1000 und eine Nacht
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Max in Istanbul
1000 und eine Nacht
Maximilian Geer  /  Mittwoch, 31. März 2010

Das Tor nach Asien, aufgeteilt und erfrischt durch sein Herz, den Bosporus. Die Rede ist von Istanbul. Anlässlich der Ernennung zur Kulturhauptstadt des Jahres 2010 stattete ich ihr einen Besuch ab. Wie erwartet, empfing mich eine überdimensionale Ladung Kultur. Auf den Straßen ist trotz maßloser und lauter Kommunikation, die für Außenstehende teilweise ein wenig aggressiv wirkt, geballte Entspannung angesagt. Die von zwei Seiten zu betrachtende, für europäische Standards fast unangenehm aufdringliche Gastfreundschaft ist schier grenzenlos. Die Einladungen zu gemeinsamen Abendessen sollten ebenso wenig abgelehnt werden wie ein gerne gereichtes Händchen beim Rundgang über den Basar.

Istanbul ist ein Meltingpot. Besonders in den angesagten Vierteln der Stadt, trifft Tradition auf Moderne. Der fundamentalistische Taxifahrer auf die Miniröcke seiner Gäste. Traditionelle Kneipen in denen man nicht zeigen darf ein Paar zu sein, prallen zwei Straßen weiter auf eine drei stöckige Schwulendisco. Der Alkohol reißt tiefe Löcher in die Reisekasse. Mit Leichtigkeit werden hier umgerechnet einhundert Euro für eine Flasche Hochprozentigen auf den Bartresen geblättert. Im Gegensatz dazu, sind andere Hilfsmittelchen um “Allah” etwas näher zu kommen, nach den Aussagen einiger Studenten paradiesisch günstig zu erwerben.

Chanel und Co. konkurrieren gegen ihre zu Dumpingpreisen an den Mann gebrachten Imitationen. Riesige Moscheen sind ebenso wie emporstrebende Hochhäuser normaler Bestandteil des Stadtbildes. Jede erdenkliche Form aus Ton, orientalische Teppiche und Aladinlampen können hier genauso gut gefunden werden wie einschlägige Musen der Moderne.

Glücklicherweise wurden hier mal wieder schnell neue Freunde gefunden. Fünf Tage sind für eine Stadt solcher Auswüchse einfach viel zu wenig. Allah sei Dank, bekam ich eine ernst gemeinte Einladung wieder kommen zu müssen. Dies könnte jedoch auch an den blonden Haaren und stahlblauen Augen meiner Begleitung liegen. Wer kann, der sollte!

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