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Am Ende der Welt
Foto: Frankie Nazardo
Frankie Nazardo
Am Ende der Welt
Von Marcel Winatschek
Veröffentlicht: Sonntag, 14. Februar 2010

Vielleicht gehört es nicht gerade zu den größten Träumen einer Mutter, dass ihr Sohn sich einen ganzen Monat lang einer brutalen Kinderbande aus Kathmandu anschließt und mit ihr durch die dunklen Straßen von Nepals Hauptstadt zieht. Nur acht Stunden am Tag wird der Schmelztiegel aus Drogen, Alkohol und Prostitution mit Strom versorgt, nachts zieht die unausweichliche Dunkelheit herauf und bietet eine Menge Verstecke für jede Art von Ungerechtigkeit, Verbrechen und den vorzeitigen Tod. Doch das hat den aus London und Milano bekannten Fotografen Frankie Nazardo nicht davon abgehalten, sich dem menschenunwürdigen Leben einer 15-köpfigen Rasselbande anzuschließen, die sich tagtäglich so viel Klebstoff durch die Nase zieht, dass sie ihre Geschwister nicht wieder erkennt und ihre Namen vergisst.

Er hat viel mitgenommen aus seiner Reise in die Unterschicht des Humanen. Für sich selbst und auch für seinen Beruf. Ihm wurde klar, dass es den Kids nicht um Messerstechereien ging, aber sie es dennoch durchzogen. Dass ihre Narben, fehlenden Finger und die unübersehbaren Krankheiten zwar da, aber nicht wichtig waren. Und dass die spürbare Angst, das Ungewisse und der Hauch von Selbsthass zwar in der Luft lagen, aber keine große Rolle im Leben der jungen Kriminellen spielten. Umgekehrt waren all diese sichtbaren und spürbaren Kennzeichen umso bedeutender für ihn als Fotograf. Denn er erkannte, dass sein Beruf nur die Dekoration der Menschen einfangen konnte. Das Optische, das Visuelle. Nur einen Schimmer der wahren Gefühle. Und diese neue Wahrheit setzte ihm zu.

Als Frankie nach einem Monat am Ende der Welt mit dem so genannten Rat Pack und etlichen Gedanken darüber, ob er den verlorenen Seelen auch nur ansatzweise helfen konnte, wieder zu Hause angekommen war, schrieb er seine Erfahrungen und Berichte nieder, schickte sie einigen Magazinen und Zeitungen und machte sich wieder an seine Arbeit. Diesmal ohne verwaiste, verlassene und missbrauchte Kinder, dafür aber mit Bands, Freunden und hübschen Mädchen. Um zu verarbeiten, nicht um zu vergessen.

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Über den Autoren

Marcel Winatschek lebt in Berlin und ist Chefredakteur bei AMY&PINK. Seine meist etwas abstruse Persönlichkeit setzt sich in gleichen Teilen aus Charakteren in TV-Serien, Sprüchen ehemaliger Sportlehrer und Traumfantasien mit japanischen Karate-Kämpferinnen zusammen, dessen Summe er in einer einmaligen Art und Weise als selbstständigen Menschen ausgibt. Alle Artikel von Marcel lesen oder eMail schicken.

5 Kommentare

  • roitsch sagt...

    Holy Shit, krasse Bilder, krasser Einblick. Aber derbe interessant.
    Auch verdammt gut geschrieben, Marcel!

  • Fab sagt...

    Schon wieder ekelhafte Behaarung – wohl nichts aus der Umfrage gelernt? :(

  • krueps sagt...

    Whoa…schon harte Bilder.

  • Marcel sagt...

    @Roitsch: Ja scheint ein interessanter Typ zu sein, weg vom typischen Szenefotografen.

    @Fab: Das ist pure Natur, Baby. Außerdem hab ich einen kleinen Fetisch dafür ;)

    @Krupes: Ja aber bei ihm ergänzt sich hart und schön ganz gut.

  • b sagt...

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