Veröffentlicht: Mittwoch, 19. August 2009
Jeden Tag begegnen wir neuen Menschen in der U-Bahn, beim Kaffeetrinken, Shoppen oder was weiß ich. An manchen sind wir bestimmt schon mal vorbeigelatscht ohne sie groß bemerkt zu haben und unser Gehirn hat diese Gesichter schlicht und einfach nicht abgespeichert. Manchen von ihnen sehen wir aber tief in die Augen, finden ihn oder sie attraktiv, stellen uns ein paar Fragen, malen uns das Leben dieser Person anhand von Äußerlichkeiten im Kopf auf eine riesige Leinwand, grob und schmierig wie ein Kind sich mit seinen Wachmalkreiden austoben würde. Die meisten Kopfwachsmalkreidenentwürfe werden schnell zusammengeknüllt und in die Ecke geschmissen. Sonst wird’s ja langweilig.
Manchmal steckt man auch in so Situationen, da sieht man einfach jemanden an und denkt sich: Den oder die möchte ich gern mal kennen lernen. Kaffee trinken. Quatschen halt. Man versucht verzweifelt irgendwie Kontakt aufzunehmen, aber es scheitert dann doch am mangelden Alkoholgehalt im Blut und Mut in der Birne. Denn wer spricht am hellichten Tag – außer Scientology – jemanden ohne Hintergedanken an? Keiner! Erst am Abend fasst man sich ein Herz, weil man ja davon ausgeht, dass alle angetrunken sind und sollte man sich blamieren kann man es immer noch auf den Alkohol schieben, auch wenn es nur ein Bier war. Die Macht der Nacht sozusagen.
Letzten Mittwoch waren zwei Freundinnen von mir und ich im Cafe Kosmos. Nachdem sich zwei Männer zu uns an den Tisch gesetzt hatten war das Eis gebrochen und die Kennenlernkette wurde aktiviert. Durch den ganzen Abend zog sich das Kennenlernritual bis es einem überhaupt nicht mehr fremd war und es immer leichter ging. Aber welche Begegnungen sind jetzt für uns wirklich wichtig?
Freunde zum Beispiel. Die man schon Jahre hat, oder auch nicht. Mit denen man einfach nur Spaß haben kann, nicht verkrampft ist und keine Angst hat etwas Blödes oder Falsches zu sagen. Oder halten wir uns ganz fies und Vitamin-B-süchtig manche Freunde warm, um Beziehungen zu knüpfen und in schwierigen Situationen andere Menschen mit dem Spruch „Hey weißt du noch wie wir damals mal zusammen essen waren? Wie geht’s dir so? Achja und ich hätte da mal ‘ne Frage. Arbeitest du nicht bei….“ anquatschen zu können.
Und was ist mit Beziehungen? Ich denk mir so oft wenn eine Beziehung zu Ende geht wieso man überhaupt den Menschen begegnet ist, wenn es noch nicht mal für längere Zeit war. Man lernt halt einfach aus Beziehungen und mein Gott, dann war’s eben nicht der oder die Richtige für’s Leben und es tut von mir aus auch ganz schön weh. Stunden, Tage, Wochen, Monate oder vielleicht auch mal ein Jahr. Aber da draußen laufen doch noch so viele Menschen rum, die in unser Leben treten werden und von denen wir uns das ein oder andere abschauen.
Manchmal häng ich mich aber auch zwanghaft an den Gedanken dass das alles irgendwo Schicksal ist und ich fast so was wie ein Bestimmung habe in das Leben von anderen Menschen zu getreten zu sein, um etwas oder mich zu ändern. Wenn das dann noch ein bewusster Prozess von beiden Seiten her ist, versteh ich die Welt nicht mehr, komm ins Schwanken und versuch es zu verstehen. Hoffnungslos. Von manchen Menschen kann man einfach nicht ab. Und manchmal weiß ich nicht wieso. Aber wenn man wartet wird es die Zeit schon zeigen. Denk ich mal. Oder nich?
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toll geschrieben. da steckt so viel wahrheit drin. nach meiner letzten beziehung bin ich in etwa genau so durch die welt gerannt mit diesen gedanken. wenn es schicksal ist, wäre mein weltbild zerstört. ich als alter kontrollfreak mag das nicht glauben ;)
aber ich glaube sehr wohl, dass man solche lebensabschnitte braucht um sich zu entwickeln. und das gleich gilt für den anderen, der für eine wenn auch nur kurze zeit zu einem gehört hat. wir menschen ändern uns andauernd…aus uns selbst heraus. aber gleichzeitig ändern wir auch andere. deshalb ist mein entschluss…niemals warten…man lernt ständig neue menschen kennen und vielleicht lernt man auch jemanden kennen der in einem jahr ein anderer mensch ist, dank dir…
und wichtig sind meiner ansicht nach alle begegnungen; wir können uns nur richtig entwickeln indem wir uns andere menschen anschauen und uns leider – für alle individualisten – von ihnen etwas abschauen, um uns entweder das anzueignen, weil wir es gut finden oder es ablehnen und nicht so sein wollen.
ach viel zu früh um philisophisch zu werden….kaffee is durch ;)
meinen letzten Freund habe ich in der U-bahn kennengelernt. Das war ein schöner Anfang. Das Ende leider nicht so. Egal wie romantisch man am Anfang sich noch begegnet. Es schützt einem nichts mit gebrochenem Herzen am Ende dazustehen und sich zu fragen: War es das wert? Hättest du mal lieber nicht angerufen als er dir seine Nummer gegeben hat. Ich habe lange auch an das Schicksal bei solchen Dingen geglaubt und irgendwie tu ich das immer noch. Leider weiß ich jetzt das auch eine schicksalhafte Begegnung tragisch enden kann und das wird mir auf alle Fälle viel Naivität rauben bei allem was kommt.
