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Öfter mal miteinander
Foto: AMY&PINK
Peace, ihr Leute
Öfter mal miteinander
Von Hannah Maria Paffen
Veröffentlicht: Montag, 29. März 2010

Wo bin ich nur gelandet. Das denke ich mir leider nur all zu oft, wenn ich durch unsere Modeschule stapfe. Was mit 14 Jahren mein absoluter Traum war, sieht in der Realität leider ein wenig anders aus. Ist ja eigentlich auch klar, ich wusste damals ja noch nicht worauf ich mich einlasse, wenn ich mich später dazu entschließe eine Ausbildung zur Modedesignerin zu machen. Und wie ich auf diese Schule gebrannt, mich ins Zeug gelegt und mich schon gefreut habe, dass ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, bereitet mir heute noch Bauchkribbeln. Nur leider war das einmal und sieht schon ganz schön anders aus.

Sich mit kreativen Köpfen herum zu schlagen ist das eine. Jeder hat eine andere Meinung zur Mode, zu den Dingen, die man schön findet oder eben nicht und das ist auch gut so. Wie langweilig wäre es nur auf unserem sowieso schon zu grauen Planeten Erde, wenn wir alle nur Ja und Amen zu allem sagen würden und die ganze Welt von jetzt ab an in schwarze Kleidung hüllen. Geschmack kann man eben nicht genau definieren. Okay, Farbharmonien, Trendgefühl – diese ganzen Dinge haben schon hier und da einen Anhaltspunkt, mehr aber auch nicht. Man kann nicht sagen was richtig und was falsch ist. In der Mathematik ist das schon einfacher. Hast du das richtige Ergebnis können dir höchstens noch vom falsch verlangten Lösungsweg Punkte abgezogen werden. Bei uns jedoch verschwinden die Grenzen zwischen richtig und falsch, schön und hässlich.

Was mich aber noch mehr stört als dieser ganze Modeklingbim und die vereinzelten Exemplare bei uns auf der Schule, die aussehen als ob sie einem Modeheft entsprungen sind und ihren Fifi in der Handtasche unter dem Arm tragen, ist das Gegeneinander bei den Mitschülerin untereinander. Gruppenbildung ist bei uns sowieso kein Fremdwort. Fast wie in der Schule damals. Da gibt es die Coolen, die Normalen, die Looser und die Streber. Wie im normalen Leben halt und wie die Grüppchen auf einer Modeschule genannt werden und eingeteilt sind, kann sich von euch ja wohl jeder selbst denken.

Ich glaube sogar die Gruppen halten uns am Leben und über Wasser. Gerade heutzutage ist man immer in einer Gruppe und wenn man sagt man schwimmt gegen den Strom dann ist man eben in der Clique “Die-gegen-den-Strom-Schwimmer”. So einfach ist das. Und die Mannschaft, die dich letztes Jahr noch so über Wasser gehalten hat, zerbricht dieses Jahr in kleine Stückchen. Was man nie für möglich gehalten hat tritt ein und alles zerbröckelt.

Das dritte Jahr. Kurz vor’m Diplom drehen noch mal ein paar von uns ordentlich ab, fangen an Noten nicht mehr preiszugeben und Entwürfe, Stoffe & Co. zu verstecken. Man distanziert sich von den Leuten, die einem durch einen ähnlichen Stil gefährlich werden könnten und setzt alles daran bei unserer fragwürdigen Direktion und Jury das Höchste der Gefühle zu erreichen.

Der Konkurrenzkampf drängt sich zwischen uns und es bleiben nur wenige, mit denen man wirklich noch zurecht kommt, welchen man vertrauen kann und nicht auf diese Spielchen “Ich sag dir nichts, du sagst mir nichts” setzen muss. Von ihnen bekommt man dann noch eine ehrliche Meinung, vielleicht sogar auch mal Lob und Anerkennung, an Stelle spitzer Kommentare.

