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Wenn’s mal wieder stinkt
Foto: Chris Nieratko
Die Luft wird dünner
Wenn’s mal wieder stinkt
Von Wenke Walter
Veröffentlicht: Freitag, 19. März 2010

Heute war mal wieder einer dieser Tage, an dem Nachbars Gartenzaun ein bisschen zu viel Bekanntschaft mit meiner Halsschlagader machte. Die Rede ist von einer sich so durchschnittlich ein Mal pro Tag wiederholenden Begebenheit. Man sitzt in einem öffentlichen Verkehrsmittel Richtung Nirgendwo und schaut betäubt in der Gegend herum, während etwas Undefinierbares auf einen zusteuert. Du checkst die rechte und linke Seite und denkst: Eigentlich viel zu wenig Platz für eine Person, die auch gleich als zwei durchgehen könnte! Damn und er setzt sich doch neben dich. Du denkst: “Alter, wer hat Dir eigentlich das Sehen beigebracht?” Anfang und Ende liegen plötzlich so nah beieinander.

Erschreckend wie leblos man sich stellen kann, wenn man den Feind auf -0,2 mm Luftlinie in Nähe der eigenen Achselhöhle sitzen hat. Tiefes Luftholen trifft auf panische Shuffle-Manie von Genau-Richtig-Playlist und das was in der Jackentasche noch vor sich her knüllt. Und als ob das befremdliche Unwohlsein nicht mehr steigerbarer wäre, erwischt es einen doch immer wieder mit kompletter Ahnungslosigkeit noch viel viel grausamer.

Eine zumindest für meine Augen sichtbare Gaswolke gefüllt mit dem Teufel und seiner Gang steigt gute 2 Meter empor und zeigt mir den imaginären Stinkefinger. Fuck you and your sense of smell! Ich denke mir nur so: Das war’s, in der Bahn erstickt, geiler Tod. Als wenn der Schock über die sinnraubende Vergiftungswolke nicht schon groß genug wäre, stellt sich mein vernebeltes Hirn auf einmal lebensnotwendige Ist-Fragen. Wie lange halte ich das noch durch? Wer stinkt hier, vielleicht sogar wie viele und, verdammt noch mal, warum so lange?

Ich persönlich habe ja auf einen unkontrollierten Schlurz getippt. Vielleicht auch nur ein plumper Pups. Dass er stinkt, keine Frage, aber wie lange denn bitte schön noch? Alles in meinem Körper, welches als Organ definiert wird, steht kurz vor’m Platzen. In meinen Augen spielen die Äderchen inzwischen Malen nach Zahlen. Mann, ich will hier raus. Sofort!

Plakativ unscheinbar gelangweilte Gesichter kreuzen meinen angeekelten Blickstrahl. Ich sende euch Hass. Verdammt, warum wurde ich nur mit so einem erschreckend sensiblen Geruchssinn gesegnet / bestraft. Manchmal möchte man sich den Kolben einfach aus dem Gesichtseinmeter ziehen. Okay, es hat ja auch positive Seiten. Man riecht zum Beispiel das Gute kommen oder man bleibt automatisch beim Schönen. Eigentlich bedeutet es unkontrollierbare Intuition. Umso beängstigender ist es, wenn man diese nicht zu seinen Gunsten konstruieren darf. Zumindest nicht in Lebenslagen wie diesen. Wenn Ekel, Flucht und Hass die letzten Optionen sind, realisiert man meistens, dass die eigene Lage gerade wirklich Scheiße ist und im wahrsten Sinne des Wortes stinkt. Unendlich stinkt. Wer oder gar wie viele zu den Schuldigen zählen weiß keiner. Nur unsere kleinen Rüssel kennen die unverblümte Wahrheit. Fragt sie doch mal!

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Über die Autorin

Wenke Walter lebt in Berlin-Kreuzberg und postet privat auf WENKEWHO. Ohne gute Tracks ist das Leben der dezent wahnsinnigen Hobby-ADHS-lerin völlig sinnlos. Genau deswegen kompensiert sie ihre Sucht nach Hörorgasmen auch pausenlos mit dem Versuch, endlich die Kunst des Schweigens zu erlernen. Ihre Zauberformel lautet: Schreiben. Alle Artikel von Wenke lesen oder eine eMail schicken.

4 Kommentare

  • David sagt...

    Ahja.

    Warum schreibt eigentlich Max so selten? Das finde ich schade.

  • feronia sagt...

    Lustig wird, wenn dir in diesem Moment des Ekels ein Kind von 4 Jahren die Frage stellt: “Mama, wer stinkt hier so?” oder noch besser “Mama, warum stinkt der Mann so?” Finde da mal eine diplomatische Antwort…

  • matejko sagt...

    ich würde sagen, das er eine Seifenallergie hat..

  • feronia sagt...

    Das ist eine praktikabele Lösung!!! Danke schön :-)

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