Trauerspiel im Kinderzimmer
Foto: Tavi Gevinson
Tavi Gevinson
Trauerspiel im Kinderzimmer
Hannah Maria Paffen  /  Montag, 7. Juni 2010

Manchmal laufe ich durch die Stadt und dann begegnen mir zwischen den Menschenmengen ein paar Kinder, die von oben bis unten komplett passend eingekleidet sind. Da passt nicht nur das Shirt zur Hose, sondern die Kopfhörer haben die gleiche Farbe wie der Print auf dem T-Shirt.

Außerdem sind der Rucksack, der Gürtel und die Schuhe farblich aufeinander abgestimmt. Unheimlich. Erst recht wenn ich mal an meine Kindheit zurück denke. Als kleiner Hüpfer hatte ich am liebsten die alten Klamotten von meinen Geschwistern an und wenn es mal ‘ne neue Hose gab, dann war die auch öfters mal vom Aldi und keinen hat es gejuckt. Ne, meine beste Freundin und ich fanden es sogar richtig cool mit unserer grün-weiss karierten Jeanshose den Schulhof unsicher zu machen. Im Partnerlook!

Ich glaube ich wäre in der heutigen Zeit kein gutes Kind, weil meine Eltern mir nie teure Markenklamotten gekauft hätten, in die ich nach zwei Monaten sowieso nicht mehr reinpasse. Und wie selbstverständlich die kleinen Fuzzis das manchmal alles sehen.<

Sie wissen zwar noch nicht wie es eigentlich ist einen Cent zu verdienen, aber die Hauptsache ist sie verballern das Geld ihrer Eltern für Markenklamotten. Und das passiert relativ häufig. Als ich noch öfters im Zimtstern-Laden in München stand ist es wirklich häufig vorgekommen, dass die kleinen Scheißer noch nicht einmal über den Tresen schauen konnten, dafür aber genau wissen, was sie tragen wollen und was eben nicht.

Aber den Kindern darf man ja eigentlich keine Schuld geben. Die liebe Psychologie und Pädagogik lehrt uns ja, dass die Eltern als Vorbild fungieren und sie die Schuld daran tragen ob ihre Kinder einmal Amokläufer, Deutschlands neuer Superstar, Arzt, Politiker oder Hartz-IV-Empfänger werden. Eltern: Ihr seid schuld! Also überlegt euch genau ob ihr eine Brut haben wollt oder nicht.

Um von den Eltern mal abzulenken, stelle ich noch die bösen Medien an den Pranger. Überall hüpft einem die durchgestylte Hannah Montana über den Weg und wo sie ist, ist Justin Bieber auch nicht mehr weit. Sich zu stylen und modisch zu kleiden hat in den letzten Jahren irgendwie an Popularität gewonnen. Überall sprießen auf einmal Modeblogs aus dem Boden und wollen sich unsere Weltherrschaft unter den Nagel reißen. Und auf einmal ist es schick Model-like vor der weißen Wand seines Kinderzimmers zu posieren, wie die Magermodels es vormachen: Schultern vorziehen, Hände in die Hüfte, Kinn senken oder mal anders: fallende Schultern, Kopf gesenkt, Beine über Kreuz. Ja alles ganz normal für die Kinder und Jugendlichen von heute, die einen Internetanschluss, ein bisschen Geld und eine Digitalkamera besitzen.

Ein Extremfall ist Tavi Gevinson, die bereits mit 13 Jahren durch ihren Modeblog berühmt geworden ist. Ist das normal? Ein Kind, das mit 12 anfängt über Mode zu bloggen? Darf uns das stören? Muss uns das stören? Wird so nicht teilweise ein unheimlicher Druck auf die Jugend ausgeübt? Manche Modelabels kreieren sogar eine eigene Kollektion für die 10- bis 15-Jährigen, die schon zu groß für “Kinderklamotten” sind, aber noch zu klein, dass ihnen die gewöhnlichen Konfektionsgrößen passen. Eine neue Zielgruppe, der man besser denn je das Geld aussaugen kann, weil sie sich sehr gut beeinflussen lassen.

Aber es ist ja auch einfacher denn je mit dem Trend zu gehen. Die großen Modehäuser dieser Welt entwickeln und kopieren immer schneller und besser die aktuellen Laufstegtrends und verkaufen sie zu Spottpreisen. Also alles ganz normal, dass es so ist wie es ist? Ist dem Trend hinterher zu laufen das neue Fangen-Spiel? Oder bin ich einfach nur eine verklemmte und altbackene Modedesignerin, wenn ich mir denke dass es nicht normal ist, dass eine 13-jährige Tavi Gevinson in der ersten Reihe der New York Fashion Week sitzt und die Mode auf dem Laufsteg beurteilt? Wer weiß, wer weiß…

Folgt AMY&PINK jetzt auch auf Facebook und Twitter!

Über die Autorin

Hannah lebt zur Zeit in Kempten, studierte Modedesign und widmet sich nun der Betriebswirtschaftslehre, um die Pflichten einer angehenden Weltherrscherin perfekt umsetzen zu können. Ihr größter Traum ist es, in naher Zukunft in einem billigen Horrorfilm mitspielen zu können. Als taffe Vampirjägerin. Oder modriger Zombie. Mal gucken. Alle Artikel von Hannah lesen oder eine eMail schicken.

14 Kommentare

  • Inken sagt...

    Natürlich muss es uns stören, wenn ein Kind anfängt, sich wie eine Erwachsene zu kleiden und darüber zu bloggen. Geistige Reife hin oder her – mit 12 Jahren sollten Kinder sich höchstens Gedanken darüber machen, wie man Mama das Loch in der Hose am besten beichtet, statt dass sie sich als kleine Modepüppchen versuchen. Finde ich zumindest.

  • D-Shawt sagt...

    Genauso schrecklich finde ich, dass der Vater von der Hannah Montana (glaub ich) die kleine minderjährige Schwester genauso pusht, die steht dann am roten Teppich neben Ihrer großen Schwester und hat die Klamotten von der Christina Aguilera aus DIRRTY an.
    Und dann wundert sich die Welt, wenn Kinder als Sexobjekte dargestellt werden.
    LEUTE BITTE!

  • mandarine_one sagt...

    die kleinen wollen immer schneller “groß” sein und dann vermissen sie irgendwann ihre kindheit….
    ich für meinen teil bin froh das ich als kind keinen blog hatte sondern in gelb/grau-karrierten Jeans durch den dreck gehüpft bin…

  • Marcel sagt...

    Ja es gab doch mal diesen 8-jährigen Furz namens Arlo, der sich gestriegelt und geleckt präsentiert hat. Solche Kinder machen mir wirklich Angst:

    http://tinyurl.com/yzl6bon

  • Natalie sagt...

    ab welchem Alter ist man denn für euch[oder sollte ich sagen"Sie"?] kein Kind mehr?
    Natürlich ist es übertrieben als 13-jährige mit einem Modeblog “berühmt” zu werden, aber ich denke das sind eher Ausnahmen..
    Ich bin selber erst 14[ob man das "erst" jetzt weglassen will oder nicht, sollte jedem selber überlassen werden...] und natürlich interessiert man sich für solche Themen wie Mode und Lifestyle,natürlich freut man sich darauf,älter zu werden, was sich hinterher natürlich auch ändert.
    und wieso sollte man nicht seinen eigenen blog haben,auch wenn man vllt. noch jünger ist? ich bin mir ziemlich sicher, das ich demnächst auch einen erstellen werde, wenn ich dann mal zeit dazu finden sollte:D
    wenn es einem spaß macht, finde ich das völlig in ordnung..

  • hannah sagt...

    naja mit 18 ist man meiner meinung nach kein kind mehr obwohl manche menschlichen geschöpfe ab und an auch noch ein bisschen länger brauchen. mit 15 dacht ich mir “ich bin ja sooo cool und erwachsen” mit 18 dacht ich mir “ich bin noch cooler” und jetzt denk ich mir “mei warst du blöd” und so wird es sehr wahrscheinlich noch ne weile gehen dass man wenn man älter wird bzw ein gewisses alter erreicht hat erst sagen kann was richtig oder was falsch ist, blöd war oder eben nich.

    aber so ist ja das erwachsen werden.

    und natürlich ist es ja klar dass man anfängt sich mit mode und anderen kram auseinander zusetzen, aber solch oberflächlichen dinge sollten für kinder nicht wichtig sein in dem alter. da sollte man lieber die welt, seine freunde und sich selbst entdecken, viel unternehmen und nicht vor dem pc abhängen oder sich stundenlang mit der frage beschäftigen “was zieh ich heute an”. so welche fragen werden mit dem “alter” immer unwichtiger. da macht man sich hübsch wenn man abends mal weggeht aber wenn ich einkaufen geh, ins kino oder mit freunden in die stadt se ich pupsnormal aus.

    wieso hast du keine zeit fürs bloggen? du bist 14 und in der 7 oder 8ten klasse? sorry aber so viel zeit wie du jetzt hast wirst du nie wieder in deinem leben haben. aber wenn dich andere freizeitbeschäftigungen davon abhalten zu bloggen ist das doch gut. mit dem kram kann man auch erst später anfangen, aber wenn du der welt was wichtiges mitteilen möchtest dann verpack es in einen text und schick es mir. dann schauen wir mal was dabei rauskommt.

  • Sven E. sagt...

    In meiner Schulzeit waren Modemarken keinesfalls egal. 1997 benötigte man Fishbone-Tshirts (oder andere Sachen von New Yorker), FILA-Turnschuhe, Dickies-Pullover, Eastpak-Taschen und diese absolut lächerlichen Adidas-Hosen mit Knöpfen an den Seiten. Schon damals sollten die Eltern ein Vermögen für Kleidung hinlegen.

    Von meiner acht Jahre älteren Cousine weiß ich, dass sie mal die ganzen Sommerferien für eine Levi’s-Hose gearbeitet hat. Das dürfte so 1990 herum gewesen sein.

    Trotzdem will ich nicht sagen, dass du nicht recht hättest. Durch das Internet können sich Trends noch viel schneller durchsetzen, die Jugendlichen können sich viel besser über die Vielfalt und Möglichkeiten von Mode informieren und das Problem spitzt sich zu.

    (Im Übrigen bin ich der Meinung, dass heutzutage zu viel Wert auf Accessoires und grelle, aber abgestimmte Farben gelegt wird und zu wenig auf den Schnitt der Hosen, Oberteile und Kleider. Understatement ist sexy. Die guten Modeblogs haben das auch schon begriffen. Aber ich bin ja auch völliger Laie und renne in Armeepullis herum.)

  • kamil sagt...

    naja fishbone war auch schon 1997 nicht cool

  • Julia sagt...

    Ich find’s manchmal wirklich erschreckend, wenn ich mich so durch die Blogospähre klicke und über Blogs wie den von Tavi Gevinson stolpere.

    Klar kommt irgendwann ein Alter, in dem sich Leute für Mode interessieren. Ob mit 12, mit 14 oder wann weiß ich. Das will ich auch niemandem vorwerfen, das ist auch gut so. Aber wenn ich so bei uns über den Schulhof gehe, sieht man mittlerweile kleidungstechnisch keinen Unterschied mehr zwischen Kindern aus der fünften Klasse und den Abiturienten oder uns als 12ern. Nicht nur die Kleidung, auch am Make-Up wird in den unteren Klassen nicht gespart. Vielleicht bin ich da anders eingestellt, aber ich laufe in der Schule ganz normal rum. Ohne großartig irgendwelchen Schnick-Schnack, Accesoires, undundund. Eine Jeans und ‘nen schlichtes Oberteil reichen da – anders gehe ich auf Partys. Ausschnitt bis zum Bauchnabel gehört nicht in die Schule. Und meiner Meinung nach auch nicht an 14jährige Mädchen, die gerade aus ihren Kinderschuhen schlüpfen.

    Aber mit 14 wollten wir uns alle irgendwie annähernd cool fühlen. Obwohl ich immer wieder denk, dass es bei uns damals – ok, es ist 4 – 5 Jahre her – nicht so drastisch war wie heute. Ob fehlerhafte Selbstwahrnehmung oder nicht – das vermag ich nicht zu beurteilen. Aber sich zu kleiden wie die Erwachsenen, macht einen nicht gleich erwachsen. Glauben viele, aber es ist einfach so. Zum Erwachsensein gehört so viel mehr dazu. Auch wenn ich auf dem Papier schon ein gutes Jahr volljährig bin – ich würde von mir nicht behaupten, schon vollkommen Erwachsen zu sein. Das dauert seine Zeit – das ist auch gut so.

    Un dich glaube, der ein oder andere wird später seine Kindheit vermissen – danke an Medien und auch Eltern, die das möglich gemacht haben. Ich bin froh, eine Kindheit frei von dem Streben nach Trends gehabt zu haben – und ich bin auch froh, dass meine Eltern früher keinen Wert auf Markenkleidung gelegt haben. Zugegeben, heute investiere ich einiges mehr in Markenklamotten, aber da weiß ich auch, dass die Sachen zwei Jahre oder länger halten und ich nicht nach einem halben Jahr zu groß für die Sachen bin.

  • sarah sagt...

    liebe hanna, ich glaube du kennst tavis blog gar nicht richtig, denn sie ist weit davon entfernt nur oberflächliche outfit-bilder zu posten oder model-posen nachzustellen, lies zum Beispiel mal ihren beitrag über die terry-richardson debatte:

    http://www.thestylerookie.com/2010/05/few-observations.html

    es wäre wirklich schade wenn sie ihre kritischen gedanken nur in ihrem kinderzimmer äussern dürfte.

    Indem du sagst “sie ist erst 14, sie hat hier in der blogosphere nichts zu suchen”, behandelst du sie von oben herab, betrachtest sie “nur” als kind, nicht aber als Mensch, der denken und reflektieren kann…

  • hannah sagt...

    hey sarah,

    erst mal sag ich ja garnicht wirklich dass sie hier nichts zu suchen hat sondern möchte zum nachdenken anregen. das man einfach mal nachdenkt was in der heutigen zeit so los ist und das sich 14jährige kinder und das ist sie einfach schon so lange im internet tummeln und meiner meinung nach mit themen beschäftigen die für sie nicht wichtig sein sollten in dem alter. ok da mag wohl auch jeder eine andere meinung haben. das ist ja auch völlig ok.
    ich find es ja auch gut dass man ihr zu hört wenn man ihr etwas zu sagen hat aber reicht das nicht wenn sie das ihren freunden, familie und in ihrer schule verkünden darf? ich respektier sie doch als mensch mit einer eigenen meinung aber ich finde es erschreckend dass sich designer mit ihr ablichten lassen als modeexpertin oder bei der fashion week in der ersten reihe sitzt. kinder denen früh so viel abverlangt wird scheitern meistens im alter. man sollte talente fördern sie aber nicht übertreiben. und wenn ein 14jähriges mädchen nur noch in designerklamotten oder gestylt auf die straße läuft dann ist hier etwas falsch. die designer die sie einkleiden liegt auch nicht wirklich was an ihr, sondern benutzen sie als bequeme und einzigartige werbefläche. das ist einfach so.

  • hannah sagt...

    und zu dem link den du gepostet hast….
    ist das nicht das beste beispiel dafür dass da etwas schief läuft?
    findest du es so stink normal dass sich tavi mit nacktfotos beschäftigt?
    obwohl sie ihre eigene sexualität höchst wahrscheinlich noch nicht entdeckt hat.

  • Marcel sagt...

    Das finde ich aber auch etwas zwielichtig – die Fotos von Terry sind einfach noch nichts für ein kleines Mädchen.

  • Julia sagt...

    An dem Link wirft sich für mich auch wieder die Frage auf, ob der Content wirklich von diesem Mädchen geschrieben wurde.. aber darüber gab’s ja auch schon genug Diskussionen, die man nicht weiter anheizen muss. Aber ich für meinen Teil, finde es fraglich, dass ein Mädchen mit 13 solchen Content bringen kann. Aber ok, Zeiten ändern sich..

Schreibt uns eure Meinung

Kommentare per eMail abonnieren


© 2002 - 2012 by AMY&PINK. All rights reserved.