Veröffentlicht: Dienstag, 11. August 2009
Er sackte vor mir auf den Boden, jaulend, keuchend. “Voll in die Eier!”, rief mir Paula jubelnd zu und strahlte übers ganze Gesicht. Es war dunkel, es war kalt, aber durch diese gute Tat glühte ich innerlich förmlich. So befreit fühlte ich mich. Was für ein Sieg, was für ein Triumph. Johnny zog eine schmerzende Fratze, seine gehirnamputierten Kumpels sahen mich wie paralysierte Kaninchen an. “Kommt ruhig her ihr Spackos, ich habe gerade Chuck Norris für mich entdeckt!” schrie ich sie an und guckte so grimmig, wie ich nur konnte. Ich hatte nichts mehr zu verlieren und das sollten sie ruhig spüren. Johnny heulte.
“Sina, mach mal hinne, der scheiß Zug fährt gleich ab!” Ich schnappte mir meinen Rucksack und fing an zu laufen. Ich rannte meinem alten Leben davon, meinem Freund, meiner Familie, nur weg hier. Johnny rief mir nach: “Du Schlampe! Wenn ich dich erwische, mach ich dich kalt! FOOOTZEEE!” Bei diesem Wort sprangen wir in den Zug, lautstark schlossen sich die Türen hinter uns und kurz darauf waren wir auf dem Weg in ein neues, besseres Leben. Ich war so erleichtert, dass ich mich hinkniete und erst einmal anfing zu weinen.
Paula war meine beste Freundin. Sie hatte große Brüste und ein noch größeres Herz. Ich liebte sie, ich vergötterte sie, ich hätte mein Leben für sie gegeben. Als ich meine Augen öffnete lagen wir uns fest in den Armen. Draußen schossen Bäume, Berge und Häuser an uns vorbei. Ich kuschelte mich in ihren lilafarbenen Pulli, der so gut nach Rosen duftete, und atmete tief ein. “Wie lange noch?” murmelte ich in ihren üppigen Vorbau. “Ein paar Stunden.” war die knappe Antwort von oben. “Menno…”
Als wir am Berliner Hauptbahnhof angekommen waren, stapften wir erst einmal freudig und erschöpft zugleich zum nächsten Burger King, bestellten uns das fetteste Menü plus Speck und großer Pommes und freuten uns über unsere neugewonnene Freiheit. Ich war glücklich, wirklich glücklich.
“Wenn du willst, kannst du kurz aufs Klo gehen, ich warte hier auf dich.” Paula hatte ihr strahlendstes Lächeln aufgesetzt. Ich nickte freudig, trank noch mal kurz von meiner Cola und rannte los. Als ich wieder zurück kam war sie weg. Erst hielt ich es für einen Scherz, hörte nicht auf zu lächeln und tat ganz unberührt, um ihr keinen Sieg zu gönnen, sobald sie aus der nächsten Ecke hervor hüpfte. Doch sie war hinter keiner Ecke. Sie war nirgends.
Langsam kroch die Panik in mir hoch, ich lief den Bahnhof entlang, jeden Bahnsteig, jedes Geschäft, jeden Winkel. Sie hatte mein Handy. Mit meinem letzten Kleingeld rief ich zu Hause an, erklärte heulend meine Situation. Aber meine Mutter lachte nur grausam, meinte dass ich selbst Schuld sei, dass ich selbst sehen solle, wie ich da wieder raus kommen könnte und irgendwas von eingebrockter Suppe. Alles drehte sich. Ich fand mich auf allen Vieren wieder und rief nur noch Paulas Namen. Doch sie hörte mich nicht.
Das war das sechste Kapitel “Der Abschied” aus dem furiosen Blog-Roman-Projekt “Stadthunger”, dem Fortsetzungsroman bei AMY&PINK. Alle Teile davon findet ihr fortwährend auch unter der Rubrik “Stadthunger“.
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Hm… sorry, des war irgendwie nix… grade im Mittelteil zu hudelig erzählt…
ja… fein! schöne sache, das geschreibe.
jefällt ma richtich jut.
und, eine sache: kündige doch bitte frühzeitig an, wann die letzte folge des romans veröffentlicht wird. damit ich mich da mental drauf einstellen kann, von wegen abschied nehmen und so…
Ich liebe die Geschichte. Suchtpotenzial hoch zehn. Mehr. Bitte. Danke.