdem mein Schutzengel. Und das lässt mich wieder hoffen und lächeln. Du blöde Kuh, wieso musstest du nur sterben…
Die Morgensonne scheint durch die Wipfel der Bäume und kitzelt mein Gesicht. Früher hatten wir uns in diesem Licht geliebt. Es ist der einsamste und kritischste Moment des Tages. Die feuchten Kristalle in meinen Augen verwandeln sich in Momente des Glücks und mein leerer Geist füllt sich mit Wärme.
Berlin ist meine Heimat geworden. Und doch ist mir klar, dass diese Stadt nicht das Ende meiner Reise sein wird. Einer Reise voller Menschen, die ich kennen und lieben lerne und deren Wege sich schon bald wieder trennen werden. Weil wir alle nur rastlose Nomaden sind, die auf der ewigen Suche nach Glück, Verstand und Wahrheit sind und sich selbst irgendwo zwischen Liebe und Atemlosigkeit verlieren werden.
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Wohin geht die Reise jetzt?
einer der schönsten und Tiefgründigsten texte hier.
:) viel glück auf deinem weg und spaß in england
Danke.
England?
Ui… Kannst du auch mal für die nicht Insider erzählen, was du da machst und wieso es dich dort hin verschlägt?
Ansonsten von mir natürlich alles gute für deinen Weg (: