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Der letzte Tag in meinem alten Leben
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Der letzte Tag in meinem alten Leben
Von Marcel Winatschek
Veröffentlicht: Donnerstag, 16. August 2007

Nichts hatte ich die letzten Wochen – bewusst oder unbewusst – mehr verdrängt, als der Fakt, dass ich hier bald weg sein werde. Bis zum gestrigen Tag. Als ich die Augen öffnete, war es noch nicht einmal 8 Uhr und ich spürte plötzlich den Hauch der Zukunft in meinem Bewusstsein. “Wir alle wissen und glauben an dich. Vergiss uns nicht. Du bist und bleibst unser Bruder. Eniz.” Ich blickte fast traumatisch auf die Kartons auf dem Boden, in die ich mein Leben gestopft hatte.

Ana

Die Sonne blendete meine Augen, ich sah nur die Umrisse von Anas Lippen. Sie würde es wohl erst in ein paar Wochen richtig begreifen, dass ich wirklich gegangen bin. Sie hätte auf dem Nachhauseweg im Zug geweint. Sie hatte mir einen kleinen Patrick Star geschenkt, der auf Knopfdruck “Du bist doch mein allerbester Freund” sagt. Das ewige Plätschern des Sees war in meinen Ohren zu hören, als ich ihren klatschnassen Körper ein letztes Mal umarmte und ihr einen Kuss auf die Wange gab.

“Ich habe deinen Blog gelesen – und fast geheult. Deine Gedanken sind wunderschön. Lisa.” Es war bereits drei Uhr Nachts, als Becca und Eniz auf dem Boden vor mir saßen. Die Skip-Bo-Karten hatten wir schon zur Seite gelegt. Sie waren bis zur Abfahrt nach Berlin bei mir gewesen und die letzten Personen, die ich in Buchloe umarmt hatte. Ich stieg in das Auto und war zu müde, um Panik zu bekommen. “Hier regnet’s. Buchloe is’ traurig, dass du jetzt weg bist. Becca.”

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Über den Autoren

Marcel Winatschek lebt in Berlin und ist Chefredakteur bei AMY&PINK. Seine meist etwas abstruse Persönlichkeit setzt sich in gleichen Teilen aus Charakteren in TV-Serien, Sprüchen ehemaliger Sportlehrer und Traumfantasien mit japanischen Karate-Kämpferinnen zusammen, dessen Summe er in einer einmaligen Art und Weise als selbstständigen Menschen ausgibt. Alle Artikel von Marcel lesen oder eMail schicken.

4 Kommentare

  • Hoizge sagt...

    Abschied tut weh! Aber du kommst bestimmt zurück und besuchst sie :) und da ist die wiedersehnsfreude umso größer :)

  • René sagt...

    Oh man, sowas ist hart. Also ich habs zum Glück noch nie miterlebt, aber ich kanns mir vorstellen. Mir würde es sehr schwer fallen meine Freunde vom einen Tag auf den anderen so gut wie garnicht mehr zu sehen. Ich wünsche dir viel Glück. ;)

  • panschi sagt...

    denk daran, dass die leute ja nicht aus welt sind. und sicher kommt der ein oder andere dich mal besuchen! berlin bietet so viele möglichkeiten und chancen und ich finde deinen schritt mutig, aber genau richtig. rock die hauptstadt ;)

  • Ach diese Abschiede… Wie schnell die Zeit vergangen ist und nun bist du schon in Berlin! Die grosse Freiheit! Und deine Freunde werden die Gelegenheit sicher nutzen dich zu besuchen.:)

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