Ich finde das wirklich traurig. So müsste das nicht sein. Immer mit Ellenbogen durchs Leben zu stolpern, sich den Weg frei zu schaufeln. Das tut auf Dauer ganz bestimmt nicht gut und bringt auch nichts. Wenn man kein Teamplayer ist, nicht bereit einem Mitschüler einfach mal nur zu helfen, auch wenn er später gegebenenfalls zur Konkurrenz gehört und nur auf sich bedacht ist, steht man am Ende ziemlich gewiss nicht gut da und schlimmstenfalls ganz schön alleine.

Aber das gibt es leider nicht nur auf einer Modeschule sondern überall. In jedem Unternehmen, in jeder Gruppe (ausser vielleicht bei Scientology) auf dieser Welt. Und hier auf unserem Blog geht es in den Kommentaren öfters auch mal gegeneinander und nicht miteinander und das finde ich sehr schade. Spitze Meinungen oder negative Gefühle verleiten uns wohl eher zu einem miesen Kommentar als zu einem netten oder neutralen. Wir sollten uns wohl alle mal ein bisschen mehr auf unsere eigenen Fingerchen schauen und uns daran erinnern, dass es uns verdammt gut geht und wir uns gegenseitig unterstützen und zusammen arbeiten sollten, anstatt gegeneinander zu kämpfen.

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Über die Autorin

Hannah lebt zur Zeit in Kempten, studierte Modedesign und widmet sich nun der Betriebswirtschaftslehre, um die Pflichten einer angehenden Weltherrscherin perfekt umsetzen zu können. Ihr größter Traum ist es, in naher Zukunft in einem billigen Horrorfilm mitspielen zu können. Als taffe Vampirjägerin. Oder modriger Zombie. Mal gucken. Alle Artikel von Hannah lesen oder eine eMail schicken.

11 Kommentare

  • Lila sagt...

    Hey ich weiß was du meinst. Aber wie du ja schon sagst, ist das (leider!) überall im Leben. Etwas was mir gar nicht gefällt… aber denoch erwische ich mich dabei, auch zu Gruppen dazu zu gehören. Vielleicht um sich selbst besser identifizieren zu können, um halt in der großen bösen grauen Welt zu finden?
    Solche Rahmenbedingungen geben einem ja auch irgendwie Halt im Leben… oder?
    Liebste Grüße, Lila

  • Yvonne sagt...

    Oh mann, du sprichst mir so aus der Seele.
    Studiere im letzten Semester BWL und bei uns ist es genau dasselbe. Konkurrenz bis zum geht nicht mehr, keinerlei Informationsweitergabe usw.
    Das Schlimmste an der ganzen Sache ist, dass die Menschen sich bei uns als Teamplayer bezeichnen und sich nachher auch in Unternehmen so vorstellen werden.
    Grauenhaft!

  • Chrissy sagt...

    Kenn ich. Als ich damals mit 8 weiteren Azubis plötzlich arbeitslos wurde, haben auch vielel sie verschanzt. Nicht gesagt, wie sie es anstellen wollen einen neuen Ausbildungsplatz zu bekommen. Fand ich bissl dämlich. Hilfreich wäre es gewesen zu wissen, wohin die gehen werden oder ob sie wissen, wo eventuell noch ein Azubi Platz hätte.

    Ich war in dieser Zeit offen. Hab meine Karten auf den Tisch gelegt. Ich war auch nur 8 Tage arbeitslos. Habe meine Ausbildung regulär beendet und ja… von den acht Azubis, weiß ich nur noch von drei weiteren was sie machen. Schade irgendwie. Aber keiner hilft, erzählt oder berichtet. Das ist wie Futterneid. Die meinen man würde ihnen was wegnehmen.

  • Finde alles was du sagst verständlich und richtig, aber das Problem sind doch nicht die Leute, die sich so verhalten, sondern ein System, dass sie mit so einem Verhalten oft zu den Erfolgreichsten macht. Es ist halt menschlich, dass Menschen sich hervorheben und besonders weit kommen wollen, auch wenn es vielleicht nicht unbediingt cool so ist.

