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Fucking App
Foto: IceCreaming
Die Sucht nach dem Netz
Fucking App
Von Hannah Maria Paffen
Veröffentlicht: Mittwoch, 23. Dezember 2009

Ich muss gestehen: ich bin auch süchtig. Nicht umsonst würde ich sonst ein Teil der AMY&PINK-Familie sein. Wenn ich in der früh aufstehe und geduscht habe, ist es das erste was ich mache. Wenn ich abends schlafen gehe nehme ich ihn sogar mit ins Bett um noch ‘ne Weile mit ihm Zeit zu verbringen. Zwischendurch trage ich ihn auf Händen und in der Schule ist er auch sehr oft dabei. Ich rede hier jetzt nicht von einem Handtaschenfiffi sondern von meinem Laptop. Das Internet begleitet mich durch den ganzen Tag und hat mich in eine Sucht getrieben, die ich selbst echt schrecklich finde.

Geburtstage werden fast nur noch über das Internet beglückwünscht, mit den Freundinnen lästert man jetzt nur noch über Facebook, es wird sich gezofft, nettes Zeugs an den Kopf geschmissen und fleißig angebaggert – und das alles mit einem schwarzen Ding aus Plastik und anderem Krimskrams. Ein flimmernder, unpersönlicher Bildschirm, direkt vor unserer Nase kann lachen und weinen bei einem Menschen erzeugen obwohl es noch nur schlicht und einfach gesehen ein blöder kleiner Kasten ist und wir sprechen ihm so eine Macht zu, dass ich es eigentlich ganz schön unheimlich finde wenn ich genauer darüber nachdenke.

Und diese Sucht geht seit neuestem schon weiter, viel weiter als es uns eigentlich lieb ist. Man wird dadurch permanent erreichbar und verlangt es dann auch von derjenigen Person es immer zu sein. Es schränkt uns ein und macht uns abhängig. Das mobile Internet was man sich jetzt auch wirklich leisten kann. Egal ob ich jetzt mit Freunden essen gehe, im Kino bin oder am Wühltisch von Kik stehe: Facebook, Lokalisten, MySpace, StudiVZ, Xing und der ganze andere Kram ist immer bei uns.

Eine “App” gibt’s mittlerweile für jeden Kack. Den Satz “Ach, dafür gibts doch jetzt auch ne App?!”, bringt mich zum kotzen und nicht nur dass sich das Wort nur in Verbindung mit dem iPhone blicken lässt, neeeee probier doch mal die neuen Apps bei StudiVZ. Wuuuhuuu! Echt schrecklich. Reicht es nicht wenn wir zu Hause Tag und Nacht ins Internet können? Müssen wir denn so megaunpersönlich werden?

Wo ist denn unser Leben in der Realität, stundenlange Telefongespräche und mit Parfüm besprühte Liebesbriefe? Langsam geht’s mir echt auf den Keks. Es ist zwar schön und gut und ich finds ja auch toll wenn mein Freund mir schnell mal alle Kinovorstellungen auf der ganzen Welt vorlesen kann, aber wie zum Teufel sind die Menschen früher ohne Handy und Internet zurecht gekommen? Und wie viel Geld könnten wir uns sparen, wenn wir unser Handy in die Tonne treten würden?

Die Welt ist kommunikationssüchtig. Bald wird es die ersten Selbsthilfegruppen geben in der man versucht dagegen anzukämpfen. Wir werden schlimmstenfalls das Sprechen verlernen, nur noch stupide vor uns hinsabbern und nach unserem Laptop verlangen. Wir werden Gefühlskrüppel, weil keiner mehr “Ich liebe dich” über die Lippen bringt und versuchen unsere Trauer nur noch durch Sterbebildchen im Internet zu bekunden, anstatt persönlich sein Beileid zu verkünden.

Was lernen wir jetzt daraus? Öfters mal unser Handy und den Laptop ausschalten und uns unseren Lieben widmen, das Wort “App” aus unserem Leben verbannen und wenns dafür schon zu spät ist treffen wir uns morgen um 18:30 Uhr in der Scientology-Mission München West und therapieren uns gegenseitig, oder auch nicht.

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Über die Autorin

Hannah lebt zur Zeit in Kempten, studierte Modedesign und widmet sich nun der Betriebswirtschaftslehre, um die Pflichten einer angehenden Weltherrscherin perfekt umsetzen zu können. Ihr größter Traum ist es, in naher Zukunft in einem billigen Horrorfilm mitspielen zu können. Als taffe Vampirjägerin. Oder modriger Zombie. Mal gucken. Alle Artikel von Hannah lesen oder eine eMail schicken.

16 Kommentare

  • mandarine_one sagt...

    zum glück bewahre ich mir noch einen teil analoges im leben. theater, zeichnen und so kram. und wenn ich verliebt bin mach ich gern mal tapes und mix-cds mit gebastelten covern. oder selbstgemachte pop-up valentins-karten.
    so gern und so oft ich auch im internet unterwegs bin .. drausen gibt es ja zum glück auch noch ein leben. Im sommer an der donau sitzen mit radler und freunden z.b. zum glück gibts für sowas noch keine real-life-app…

  • dekoe sagt...

    Ich bin auch kein Freund von diesen tollen Web 2.0 “ich bin und kann alles und überall”. Und ich will auch keine Freundschaftsanfragen auf facebook von hypen Läden oder what ever.
    Ansonsten verbringe ich auch des Öfteren schlaflose Nächte im Internet auf der Suche nach dem besonderen etwas. Was sich aber leider sehr schwer finden lässt. Morpheus ich komme!

