Ein Abschiedsbrief

Ein Abschiedsbrief

Ein AbschiedsbriefFoto:
Von Marcel Winatschek
Veröffentlicht: Dienstag, 14. August 2007

Becca. Du warst in den letzten Jahren der Mensch, auf den ich mich am meisten verlassen konnte, obwohl du innerlich tobende Schlachten kämpfen musstest. Ich liebe dich und es war mir eine Ehre mit dir gegen die Schranken zu rebellieren, die uns kurzsichtige Menschen vorschieben wollten. Ich freue mich auf diesen neuen Abschnitt unseres Lebens, obwohl ich es vermissen werde, mit dir im Bett zu liegen und draußen die Welt vorbeiziehen zu lassen. Aber wir bleiben uns ja sowieso treu. Wir werden zusammen kochen, uns am Telefon gegenseitig anjammern und sexy Dinge mit der Webcam machen. Und wenn die Zeit gekommen ist, werden wir es uns endlich auf unserer eigenen kleinen Insel in der Südsee gemütlich machen können. Nur du und ich. Und der Affenbutler.

Madi

Ana. Es war immer eine Zerreissprobe für mich dich einerseits loszulassen, weil ich so todunglücklich in dich verliebt war, und dich andererseits aber nicht als das verlieren zu wollen, was wir eine Zeit lang waren: Beste Freunde. Wenn ich auf das letzte Jahr zurückschaue, vom Sommer am Baggerweiher und den wahnsinnig schönen Nächten mit dir, bis hin zu diesem Sommer, an dem ich einfach nicht mehr konnte, kann man sagen, dass ich so gut wie alles in den Sand gesetzt habe. Aber ich weiß jetzt endlich auch warum. Weil du der erste Mensch in meinem Leben warst, bei dem ich Bert war. Und du Ernie. Dass ich an deiner süßen, kindlichen Naivität, deinen selbstmörderischen Lebenswandlungen und deiner Leidenschaft für die kleinen Dinge im Leben verzweifelt und letzten Endes gescheitert bin, das darfst du mir einfach nicht übel nehmen. Du hast die Liebe einmal mit Feuer verglichen, dem man nicht zu nahe kommen darf, weil man sich sonst daran verbrennt und trotzdem immer seine Nähe sucht. Mir ist klar, dass du es nicht genau in dem Zusammenhang gemeint hast, aber genau so fühle ich mich bei dir. Wie eine dumme, kleine Motte, die ständig wieder gegen eine Lampe donnert und daran zu Grunde geht. Und das ist auch ein Grund, wieso ich von hier weg muss. Ich bewundere dich, Ana. Niemand spukt mir so sehr in meinem dummen Kopf herum wie du und deine Ideen. Ständig wollte ich dir so viel sagen. Wie sehr du mein Leben verändert, mich inspiriert und mir wirklich bedeutet hast. Aber ich konnte es einfach nicht. Und wenn ich dann doch mal etwas hervor gepresst habe, dann war es ein peinlicher Haufen sentimentaler Scheiße, der sich alles andere als aufrichtig anhörte. Dabei kämpfte ich doch ständig nur darum, etwas Besonderes für dich zu sein. Du bist ein außergewöhnlicher Mensch und das weißt du auch. Vielleicht ist dir das auch zu sehr bewusst. Ich wünsche dir alles Glück der Welt und egal ob du nächste Woche ins Kloster eintrittst, dich nur noch von Schnee ernährst oder den Himmel erobern willst. Du packst das schon. Auch ohne mich.

Mille Eniz und ich

Buchloe. Ich pflege zu vielen Dinge eine gewisse Hassliebe. Besonders zu dir, meine kleine Heimatstadt. Aber natürlich werde ich dich vermissen. Weil ich dich nun einmal kenne wie meine Westentasche. Der Alpenstraßenberg, auf dem es Ali einmal so auf die Fresse gelassen hat, dass er seine eigenen Füße küssen konnte, der Zugspitzspielplatz, auf dem Eniz und ich Jahre unseres Lebens verbracht haben und das Neubaugebiet im Westen, durch das ich mich unter Zeitdruck kämpfen musste, nur um mit einer Blondine mit großen Möpsen poppen zu können. Der Baggerweiher, von dessen Klippen wir uns im Sommer herunterstürzten, das Fritz, in dem die zerbrochene Clique Partys ohne Ende feierte und die ewig lange Bahnhofsstraße, die ich im Morgengrauen immer herunter latschen durfte, weil wir die ganze Nacht “Phantasy Star Online” gezockt hatten.

Der Rest. Ich werde euch vermissen, ihr Chaoten. Weil ihr mich mochtet, obwohl ich einen an der Klatsche habe. Obwohl ich euch im einen Moment alle umarmen und im nächsten schon wieder vor die Tür jagen wollte. Und obwohl ich mein Handy tagelang ignorierte, wenn’s mir dreckig ging. Oder weil ihr mich gehasst habt. Weil ich wie eine Schwuchtel über die Straßen stolziere. Weil ihr mit einer meiner Exfreundinnen zusammen seid und die noch mehr oder weniger heimlich was von mir will. Oder weil ich euch fette Rumkugel genannt habe und genau das auch meinte. Ob’s euch passt oder nicht, auch euch habe ich zu verdanken, was ich heute bin. Haha!

