Zu viel Zeit?
Veröffentlicht: Donnerstag, 7. Januar 2010
Das hätte ich nie für möglich gehalten. Schon gar nicht nach so kurzer Zeit, aber ich glaube es ist wirklich passiert. Ich habe zu viel Freizeit. Kaum ist der Weihnachts- und Neujahrstress vorbei, alle Plätzchen gegessen und die Verwandschaft wieder abgereist habe ich zu viel Zeit. Es ist schön viel Zeit zu haben und davon träume ich auch immer wenn ich im Stress versinke, aber wie das wohl bei einem Arbeitsjunkie so ist, fehlt einem doch irgendwann der Stress, die Arbeit, einfach das Gefühl permanent etwas tun zu müssen.
Da verbring ich heute mal einen ganzen Tag zu Hause, kümmere mich um mich, koche ausgiebig, nehme mir Zeit für’s Essen, schlafe, schaue fern, lese ein Buch, bin im Internet, gucke mal hier und mal da, schon überkommt mich das schlechte Gewissen nichts gemacht zu haben. Also stell ich den Tee beiseite, schubse mein Buch auf den Tisch, öffne die Klappe meines Laptops und fange an zu schreiben.
Ich habe das Gefühl die Weltherrschaft zu wollen. Genau jetzt. Sofort! Der Drang etwas unternehmen zu müssen, um sich selbst zu beweisen dass man mitten im Leben steht und keine Sekunde verpasst hat. Denn den schlimmsten Gedanken den man gerade hat ist alt und stinkig im Schaukelstuhl zu sitzen und sich selbst dafür zu verfluchen, dass man nicht mehr gemacht hat. Ein dämlicher scheiß Gedanke ist das, aber ich glaube jeder kann das auch irgendwie nachvollziehen.
Jedem geht es doch mal so. Da sitzt man mit 22 Jahren oder noch kleiner in seinem Zimmer, zieht sich Assi-TV auf RTL oder ProSieben rein und denkt sich: “What the Fuck?! Was mach ich hier eigentlich? Ich will mehr!”. Dieses blöde Leben, das einem im Film und Fernsehen (nicht das auf Assi-TV) vorgegaukelt wird und Gott nur eine kleine handvoll Menschen damit gesegnet hat, will man auch haben. Man denkt, dass das das echte Leben ist. Flötepiepe. So ist’s nicht. Noch nicht mal bei den Schönen ist die Welt so mega cool und happy hippo.
Wer alles auf einmal will, wird auf die Nase fallen und wer meint sich selbst etwas beweisen zu müssen erst recht. Trotzdem habe ich gerade das Bedürfnis alles auf ein mal zu machen. Schlafen, lesen, etwas mit Freunden machen, duschen, ein Buch schreiben, bloggen, Party, sich über die Zeit nach der ESMOD Gedanken machen und zu bewerben, ‘ne Weltreise, ja gar die Welt zu retten, sie zu erobern und zu beherrschen und und und.
Das ist wie so ein Kribbeln in den Beinen, das dieser dämliche, nach Alkohol riechende und ungepflegte Typi neben mir in der U-Bahn auch hatte und permanent mit seinem scheiß Beinchen wibbelte. Hoch und runter. Wie ‘ne Springmaus auf LSD. Schrecklich. Dabei verpasse ich doch nichts. Ich habe eben einfach nur mal Zeit für mich. Kann machen was ich will oder eben auch nicht. Diesen Gedankengang finde ich gerade ziemlich befriedigend. Und ob ich jetzt heute Abend noch weg gehe oder mich weiterhin in mein Bettchen kuschle, ist pupsiegalo. Denn egal was ich mache: Heut mache ich einfach mal alles nur für mich. Amen.


so muss das. Damit beweist du auch deine Unabhängigkeit von der Außenwelt. Wenn du es schaffst nicht ins Internet zu gehen zwei Tage lang, dann bist du auch nicht websüchtig
puff puff pass – viel spaß dabei
Yay, mein erster Kommentar hier. Lese schon ne Weile länger mit. Sehr cool das alles. Zum Thema: ich hatte vom 23.12.09 bis 03.12.09 “frei” (wenn man das als Selbständiger so bezeichen kann). Glaub mir, ich hab mich fast jeden Tag so gefühlt wie oben im Beitrag. Man ist glaube ich garnicht mehr in der Lage, sich einfach zu entspannen. Immer nur vollgas. Irgendwie krank, oder?
Warum dann nicht einfach mal ein Mittagsschläfchen.
Tut echt gut.
