Lass uns Freunde bleiben!

Lass uns Freunde bleiben!

Lass uns Freunde bleiben!Foto:
Von Marcel Winatschek
Veröffentlicht: Donnerstag, 13. März 2008

“Verlegen steht er im Treppenhaus, eine Tasche voll mit letzten Sachen. Ein Abschiedskuss, der zwischen Mund und Wange verrutscht. Und dann, zerknirscht, der Satz: »Lass uns Freunde bleiben.« Die Worte hallen länger nach als seine Schritte auf der Treppe, sie knallen lauter als die Tür, die hinter ihm ins Schloss rast, und brutaler als der Teller, der an ihr zerschellt. Lass uns Freunde bleiben. Frisch verletzt ist der Satz ein Skandal, er ist demütigend. Freundschaft? Wieso Freundschaft? Wir haben uns durchs Kamasutra geliebt und uns Namen für unsere Kinder ausgedacht. Du kennst jeden Millimeter meines Körpers, und ich habe dir meine Seele geöffnet. Du warst das Wichtigste in meinem Leben! Und jetzt? Minigolf spielen? Als wäre nix gewesen?

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Als könnte Freundschaft ein Kompromiss zwischen Liebe und gar nichts sein. Als ob man die Liebe, dieses Nonplusultra, nicht wert gewesen wäre. Aber genau das ist die Logik unserer Beziehungen. Wir haben allergrößte Ansprüche, seit der Wunsch nach romantischer Liebe das allgemein anerkannte Ideal geworden ist und ökonomische Zwänge abgelöst hat. Wir müssen längst niemanden mehr heiraten, damit wir finanziell versorgt sind und moralisch einwandfrei da stehen.

Und weil wir maximale Freiheit in der Auswahl der Partner haben, wollen wir auch das Maximum. Leidenschaft und Innigkeit, perfekten Sex und totales Verständnis, Freiheit und Exklusivität, Alltag und Abenteuer. Für immer. Jedes Mal.

»Lass uns Freunde bleiben.« Der Satz ist eben auch ehrlich und wahrhaftig. Was soll man schon sagen, wenn man jemandem, den man sehr gern hat, das Herz herausgerissen hat? Wenn man ihn aber nicht genauso verlieren möchte wie die Liebe, die einem abhandengekommen ist? Ist es nicht eher absurd, zu jemandem den Kontakt abzubrechen, mit dem man mal sein Leben verbringen wollte?”

Lass uns Freunde bleiben! Ein NEON-Bericht für alle, die lernen wollen, den Grat zwischen zerbrochener Liebe und der Chance auf eine tolle Freundschaft zu finden.

12 Kommentare

  • charlie sheen sagt...

    der schönste teil des ganzen texts ist:

    Sicher wird man auch leiden, wenn man sich freundschaftlich trennt. Weil ein Scheitern in der Liebe, diesem ultimativen Glücksziel, einfach schwer zu akzeptieren ist. Man wird noch über alten Fotos heulen und eifersüchtig auf Affären des anderen sein. Man wird sich vielleicht über Vergangenes streiten und sich sogar wehtun. Aber man wird in Kontakt bleiben. Weil einen mehr verbindet als trennt. Und je zufriedener sich beide in ihre Richtung entwickeln, je glücklicher sie in einer neuen Beziehung sind, desto einfacher gelingt die Freundschaft.

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  • Chrissy sagt...

    Ich brauch dazu erstmal nen Kerl… um mich dann wieder von ihn zu trennen XD

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  • Jenny sagt...

    “Denn, Regel Nummer zwei: Es müssen beide eine Freundschaft wollen, nichts anderes. Wer noch etwas für den anderen empfindet oder mehr investiert hat, der wird »Lass uns Freunde bleiben« völlig anders verstehen. Für den heißt Freunde bleiben: »Bleibe bitte in meiner Nähe und in meinem Leben.« Der wird jedes Treffen, jedes freundliche Wort überbewerten und als Hoffnungsschimmer wahrnehmen.”

    Deswegen funktioniert das bei mir nie. Deswegen lass ich es auch.

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  • Alessandra sagt...

    Ist es nicht eher absurd, zu jemandem den Kontakt abzubrechen, mit dem man mal sein Leben verbringen wollte?

    Stimmt absolut, aber es klappt trotzdem nicht. Freunde bleiben klappt nicht. Weil mindestens einer enttäuscht, verletzt, sauer ist und noch Gefühle hat. Um über jemand hinweg zu kommen muss man sich erst mal distanzieren.

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  • Marcel sagt...

    mona: ja der teil ist sehr gut und nur zu wahr.

    chrissy: hehe das nenn ich mal einen guten lebensplan ;)

    jenny: jep kenn ich, aber ich denk mir, irgendwie muss es doch funktionieren. naja, ist wahrscheinlich von mensch zu mensch und von beziehung zu beziehung verschieden.

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  • Philipp sagt...

    Also ich bin mit ein paar meiner Exfreundinnen befreundet, nicht mehr so eng wie früher, aber das trifft auch auf andere Freunde zu. Es kann klappen, muss aber nicht. Beziehungen enden immer in einem Konflikt, der nicht gelöst werden konnte. Es sind nicht alleine die verletzten Gefühle, die eine Freundschaft verhindern, sondern eben auch dieser Konflikt.
    Wenn man schon keine Beziehung führen konnte, ist es mit einer Freundschaft meistens auch nicht viel besser. “Lass uns Freunde bleiben”, sofern ernst gemeint, ist oft doch nur der Versuch eines Neuanfangs mit jemandem den man mag und der einen kennt, so dass man keinen guten Berater verliert.

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  • Sven E. sagt...

    Ich sehe eine romantische Liebesbeziehung gar nicht als Ideal. Mir wäre, ganz plump gesagt, “richtig gute Freundschaft mit Sex” viel lieber. Die Probleme wären allerdings auch nicht geringer, weil einer von beiden eventuell doch wieder Gefühle entwickelt, eifersüchtig wird oder Zukunftpläne hat. Zwischenmenschliches ist generell viel zu kompliziert.

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  • Philipp sagt...

    Angst vorm Risiko oder denkst du das Risiko ist es nicht wert?

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  • Susi sagt...

    mh.. einer dieser Artikel, den man ließt als wäre er nur für einen selbst geschrieben.
    eine schmezhafte freundschaft wird es wohl immer sein.

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  • Matthias sagt...

    Ich denke “Laß uns Freunde werden, irgendwann.” ist realistischer, eine Trennung braucht Distanz.

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  • Neslihan sagt...

    Ich glaube fest an das Freunde bleiben.
    Vielleicht liegt das daran, dass Freundschaft bei mir Reibungsloser ist(zweideutig, damn it).

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  • Basti sagt...

    Ich bin gerade selber in genau der Situation und merke, dass es nicht geht, von heute auf morgen einfach nur noch befreundet zu sein.
    Ich denke auch, dass man erstmal eine gewisse Distanz braucht, bevor eine Freundschaft vielleicht irgendwann funktionieren kann…

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erbärmlich. aber unterhaltsam.
2. September 2010
Da musste ich sofort hieran denken :D http://www.youtube.com/watch?v =0simV8UWWzI
2. September 2010
@hannah: Hallo ich bin genauso liebenswert. Arschloch.

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