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Eine Runde Risiko
Foto: AMY&PINK
Der Liebe auf der Spur
Eine Runde Risiko
Von Hannah Maria Paffen
Veröffentlicht: Freitag, 22. Januar 2010

Das Risiko kitzelt uns doch alle. Sonst würde es nicht so viele Menschen geben, die ihr Geld in Casinos hinauswerfen oder an der Börse spekulieren. Das ist halt einfach das Risiko. Ein Zebra muss ja schließlich auch damit rechnen, dass es von einem Löwen gefressen wird. Alles natürlich also. Gut, dass der liebe Gott uns diese Risikobereitschaft mit auf dem Weg gegeben hat. Hätte er das nicht getan, hätte die böse Eva nicht den blöden Apfel vom Baum geklaut und wir müssten jetzt alle im Paradies leben. Und das wäre ja auch schrecklich.

Zu schnell vergessen wir das was uns wirklich weh getan und uns auf den Boden der Tatsachen zurück geholt hat. Zu schnell verfliegt einfach das schlechte Gefühl, weil es von anderen wunderschönen Gefühlen übertönt wird und uns einfach blind macht. Mal blind vor Liebe, mal blind vor Eifersucht, Gier, Neid und was es sonst noch so für positive und negative Eigenschaften gibt, welches ein menschliches Wesen so mit sich bringen kann.

Man vergisst schnell wie tief der letzte Liebeskummer gesessen und was er mit uns gemacht hat. Schwach nämlich. Viel zu schwach und erbärmlich und die Überhand über seine Gefühle überlässt man dann auch noch derjenigen Person, welche es eigentlich gar nicht sein dürfte. Man wird regelrecht von den anderen schönen Gefühlen ausgetrickst, übertüncht und vergewaltigt, so dass man sich selbst nicht mehr im Griff hat. Dass es dann einem auch so ergehen kann wenn sich das Gute zum Schlechten wendet, daran denkt kaum einer.

Wäre ja auch scheisse, sonst würden wir wohl alle nach unserer ersten großen Liebe auf der Straße sitzen, nie wieder eine Beziehung führen und das würde einem dann wohl auch nicht glücklicher machen als ein paar Mal im Leben durch einen richtig krassen Liebeskummer zu müssen. Denn er macht uns härter, weist uns auf unsere eigenen Fehler hin und hilft uns womöglich bei der nächsten Beziehung. Irgendetwas positives muss dieser Kack ja schließlich haben.

Und so lange bis sich alles wieder gelegt hat, die Seele zur Ruhe gekommen ist, um sich für neues zu öffnen, kann es Stunden, Tage, Wochen, Monate und vielleicht sogar Jahre dauern. Man sitzt so lange in einer Achterbahn. In einer Achterbahn der Gefühle. Es geht hoch und runter. Hoch und runter. Hoch und runter. Und am Ende ist einem ganz schlecht und dann hat man wohl das Schlimmste überstanden. Bis der Nächste kommt und einem wieder Herzchen in die Augen zaubert, von Sachen redet, die er höchstwahrscheinlich noch nie selber mitgemacht hat und gar nicht weiss welche Bedeutung manche Wörter – ja sogar ganze Sätze – haben. Dann ist man wieder scharf auf’s Achterbahnfahren und denkt gar nicht mehr daran, dass man nach der letzten Fahrt die Zuckerwatte klumpenweise vor die Füße der Exliebe gekotzt hat.

Irgendwie glaube ich daran, dass man erst mal einen richtigen Liebeskummer und damit meine ich einen richtig, richtig, richtigen Liebeskummer haben muss, um überhaupt beziehungsfähig zu sein. Wie kann einem sonst das Gegenüber verstehen, wenn man Angst hat und es einem schlecht geht? Wie kann derjenige sonst die Ängste verstehen, die andere Menschen vor ihm ausgelöst haben? Neues Spiel, neues Glück?

Ganz ehrlich. Jeder hat ein Leben davor. Jeder wird von seiner Umgebung, Freunden, Familie und ja auch von seiner früheren Liebe geprägt und natürlich bringt man das ganz unbewusst in die neue Beziehung mit ein. Ob man will oder nicht. Und wie will man eine richtige Beziehung führen, wenn man vorher noch nie Liebeskummer hatte. Woher will man wissen, dass es im Himmel schöner ist, wenn man noch nie in der Hölle war. Und wenn man mal nicht ganz unten war, wird man nie an die Spitze kommen um dort auch gerecht und fair zu handeln. Ohne dies funktioniert das ganze Beziehungsding glaube ich nicht. Und so ist es unsere Aufgabe unser passendes Puzzlestück in der großen Welt zu finden. Das kann dauern und so lange müssen wir alle noch mal ordentlich durch die Scheisse gezogen werden, bis wir die richtige Person für unser Leben gefunden haben.

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Über die Autorin

Hannah lebt zur Zeit in Kempten, studierte Modedesign und widmet sich nun der Betriebswirtschaftslehre, um die Pflichten einer angehenden Weltherrscherin perfekt umsetzen zu können. Ihr größter Traum ist es, in naher Zukunft in einem billigen Horrorfilm mitspielen zu können. Als taffe Vampirjägerin. Oder modriger Zombie. Mal gucken. Alle Artikel von Hannah lesen oder eine eMail schicken.

10 Kommentare

  • Anna sagt...

    Ach Hannah Maus, da sprichst du gerade ein Thema bei mir an , du.
    Genau das mach ich gerade durch. Doofen blöden Liebeskummer. Aber du hast recht, das kann uns nur stärken für die anderen Beziehungen die noch kommen werden. Und das Lied hast du sehr gut dazu ausgesucht ;)

  • Mike sagt...

    Rise Against – Survive

  • Rolf sagt...

    Sehr weise, Hannah! Wichtig ist doch vor allem, dass man nicht nach der Achterbahn in der Geisterbahn landet, sondern – in deinem Fall – bei einem supercoolen Typen, der dich wieder mit nach oben nimmt, ins Riesenrad sozusagen. Dann nämlich blickt man auf alles gelassener nieder und stellt fest: Scheiße, war das alles klein!

  • Denise sagt...

    so sehe ich das auch! gut geschrieben, und diese krise ist auch irgendwann überstanden, und das glück kommt wieder.

  • Andre sagt...

    Dieses Achterbahnfahren ist aber auch anstrengend, besonders wenn man immer wieder in dieselbe einsteigt… Such Dir also bitte ein attraktiveres Fahrgeschäft aus! Und Kopf hoch, sonst siehst Du es nicht! :-)

  • Marlon sagt...

    Liebeskummer bleibt für mich ein reines frauending , ich hoffe das die weiber mit der zeit durchblicken das es keinen sinn macht

  • Darf ich mal fragen, wer immer diese geilen Fotos von Dir macht? Auch wenn das jetzt ein Risiko ist und eigentlich nicht zum sehr gut geschrieben Text passt?

  • hannah sagt...

    ich :)

  • Määdchen! Du kannst wat!

  • Thilo sagt...

    Ich finde die Stelle bei FightClub in dem Auto als Tyler Durden den Erzähler zum Nullpunkt führen will auch sehr ergänzend dazu, dh erst wenn man alles verloren hat, hat man die Möglichkeit alles zu erreichen. Vielleicht auch die perfekte Beziehung. Das einzige Problem an dem Spaß ist nur das es so unheimlich weh tut aber was einen nicht umbringt macht einen nur härter, solang man sich bewahren kannn die liebe zu sich selbst zu bewahren, die man iwann hoffentlich mit wem anders teilen kann.

    Verdammt es ist viel zu früh für so gute Texte am Samstag.

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