  • B sagt...

    Du hast verdammt recht, Hannah.

    Gerade den letzten Absatz werde ich in Zukunft bedenken.

    Leider funktioniert der Wettbewerb in Unternehmen und zwischen Unternehmen so: knallhart.

    Ich arbeite auch in einer schnelllebigen und nicht immer fairen Branche, in der Ellenbogen-Einsatz fast schon natürlich ist. Auch ich durfte den schon ein paar Mal spüren und auch ich musste in den letzten zwei Jahren ein paar Mal Entscheidungen treffen, nach denen ich mich heiß duschen musste, um keine Albträume zu haben.

    Wie auch Jonathan sagte, leben wir in einem System, in dem solche Methoden zur Spitze führen. Man ist gar hilflos diesen Kreis zu durchbrechen, denn lässt man sich einmal in die Karten gucken, BÄMM, hat man den Ellbogen schon in der Fresse.

    Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man wie du auch im O-Ton bemerkt hast, nicht über Leichen gehen sollte. In einem gesunden Unternehmen sollte sich das vor allem zwischen Kollegen bemerkbar machen. Aber die, die den Ruhm und den Erfolg (und die Macht) wittern, werden immer zu Mitteln greifen, die man als unfair empfindet.

    Gerade die Modebranche ist sicherlich ein sehr hartes Pflaster.

    Da muss man irgendwann wahrscheinlich einfach akzeptieren, dass eine Dauerdeckung schützend ist. Und solange man niemanden ernsthaft beruflich schadet, ist das vertretbar.

    Auch wenn es an diesem System nichts ändern wird.

    Und wenn du mal einen wirklich sehr harten und interessanten Beitrag zum Verhalten von Berufseinsteigern lesen willst, empfehle ich dir den Blogeintrag von Deef Pirmasens auf mindestenshaltbar.net: “Nur nicht auffallen” http://www.mindestenshaltbar.net/0215/stories/1241/

    Es handelt davon, dass zwar Kompetenz als Schlüssel für den Erfolg gilt, allerdings selten die Kompetenten aufsteigen. Er schreibt warum man nicht gut sein darf und was Selbstkontrolle beim Karriereaufstieg für eine Rolle spielt.

    Und er hat LEIDER in so vielen Punkten recht.

    B

  • Torsten sagt...

    Oh man ja. Das kannst Du laut sagen. Und ich glaube, in einer Modeschule geht es da noch ziemlich human zu. Du solltest mal in mein “Gewerbe” kommen! ;-)

  • Sven E. sagt...

    Ich halt’s mit den Madagaskar-Pinguinen: “Just smile and wave, boys. Smile and Wave.”
    Immer höflich und hilfsbereit sein, aber, wenn überhaupt, nur 2-3 guten Freunden sagen, was man wirklich macht und denkt.

  • caro sagt...

    schokovanülle 4LIFE <3

  • Arte sagt...

    Schade aber auch irgendwie witzig zu sehen, dass sich nach so vielen Jahren an der ESMOD nichts geändert hat >.>

    Das Schlimme ist, dass das eine prima Vorbereitung auf die Branche draussen ist. Denn glaub mir, im Job (wenn man denn einen bezahlten bekommt und sich nicht ewig mit Praktika durchhangelt) wird es nur noch fieser :/

  • Daniel sagt...

    Im Prinzip ja… nur unsere Firma ist irgendwie die Ausnahme. Wir stellen nur coole Leute ein, die sind alle in der selben Gruppe.

  • Jasper sagt...

    Es ist nicht überall so ätzend. In meinem Team hilft jeder dem anderen. Aber zugegeben, wir schaun uns die Leute genau an, die wir aufnehmen. Die menschliche Qualifikation ist mindestens so wichtig wie die fachliche. Also: Nicht zu schwarz sehen, es geht auch anders.

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