Ich kann mich crs letzten Worten nur anschließen.
Hallo Hannah, ich folge diesem Blog noch nicht so lange. Von so her ersteinmal vielen Dank dass ich an Deinem/Euren Leben teilhaben darf. Ein chinesisches Sprichwort besagt, dass es die gleiche Lebensspanne ist, ob man nun weint oder lacht. Das du bis Weilen zweifelst scheint mir Ausdruck eines beautiful mind zu sein. Ich wünsche weiterhin gutes Gelingen und verbleibe mit einem beschwingten Aloha.
Ich liebe diesen Text. Zauberhaft.
Darüber, ob das Leben aus Zufällen besteht, oder einfach nur Schicksal ist, mache ich mir auch oft Gedanken. Und wenn ich gewisse Dinge und Geschehnisse rekapituliere kann ich einfach nicht glauben, dass das alles nur Zufall sein kann. Es muss Schicksal sein. So viele Dinge ergeben im Zusammenhang Sinn. Das eine führt zum anderen. Wäre das nicht passiert, hätte ich das nicht. Und so weiter. Zwanghaft. Ja. Das beschreibt es ganz gut. Teilweise. Manchmal.
Großartiges Foto. Und ich dachte nur mir geht es so.
sehr schöne formulierte gedanken…
irgendwelche gruende muss es ja dafuer geben, dass manche menschen laenger und tiefer im eigenen leben verankert sind als andere; dass man einige kennen lernt und andere uebersieht. aber ob das schicksal zu nennen ist?
Ich wünschte ich könnte meine Gedanken manchmal so in Worte fassen…Schön geschrieben!
Jaja das Schicksal!
Ich hatte schon so oft solche Situationen in denen ich jemandem begegnet bin … in der U-bahn in der Stadt etc. In der sich die Blicke zufällig trafen und man auf einmal ein merkwürdig vertrautes Gefühl verspürt hat, ein Gefühl, dass geradezu nach einer Handlung schreit …..irgendwas tun…. jetzt sofort, es bleibt nur dieser kurze, eine Moment und man wird sich vielleicht nie wieder über den Weg laufen! Dieser kurze Moment der vielleicht alles ändern könnte….. und man läuft weiter…schon wieder in Gedanken versunken was wäre wenn….
Ich vermute jedem ist das schon mindestens ein Mal passiert…
Man sollte einfach generell öfter Leute anquatschen…und erst recht wenn man so ein Gefühl hat…. Mal sehen obs mir beim nächsten Mal gelingen wird….. wenn nicht bin ich ab dann eben einfach von Scientology haha..
Vielleicht trifft man sich ja mal im Kosmos…. Schicksal undso ;)
gruß
“Denn wer spricht am hellichten Tag – außer Scientology – jemanden ohne Hintergedanken an? Keiner!”
- also, ich mach das schon oft, gut und gerne …! is doch nix dabei. u-bahn-bekanntschaften machen so viel spaß! da lernt man die interessantesten menschen kennen. also keine falsche zurückhaltung ;)
(die goldene regel “einfach mund aufmachen, bevor man unnötigerweise nachdenken kann” passt immer)
außerdem macht man sich – wie mein vorredner “t!” richtig feststellt – hinterher nur tagelang vorwürfe und rätselt, ob man nicht etwas wichtiges, einmaliges verpasst hat.
(hat man.)
an schicksal glaube ich trotzdem nicht. der zauber des zufalls ist doch viel wundervoller, oder?
philosophiert annette spontanextase
Das Universum ist deterministisch!
Danke für den tollen Text und das großartige Foto.
Hannah…. fantastischer Blog, der mich sehr nachdenklich und ein bisschen traurig gestimmt hat.
ich bin im augenblick sehr verliebt, ziehe aber im oktober 300 km weit weg und dann wird daraus eine fernbeziehung, die ja sehr oft nun mal leider zum scheitern verurteilt sind. der gedanke macht mich so traurig. warum musste ich denn dann erst diesen menschen kennen lernen und mich in ihn verlieben?
wenn du erlaubst, stelle ich einen link zu diesem blog auf meinen eigenen, weil er echt super ist… ja?
Da fällt mir was ein.
“Nothing of me original. I am the combined effort of everybody I’ve ever known.”
Chuck Palahniuk
hey ihr lieben leider konnte ich euch jetzt erst antworten weil ich ein paar tage in der sonne verbracht habt. schön dass euch dieser text gefällt. das beantwortet die frage: wieso bloggst du eigentlich?
macht mit ihm was ihr wollt, toll dass ihr n paar sätze davon gebrauchen könnt und nachvollziehen.