Veröffentlicht: Samstag, 2. Januar 2010
Gerade um die Feiertage werden recht viele Fotos gemacht. Von allem was da so kreucht und fleucht. Da kann es die liebe Oma von neben an sein oder die Suppe die als Vorspeise dient, der Hund, die Katze, das Meerschwein, egal, hauptsache Fotos machen von allem, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Da wird nicht mehr lang überlegt, angeordnet und zurecht gerückt. Einfach knallhart drauf. Ob mit oder ohne Blitz. Ob im vorbeilaufen, hinfallen oder gerade stehen. Knips und schon ist wieder ein Foto mehr in unserer kleinen digitalen Kamera.
So häufen sich die Bilder auf unserer Festplatte. Respektlos werden sie meistens dann in einen Ordner geknallt, ohne jegliche Beschriftung. Es wird auch nicht mehr aussortiert und würde man sich dann so welche “Fotostrecken” als Diashow reinziehen, würden sie fast wie ein Daumenkino aus guten alten Zeiten wirken.
Wir machen heutzutage viel zu viele Fotos von Dingen die eigentlich keiner sehen will, die man selbst vielleicht schon nach kurzer Zeit gar nicht mehr sehen möchte. Man drückt wahllos auf den Auslöser, in der Hoffnung dass bei den 1500 Bildern ein gutes dabei ist, welches man dann ins Internet stellen kann, um sich selbst wieder anpreisen zu lassen. Hallo, schaut mal wie hübsch ich bin. So oder so ähnlich. Man verschwendet einfach so viel Speicherkapazität in der heutigen Zeit der digitalen Kamera. Was früher noch der ganz normale effe Fotoapparat von der Kommunion war, ist heute das kleine bunte Ding was alles kann.
Das ist dann Fotoapparat, Filmkamera, USB-Stick, MP3-Player und Motherfucker in einem. Und jedes Jahr wird so ein Teil noch besser, noch schöner und noch bunter. Irgendwann haben wir sowieso nur noch ein Ding, was viel zu klein ist, um die Tasten auch nur erahnen zu können. Das kann dann alles auf einmal. Föhn, Schal und digitales Klopapier sind Sonderfunktionen und gehören schon bald zur Standardausrüstung.
Dabei macht es doch so viel Spaß seine Nase in verstaubte Fotoalben zu stecken, wo Frau Oma die Fotos noch eigenhändig sortiert und eingeklebt hat. Daten und Uhrzeit wurden handschriftlich darunter geschrieben und jede dünne, milchige Papierseite zwischen den Seiten liebevoll mit beiden Händen umgelegt, dass kein Knick entsteht wenn man umgeblättert hat.
Man rückt näher zusammen um sich die Fotos gemeinsam anschauen zu können, anstatt einsam vor dem PC oder Fernseher zu sitzen, Meter weit weg von einander, nur um sich berieseln zu lassen. Vergilbte Fotos, gerissene Fotokanten, geknickte Fotos im Geldbeutel, ist doch alles schöner als ein Foto auf dem iPhone. Fotos sind was zum anfassen, genauso wie Bücher und Zeitschriften. Ein kleiner Schritt auf der gleichen Stelle eben, anstatt immer tausend Schritte vorwärts in der digitalen, bunten und verhängnisvollen Medienwelt. Find ich gut.
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Ältere Fotos sind eh viel schöner! Heute ist das ja alles schon fast Hochglanz sobald man nur ein schnallschuss macht! Früher waren die Farben auch noch nciht so perfekt aber schöner.. aber früher waren wir auch alle schöner, vielleicht liegt es einfach nur da dran!
Genau! Wir wollen sowieso nur Fotos von Hannah sehen ;-)
Ok, ich werde meine Fotos sortieren, Abzüge bestellen und alles fein säuberlich in ein Album kleben! Geile Idee, besten Dank dafür!
Dann bin ich wohl die Ausnahme: die unschönen, langweiligen, unlustigen oder sonstwie nervigen Bilder, die keiner sehen will, werden wieder gelöscht, die Ordner bekommen nach dem hochladen alle einen Namen und es werden nach wie vor Abzüge von den besten Schüssen gemacht. Wie sonst soll ich meinen Kühlschrank dekorieren oder ins Regal stellen, wenn nicht ab und an ein schicket eingerahmtes Photo?
