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Mein Leben nach dem Internet
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Mein Leben nach dem Internet
Von Marcel Winatschek
Veröffentlicht: Samstag, 3. Oktober 2009

Ich bin ein Junkie. Nicht nach Drogen, nicht nach Alkohol, nicht nach Zigaretten. Über all die Dinge bin ich schon lange hinweg. Meine neue und alte Sucht ist das Internet. Die Tonnen von Inspiration, Information und Independenz hat mich abhängiger gemacht als alle Joints, Uschis und “World of Warcraft”-Roots zusammen, lassen mich glücklich grinsend mit meinem MacBook im Arm einschlafen und verschaffen mir eine tiefe, innere Befriedigung. Weil mir die ganze Schei&szlige Spa&szlig macht, ich in die Gehirne von Menschen eindringen kann und damit auch noch Geld verdiene.

Aber natürlich wissen wir alle, dass unser Surfurlaub nicht für ewig ist. Spätestens wenn die Welt von den Chinesen überrannt, der Dritte Weltkrieg ausgefochten und die letzte Webseite aufgerufen ist, ist es vorbei mit Google, Twitter & Co. Dann müssen sich die Nerds wieder an die Tagessonne gewöhnen, Hipster mit ihrem iPhone Nüsse knacken und Blogger ihre unwichtigen und vor Egoismus getragenen Gedanken von einem nahegelegenen Berg aus verkünden.

Und auch für mich wird es anfangs schwer sein, mich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen, aber ich kann mir sicher sein, dass meine dauerhafte Überdosierung des Netzes erheblich zu meiner Rehabilitierung beitragen wird, bin ich doch aus der Erfahrung heraus ziemlich schnell von Dingen gelangweilt. Beim Internet zieht sich dieser Prozess aufgrund der weitläufigen Variationen und Mutationen nur etwas hinaus. Irgendwann ist es auch damit vorbei.

Also werde ich nach dem gro&szligen Zusammenbruch des World Wide Web als Einsiedler auf eine einsame Insel ziehen, mir dort hoch oben in den Gebirgen und mit einem sagenhaften Ausblick auf das Meer meine ausgedruckten Pornoseiten durchblättern und mich bei einem köstlichen Kokosnuss-Coktail darüber amüsieren wie wichtig wir diese vernetzte neue Welt doch nahmen, die dann nur noch eine zu verblassen drohende Erinnerung sein wird. Auf Wiedersehen du einst so rebellisches Medium. Es war schön mit dir.

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Über den Autoren

Marcel Winatschek lebt in Berlin und ist Chefredakteur bei AMY&PINK. Seine meist etwas abstruse Persönlichkeit setzt sich in gleichen Teilen aus Charakteren in TV-Serien, Sprüchen ehemaliger Sportlehrer und Traumfantasien mit japanischen Karate-Kämpferinnen zusammen, dessen Summe er in einer einmaligen Art und Weise als selbstständigen Menschen ausgibt. Alle Artikel von Marcel lesen oder eMail schicken.

7 Kommentare

  • Phil sagt...

    let me be your freitag.

  • Nik sagt...

    Mir gefällt der Song. (-:

  • elv sagt...

    Ein schöner Abschiedsbrief, meine Ode an das Internet im leicht alkoholisierten Zustand könnte die Schwester des Beitrags sein.
    Solltest dir die Pornoseiten aber laminieren.

  • kasumi sagt...

    warum sagst du sowas?? jetzt hast du mich zum weinen gebracht, dieser gedanke macht mich fertig =(

  • Die Vorstellung hört sich gar nicht so schlecht an…

  • Ein Atomkrieg würde den Aufstieg der Nerds bedeuten. Ich meine, wir sind dann gezwungen uns in dunkle Keller zurückzuziehen, wo nie das Licht der Sonne uns erreicht. Blo&szlig das Internet könnte ein Problem werden. Naja bis zum 3ten Weltkrieg dauert es ja nur ein paar Jahre.

  • stiller sagt...

    “Beim Internet zieht sich dieser Prozess aufgrund der weitläufigen Variationen und Mutationen nur etwas hinaus. Irgendwann ist es auch damit vorbei.”

    Stimmt wohl. Es begann mit irgendwelchen Chaträumen, dann kamen ein paar Foren, so kuriose Plattformen wie uboot (Gibt’s das eigentlich noch?), die eine Mischung daraus waren. StudiVZ/Facebook, Blogs, Twitter,… irgendwann ist sicher Schluss und irgendwann isses vielleicht auch wirklich wichtiger sich um die eigene Familie zu kümmern, als seine Sims im Pool zu ertränken und seine Haustiere zu füttern als auf ner HappyFarm oder wie das hei&szligt seine Kartoffeln zu ziehen.

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