Europapark

Donnerstag früh um 3 Uhr geht’s los. Die meisten Sachen habe ich schon gepackt. Einige CDs, DVDs Bücher, Klamotten… Ich werde nicht allzu viel mitnehmen, weil die Wohnung im Studentenwohnheim ja bereits möbeliert ist. Seit Tagen möchte ich eine Liste schreiben, was ich in Berlin denn dann alles kaufen muss. Und ich brauche ja wirklich aaallleeesss. Von der Klobürste über einen Salzstreuer bis hin zu neuen Stiften. Das wird lustig. Und ich werde zum ersten Mal in meinem Leben eine Mikrowelle haben. So etwas gab’s hier nicht. Der Wahnsinn, oder? Also Hauptstadt, dann mach dich mal bereit. Für mich. Wird ja auch Zeit, dass ich hier wegkomme. Sagt sogar meine Tante. Und sagt ihr mir mal bitte, was ich sonst noch so für meine neue Bleibe brauche, nicht dass ich noch etwas vergesse.


8 Kommentare

  • Marten sagt...

    du brauchst eigentlich nicht mehr als dich und neue menschen um dich rum. der rest wird sich ja sowas von ergeben. nimm wirklich nur das nötigste mit und fang endlich mal ein neues leben an. ist ja gruselig was dir alles im kopf rumschwirrt. du bist doch noch relativ jung, fang jetzt mal wieder an zu leben. behalte nur die guten erinnerungen und verdränge die, die wehtun durch neue berliner eindrücke.
    und wenn du dann quasi angekommen bist suchste dir erstmal nen mädel was dich sowas von zum grinsen bringt das du einfach nur glücklich bist.

    so genug weise ratschläge ^^

    mitnehmen: dich, dat wat du zum arbeiten brauchst, ein paar fotos, ein bisschen was für die beauty, musik und die klamotten die du auch wirklich anziehst.

    der rest wird sich ergeben und den rest musst du wohl kaufen.

    wenn ich dich dann besuchen kommen sollten wir vielleicht mal “pub crawling” machen, damit du nen paar locations kennen lernst und deinen ersten vollrausch in der hauptstadt hast. party on!

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  • Javanoth sagt...

    hmmmm…
    ich wünsche dir alles gute, auf deinem weg in die neue zukunft.
    wie es ist, von einem kuhdorf (sag ich mal so) in eine hauptstadt zu ziehen kann ich von mir. tirol -> wien. und alle freunde zurücklassen. die gemeinsamen erinnerungen. alles.
    vor allem, man weiß unterbewußt irgendwo das es nicht mehr so sein wird wie früher. nie wieder. man wird sich sehen und doch wird es anders sein. man wird neue freunde finden, ein neues leben… alles.
    zumindest war es bei mir so. aber es war… auch gut so.
    nur das beste wünsche ich.

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  • Jenny sagt...

    Schöner Beitrag.

    Viel Erfolg, alles, alles Gute in Berlin!

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  • Nicki sagt...

    irgendwann am donnerstag wirst du recht nahe bei mir vorbeiziehen… irgendwann dann später crasht deine welt gegen den rest von grossberlin. irgendwann dann noch mehr später liegst du vielleicht heulend auf deinem bett was noch nicht mal deines ist.

    du fährst genau in den schlund von neu und hölle, kacke, alles neu alles schön alles scheisse. vielleicht so oder so ähnlich, vielleicht kein auge zu in der ersten nacht, bestimmt aber weisst du:

    endlich eine neue gelegenheit für eine ganz andere noch neuere hassliebe – du und berlin. das ist ist noch gar nix im gegensatzt zu buchloe, aber alles in deinem neuen leben. und du hast noch nicht mal ne klobürste, arme sau.

    pass auf das du nicht “agro” wirst, denk nicht das du anders bist – abheben kannst du noch früh genug, such dir ne ecke zum rumbaumeln und bleib stehen wenn SIE dir gefällt.

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  • Marten sagt...

    mensch nicki, deine kommentare fetzten aber auch! also wenns mir mal net so gut geht oder ich nen guten rat brauch, dann würd ich mich über was geschriebenes von dir auf jeden fall freuen.

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  • ksch sagt...

    Viel erfolg und Spass in Berlin. Vergiss nicht ab und an zu bloggen :)

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  • Kia sagt...

    Wünsche alles gute und viel Spaß! Und an die hinterbliebenen: es ist ja nicht für immer. Er kommt wieder. Hoffen wirs ;)

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  • [...] Text ist entnommen aus "EIN ABSCHIEDSBRIEF" und steht für so viele kleine und große Buchloes in unserer Welt. Filed under [...]

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3. September 2010
erbärmlich. aber unterhaltsam.
2. September 2010
Da musste ich sofort hieran denken :D http://www.youtube.com/watch?v =0simV8UWWzI
2. September 2010
@hannah: Hallo ich bin genauso liebenswert. Arschloch.
2. September 2010
verliebselt in ines <3

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