Da hast du uns Nostalgikern aber mal wieder aus dem Herzen gesprochen. Natürlich hat beides seine Vor- und Nachteile. Retuschieren zum Beispiel, das war früher undenklich für uns Laien (andererseits, diese Realitätsverzerrung hoch 10 kann einen auch ganz schön krank machen…)!
Und bei 1500 Bildern ist tatsächlich mal ein Gutes dabei!
Hier ist wieder die gute alte Selbstverantwortung gefragt. Ordner pro “Aktivität”, Datum an erster Stelle (JJ/MM/TT), damit’s auch schön chronologisch ist, Fanatiker wie ich teilen auch auf unter “Kamera”, wenn man die Fotos von den anderen anwesenden Fotografen bekommen hat und so weiter…
Aber wenn ich überlege, wann ich das letzte Mal Fotos hab entwickeln lassen… das nachzuholen würde mich ein Vermögen kosten. Und mit einem Klick kann alles plötzlich weg sein!
Bei soo vielen Fotos, sind doch bestimmt auch Fotos vom vergangenem Silvester von Hannah dabei, oder? ;)
genau Jasper, da stimm ich dir voll und ganz zu!! +gg+
wie gesagt…silvester hab ich daheim verbracht. keeeeeeeeeine fotos
Wieder mal: Ein Text von Herzen. Find ich gut.
Da hat die Nostalgiepolizei aber mal wieder zugeschlagen.
Du hast sooo Recht. Und ich gehöre genau zu den Menschen, die 30GB Fotos von 2004- heute auf der Festplatte haben, Zwei Drittel davon unbrauchbar, vergilben sie in feinsäuberlichen, nach Monaten sortierten Ordnern.
Aber ich hänge sehr an dieser Samnmlung, und ich wär unglaublich hilflos, wenn di Fotos weg wären. Dann müsste ich mich nämlich wirklich anstrengen beim Überlegen, was in welchem jahr passiert ist und was ich in meinem jungen Leben wann getan habe. Ich lasse regelmäßig die 3, 4 guten Bilder aus einem Monat entwickeln und sammle die Fotos in Kisten. Und ich stelle mir unweigerlich die Frage, was meine Kinde rmal zu diesem Überfluss sagen werden. Ich hätte sehr, sehr gerne mehr Fotos aus der Jugendzeit meiner Eltern gesehen, denn es gibt nur ein oaar vergilbte Schwarzweißbilder und ein paar uralte Dias, die man nur mit einem 10 Kilo schweren Gerät absoielen kann. Meine Kinder werden aus fast jeder Woche, die ihre Mutter gelebt hat, ein Foto zurechtliegen haben. Eine genaue Chronik der Frisuren, die ich in meinem Leben hatte, Daten, mein Leben in Bits und Bytes. Eine krasse Vorstellung. Werden meine Kinder sich überhaupt dafür intressieren, für die Tausenden von verwackelten Momenten in meinem Leben? Ich glaube kaum, und das find ich sehr traurig.
Für mich persönlich aber sind die Fotos eine Art Herzensangelegenheit. Ich schau mir in vollem Ernst manchmal die Bilder von 2004 an, und dann werd ich nostalgisch, als würd ich mir ein Fotoalbum ansehen. Dieser Überfluss an Erinnerung ist gleichzeitig Segen und Fluch. Aber ich persönlich werd immer wieder gern durch die Millionen von Bildern klicken, mit einem weinenden Auge zwar, aber ich schätze, dass, wenn wir alt sind, dass für uns das Fotoalbum der Zukunft sein wird. Wer weiß, was unsere Kinder dann anstellen. Vielleicht wird ja in der Zukunft jede Minute deines Lebens aus deinen Augen gefilmt, die Gefühlsregungen wahrgenommen und du kannst dir alle schönen Momente in einem endlosen Film immer und immer wieder anschauen. Dann hocken wir da mit unseren 300GB Fotos in unserem Altersheim und reden über die gute alte Digitalkamera.
sehr schön geschrieben johanna. und wie sie sich dafür interessieren werden!