  • vEnoMaZn sagt...

    ich merk das aber auch, jeder ist 2.0 gefickt

    social networki ist aber wohl am schlimmstn

    bin nur bei myspace und das ist schon schlimm :T

    richtiger kontakt stirbt aus :(

  • Johanna sagt...

    Genau aus dem Grund ist und bleibt mein Handy ein Knochen ohne jegliche Funktionen außer Telefonieren. Nichtmal Bluetooth hat das Teil. Und ich verweigere mich immer noch erfolgreich twitter & facebook, und ja, ich werde stark bleiben.
    Irgendwann schaff ich’s auch noch, meinen SchülerVz Account zu löschen. Vielleicht.

  • Lisa F. sagt...

    Noch hast du dir keine Apps geholt. Schau doch mal unter „Alle Apps“ nach, was wir zur Zeit so im Angebot haben!

    AHHH!

  • Thilo sagt...

    Du wirst mich nie lieben können Hannah, obwohl ich dir jetzt sage: Ich liebe dich” aber ich bin Appsüchtig und Web2.0 und alles ich finde ganz ganz toll. Man muss nur die Dosis wissen wie man Sie nutzen sollte.

  • Hans sagt...

    Es ist halt recht schwer, sich das ganze wirklich einzuteilen. Statt in der S-Bahn zum iPhone zu greifen um “kurz mal die Mails abzurufen” wieder ein Buch lesen. Andererseits will ich viele Helferlein nicht mehr missen. Das Sparkassen-App, das mir auch in Dresden sagt, wo ich das Eintrittsgeld für meinen Club herbekomme. Oder Google Maps, die mich bei einem dringenden Termin schnell irgendwo hinbringen. Oder Fahrplaninfo, die mir viel genauer als der Busplan sagen können, wie ich fahren muss und wo der Bus mit 2min Verspätung gerade ist.

    Nur, man muss das Handy auch mal in der Tasche lassen können. Am besten die ganzen Mailbenachrichtigungen ausschalten oder die Abrufzeit für Mails auf eine Stunde stellen. Wenn ich nicht weiß, dass ich da kurz noch mal was kommentieren muss, weil Max Mustermann das und das geschrieben habe, dann mach ich es auch nicht.

    Es ist nicht alles Teufelszeug. Man muss nur richtig umgehen können damit.

  • Mike sagt...

    Gibts da auch was von Ratiopharm! Also ich bin stolzer besitzer eines NICHTSmartphones und werde es zumindest bis dahin bleiben bis das Droid oder Googphone erschwinglich sind und dann auch nur wegen dem Kalender, Appz hasse ich überall, okay FB Games sind lustig aber mehr auch net!

    Aber komplett abhängig sind wir alle nicht, sonst würden wir nicht noch auf Konzerte, Partys oder Weihnachtsfeiern gehen. :)

  • hannah sagt...

    thilo ist verknaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaallt ;))

  • Owney Hande sagt...

    Ja, Du hast ja sooooo Recht! War letztens für 1 1/2 Tage auf Exkursion. Ohne Handy, ohne Computer. Einfach nur mit echten Menschen! Und mittendrin stelle ich fest: “Hej, das hier ist wirklich echt! Schön ist es, das ECHT!” ;O)

  • Marlon sagt...

    Mir ergeht es nicht anders , schade schade aber hey aber das neue jahr steht an . und in meinem kleinen filofax stehen einige nette dinge ich ich mir wie jedes jahr vornehme ^^

  • Thilo sagt...

    @hannah Nunja das darf man sich ja mal zu Weihnachten aka “Fest der Liebe” auch mal erlauben oder?

    @Hans Das Problem was ich damit habe also mit Bücher rausholen und lesen, ist das ich es sehr schwer finde heute vernünftige Bücher zu finden die meinen Geschmack treffen und die ich noch nicht gelesen habe. Ausserdem muss ich erstmal den Sherlock Holmes Gesamtband auf Englisch durchlesen.

  • hannah sagt...

    jaaaaaaaaa fest der <3 !

  • dip sagt...

    njaaa, früher war alles besser und so…
    aber mal ehrlich, ist es nicht toll das ich gerade von den phillipinen irgend einen sinnlosen misst loswerden kann?
    warum nicht, es ist hier erst 1uhr in der früh und ich werde gleich mal versuchen die person in meinem bettchen zu erwecken und weiter geht die nacht. kommunikation ist eine gute sache, aber macht es das internet wirklich einfacher? teils teils und ich schreibe noch briefe per hand und ich telefoniere auch noch stundenlang, letzteres nur sofern im gleichen land. man kann es nicht so einseitig betrachten finde ich.

    merry xmas cheers wireless is fein phew…

  • DerFreundLiestMit sagt...

    Hannah, die Realität hat deine Gedanken schon längst eingeholt. Selbsthilfegruppen gibt es bereits und die Suchtberatungsstellen sehen sich vermehrt mit Onlinesüchtigen bzw. -abhängigen konfrontiert. Und das ist auch kein neues Phänomen. Schon zu der Anfangszeit in den 1980ern, wo man noch mit 300-Baud-Modems private Mailboxen für teures Geld „anrufen“ könnte, haben sich erste Problemfälle herauskristallisiert. Damals waren die Auswirkungen finanziell deutlich verheerender und die sozial Abgrenzung viel extremer.

  • Philipp sagt...

    Äh toll. Ich war jetzt bei Scientology zum ausgemachten Zeitpunkt, aber unentschuldigt fehlte: Hannah.
    Dafür bin ich jetzt Quam 4. Grades oder so was. Aber dafür gibt es auch ein App, bei Interesse …

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