(MC Winkel, Kiel, Mitte 30)
http://www.youtube.com/watch?v=buvgLqSwMSo
JETZT! JETZT! JETZT!
@ ph wow die redet echt schnell aber ich find den text ziemlich gut. so was find ich klasse!
Sieh’s so: Genau auf die gleiche Art und Weise hängen alle mal da, die Bock auf’s echte, erfüllte Leben haben. Der Wunsch, die gegebene Zeit jede Sekunde in vollsten Zügen zu genießen und zu nutzen, ist doch großartig – und den hast du vielen vielen Menschen voraus. Chill ein Stück, lehn dich zurück. Die Show geht schnell genug weiter.
Ich glaube, damit hab ich mich komischerweise inzwischen abgefunden. Dass es unmöglich ist “nichts zu verpassen”. Und dass die Hauptsache ist, dass man sich im hier und jetzt wohlfühlt, egal ob man in ‘nen Sessel pupst oder gerade ohne Kohle auf dem Weg nach Las Vegas ist. Bereuen sollte man im Allgemeinen nicht. Und man kann sich keine Vorwürfe machen, wenn man weiß, dass man sich bei dem, was man getan hat im Leben, immer bestmöglich gefühlt hat und der Moment ein Glücklicher war.
das immer dabei sein , ich könnte ja soooooviel verpasse
NA UND? mach ich halt das was ich möchte und nehme mir dafür auch gerne die zeit sei es das kuscheln mit meinem mädchen oder das zombie klatschen auf meiner 360
Vor kurzem noch beschwert das du ab Montag wieder Stress hast und jetzt meckern das du zuviel Zeit hast! Dein Leben möcht ich haben
du spricht mir damit so unglaublich aus der Seele. Hatte kurz nach Neujahr genau das gleich Problem. Ende vom LIed: Ich habe tausende, scheinbar schon ewig aufgeschobene Dinge endlich mal ans Tageslicht befördert und die dazugehörigen Termine gemacht. Leide ist jetzt der Alltag wieder da und dank der vielen neuen Extradinge ist mein einziger Wunsch ein fauler Tag auf dem Sofa… :/
Shit Happens, würd ich mal sagen. Aber gut zu wissen, dass man nicht alleine so verdrehte Weltansichten hat
Amen!
Nimm Dir Zeit! Zeit ist geil!
Was bedeutet eigentlich “Party machen”? Ich find’ diesen Ausdruck so schrecklich. Für mich bedeutet er, dass Leute irgendeinen Schalter im Kopf umlegen und dann plötzlich ganz lustig sind und alles supertoll finden. So tun’ sie jedenfalls. Das nervt mich dann tierisch. Irgendwie. Aber ich bin ja auch ein ziemlicher Miesepeter. Drum egal.
einfach in den tag leben. hab im urlaub nichts anderes gemacht und es war wirklich geil.
schau mal auf unsere seite, da findest du bestimmt was zu tun oder zu shoppen! übrigens find ich euren blog ganz toll!
zu viel zeit kann man doch eigentlich gar nicht haben. aber zeit ist eben luxus, und luxus zu verschwenden bereitet nun mal jedem gewissenhaften menschen ein paar kopfschmerzen
aber das macht die welt in der wir leben aus einem. dauernd druck, zeitnot usw. man muss halt lernen, sich die zeit zu nehmen und sich dabei gut zu fühlen. manchen gelingts ganz gut, manchen aber auch gar nicht. aber zeit zu haben und auch sie zu verschwenden ist doch das beste was man tun kann. find ich. amen.
tu es. das was du willst. es muss ja nicht heute sein.
hab ich nach dem Staatsexamen auch gehabt. Aber man gewöhnt sich doch sehr schnell wieder an das dolce far niente. Otium cum dignitate, wie Cicero sagen würde.
wow, danke für den Link an ph. große Klasse, das Mädchen.
[...] fühle mich heut aufrgund von diesen beiden Blogeinträgen dazu berufen, zu dem Thema “der Druck, ein Partylöwe zu sein” [...]
[...] uns kann das schon; scheiß Enten? Nein, die enteln. Und Hanteln hanteln eben, aber nur wir können die Zeit nach eigenem Ermessen einteilen, nutzen, vertrödeln und verbringen. Wegbringen, #rousbringen und [...]
[...] wuerde auch ich Saetze wie “Das hätte ich nie für möglich gehalten. Schon gar nicht nach so kurzer Zeit, aber ich glaube es i….” des oefteren von mir geben und meiner Zeit mit diesem Awesome iPad [...]